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Tolquhon Castle bei Tarves: Wohnschloss der Forbes mit Torburg und Galerie

Tolquhon Castle bei Tarves: Wohnschloss der Forbes mit Torburg und Galerie

Tolquhon Castle liegt bei Tarves in Aberdeenshire und besteht aus einem Turmhaus des frühen 15. Jahrhunderts und einem Herrenhaus, das Sir William Forbes zwischen 1584 und 1589 um einen Hof herum errichten ließ. Die kleine Torburg mit zwei Rundtürmen ist weniger Verteidigung als Schaufassade. Das Gesamtbild zeigt den Wandel vom Wehrturm zum Wohnschloss.

Tolquhon Castle hat nichts von der Härte vieler Burgen im Nordosten. Wer von Norden durch das Vorfeld kommt, sieht zuerst Mauern, Nebengebäude und einen Taubenturm, dann eine schmale Torburg mit zwei verzierten Rundtürmchen. Erst dahinter öffnet sich der Hof, auf den das vornehme Haus des Lairds blickt. Das Gelände liegt mitten in Feldern bei dem Dorf Tarves, weitab der großen Straßen.

Diese Seite erklärt, wie aus einem Turmhaus der Familie Forbes ein Wohnschloss wurde, wer es baute, was die Inschrift über dem Tor festhält und warum das Haus um 1718 seine Familie verlor. Dazu kommen die Wohnräume mit Galerie und Küche, die Gartenanlage vor der Burg und die Frage, womit sich Tolquhon von Nachbarburgen wie Edzell Castle unterscheidet.

Lagebei Tarves, Aberdeenshire
Ältester TeilPreston’s Tower, Turmhaus des frühen 15. Jahrhunderts
Hauptbau„New Wark“, errichtet 1584 bis 1589 von Sir William Forbes
Grundrissvierflügelige Anlage um einen Hof
BaumeisterThomas Leiper, Monogramm T.L. am Treppenturm
BesonderheitTorburg mit zwei Rundtürmen, Galerie, Vorhof und Lustgarten

Wer waren die Forbes von Tolquhon?

Tolquhon gehörte zum alten Thanage von Formatine, einer Herrschaft, die in den Quellen früh auftaucht und zwei Hauptsitze hatte. Einer lag in Fyvie, der andere hier. Als Sir Henry Preston, der Lord of Formatine, starb, wurde die Herrschaft geteilt. 1420 kamen die Ländereien von Tolquhon an Sir John Forbes, den Ehemann von Marjorie Preston. Die Familie Forbes hielt Tolquhon danach knapp drei Jahrhunderte.

Sir John Forbes baute den ersten Turm. Eine Wappentafel mit seinen Zeichen wurde im Schutt des Turms gefunden. Der Turm heißt bis heute Preston’s Tower, nach der Familie seiner Frau. Urkundlich fassbar wird der Sitz erst 1536: Ein Dokument beschreibt dort „tower and fortalice“, eine feste Formel für ein Turmhaus samt zugehörigen Wirtschaftsbauten.

Der entscheidende Name ist William Forbes, der siebte Laird. Er war ein Adliger mit regionalem Gewicht, aber kein Hochadel. Dafür war er gebildet. Er besaß eine bemerkenswerte Bibliothek, stiftete ein Hospital in Tarves und ließ in der dortigen Kirche ein prächtiges Grabmal für sich und seine Frau Elizabeth Gordon errichten. Als Bauherr ging er weiter als die meisten Standesgenossen: Er ersetzte den größten Teil der alten Anlage durch ein Wohnschloss, das seine Abstammung und seinen Rang zeigen sollte.

Als das Haus 1589 fertig war, wurde ein Inventar angelegt. Es verzeichnet Säle, Galerien, Kammern, eine Garderobe, Küchen, Ställe, Keller, Speisekammern, Bibliotheken und andere Wirtschaftsräume. Es führt außerdem Silber, Bücher, Betten, Wandteppiche und Geschütze auf. Vier Bronzekanonen ließ William 1588 gießen. Sie waren Schmuck und Prestige, kein ernst gemeinter Beitrag zur Verteidigung.

Wie entstand das Wohnschloss zwischen 1584 und 1589?

Die Bauzeit steht auf einer Steintafel am Eingang. Sie hält als Beginn den 15. April 1584 und als Abschluss den 20. Oktober 1589 fest und schreibt alles außer dem alten Turm William Forbes zu. Der Neubau wurde als Einheit geplant, aber in Abschnitten errichtet. Zuerst entstand der Südflügel mit den Hauptwohnräumen, danach folgte die Torburg, die über dem Eingang mit einem Wappen datiert ist. Die seitlichen Flügel kamen zuletzt.

Der Baumeister war Thomas Leiper. Sein Monogramm T.L. ist am Dach des Treppenturms eingemeißelt. 1600 verzeichnet eine Übereinkunft zwischen William Forbes, dem achten Laird, und dem Presbyterium von Ellon, dass weitere Arbeiten geplant waren. Als Maurer ist dort Thomas Leper genannt. In der Nachbarschaft, im Haus von Schivas, ebenfalls in der Pfarrei Tarves, finden sich dieselben Schießscharten wie in Tolquhon. Der Grundriss des Turmhauses von Schivas ist eine leicht verkleinerte Fassung des Südflügels. Auch dort war Thomas Leiper der Meister.

Die Idee einer vierflügeligen Anlage um einen Hof kennt man in dieser Gegend von mehreren Häusern. Pitsligo Castle, das ein anderer Zweig der Forbes baute, wuchs ebenfalls um einen älteren Turm zu einem Viereck. Boyne Castle bei Portsoy hat ein ähnliches Torhaus, wurde aber von Anfang an als Viereck gebaut und wirkt daher geschlossener. Vergleiche mit Dunnottar und Edzell liegen auf der Hand. Tolquhon zeichnet sich durch einen Plan aus, der nicht Stück für Stück gewachsen ist, sondern durchdacht wirkt.

Der Hof von Tolquhon Castle mit hohen Mauern aus grauem Stein und leeren Fensteröffnungen

Was erzählt die Torburg mit den zwei Rundtürmen?

Den Kern des Hauses erreicht man durch einen Bogen in der Nordmauer. Zu beiden Seiten stehen kleine Rundtürme, dicht mit Schmuck besetzt: vergitterte Fenster, Gesimse, Figuren und zierliche Schießscharten. Kegeldächer haben sie einst gekrönt. Das Tor ist eine Aussage. Die Türme zitieren das Bild großer mittelalterlicher Torburgen wie in Kildrummy oder Caerlaverock, ohne eine Belagerung aushalten zu müssen. Sie laden den Besucher ein, statt ihn abzuweisen, und zeigen Herkunft, Bildung und Reichtum des Besitzers.

Über dem Eingang sitzen zwei Wappenplatten. Unten steht das Wappen von William Forbes, darüber das von König Jakob VI. Damit stellte der Bauherr sein Haus unter den Schutz der Krone. Der Gedanke, der die ganze Anlage prägt, gilt auch hier: Der Weg zum Laird führt durch mehrere Schwellen. Ein Vorhof, der Torbogen und der Hof müssen durchschritten werden, bevor man die Wohnräume erreicht.

Östlich der Torburg steht der ältere Preston’s Tower sichtbar an der Schauseite. Ihm gegenüber, am anderen Ende der Front, springt ein Rundturm vor. Ein vergleichbares Zusammenspiel gibt es in Edzell. Der Gedanke dahinter ist derselbe: Wer ein altes Turmhaus mitten in die neue Fassade stellt, zeigt, wie lange seine Familie den Ort schon besitzt.

Wie wohnte man im Südflügel und in der Galerie?

Der Hauptwohnbau liegt an der Südseite des Hofs. Das Erdgeschoss ist gewölbt und enthält eine große Küche und drei Keller, die ein Gang verbindet. Eine breite Treppe, die „scale-and-platt“, führt zu den Obergeschossen und zur Galerie über dem Westflügel. Im ersten Stock lag der Saal mit einem Boden aus sechseckigen Sandsteinplatten, den spätere Arbeiten stark ergänzt haben. Dahinter folgten die private Kammer des Lairds und ein kleines Nebengemach. Schriftquellen belegen bemalte Decken mit Bibelsprüchen. Das Stockwerk darüber wiederholte die Raumfolge, als zweite Wohnung für die Dame des Hauses.

Aus der Mitte der Südfassade springt ein runder Treppenturm vor. Oben ist er zu einem Giebelhaus mit Stufengiebel ausgekragt. Über dem Treppenabsatz liegen zwei Geschosse mit Kammern, die eine kleine Treppe erschließt. Die Raumaufteilung entspricht dem, was man von einem hochwertigen Turmhaus der Zeit erwartet. Ein Vergleich mit dem Haus von Schivas bestätigt das.

Im Westflügel lag im Erdgeschoss eine Brauerei, im ersten Stock eine Galerie. Ein solcher langer Raum zum Spazieren, Plaudern und Empfangen war in Schottland damals noch jung. Die Galerie ist durchdacht angelegt: Sie wird von der breiten Treppe erreicht, setzt sich über der Torburg fort und führt zu Kammern im Rundturm. Im Osten reihten sich Wirtschaftsräume, ein quadratischer Turm sprang an der Südostecke vor, ein runder an der gegenüberliegenden Ecke. Dazu kommt ein verborgener Raum, in dem Sir William Wertsachen sicher verwahrte.

Die Südseite von Tolquhon Castle mit dem runden Treppenturm und den Fenstern des Herrenhauses

Was gehörte zum Vorhof, zu den Gärten und zum Taubenturm?

Vor der Burg liegt ein Vorhof, in dem die äußeren Wirtschaftsgebäude standen. Dazu gehörten die Ställe, die als Haus des Verwalters erhalten sind, und ein Taubenturm. Die Mauer um den Vorhof hat Nischen für Bienenkörbe, die sogenannten bee-boles. In ihnen standen die Strohkörbe der Imker. Wer hier steht, erkennt, wie viel Wirtschaft ein großes Haus in dieser Zeit benötigte, vom Honig über Eier und Tauben bis zum Bier.

Im Nordwesten schließt ein ausgedehnter Lustgarten an, die Pleasance. Archäologische Untersuchungen haben dort Spuren mehrerer Gestaltungsphasen gefunden, wenn auch schwache. Die formalen Gärten reichten zunächst nur bis in die unmittelbare Umgebung der Burg und waren auf das Gebäude ausgerichtet. Später wurde das Haus in eine größere Anlage mit Alleen und Blickachsen eingebettet, deren westlicher Teil noch erkennbar ist. Die Gartenreste sind einer der Gründe, warum Tolquhon als Gesamtbild eines Landsitzes so aufschlussreich ist: Vorhof, Garten und Umland sind erhalten, während sie bei anderen Burgen längst verschwunden sind.

Die ländliche Umgebung gehört zum Eindruck. Das Haus steht in den Resten seiner Parklandschaft inmitten unberührten Ackerlands. Der Weg vom Vorhof bis zur Torburg wirkt gerade deshalb überraschend, weil die Burg lange verborgen bleibt.

Warum verlor die Familie Forbes ihr Schloss?

Der Aufwand des Hauses überlebte die Familie nicht. Die Forbes hatten in das schottische Kolonialprojekt von Darien investiert, das in den 1690er-Jahren scheiterte und viele Anleger große Summen kostete. 1716 wurde der Besitz verkauft, um die Geldnot der Familie zu lindern.

William Forbes, der elfte Laird, wollte das Schloss nicht verlassen. Truppen verwundeten ihn und setzten ihn am 5. September 1718 aus dem Haus. Käufer war der Earl of Aberdeen. Das Haus blieb danach bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bewohnt, als Bauernhof und Unterkunft für Landarbeiter. Danach verfiel es.

Als die Anlage in staatliche Obhut kam, räumte man vor allem im Preston’s Tower Schutt weg. Der archäologische Wert des Ortes ist hoch, denn unter dem Boden liegen Reste früherer Bauphasen. Über die Zeit vor der Teilung von Formatine ist wenig bekannt, und die Burg des 15. Jahrhunderts muss weit mehr umfasst haben als nur den Turm.

Der Vorhof von Tolquhon Castle mit Wiesen und alten Bäumen vor der grauen Torburg

Warum ist Tolquhon ein so wichtiges Beispiel?

Tolquhon ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes spätmittelalterliches Herrenhaus mit Befestigungscharakter, das als Einheit gebaut wurde und einen älteren Bau einschließt. Der Kontrast zwischen Turmhaus und Neubau zeigt den schrittweisen Weg von der Wehrburg zum Palast, der nach außen dennoch militärisch wirken sollte. Sir William wollte diesen Gegensatz erreichen, um die Herkunft der Forbes mit dem Land von Tolquhon zu verbinden.

Die Qualitäten des Hauses, die Raumfolge im Hauptbau, die Galerie, der Hof, sind in vielen großen Turmhäusern und befestigten Herrenhäusern in Aberdeenshire und Angus zu finden. In Tolquhon aber hat der Plan eine Geschlossenheit, die man anderswo selten sieht, wo das Haus Stück für Stück wuchs. Hinzu kommt die Persönlichkeit des Bauherrn: Die vier Kanonen, die Bibliothek und die Bildung belegen einen gebildeten Landadligen.

Wer weitere Burgen im Nordosten kennenlernen möchte, findet im Umkreis eine dichte Auswahl, von der Ruine Huntly Castle der Gordons über Kildrummy bis zur Garnison Corgarff. Die Region ist auf unserer Seite zu Aberdeenshire beschrieben.

Wann wurde Tolquhon Castle gebaut?

Das Turmhaus Preston’s Tower stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Das Herrenhaus entstand zwischen 1584 und 1589 unter Sir William Forbes.

Wer war der Baumeister?

Thomas Leiper. Sein Monogramm T.L. ist am Dach des Treppenturms zu sehen.

Was ist Preston’s Tower?

Es ist das älteste erhaltene Gebäude der Anlage, ein einfaches Turmhaus aus dem 15. Jahrhundert, das nach der Familie der Frau von Sir John Forbes benannt ist.

Warum verließen die Forbes das Schloss?

Die Familie verlor durch das gescheiterte Darien-Projekt Geld und verkaufte 1716 den Besitz. William Forbes wurde am 5. September 1718 aus dem Haus gedrängt. Der Earl of Aberdeen erwarb den Besitz.

Was sind Bee-boles?

Nischen in der Vorhofmauer, in denen Bienenkörbe aus Stroh standen.

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