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St Andrews Castle: Bischofsburg über der Nordsee in Fife

St Andrews Castle: Bischofsburg über der Nordsee in Fife

St Andrews Castle steht auf einem Felsvorsprung über der Nordsee und war jahrhundertelang der Sitz der Bischöfe und Erzbischöfe von St Andrews. Hier wurde 1546 Kardinal Beaton ermordet, danach folgte eine Belagerung mit Mine und Gegenmine. Die Flaschenkerker im Sea Tower und die unterirdischen Gänge gehören zu den eindrucksvollsten Anlagen des Landes.

St Andrews Castle liegt am Nordrand der Stadt, wo die Straße The Scores an der Klippe über der St Andrews Bay endet. Die Ruine wirkt von der Stadtseite her wie ein einzelner, abweisender Turm, der am Ende einer engen Gasse aufragt. Erst im Inneren zeigt sich, wie groß die Anlage war: Sie war Palast, Festung und Gefängnis zugleich.

Dieser Ratgeber erzählt, wie die Burg entstand, was sich im Frühjahr 1546 und bei der Belagerung danach abspielte und warum die Mine unter der Burg zu den seltensten Belagerungsbauten Europas zählt. Er erklärt auch, wie die Gebäude aufgebaut sind und was Sie vor Ort sehen. Zur Stadt selbst finden Sie alles auf der Seite St Andrews, einen Überblick über weitere Anlagen bietet der Sehenswürdigkeiten-Überblick.

LageFelsvorsprung am Nordostrand der Stadt St Andrews, Fife, über der St Andrews Bay
Gründungum 1190 unter Bischof Roger; heutige Form im Kern von Bischof Walter Traill (1385 bis 1401)
Sitz vonBischöfen und Erzbischöfen von St Andrews bis 1689
Berühmtestes EreignisErmordung von Kardinal David Beaton 1546, Belagerung 1546 und 1547
BesonderheitenFlaschenkerker im Sea Tower, Mine und Gegenmine, Fassade von Erzbischof Hamilton
BetreuungHistoric Environment Scotland; Zugang mit Zeitfenster-Ticket

Wer baute die Burg, und wozu diente sie den Bischöfen?

Die Geschichte der Burg beginnt mit der Kirche. 1123 machte König Alexander I. den Prior von Scone, Robert, zum Bischof von St Andrews, um das führende Gotteshaus des Landes zu erneuern. Um 1140 erhielt Robert von David I. die Erlaubnis, bei seinem Bischofssitz eine kirchliche Siedlung zu gründen, aus der die Stadt St Andrews wurde, und gründete einen Konvent von Augustinerchorherren. Um 1160 begann Bischof Arnold die neue Kathedrale in riesigem Maßstab.

Die erste Burg ließ um 1190 Bischof Roger bauen, ein Sohn des Earls von Leicester und Vetter König Wilhelms des Löwen. Die untersten Steinlagen des Fore Tower stammen aus dieser Zeit, der Rest der frühen Anlage bestand wohl zum Teil aus Erdwall und Holz. Die Burg war von Beginn an der Palast des Bischofs und zugleich seine Festung.

Die Größe der Anlage erklärt sich aus der Stellung ihrer Besitzer. Ein Bischof von St Andrews war mehr als ein Geistlicher: Er war Magnat, Berater des Königs und ein Mann, der die Zeichen weltlicher Macht ebenso beherrschte wie die Liturgie. Die Burg zeigt das in Stein. Sie hatte Türme an den Ecken, eine große Halle, Küchen und Kapelle und einen äußeren Wirtschaftshof.

Seit 1472 war der Bischof von St Andrews Schottlands erster Erzbischof. Patrick Graham, der den Titel als Erster trug, wurde 1478 für geisteskrank erklärt und in seiner eigenen Burg eingesperrt. Die Burg diente also auch als Gefängnis.

Wie erlebte die Burg die Unabhängigkeitskriege?

Mit dem Tod der Königin Margarete, der „Maid of Norway“, geriet Schottland 1290 in eine Thronkrise. Bischof William Fraser war einer der vier verbliebenen Wächter des Reiches und lud König Eduard I. von England ein, zwischen den Anwärtern zu entscheiden. 1296 marschierte Eduard in Schottland ein und besuchte als Erstes St Andrews. Im Februar und März 1304 wohnte er mit seiner Königin in der Burg, während er in der Kathedrale ein Parlament abhielt, auf dem William Wallace und Simon Fraser zu Geächteten erklärt wurden.

1309 war die Burg wieder in schottischer Hand, und Robert Bruce hielt in St Andrews sein erstes Parlament. Bischof William Lamberton, ein treuer Anhänger Bruces, setzte die Burg instand. 1318 kehrte der König zur Weihe der Kathedrale zurück. Als 1332 der zweite Unabhängigkeitskrieg ausbrach, besetzten die Engländer die Burg 1336 erneut und verstärkten sie. 1337 belagerte sie der Reichsverweser Sir Andrew Murray drei Wochen lang, unter Einsatz einer Belagerungsmaschine namens „Bouster“. Nach dem Sieg ließ er die Burg schleifen, damit sie den Engländern nicht mehr nützen konnte.

Rund fünfzig Jahre lag die Anlage verlassen, bis Walter Traill 1385 Bischof wurde. Er baute sie von Grund auf neu. Bis zu seinem Tod 1401 entstand die heutige fünfeckige Form. Das war kein Einzelfall: Auch Bothwell Castle, Caerlaverock Castle und Dirleton Castle wurden am Ende des 14. Jahrhunderts als Burgen mit Ringmauer wieder bewohnbar gemacht, nachdem die Kriege sie beschädigt hatten.

Im 15. Jahrhundert wurde die Burg zur Bühne der Königsfamilie. 1402 sperrte Robert, Herzog von Albany, den Thronfolger David, Herzog von Rothesay, hier ein, offiziell wegen schlechter Regierung, wahrscheinlicher aber, um die eigene Macht zu sichern. 1425 saß Albanys Sohn Murdoch in der Burg, bevor er in Stirling hingerichtet wurde; im selben Jahr feierte Jakob I. hier Weihnachten und blieb bis zum Dreikönigstag. 1452 brachte Maria von Geldern in der Burg den künftigen Jakob III. zur Welt.

Die Burgruine von St Andrews auf einer Felsklippe über dem Meer unter bewölktem Himmel

Was geschah 1546 mit George Wishart und Kardinal Beaton?

Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zur Festung gegen die Reformation. 1521 wurde James Beaton Erzbischof von St Andrews, ein entschiedener Gegner der Protestanten. Er ließ zwei mächtige runde Geschütztürme bauen, die Blockhäuser, je einen an jedem Ende der Landseite, und baute vermutlich den Eingang um. 1538 folgte ihm sein Neffe David Beaton, im selben Jahr zum Kardinal ernannt und ebenso kompromisslos. Seine Ablehnung der Heirat der kleinen Königin Maria mit dem Sohn Heinrichs VIII. von England trug maßgeblich zu dem erneuten Krieg bei, den man den „Rough Wooing“ nennt.

Im März 1546 leitete Kardinal Beaton den Ketzerprozess gegen George Wishart, einen Landadligen und evangelischen Prediger aus Fife. Wishart wurde schuldig gesprochen, erdrosselt und unmittelbar vor der Burg verbrannt. Im Mai desselben Jahres schlich eine Gruppe von Landadligen und Anhängern der Reformation unter der Führung von Norman Leslie, dem Master of Rothes, als Maurer verkleidet in die Burg und ermordete den Kardinal. Sie hängten seinen entkleideten Körper in Laken von den Mauern und warfen ihn anschließend in den Flaschenkerker.

Die Tat löste eine Kette aus. Die Verschwörer hielten die Burg besetzt. Der Regent, der Earl of Arran, belagerte die Burg ab 1546. Die Burg wurde zum Brennpunkt des Kampfes zwischen den Konfessionen und zwischen den Mächten, die um die Zukunft der jungen Königin rangen.

Wie verlief die Belagerung, und was zeigen Mine und Gegenmine?

Die Belagerer begannen, einen Stollen unter die Burgmauern zu graben, um den Fore Tower zum Einsturz zu bringen. Die Verteidiger reagierten mit einem Gegenstollen, der den Angreifern entgegenkam. Beide Gänge sind erhalten. Die Mine ist geräumig und für Arbeiter gebaut, die Gegenmine dagegen eng und improvisiert. Der Unterschied erzählt von der Verzweiflung der Verteidiger, die unter Zeitdruck gegen die Angreifer arbeiteten.

Im April 1547 vereinbarten beide Seiten einen Waffenstillstand. John Knox, der ehemalige Leibwächter Wisharts, kam in dieser Zeit in die Burg und schloss sich den Reformern an. Im Sommer erschien eine französische Flotte, um den Regenten zu unterstützen. Gemeinsam mit Kanonen auf den Türmen der Kathedrale und der Kapelle von St Salvator beschoss sie die Burg schwer. Die Besatzung musste aufgeben. Einige, darunter John Knox, wurden als Galeerensklaven nach Frankreich gebracht.

Das Außergewöhnliche an der Mine ist ihr Zustand. Solche Belagerungsbauten sind in Europa extrem selten erhalten, weil sie nach dem Ende einer Belagerung meist verfüllt wurden. 1879 stieß man bei Grabungen für ein Haus an der Ecke North Castle Street und East Scores gegenüber der Burg zufällig wieder auf die Gänge. Wer sie betritt, erlebt ein Stück des Krieges von 1547, wie es sonst kaum irgendwo zu sehen ist.

Der Wehrturm einer Burgruine am Klippenrand, dahinter das Meer und ein Küstenstreifen

Wie ist die Burg gebaut, vom Fore Tower bis zur Hamilton-Fassade?

Die Anlage hat einen fünfeckigen Grundriss auf dem Felsvorsprung. Der Fore Tower am Landeingang ist das höchste erhaltene Bauwerk. Seine untersten Lagen enthalten Quader nach Art des 12. Jahrhunderts und eine kreuzförmige Schießscharte von etwa 1300. Der größte Teil stammt aus der Zeit von Bischof Traill, und die oberen Geschosse veränderte er stark. Im Jahr 1693 zeigte ein Stich noch die feinen Maßwerkfenster des Turms über einem Erdgeschoss mit nordseitiger Loggia. Loggien sind in Schottland selten und finden sich sonst in Castle Campbell, Crichton und Huntly Castle.

Im Nordwesten steht der Sea Tower. Seine Seeseite enthält hochwertiges Mauerwerk, das älter sein könnte als Traills Bau, und einen Kamin mit Schulterbogen des 13. Jahrhunderts, der auf eine einstige Kammer im ersten Stock hinweist. Im Sea Tower liegt auch der Flaschenkerker, ein dunkler, luftloser Schacht, der aus dem massiven Fels geschlagen wurde. Er ist als Gefängnis eines der grausamsten, die in Schottland erhalten blieben. Der Kitchen Tower an der Nordostecke enthielt eine Küche im ersten Stock über Vorratsgewölben und versorgte die große Halle des Ostflügels, die 1801 ins Meer stürzte.

Die zwei Geschütztürme der Beatons zeigen den Wandel der Kriegstechnik. Sie ersetzten zwei rechteckige Türme Traills und sollten die Landseite gegen Kanonen sichern. Eine zweite Mauer außen vor der Südwestseite gehört ebenfalls zu diesem Umbau. Gegen die Artillerie von 1547 reichte die Verteidigung nicht aus. Wer andere Burgen mit frühen Geschützanlagen sehen möchte, findet sie in Blackness Castle und Tantallon Castle.

Nach den Zerstörungen von 1547 nutzte Erzbischof John Hamilton den Schaden für einen fast vollständigen Neubau der Landseite. Seine Eingangsfassade aus den 1550er Jahren war symmetrisch geplant, mit Seitenflügeln, einem Zinnenkranz mit Zwerchhäusern und einer prunkvollen Mitte, die wie ein Triumphbogen wirkt. Über dem Rundbogentor sitzt eine Wappentafel unter einem Fries voller Fünfblatt-Zeichen, dem Abzeichen Hamiltons; ursprünglich war alles in Wappenfarben bemalt. Das Ganze erinnert an französische Schlösser wie Chambord und ist ein früher Vorläufer des schottischen Klassizismus. Der Eingang liegt seither in der Mitte der Südwestmauer, nicht mehr im Fore Tower.

Wie ging die Geschichte nach der Reformation weiter?

Im Juni 1559 hielt John Knox in St Andrews eine Predigt gegen die katholische Kirche, die der Reformation von 1560 vorausging. Erzbischof Hamilton kam 1563 in Haft. Das Amt des Erzbischofs blieb zwar bestehen, doch die Burg verfiel, weil Geld fehlte. 1606 sprach das Parlament sie dem Earl of Dunbar zu, 1612 ging sie an Erzbischof Gordon Gledstanes zurück, der sie teilweise instand setzte. 1656 holte man Steine aus der Burg für den Bau des Stadthafens. Mit der Abschaffung des Bischofsamts in der schottischen Kirche 1689 endete die kirchliche Nutzung.

Danach blieb eine Ruine. Der Stich von John Slezer, der 1693 erschien, zeigt sie ohne Dach und verlassen. 1801 stürzte ein großer Teil des Hallenbaus an der Ostseite ins Meer, und weitere Verluste folgten, bis 1886 eine Ufermauer gebaut wurde. 1991 wurde das Besucherzentrum eröffnet.

Wie viel Archäologie unter dem Rasen liegt, ist kaum erforscht. Räumungsarbeiten der 1920er und 1930er Jahre könnten viel zerstört haben, doch unter den Funden sind ein schönes Pilgerabzeichen und viel mittelalterliche Keramik. Grabungen vor dem Bau des Besucherzentrums zwischen Oktober 1988 und Januar 1990 zeigten, dass die Burg einen äußeren Wirtschaftshof hatte, der größer war als die heutige Ringmauer. Man fand Schichten bis in die frühe Bronzezeit sowie eine Gerberei aus dem 14. Jahrhundert, die vielleicht arbeitete, als die Burg leer stand.

Blick in einen dunklen Steingang einer mittelalterlichen Burg mit rauen Felswänden

Wie plane ich den Besuch in St Andrews?

Die Burg liegt an The Scores, in wenigen Minuten Fußweg vom Zentrum und von der Kathedrale. Historic Environment Scotland betreut sie. Das Ticket buchen Sie für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Zeit online, es gibt Optionen für Familien und Begleitpersonen. Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt; Inhaber des Explorer Pass können über die Seite buchen. Junge Besucher zwischen 7 und 25 Jahren mit einer Young-Scot- oder National-Entitlement-Karte erhalten besondere Konditionen. Einen Audioguide gibt es für das eigene Smartphone oder als Gerät vor Ort. Es gibt ein Besucherzentrum mit Shop.

Planen Sie für Hof, Türme, Flaschenkerker und Gänge gut anderthalb bis zwei Stunden ein. Gehen Sie zuerst über den Hof zur Hamilton-Fassade und zum Fore Tower, dann zum Sea Tower mit dem Flaschenkerker. Die Gänge der Mine verlangen etwas Mut, denn sie sind niedrig und schmal. Schauen Sie vor dem Besuch auf die Seite von Historic Environment Scotland, welche Bereiche zugänglich sind.

Von der Burg führt der Weg an der Klippe zur Kathedrale und zum Hafen. Die Stadt bietet den Rest des Programms: Universität, Altstadt, die Strände und den berühmten Golfplatz.

Wer baute St Andrews Castle?

Um 1190 ließ Bischof Roger die erste Burg errichten. Die heutige fünfeckige Anlage geht im Kern auf Bischof Walter Traill zurück, der sie zwischen 1385 und 1401 neu aufbaute.

Was geschah 1546 in der Burg?

Kardinal David Beaton wurde im Mai 1546 von einer Gruppe protestantischer Landadliger ermordet, die als Maurer verkleidet in die Burg gelangten. Danach hielten sie die Burg gegen den Regenten, bis 1547 eine französische Flotte die Belagerung beendete.

Was ist der Flaschenkerker?

Ein dunkler, luftloser Schacht im Sea Tower, aus dem Fels gehauen. Er ist eines der grausamsten Burggefängnisse Schottlands, und in ihn wurde die Leiche des Kardinals geworfen.

Warum sind Mine und Gegenmine so besonders?

Sie sind seltene erhaltene Belagerungsbauten des Mittelalters. Die geräumige Mine der Angreifer und die enge Gegenmine der Verteidiger zeigen den Wettlauf unter der Erde.

Wie lange dauert ein Besuch?

Mit Hof, Türmen, Flaschenkerker und Gängen rechnen Sie am besten mit anderthalb bis zwei Stunden. Das Ticket buchen Sie vorab für einen festen Termin.

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