Torphichen Preceptory in West Lothian war das schottische Haupthaus der Johanniter, der Knights Hospitallers. David I. schenkte ihnen zwischen 1144 und 1153 das Land. Vierungsturm und Querarme der Kirche stehen noch, dazu seltene Wandmalerei, eine eingeritzte Bauzeichnung und Asylsteine rund um den Ort. 1563/64 wurde der letzte Präzeptor als Lord Torphichen belehnt.
Torphichen Preceptory ist ein ungewöhnlicher Ort: ein Ritterorden-Haus aus der Zeit der Kreuzzüge in einem Dorf in West Lothian. Die Johanniter, offiziell der Orden des Hospitals des heiligen Johannes von Jerusalem, hatten hier ihren schottischen Hauptsitz. Von der Anlage bleiben Vierungsturm und Querarme der Kirche, die Grundmauern des Chors und die Umrisse des Kreuzgangs. An der Stelle des Langhauses steht die Pfarrkirche des Dorfes, die sich dem Bau anschließt.
Die Seite erklärt, was die Hospitaliter in Schottland taten, wer ihre Präzeptoren waren, was die Architektur des 15. Jahrhunderts auszeichnet und warum die Asylsteine rund um das Dorf in Schottland einmalig sind. Für Burgen und Paläste des Umlands bietet sich Linlithgow Palace an.
| Lage | Torphichen, West Lothian, Ostende der Dorfkirche |
|---|---|
| Orden | Johanniter (Knights Hospitallers), schottisches Haupthaus |
| Landschenkung | David I., zwischen 1144 und 1153 |
| Älteste Bauteile | Vierungsturm und West-Vierungsbogen, um 1200 |
| Umbau der Querarme | 1430er, unter Präzeptor Sir Andrew Meldrum |
| Staatliche Obhut | seit 1927 (ohne die Pfarrkirche) |
Fragen, die wir beantworten
Was war der Orden der Johanniter in Schottland?
Der Orden entstand um 1099, nach dem Ersten Kreuzzug, aus der Bruderschaft des Hospitals des heiligen Johannes des Täufers neben der Grabeskirche in Jerusalem. Bruder Gerard de Saxo formte sie zum Orden des heiligen Johannes von Jerusalem, dem ersten militärischen Mönchsorden der Christenheit. Die Brüder lebten nach der Regel des heiligen Augustinus und trugen einen schwarzen Mantel mit weißem, achtspitzigem Kreuz.
Zuerst pflegten sie Arme und Kranke, später begleiteten sie bewaffnet die Pilger ins Heilige Land. Zwischen 1144 und 1153 schenkte König David I. dem Orden Land in „Torphigan“ für sein erstes Haus in Schottland. Ein Präzeptor führte die Gemeinschaft aus Rittern, bewaffneten dienenden Brüdern und Brüdern, die als Kapläne wirkten. Sie unterstanden dem Großmeister des Ordens. Malcolm IV. gab dem Orden zwischen 1153 und 1165 in jedem schottischen Royal Burgh ein Baugrundstück.
Nach dem Fall des Königreichs Jerusalem 1291 richtete der Orden 1307 sein neues Hauptquartier auf Rhodos ein. Wer Präzeptor von Torphichen werden wollte, musste dort mindestens drei Jahre verbracht haben; nur der Großmeister konnte das Amt verleihen. Um 1309 fielen nach der Aufhebung der Templer in Schottland die meisten Templerbesitzungen an die Hospitaliter, darunter Balantrodoch, das spätere Temple in Midlothian. Torphichen wird oft mit Templer- und Freimaurermythen in Verbindung gebracht, ein Missverständnis der mittelalterlichen Geschichte.

Welche Rolle spielte Torphichen in den Kriegen?
1298 hielt sich William Wallace, der Guardian of Scotland, in Torphichen auf, bevor er in die Schlacht von Falkirk zog. Die langen Kriege mit England trafen den Orden hart: 1338 waren Land und Besitz der Hospitaliter in Schottland zerstört, und der Orden geriet für einige Zeit in Verfall. Der Orden unterstand dem Priorat in Clerkenwell in London und nahm in den Unabhängigkeitskriegen eine englandfreundliche Haltung ein.
Torphichen blieb das Haus, von dem aus der Orden seine Güter in Schottland verwaltete und Rekruten für seinen Dienst warb. Wer das Umland kennenlernen will, kann den Weg mit einem Besuch in Linlithgow Palace verbinden, wo König Jakob III. residierte, als ihm Präzeptor William Knollis 1489 einen Falken schickte.
Wer waren die Präzeptoren von Torphichen?
1433 kehrte Sir Andrew de Meldrum von Rhodos zurück und wurde Präzeptor. Unter ihm wurden Vierung und Querarme neu gebaut; eine Inschrift im Gewölbe des Nordquerarms trägt seinen Namen. 1437 trug ein Hospitaliter das Herz König Jakobs I. ins Heilige Land, es wurde zurückgebracht und im Kartäuserkloster in Perth beigesetzt.
1466 wurde Sir William Knollis Präzeptor, obwohl er keine drei Jahre auf Rhodos verbracht hatte. Er stieg zum Schatzmeister und Haushofmeister Jakobs III. auf und führte den Titel „Lord of Saint Johns“. Als er 1510 starb, entbrannte ein Streit: Jakob IV. bezweifelte, dass der Prior des Ordens in England bei der Ernennung von Bruder George Dundas mitreden dürfe, und wollte seinen Geheimsekretär Patrick Paniter. Dundas trat das Amt erst 1518 förmlich an.
1522 eroberten die Türken Rhodos, und der Orden suchte eine neue Heimat. Bis 1530 hatte er sich auf Malta eingerichtet. 1532 folgte Walter Lindsay, der Neffe von Dundas, als Präzeptor; 1538 errichtete er seinem Onkel ein prächtiges Denkmal in der Kirche. 1540 wurde der Orden in England aufgelöst, 1542 führte Lindsay eine Abteilung des schottischen Aufgebots in der Schlacht von Solway Moss. Nach seinem Tod 1546 wurde Bruder James Sandilands, der damals auf Malta war, Präzeptor.

Die Entwicklung zeigt, wie sich das Amt wandelte: Aus dem Ritter-Mönch, der auf Rhodos gedient hatte, wurde ein königlicher Beamter und schließlich ein weltlicher Lord. Der Titel „Lord of Saint Johns“, den Knollis im späten 15. Jahrhundert führte, machte das schon deutlich.
Wie wurde aus dem Orden die Herrschaft Torphichen?
Mit der Reformation 1560 wurde der Orden in Schottland aufgehoben und das Haus von Torphichen mit. Der scheidende Präzeptor Sir James Sandilands handelte schnell. 1563/64 gab er den gesamten Besitz der schottischen Hospitaliter in die Hände der Krone zurück und erhielt ihn gegen eine Zahlung von 10.000 Kronen als erbliche Baronie mit dem Titel Lord Torphichen zurück.
Danach verlor die Kirche ihre Rolle. 1756 wurde das Langhaus abgetragen, an seiner Stelle entstand die neue Pfarrkirche, die an den Resten der Ordenskirche steht. Der Chor im Osten diente später als Begräbnisplatz; über seine ursprüngliche Gestalt ist wenig bekannt. 1927 gelangte die Anlage ohne die Pfarrkirche in staatliche Obhut.
Der Orden selbst lebte wieder auf. 1831 stellte Wilhelm IV. den Orden des heiligen Johannes in England wieder her. 1947 wurde er in Schottland bei einer Feier im Palace of Holyroodhouse neu begründet, zugleich fand in Torphichen ein Gottesdienst im Beisein des Großpriors, Prinz Henry, Duke of Gloucester, statt, und für diesen Anlass wurde der Glockenturm neu gedeckt. 1974 richtete der Orden in den Räumen über den Querarmen eine Dauerausstellung zu seiner Geschichte und zu Torphichen ein. Die St John Association in Schottland setzt die Tradition der Krankenpflege mit Erste-Hilfe-Diensten fort.
Was zeigt die Architektur von Vierung und Querarmen?
Die ältesten erhaltenen Teile sind der Vierungsturm und der niedrige westliche Vierungsbogen aus der Zeit um 1200. Der Turm hat in seiner Ost- und Westseite je ein winziges Lanzettenpaar unter einer Vesica. Der Bogen hat nach Westen drei Stufen, nach der Vierung hin eine. Das meiste übrige ist hochwertige kirchliche Architektur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts: ein eindrucksvoller Raum aus drei deutlich ausgeprägten, fast gleich großen Jochen mit vierteiligen Gewölben und Scheitelrippen über den neu gebauten Querarmen und einem zentralen Glockenloch zum Glockengeschoss darüber.
Zwei Besonderheiten machen das Haus bemerkenswert. Im Südquerarm haben sich unter dem Ostfenster und über dem Westbogen Reste einer Wandmalerei erhalten. Gemalte Ausstattung an ursprünglicher Stelle ist in schottischen Kirchen äußerst selten; weitere Beispiele sind das Kapitelhaus von Dryburgh Abbey und das Wandgrab in Inchcolm Abbey. Dazu kommt im Putz der Westwand des Südquerarms eine eingeritzte „Werkzeichnung“ eines Steinmetzen, mit der er das Rippengewölbe plante. Die einzige weitere Zeichnung dieser Art in ursprünglicher Lage liegt im Untergeschoss des Refektoriums von Dunfermline Abbey.
Über den Querarmen und der Vierung wurde Raum geschaffen, den man über eine Treppe vom Nordquerarm aus erreicht. Das Geschoss über dem Nordquerarm hatte einen einzigen Raum mit Fenstern nach Osten und Westen und Türen nach Norden und Süden, der Raum über dem Südquerarm besitzt einen Kamin. Im Geschoss über dem Glockenraum wurde im 16. Jahrhundert ein südliches Fenster zum Kamin umgebaut. Hier sind Bauteile aus dem Gelände ausgestellt, darunter ein Grabstein mit Schwert und einem achtspitzigen Kreuz, der unter dem Boden des Nordquerarms lag.
Außen wirkt Torphichen streng und wehrhaft. Der Wehrgang um den Vierungsturm unterstreicht den soldatischen Eindruck. Innen dagegen wirken die drei gleichen Joche mit ihren leichten Gewölben hell und hoch.
Was sind die Asylsteine rund um Torphichen?
Zum Besitz der Hospitaliter gehörte ein Asylbezirk, in dem Verfolgte Schutz fanden. Seine Grenze markierten Steine, die der Ordnance Survey als „refuge stones“ führt. Einer steht auf dem Kirchhof südlich der Pfarrkirche, die übrigen stehen im Umkreis von etwa einer Meile bei Easter Gormyre im Nordosten, Westfield im Süd-Südwesten und North Coulston im Südwesten. Der Stein im Kirchhof trägt Schälchen. Als einzelne Stücke sind die Steine bescheiden, zusammen aber sind sie in Schottland einzigartig. Eine vergleichbare Gruppe von Grenzsteinen gibt es in Großbritannien nur um die Kirche St John’s in Beverley in Yorkshire.
Von der Umfassungsmauer des Bezirks blieb ein Stück erhalten. Es vermittelt eine Vorstellung davon, wie groß das Gelände der Johanniter war, und weist darauf hin, dass außerhalb der staatlich betreuten Fläche noch Spuren liegen können. Die Ordensbauten reichten über die Nordgrenze der betreuten Fläche hinaus; der Kreuzgang lag im Norden der Kirche. Häuser der Hospitaliter umfassten außer den Wohnbauten einen großen Verwaltungsbau und ein Hospital für Nichtbrüder.
Wer waren die Johanniter?
Der Orden des Hospitals des heiligen Johannes von Jerusalem, um 1099 nach dem Ersten Kreuzzug entstanden. Die Brüder pflegten Arme und Kranke und begleiteten Pilger bewaffnet ins Heilige Land.
Wann kam der Orden nach Torphichen?
Zwischen 1144 und 1153 schenkte König David I. dem Orden das Land für sein erstes Haus in Schottland.
Was ist von Torphichen Preceptory erhalten?
Vierungsturm und Querarme, die Grundmauern des Chors, die Umrisse des Kreuzgangs und ein Stück der Umfassungsmauer. An der Stelle des Langhauses steht die Pfarrkirche von 1756.
Was sind die Asylsteine?
Grenzsteine des Asylbezirks der Johanniter, einer auf dem Kirchhof und weitere im Umkreis von etwa einer Meile. In Schottland sind sie einzigartig.
Was geschah 1563/64 mit dem Besitz des Ordens?
Der letzte Präzeptor, Sir James Sandilands, gab den Besitz an die Krone zurück und erhielt ihn für 10.000 Kronen als erbliche Baronie mit dem Titel Lord Torphichen.
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