Schottland.info
Spynie Palace bei Elgin: Bischofspalast von Moray mit David’s Tower

Spynie Palace bei Elgin: Bischofspalast von Moray mit David’s Tower

Spynie Palace bei Elgin in Moray ist das größte erhaltene mittelalterliche Bischofshaus Schottlands. Rund 500 Jahre lang residierten hier die Bischöfe von Moray. David’s Tower ragt 22 Meter auf, mit sechs Geschossen eines der größten Wohntürme des Landes. Die Anlage steht am Rand eines früheren Meeressees, den es nicht mehr gibt.

Spynie Palace liegt nahe Elgin in Moray. David’s Tower überragt die Mauern mit einer Wucht, die man bei einer Bischofsresidenz nicht erwartet. Dahinter steckt Geschichte: Die Bischöfe von Moray standen einem ganzen Bistum vor und waren tief in die Politik des Königreichs verwickelt. Sie bauten für sich einen Palast, der Gäste beeindruckte und notfalls Angreifern standhielt.

Dieser Ratgeber erzählt, wie der Bischofssitz entstand, warum die Kathedrale nach Elgin umzog, wer David’s Tower baute und wie die Residenz endete. Er zeigt auch, was in der Umgebung zu sehen ist. Weitere Ruinen und Stätten im Nordosten finden Sie im Sehenswürdigkeiten-Überblick.

Lagenahe Elgin in Moray, am früheren Ufer des Spynie Loch
FunktionResidenz der Bischöfe von Moray über rund 500 Jahre
Besonderheitgrößtes erhaltenes mittelalterliches Bischofshaus Schottlands
David’s Tower19 mal 13,5 Meter Grundfläche, 22 Meter hoch, sechs Geschosse
BauherrenBischof David Stewart (1462 bis 1476), Bischof William Tulloch (1477 bis 1482), Bischof Patrick Hepburn (1538 bis 1573)
Ende der Nutzung1682 fiel die Anlage an die Krone und wurde für 12 Pfund im Jahr verpachtet
BetreuungHistoric Environment Scotland

Warum bauten die Bischöfe von Moray in Spynie?

Die Bischöfe von Moray richteten ihre Residenz im 12. Jahrhundert in Spynie ein. Der Platz lag am Rand des Spynie Loch, eines Meeressees, der Fischerbooten und Handelsschiffen Ankerplatz bot. In der Nähe wuchs eine Siedlung. Weder der Meeressee noch die mittelalterliche Siedlung sind erhalten. Wer heute vor dem Palast steht, muss sich das Wasser dazudenken, das einst bis an seinen Rand reichte.

Im 12. Jahrhundert hatten die Bischöfe von Moray noch keine feste Kathedrale. Sie wechselten zwischen Kinneddar, Birnie und Spynie. 1207 erreichte Bischof Brice de Douglas die päpstliche Zustimmung, die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Spynie zur festen Kathedrale zu machen. Sie erhielt ein Kapitel mit acht Domherren, und die Verfassung folgte dem Vorbild der Kathedrale von Lincoln. Die Kirche stand in der Nähe des Palastes, und ihre letzten aufrechten Reste fielen 1850.

Doch Spynie blieb nicht lange Kathedralstadt. 1224 erwirkte Bischof Andrew de Moravia die Verlegung nach Elgin, weil Spynie abgelegen und dem Wetter ausgesetzt lag und für den Handel ungünstig war. Die neue Kathedrale entstand auf Land, das Alexander II. gebilligt hatte. Die Bischöfe wohnten weiterhin in Spynie.

Welche Gebäude sind die ältesten?

Die ältesten erhaltenen Teile gehören ins 14. Jahrhundert. Dazu zählen ein Saal im ersten Obergeschoss, und ein Torweg darunter. An der Westmauer stand ein zweiter Saalbau mit hohen Fenstern. Von einem großen runden Turm blieb nur das Kellergeschoss erhalten. So lässt sich die Anlage als gewachsenes Ensemble lesen: Immer wieder kamen neue Räume dazu, ältere wurden umgebaut.

Der Palast war mehr als ein Wohnhaus. Besucher von Rang, darunter gelegentlich Könige, übernachteten hier. Von den Bischöfen des 13. und 14. Jahrhunderts ist viel bekannt, weil sie tief in die Politik des Königreichs verwickelt waren. Wer solche Gäste empfing, brauchte Räume, die dem Rang entsprachen.

Die Ruine von Spynie Palace mit dem hohen David’s Tower und den Mauern des Hofs auf einer Wiese

Wie hoch ist David’s Tower, und wer ließ ihn bauen?

David’s Tower beherrscht die gesamte Anlage. Er misst außen 19 mal 13,5 Meter und erreicht 22 Meter Höhe, womit er zu den größten Wohntürmen zählt, die in Schottland je gebaut wurden. Der Eingang liegt im ersten Obergeschoss, darüber folgen insgesamt sechs Geschosse. Ein Wohnturm dieser Größe ist ein Statement: Er zeigt Reichtum, Macht und Wehrhaftigkeit zugleich, und das in den Händen eines Geistlichen.

Benannt ist der Turm nach Bischof David Stewart, der von 1462 bis 1476 amtierte und ihn in Auftrag gab. Zu seinem Tod war der Bau noch nicht fertig. William Tulloch, Bischof von 1477 bis 1482, vollendete ihn. Patrick Hepburn, der von 1538 bis 1573 amtierte, ließ später Geschützscharten einbauen. An der Südwand sind die Wappen aller drei Bischöfe in den Stein gemeißelt, unter dem königlichen Wappen von Schottland. Man liest die Baugeschichte an der Fassade ab.

Im Inneren zeigt die Anlage die Wappen der drei Bischöfe, die das Haus am stärksten geprägt haben. Im großen Saal lohnt der Blick nach oben auf die Steinkonsolen.

Wie veränderte sich der Palast im 15. und 16. Jahrhundert?

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts wurde die Anlage zum Palast ausgebaut. Um die Mitte des Jahrhunderts mauerte man den Torweg im Südflügel zu und setzte ein größeres Tor in die Ostmauer. Das Tor entstand unter den Bischöfen des 15. Jahrhunderts. Um 1500 standen an der Nordseite des Hofs ein großer neuer Saal und eine Kammer, und zwei Ecken des Hofs trugen rechteckige Türme.

Patrick Hepburn, der letzte Bischof vor der Reformation, ließ am Fuß jedes Turms weite Geschützscharten einbauen. Sie zeigen, dass Verteidigung selbst für Geistliche kein Randthema war: Auch ein Bischofshaus brauchte im 16. Jahrhundert Platz für Feuerwaffen.

Der Hof von Spynie Palace mit Mauern aus hellem Stein und einem Rundbogen unter einem leicht bewölkten Himmel

Wie endete die Zeit der Bischöfe?

Spynie blieb bis 1682 eine Residenz der Bischöfe von Moray. In diesem Jahr wurde die Anlage der Krone zugeschlagen und für 12 Pfund im Jahr verpachtet. Ein Haus, das 500 Jahre lang Sitz eines Bistums gewesen war, wurde damit zur Pachtsache.

Der See, der Boote getragen hatte, ist nicht mehr zu sehen. Übrig blieb die Ruine, die Historic Environment Scotland betreut. Beim Weg zur alten Kathedralstelle liegt James Ramsay MacDonald begraben, der erste Labour-Premierminister Großbritanniens.

Was gibt es in der Umgebung zu sehen?

In der Nähe liegt Elgin Cathedral, die Kathedrale, die Bischof Andrew 1224 begründete. Ihre Westfassade zählt zu den bedeutendsten Beispielen mittelalterlicher Baukunst in Schottland. Die Kathedrale wurde 1390 vom „Wolf of Badenoch“ niedergebrannt und verlor in den 1560er Jahren ihre Funktion als geistliches Zentrum. 1390 brannte Alexander Stewart, Earl of Buchan, Elgin nieder, mit der Kathedrale, den Häusern der Domherren und der Pfarrkirche St Giles. Wer beide Stätten besucht, versteht, wie eng Palast und Kathedrale zusammengehörten.

Auf der anderen Seite des früheren Sees stand Duffus Castle, eine Burg mit Erdhügel und Vorburg, die um 1150 von Freskin gegründet wurde, dem Stammvater der Moray-Dynastie. Sie wechselte später an die Cheyne und die Earls of Sutherland und wurde 1705 aufgegeben. Weiter östlich in Aberdeenshire liegt Huntly Castle, ein weiterer Adelssitz im Nordosten. Die Gegend grenzt an das Whiskyland Speyside. Als Basis für eine Reise eignet sich die Highlands-Region; die Zusammenhänge der Zeit ordnet unser Überblick zur Geschichte Schottlands ein.

Spynie Palace in Daten: eine Zeittafel

Die wichtigsten Stationen des Hauses im Überblick:

  • 12. Jahrhundert: Die Bischöfe von Moray richten in Spynie ihre Residenz ein.
  • 1207: Bischof Brice de Douglas erhält die päpstliche Zustimmung, die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Spynie zur festen Kathedrale zu machen.
  • 1224: Bischof Andrew de Moravia erwirkt die Verlegung der Kathedrale nach Elgin.
  • 14. Jahrhundert: Die ältesten erhaltenen Bauten entstehen, darunter Saal, Torweg und ein runder Turm.
  • 1462 bis 1476: Bischof David Stewart gibt den Turm in Auftrag, der seinen Namen trägt.
  • 1477 bis 1482: Bischof William Tulloch vollendet David’s Tower.
  • Um 1500: Ein großer neuer Saal samt Kammer liegt an der Nordseite des Hofs, zwei Ecken tragen rechteckige Türme.
  • 1538 bis 1573: Bischof Patrick Hepburn lässt Geschützscharten einbauen.
  • 1682: Die Anlage fällt an die Krone und wird für 12 Pfund im Jahr verpachtet.

Wie plane ich den Besuch von Spynie Palace?

Der Palast ist eine überschaubare Stätte. Für David’s Tower, den Hof, die Räume und den Weg zur alten Kathedralstelle genügt ein halber Tag. Beginnen Sie im Hof und lesen Sie die Wappen an der Südwand des Turms. Danach erkunden Sie Saal, Kammern und Kellergeschosse. Die Umgebung ist ruhig und voller Vogelstimmen.

Kombinieren Sie den Besuch mit Elgin Cathedral und, wenn Zeit bleibt, mit einem Abstecher nach Duffus. So erleben Sie an einem Tag drei Gesichter des mittelalterlichen Moray: das Bischofshaus, die Kathedrale und die Adelsburg. Öffnungszeiten und Eintrittspreise erfahren Sie auf der Seite von Historic Environment Scotland.

Wer wohnte in Spynie Palace?

Die Bischöfe von Moray, rund 500 Jahre lang. Gelegentlich übernachteten auch Könige.

Wie hoch ist David’s Tower?

Er ist 22 Meter hoch, misst außen 19 mal 13,5 Meter und hat sechs Geschosse.

Warum zog die Kathedrale von Spynie nach Elgin?

1224 wurde die Verlegung genehmigt, weil Spynie abgelegen, dem Wetter ausgesetzt und für den Handel ungünstig war. Die Bischöfe wohnten weiter in Spynie.

Was geschah mit dem Spynie Loch?

Der Meeressee, an dem die Siedlung und der Ankerplatz lagen, ist nicht mehr erhalten. Auch die mittelalterliche Siedlung ist verschwunden.

Wann endete die Nutzung als Bischofssitz?

1682 fiel die Anlage an die Krone und wurde für 12 Pfund im Jahr verpachtet.

Den Nordosten entdecken

Burgen, Whisky und Küste zwischen Moray und Aberdeenshire.

Zu den Rundreisen

Passend dazu: Bishop’s und Earl’s Palace in Kirkwall.

Passend dazu: Sueno’s Stone.