Tomnaverie liegt im Howe of Cromar, 1,2 Kilometer südsüdöstlich von Tarland in Aberdeenshire, auf einem 180 Meter hohen Hügelrücken. Der Steinkreis mit liegendem Stein entstand um 2300 v. Chr. Die Ausgrabung von 1999 und 2000 unter Richard Bradley zeigte, dass erst der Steinhügel gebaut wurde und der Ring später kam, und veränderte damit das Bild aller dieser Anlagen.
Tomnaverie ist ein Steinkreis, der ein Lehrbuch der Archäologie umschrieben hat. Bis zur Ausgrabung hielt man Ringe dieser Art für Versammlungsplätze, in denen später ein Hügel angelegt wurde. Bradleys Grabung drehte die Reihenfolge um: Zuerst kam der Steinhügel, dann der Ring aus rötlichen Granitsteinen mit dem hellen, quarzreichen liegenden Stein.
Diese Seite erklärt, wie der Ring aufgebaut ist, welche Phasen die Grabung freilegte, wie der Steinbruch den Platz bedrohte, welche Deutungen es seit dem 18. Jahrhundert gab und wie der Ring wiederhergestellt wurde. Als Gegenstück empfiehlt sich East Aquhorthies bei Inverurie.
| Lage | Howe of Cromar, 1,2 km südsüdöstlich von Tarland, Aberdeenshire |
|---|---|
| Alter | Frühe Bronzezeit, um 2300 v. Chr. |
| Höhe | Hügelrücken auf 180 m über dem Meer |
| Ausgrabung | 1999 und 2000, Richard Bradley |
| Geschützt | seit 31. Mai 1927 |
| Staatliche Obhut | seit 23. September 1930 |
Fragen, die wir beantworten
- Wo liegt Tomnaverie, und was ist das Besondere?
- Aus welchem Gestein besteht der Ring?
- Was ergab die Ausgrabung von 1999 und 2000?
- Wie alt ist der Ring, und wie wurde das bestimmt?
- Was weiß man über die Bestattungsriten?
- Wie bedrohte ein Steinbruch den Ring?
- Wie wurde der Ring im Lauf der Zeit gedeutet?
- Welche Stätten liegen in der Nähe und im Vergleich?
Wo liegt Tomnaverie, und was ist das Besondere?
Tomnaverie liegt im Howe of Cromar, einer Senke in Aberdeenshire, rund 1,2 Kilometer südsüdöstlich des Dorfes Tarland. Der Ring steht auf der Kuppe eines markanten Hügelrückens, der bis 180 Meter über dem Meer ansteigt, und bietet eine weite Aussicht in alle Richtungen. Im Südwesten taucht über dem liegenden Stein der Gipfel des Lochnagar am Horizont auf.
Tomnaverie gehört zu den 74 bekannten Recumbent Stone Circles, einer Bauform der Frühen Bronzezeit, die es nur im Nordosten Schottlands gibt. Das Kennzeichen ist ein großer, waagerecht liegender Stein im südlichen Viertel, zwischen zwei hohen Flankern. Die Steine des Rings sind in der Höhe gestaffelt: von den beiden Flankern im Südwesten bis zum kleinsten Stein im Nordnordosten, und auch die Abstände schließen sich nach Nordosten.
Der Ring umschließt einen niedrigen vieleckigen Steinhügel, dessen Rand durch eine heute unterbrochene Reihe von Randsteinen gebildet wird. Um den Hügel liegt eine Plattform aus Schutt, in die die aufrechten Steine eingesetzt sind. Ungewöhnlich ist die Lage auf einer Hügelkuppe.

Aus welchem Gestein besteht der Ring?
Der liegende Stein, die Flanker, die aufrechten Steine und die Randsteine des Hügels bestehen aus Granit und Granodiorit. Der liegende Stein enthält viele Quarzkörner und ist dadurch heller. Die meisten aufrechten Steine sind rosa, und Randsteine und Plattform sind überwiegend rosa oder rot.
Der liegende Stein trägt zwei Schälchen, kleine eingepickte Mulden: eines auf der Oberseite und eines auf der Innenseite. Ein weiterer Stein im Südosten des Rings hat ein Schälchen, und auch zwei Randsteine des Hügels tragen welche. Auf einem Felsen nordöstlich des Rings, 21 Meter vom östlichen Stein, entdeckte die Landesaufnahme 1998 ein weiteres Schälchen. Bei der Grabung 1999 und 2000 fanden sich weitere Schälchensteine außerhalb des Rings.
Die Farben tragen eine Bedeutung. Das überwiegende Rot der Steine erinnert an die untergehende Sonne oder an die Flammen des Scheiterhaufens. Quarz steht für die Sonne. Die Kreisform zeichnet das Sonnenjahr nach und fügt dem Ganzen den Gedanken an den Kreislauf des Lebens hinzu.
Was ergab die Ausgrabung von 1999 und 2000?
Richard Bradley von der Universität Reading leitete die beiden Grabungssaisons. Zuvor hatte sein Team in den 1990er-Jahren in Balnuaran of Clava gegraben und festgestellt, dass die Clava-Gräber in die Frühe Bronzezeit gehören und nicht in die Jungsteinzeit. Danach kam Tomnaverie, und als Kontrolle folgten Cothiemuir Wood und Aikey Brae. Die Grabung legte nur wenige Schnitte an und ließ einen großen Teil der Schichten unberührt, damit spätere Generationen mit neuen Methoden weiterforschen können.
Der Ablauf, den die Grabung zeigte, besteht aus fünf Phasen.
- Ein niedriger Hügel in der offenen Mitte des Rings, die Reste von Scheiterhaufen, mit Radiokarbondaten aus der Späten Bronzezeit.
- Ein vieleckiger Steinhügel von 15 Metern Durchmesser mit offener Mitte, wo der Fels des Hügelrückens zutage tritt. Sein Rand besteht aus sorgfältig ausgewählten Platten und Blöcken. Eine Plattform aus Schutt hält die Randsteine in Position. In einer Grube mit Holzkohle unter dem späteren Platz des liegenden Steins fanden sich Daten der Frühen Bronzezeit; am Rand des Hügels lagen Scherben eines Bechers, des Beaker, unter der Plattform.
- Der Steinkreis aus 13 Steinen, in der Höhe von den Flankern bis zum kleinsten Stein gestaffelt. Die Steine wurden durch die Plattform gesetzt, und der Rand des Hügels wurde umgestaltet, damit er an die Flanker anschließt.
- Eine Grube in der Mitte mit Scherben der Späten Bronzezeit und Holzkohle mit Daten um 1000 v. Chr.
- Eine flache Grube mit Holzkohle aus dem 16. oder 17. Jahrhundert n. Chr.
Entscheidend ist die Reihenfolge der ersten Bauphasen: Der Steinhügel und seine Plattform kamen zuerst, der Ring später. Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, die Ringe seien Umfriedungen gewesen, in denen Zeremonien stattfanden. Zugleich zeigten Einzelheiten der Bauweise, dass die endgültige Gestalt von Anfang an geplant war. Wie viel Zeit zwischen den Phasen verging, ist nicht bekannt.

Wie alt ist der Ring, und wie wurde das bestimmt?
Holzkohle aus der Grube unter dem liegenden Stein ergab zunächst fünf Radiokarbondaten um 2500 bis 2450 v. Chr. Eine spätere statistische Auswertung rückte das Ergebnis auf etwa 2300 bis 2200 v. Chr. Diese Spanne passt besser zum Gebrauch von Bechern in der Region. Der Becher, die einzigen datierbaren Funde, lagen auf der alten Oberfläche unter der Plattform.
Rund tausend Jahre nach dem Bau gab es erneut Aktivität: Verbranntes Material mit Leichenbrand in der Mitte des Rings stammt von etwa 1000 v. Chr. Auch die Scherben der Späten Bronzezeit in der Mittelgrube und in einer weiteren Grube am Südrand gehören in diese Zeit. Die Grube mit Holzkohle des 16. oder 17. Jahrhunderts schnitt durch diese älteren Schichten; Knochen und Scherben darin stammen aus dem Gestörten.
Die Ergebnisse stellen Tomnaverie in einen größeren Zusammenhang: Sie verbinden den Ring fester als zuvor mit anderen Entwicklungen zu Beginn der Frühen Bronzezeit in Nordostschottland und auf den Britischen Inseln. Mit den Clava-Gräbern bei Inverness teilt der Ring viele Merkmale: einen zentralen Hügel und einen Ring aus gestaffelten Steinen.
Was weiß man über die Bestattungsriten?
Die Riten drehten sich um die Verbrennung auf einem Scheiterhaufen. Als Brennstoff dienten Hasel, Erle, Kiefer und Eiche. Die Knochenreste sind verwittert und abgerieben, doch sie stammen von Kindern und Erwachsenen, dazu kommen einige Tierknochen. Alle Fragmente sind weiß. Die Temperatur der Feuer erreichte mindestens rund 645 Grad und mehrfach mehr als 940 Grad. Die Funde zeigen, dass an dieser Stelle mehrmals Scheiterhaufen brannten.
Wie viel von der Asche in das Bauwerk gelangte, ist unbekannt. Wer auf diese Weise bestattet wurde, in der Frühen und in der Späten Bronzezeit, ist nicht überliefert. Eine Besonderheit ist auch, dass die Holzkohle aus dem Zentrum Daten der Späten Bronzezeit lieferte, obwohl man Daten der Frühen Bronzezeit erwartet hatte.
Das Denkmal wurde mit Blick auf Besucher gebaut: als Ort der Erinnerung für die Toten.

Wie bedrohte ein Steinbruch den Ring?
Im 19. Jahrhundert wurde nordwestlich des Rings, ganz nahe an der Recumbent Setting, ein Steinbruch angelegt. Frederick Coles stellte zu Beginn des 20. Jahrhunderts fest, dass der Abbau gefährlich nahe an den Westrand des Rings herangerückt war und ihn zu unterhöhlen drohte. Alexander Keiller beschwerte sich über die Bedrohung durch den Steinbruch. 1927 wurde das Denkmal unter Schutz gestellt.
Am 23. September 1930 kam der Ring in staatliche Obhut, nach einer Vereinbarung zwischen dem Gemeinderat, dem Grundherrn Lord Aberdeen und weiteren Beteiligten. Der Ginster wurde entfernt und der Boden mit Gras eingesät. Vor der Grabung 1999 war der Zustand schlecht: Nur fünf aufrechte Steine standen noch, ein sechster lag dort, wo er gefallen war, ein siebter ruhte auf dem Boden des Steinbruchs, rund sieben Meter tiefer, drei fehlten. Der östliche Flanker war nach vorn gestürzt, der westliche zum Steinbruch hin gezerrt, und der liegende Stein war nach hinten gefallen oder in den Ring gestoßen worden.
Nach der Grabung wurde der Ring wiederhergestellt, indem man die gestürzten Steine wieder in ihre Sockel setzte, und die Fläche begrünt. Der Steinbruch wurde über die Jahre weitgehend verfüllt, um das Denkmal zu stabilisieren. Da mehrere Steine neu aufgerichtet wurden, ist der Ring kein unberührtes Denkmal. Er vermittelt aber einen besseren Eindruck von der Gestaltung als der verfallene Zustand zuvor.
Wie wurde der Ring im Lauf der Zeit gedeutet?
Im späten 18. Jahrhundert wurde Tomnaverie als Druidentempel beschrieben. Mitte des 19. Jahrhunderts besuchten es Altertumsforscher und dokumentierten seine Merkmale. Ende der 1860er-Jahre erkannte man einen Zusammenhang mit Feuerbestattung und Scheiterhaufen. Der Ordnance Survey kartierte den Ring in den 1860er-Jahren. Alexander Ogston nahm 1911 die ersten astronomischen Messungen vor, Alexander Keiller skizzierte 1923 die einzelnen Steine, und Alexander Thom zeichnete 1955 einen neuen Plan.
In den 1970er-Jahren brachte Aubrey Burl die Ausrichtung des liegenden Steins mit dem hoch am südlichen Himmel stehenden Mond in Verbindung. Clive Ruggles prüfte seine Ergebnisse. Die Rechnung hatte Mängel, doch eine Verbindung zum Mond blieb bei strengeren Beobachtungen bestehen. Adam Welfare lehnte 2011 den Mondbezug ab und bevorzugte eine Verbindung zur Sonne. Er sah die Ringe als Orte früherer Scheiterhaufen und betonte die Symbolik der Architektur.
Heute liest man die Anlage als Gedenkort mit starker Bildsprache. Sie greift Züge der Grabbauten der Jungsteinzeit (4300 bis 2500 v. Chr.) auf. Die Ausrichtung nach Westen, die am weitesten westliche unter den gut erhaltenen Anlagen, verbindet den Ring mit der Wintersonnenwende, die als Sinnbild des Todes verstanden wird. Die Namensdeutungen gehen weit auseinander: Sie reichen von Hügel der Verehrung über Grab des Riesen bis Hügel der Feen.
Neben dem Ring liegt ein unterirdischer Beobachtungsposten des Royal Observer Corps aus dem Kalten Krieg, der bis 1991 in Betrieb war. Er ist ein eigenes Denkmal und ein Erinnerungsstück an die Ängste dieser Zeit.
Welche Stätten liegen in der Nähe und im Vergleich?
Ein großes Gegenstück ist East Aquhorthies bei Inverurie, ein Ring, der noch alle seine Steine aufrecht trägt. Dazu kommt Loanhead of Daviot, ebenfalls in Aberdeenshire. Die Clava Cairns bei Inverness sind die engsten Verwandten, und die jungsteinzeitliche Welt Orkneys zeigt Maeshowe.
Die Ruine Kildrummy Castle und Balmoral Castle liegen in der Nähe, im Osten und Süden der Cairngorms. Weitere Ziele finden Sie bei Aberdeenshire.
Wie alt ist Tomnaverie?
Der Ring entstand um 2300 v. Chr., in der Frühen Bronzezeit. Die Daten wurden statistisch aus Holzkohle unter dem liegenden Stein gewonnen.
Was ergab die Ausgrabung von Richard Bradley?
Zuerst entstand der Steinhügel mit seiner Plattform, danach der Ring. Das widerlegte die Vorstellung vom Ring als Umfriedung, in der der Hügel erst später angelegt wurde.
Warum steht ein Steinbruch neben dem Ring?
Im 19. Jahrhundert wurde dort Stein abgebaut. Der Abbau rückte so nahe, dass er den Ring bedrohte. Der Steinbruch wurde später weitgehend verfüllt.
Was bedeutet der liegende Stein?
Er bildet zusammen mit den Flankern einen verschlossenen Eingang, der an Grabbauten der Jungsteinzeit erinnert. Seine hellen Quarzkörner stehen für die Sonne.
Seit wann ist Tomnaverie geschützt?
Seit dem 31. Mai 1927 als Denkmal eingetragen und seit dem 23. September 1930 in staatlicher Obhut.
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Von Aberdeenshire nach Orkney und auf die Hebriden: unsere Übersicht der historischen Stätten.
Passend dazu: Loanhead of Daviot.
