Sweetheart Abbey in New Abbey bei Dumfries gründete Lady Dervorgilla von Galloway 1273 zum Gedenken an ihren Mann John Balliol. Sie wurde 1289 mit seinem einbalsamierten Herzen vor dem Hochaltar bestattet. Die rote Sandsteinruine ist das letzte Zisterzienserkloster Schottlands und besitzt die zweitbeste erhaltene Klostermauer des Landes. Der Eintritt ist kostenpflichtig, die Anlage nur saisonal geöffnet.
Sweetheart Abbey gilt als eine der schönsten Klosterruinen Schottlands. Die roten Mauern und der hohe Vierungsturm erheben sich über dem Dorf New Abbey, dessen weiß verputzte Häuser sich in ihren Schatten drängen. Berühmt ist die Abtei wegen ihrer Gründungsgeschichte: einer Witwe, die das Herz ihres Mannes bis zum Tod bei sich trug.
Dieser Ratgeber erklärt Dervorgilla und John Balliol, die Entstehung des Klosters, die Gotik der Kirche, die Klostermauer, Reformation und Rettung 1779 sowie den Besuch. Die Burg Caerlaverock Castle liegt vier Meilen entfernt; einen Überblick gibt die Seite zu Südschottland.
| Lage | New Abbey, Dumfries, DG2 8BU, nahe der A710 |
|---|---|
| Gegründet | 1273 durch Dervorgilla von Galloway als Tochterhaus von Dundrennan |
| Besonderheit | letztes Zisterzienserkloster Schottlands; Herz von John Balliol im Grab der Gründerin |
| Erhalten | der Großteil der Abteikirche, Fundamente der Klostergebäude, Klostermauer (30 Acres) |
| Staatliche Obhut | seit 1927 |
| Eintritt | kostenpflichtig, nur im Sommerhalbjahr geöffnet; Preise und Tage stehen bei Historic Environment Scotland |
Fragen, die wir beantworten
Wer war Dervorgilla von Galloway?
Dervorgilla war die Tochter von Alan, Lord of Galloway. Sie heiratete 1233 John de Balliol, den Herrn von Barnard Castle in der Grafschaft Durham. Das Paar erwarb ein reiches Erbe an Land in Schottland, England und der Picardie in Frankreich. Als Alan 1234 starb und in Dundrennan begraben wurde, erbte Dervorgilla Ostgalloway mit Buittle Castle als Mittelpunkt. Ihr jüngster Sohn John, der spätere König der Schotten, wurde wohl 1249 geboren.
John de Balliol unterstützte seit 1263 arme Studenten in Oxford. Nach seinem Tod 1268 ließ Dervorgilla sein Herz einbalsamieren und in einem Elfenbeinkästchen aufbewahren. Wo sein Körper liegt, ist unbekannt. Im Jahr 1282 bestätigte sie die Förderung der Oxforder Studenten, formulierte die Statuten und gab dem Haus sein erstes Siegel; aus der Stiftung wurde das Balliol College. Zudem gründete sie in den 1260er-Jahren ein Dominikanerkloster in Wigtown und wohl auch ein Franziskanerkloster in Dumfries. Bei einem dritten Franziskanerkloster in Dundee ist die Gründung zweifelhaft.
Dervorgilla starb 1289 auf einem ihrer englischen Güter in Kempston in Bedfordshire. Man begrub sie vor dem Hochaltar der Abtei mit dem Herzen ihres Mannes auf der Brust. Daher stammt der Name: „Dulce Cor“, süßes Herz. Die Verbindung zu Balliol College besteht bis heute: 1966 setzte man zum 700. Jahrestag der Gründung des Colleges eine neue Grabplatte im Presbyterium, und 1990 wurde in der Kapelle des Colleges zum 700. Todestag eine Totenmesse gelesen.
Wie entstand das Kloster und wie lebten die Mönche?
Im Jahr 1273 stiftete Dervorgilla in einer Urkunde die Abtei „zu Ehren Gottes und der seligen Jungfrau Maria“ an die Mönche des Zisterzienserklosters Dundrennan. Von dort kamen die ersten Mönche, erster Abt war John. Zu den Einkünften zählten die Pfarrländereien von Lochkinderloch, dem heutigen New Abbey, und Kirkpatrick Durham. Waren wurden über Bogue Quay an der Mündung des New Abbey Pow in den Nith ein- und ausgeführt. Die Zisterzienser waren 1136 in Melrose nach Schottland gekommen. In Galloway folgten um 1142 Dundrennan und 1191 oder 1192 Glenluce; Sweetheart ist der letzte Neubau des Ordens im Land. Mehr über das erste Haus des Ordens steht auf der Seite zu Melrose Abbey.
Als Dervorgilla 1289 starb, waren Presbyterium, Vierung, Querhäuser und der größere Teil des Langhauses wohl fertig. Das Kloster blieb arm: 1299 verlangte der Abt von Edward I. 5.000 Pfund Entschädigung für Schäden an Klosterbesitz, 1308 klagten die Mönche über niedergebrannte Gutshöfe, und 1331 sprach der Bischof von Galloway von der „bekannten Armut“ des Klosters. Der Abt hatte 1296 in Berwick dem englischen König den Treueid geschworen, nachdem Edward I. John Balliol abgesetzt hatte. Nach der Eroberung von Caerlaverock 1300 übernachtete Edward I. in der Abtei. Einer Legende zufolge ließen die Schotten 1301 das Bild des heiligen Ninian von Whithorn nach Sweetheart bringen, doch der Heilige kehrte in der Nacht wundersam zurück.
Im späten 14. Jahrhundert zahlte Archibald der Grimmige, dritter Earl of Douglas und Lord of Galloway, den Wiederaufbau. Er hieß „Gründer und Reformer“ der Abtei. Ein Blitzschlag beschädigte 1397 die Kirche. Um 1500 baute man den südlichen Klosterflügel zu vier gewölbten Kellern mit einem Refektorium darüber um; das spiegelt die Verkleinerung des Konvents nach Abschaffung der Laienbrüder. Äbte und Konvent verpachteten nun auch Land an weltliche Herren, darunter die Maxwells von Caerlaverock. 1557 unterschrieben der Abt und 15 Mönche eine Urkunde, wohl der Rest des Konvents.
Was zeichnet die gotische Abteikirche aus?
Die Kirche steht größtenteils noch. Sie zeigt späte gotische Architektur des 13. Jahrhunderts mit einem reichen Maßwerk, das zu den frühesten in Schottland gehört. Maßwerk kam in den 1240er-Jahren aus Frankreich nach England und wurde in Schottland erst ab den 1270er-Jahren aufgenommen, etwa in Dunblane, Elgin und Glasgow sowie im Priorat Pluscarden. Mehr über Elgin steht auf der Seite zur Elgin Cathedral.
Die Kirche folgt dem „bernhardinischen“ Zisterzienserplan, obwohl er in Europa um 1300 schon kaum noch gebaut wurde: ein kurzer, rechteckiger Chor von drei Jochen ohne Seitenschiffe, Querhäuser mit je zwei Kapellen im Osten, eine Vierung mit gedrungenem Turm und ein Langhaus mit Seitenschiffen. Obwohl der Orden Strenge verlangte, wurde das Presbyterium reich ausgestattet, weil dort Dervorgilla ruhen sollte, mit Sitznischen und Doppelpiszinen. Die Pfeiler der Arkaden sind Bündelpfeiler.
Im Langhaus lässt sich ablesen, dass der Bau unterbrochen wurde: Die zwei östlichen Joche und die Arkaden entstanden schnell, die oberen Teile der vier westlichen Joche später. Die Obergadenfenster außen wechseln von Dreiergruppen zu fünf Öffnungen in einem Halbkreisbogen. Das Portal der Westfront mit Tropfleiste und die Rose im großen Westfenster stammen eher aus dem späten 14. Jahrhundert. Das große Westfenster wurde später weitgehend zugemauert. Die späteren Teile sind weniger vollendet als die ersten. Viele Brandspuren am Mauerwerk zeigen, dass ein Brand große Schäden anrichtete.
Das schönste Denkmal ist das Grabmal für Dervorgilla im südlichen Querhaus; es enthält Bruchstücke eines Vorgängers aus dem 16. Jahrhundert und eine weibliche Figur, die ein herzförmiges Kästchen hält und 1929 im Presbyterium entdeckt wurde. Im Jahr 1930 fand man im Presbyterium eine Bleitrommel, in der 1931 Spuren von Haar und Blut festgestellt wurden. Sie gilt als mögliche Herzbestattung John Balliols. Im südlichen Querhaus liegt zudem die Grabplatte eines Abtes aus dem 13. Jahrhundert, im Nordquerhaus eine zerbrochene Platte mit Schwert und Schild.
Warum ist die Klostermauer so besonders?
Die Klostermauer ist eines der wichtigsten Erbstücke. Sie umschließt auf 12 Hektar, also 30 Acres, im Norden, Westen und Osten das Klostergelände; im Süden bildet ein wassergefüllter Graben die Grenze. Sie ist die am zweitbesten erhaltene Klostermauer Schottlands nach der von St Andrews Cathedral Priory, stellenweise bis zu 4 Meter hoch und aus Granitfindlingen gebaut, die wohl bei der Gründung vom Gelände geräumt wurden. Mindestens zwei Tore sind erkennbar; das besser erhaltene liegt in der Mitte der Westmauer hinter dem Port House.
Von den Klostergebäuden stehen sonst nur noch die Fundamente. Bei den Grabungen ab 1927 wurden die unteren Mauern der Klostergebäude freigelegt. Die westlich gelegene Kornmühle am New Abbey Pow wurde nach der Reformation verkauft; an ihrer Stelle steht heute der New Abbey Corn Mill. In der Nähe steht auch Abbot’s Tower, der Alterssitz von Abt John Broun.
Wie überstand die Abtei die Reformation und die Steinbrecher?
Die Reformation beendete 1560 formal das Klosterleben. Lord Maxwell weigerte sich jedoch, die Abtei abzureißen, wie die Lords der Kongregation es verlangten; er war dort „zum großen Teil in seiner Jugend aufgewachsen“. Nach 1565 trat Abt John Broun zurück, sein Verwandter Gilbert Broun folgte als Kommendatar und blieb dem katholischen Glauben treu. Er las weiter Messen in der Kirche; noch 1579 stand in New Abbey ein Hochaltar. Mehrfach musste er nach Frankreich fliehen, und 1609 fand man in seiner Kammer päpstliche Bücher, Chormäntel und Kelche; er starb 1612 in Frankreich.
Im Jahr 1624 wurde der Klosterbesitz zur weltlichen Herrschaft. Die Pfarrkirche von Lochkindar, früher auf einer Insel im Loch Kindar, stand nun im Refektorium; 1731 baute man eine neue im Nordflügel des Kreuzgangs. Der Ortsname wechselte um 1633 von Lochkindar zu New Abbey. Im Friedhof nördlich der Kirche liegt seit 1719 William Paterson, der Gründer der Bank of England. Die frühere Pfarrkirche im Südflügel nutzte man später auch als Brauhaus, Stall und Schule.
Im Jahr 1779 kaufte ein Zusammenschluss örtlicher Herren unter William Stewart von Shambellie und dem Pfarrer die Abtei, um sie zu erhalten. Die Verkäufer hatten schon das Kapitelhaus und die Gebäude südlich davon abgerissen und wollten auch die Kirche als Steinbruch nutzen. Damit gehört Sweetheart zu den ersten großen mittelalterlichen Bauten, die gezielt vor dem Abriss gerettet wurden. 1875 bis 1877 entstand 250 Meter südlich eine neue Pfarrkirche; die alte diente bis 1877 dem Gottesdienst. 1927 kam die Anlage in staatliche Obhut.
Wie besuche ich Sweetheart Abbey?
Die Abtei liegt im Dorf New Abbey bei Dumfries, nahe der A710. Der Eintritt ist kostenpflichtig; Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt. Das Kloster ist nur im Sommerhalbjahr an festen Wochentagen geöffnet; die aktuellen Tage und Zeiten stehen auf der Seite von Historic Environment Scotland. Teile der Ruine sind nur durch Schutzzäune zu sehen, und am Turm steht ein Gerüst. Vom Weg um den Kreuzgang sieht man einen guten Teil der Ruine, auch abgesunkene Räume.
Der Eingang liegt rund 90 Meter vom Parkplatz entfernt auf ebenem Asphalt; der große Parkplatz ist geschottert und bietet auch Platz für Busse. Vom Vorraum geht es mit einer Stufe ins Langhaus. Ein behindertengerechtes WC steht am Parkplatz. Hunde sind im Freien an der Leine erlaubt, Assistenzhunde überall. Die Kirche ist ein beliebter Hintergrund für Hochzeitsfotos. Zur Anreise gibt die Seite Anreise nach Schottland einen Überblick.
Der New Abbey Corn Mill liegt eine Meile entfernt, Caerlaverock Castle vier Meilen. Das Dorf New Abbey wurde 2012 zu Schottlands bester Kleinstadt gewählt. Die Aussicht entlang des Langhauses von der Westfront aus gilt als eine der schönsten an einer Klosterruine der Britischen Inseln: roter Sandstein, die Bogenreihe der Arkaden und grünes Gras.
Wer gründete Sweetheart Abbey?
Dervorgilla von Galloway im Jahr 1273, zum Gedenken an ihren 1268 gestorbenen Mann John de Balliol.
Warum heißt sie Sweetheart Abbey?
Dervorgilla trug das einbalsamierte Herz ihres Mannes bei sich und wurde 1289 mit ihm vor dem Hochaltar bestattet; lateinisch hieß das Kloster Dulce Cor, süßes Herz.
Was ist an der Klostermauer besonders?
Sie ist nach der von St Andrews die zweitbeste erhaltene Klostermauer Schottlands, bis zu 4 Meter hoch, aus Granitfindlingen und umschließt 30 Acres.
Wie wurde die Abtei gerettet?
1779 kaufte ein Zusammenschluss örtlicher Herren sie, um sie vor dem Abriss als Steinbruch zu bewahren; 1927 übernahm der Staat.
Kostet der Besuch Eintritt?
Ja; Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt. Geöffnet ist nur im Sommerhalbjahr.
