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Seton Collegiate Church: Die Stiftskirche der Lords Seton

Seton Collegiate Church: Die Stiftskirche der Lords Seton

Die Seton Collegiate Church in East Lothian ist eine spätmittelalterliche Stiftskirche, die die Familie Seton im 15. und 16. Jahrhundert ausbaute. Chor mit dreiseitigem Apsisschluss, Sakristei, Vierungsturm und Querarme stehen unter Dach, das Langhaus ist verschwunden. Im Chor liegt ein Wandgrab mit zwei Figuren, im Südquerarm das Denkmal des Earl of Perth von 1611.

Seton Collegiate Church liegt zwischen Port Seton und Longniddry versteckt in einem Waldgrundstück, nur wenige Autominuten von Edinburgh entfernt. Wer von der Straße kommt, geht ein kurzes Stück durch Bäume und steht vor einer hellen, gelbbraunen Sandsteinkirche, deren Turm über der Vierung steht. Die Kirche ist ein bemerkenswert vollständiges Beispiel dafür, wie eine mächtige schottische Adelsfamilie im Spätmittelalter ein Priesterkollegium stiftete und über Generationen ausbaute.

Diese Seite erzählt die Geschichte der Kirche von der ersten Erwähnung 1242 bis zur Übernahme durch den Staat 1948: wer baute, was zerstört wurde, was heute noch zu sehen ist und welche Gräber und Denkmäler im Inneren stehen. Für das Umland empfehlen sich Dirleton Castle und Tantallon Castle an der Küste von East Lothian.

LageZwischen Port Seton und Longniddry, East Lothian
PatroziniumSt. Maria und Heiliges Kreuz
Erste Erwähnung1242, Weihe durch Bischof David von St Andrews
PriesterkollegiumPapstbestätigung 1492 unter Alexander VI.
BauherrenDie Lords Seton, danach Lady Janet Hepburn
Heutiger BestandChor mit Apsis, Sakristei, Vierungsturm, Querarme; Langhaus verschwunden
Staatliche Obhutseit 1948

Was ist eine Kollegiatkirche, und warum baute man sie?

Eine Kollegiatkirche ist eine Kirche, an der eine Gemeinschaft von Priestern, ein Kollegium, den Gottesdienst hielt. Reiche Familien stifteten solche Kollegien, damit die Priester dauernd für das Seelenheil der Stifter beteten. Im Spätmittelalter war das ein Statussymbol: Wer sich ein Kollegium leisten konnte, zeigte Frömmigkeit und Reichtum zugleich. Die Kirchen fielen deshalb oft aufwendig aus und waren reicher ausgestattet als gewöhnliche Pfarrkirchen.

Das 15. Jahrhundert war die Hauptzeit dieser Bauten: In Schottland entstanden damals rund 40 Kollegiatkirchen. Die Mittel der Bauherren flossen weg von den großen Kathedralen und Klöstern hin zu kleineren Pfarr- und Stiftskirchen. In Seton zeigt sich das besonders deutlich, denn die Familie unterhielt neben dem Bau auch eine Gruppe von Priestern und Dienern, was erhebliche Mittel erforderte.

Der Chor in Seton besteht aus drei Jochen ohne Seitenschiffe und endet in einem dreiseitigen Apsisschluss. Diese Anordnung findet sich auch in Trinity College in Edinburgh, das nicht mehr steht, und in Dalkeith. Sie ist typisch für Kirchen des späten 15. Jahrhunderts. Wer Kollegiatkirchen in der Umgebung vergleichen möchte, findet in Lothian außerdem die Reste der Kirche von Crichton, wo ebenfalls das Langhaus fast verschwunden ist; die zugehörige Burg beschreibt Crichton Castle.

Die gelbbraune Sandsteinkirche von Seton mit Apsis und Turm zwischen alten Bäumen

Wer waren die Setons, und was bauten sie hier?

Die Setons waren ein altes, einflussreiches Adelsgeschlecht, das die Stuart-Könige und den katholischen Glauben unterstützte. Die Verbindung zur Kirche hielt über sechs Jahrhunderte. Schon im 12. Jahrhundert stand an der Stelle eine Pfarrkirche. Zum ersten Mal verzeichnet ist sie 1242, als Bischof David von St Andrews das Gebäude weihte.

Um 1434 fügte Lady Catherine Sinclair, die Witwe des Ortsherrn Sir John Seton, an der Südseite der Kirche eine kleine Grabkapelle an. Sie sollte das Grabmal ihres Mannes aufnehmen und einen eigenen Altar für Messen zu seinem Gedenken besitzen. Ihr Sohn George wurde 1450 zum ersten Lord Seton erhoben. Er strebte danach, die Kirche zum Kollegium zu erheben, und erhielt 1470 dafür die Zustimmung von Papst Paul II. Das Kollegium sollte aus einem Propst, sechs Pfründner-Kanonikern, einem Schreiber und zwei Chorknaben bestehen. Täglich sollten sie Matutin, Hochamt, Vesper und Komplet für das Seelenheil des Stifters und seiner Familie singen.

Der Papst starb jedoch plötzlich, bevor die Gründung bestätigt war. Lord Seton ließ trotzdem den Bau eines neuen Chors und einer Sakristei beginnen; er starb 1478. Sein Sohn, der zweite Lord Seton, erhielt 1492 von Papst Alexander VI. die ausdrückliche Zustimmung zum Kollegium und führte die Bauarbeiten weiter. Er starb 1508.

Der dritte Lord Seton stattete den Chor mit Verglasung, Pflaster und Chorgestühl aus. Er fiel 1513 in der Schlacht von Flodden. Damit blieb der Bau an seiner Witwe hängen, die ihn nun in ihre Hände nahm.

Was ließ Lady Janet Hepburn nach 1513 ergänzen?

Janet Hepburn, die Tochter des Earl of Bothwell, führte das Bauprogramm nach dem Tod ihres Mannes zu Ende. Sie ließ den Nordquerarm anfügen und die Grabkapelle ihrer Vorgängerin an der Südseite abreißen, um sie durch den heutigen Südquerarm zu ersetzen. Außerdem begann sie den Turm über der Vierung. Dessen Spitze blieb bei ihrem Tod 1558 unvollendet.

Bemerkenswert ist, wie sehr sich die späteren Bauteile dem älteren Chor anpassen. Auch die Querarme tragen Steingewölbe und Maßwerk in ähnlicher Form, sodass die Kirche trotz mehrerer Bauphasen einheitlich wirkt. Mit Querarmen und Turm erhielt sie den kreuzförmigen Grundriss, den man heute sieht.

Janet stattete die Kirche reich aus und finanzierte zwei weitere Priester, so dass das Kollegium auf acht Pfründner wuchs. Außerdem baute sie eine Reihe von Wirtschaftsräumen. Aus dem 16. Jahrhundert ist ein seltenes Inventar der Kirche erhalten, aufgezeichnet in der Familiengeschichte, die der Dichter Sir Richard Maitland 1561 verfasste. Es listet Gewänder aus Damast, Seide und Samt, ein silbernes Kruzifix, eine Monstranz, einen Kelch und Behänge für den Altar auf. Die kahlen, hellen Steinwände von heute täuschen also: Im Mittelalter war der Raum voller Stoffe, Silber und Farbe.

Ein Rückschlag kam in den 1540er Jahren, als englische Truppen im Krieg des Rough Wooing in Lothian einfielen. Sie plünderten die Kirche, verbrannten das Holzwerk und nahmen Wertgegenstände mit.

Der Chor mit Apsisfenstern und Maßwerk in hellem Licht

Was ist im Inneren zu sehen?

Der Chor hat ein spitzes Tonnengewölbe. Gewölberippen gibt es nur in der Apsis, wo sie den Hochaltar betonen. Die Fenster mit zwei und drei Bahnen tragen geschwungenes Maßwerk, wie man es von Jedburgh und Melrose kennt; viel davon wurde im 19. Jahrhundert nach dem Vorbild des Originals erneuert. Dieselbe Formensprache zeigt Jedburgh Abbey.

Besonders fein ist die Piscina an der Südseite der Apsis, das Waschbecken für die Gefäße der Messe. Ihr Baldachin hat die Form eines halben Achtecks, und die Decke ist ebenso reich geschnitzt wie die der Apsis. In der Nordwand des Chors liegt ein Wandgrab mit zwei Figuren in der Tracht des 15. Jahrhunderts: ein Ritter in Plattenrüstung und eine Dame im langen Mantel. Wer die beiden darstellen, ist nicht bekannt. Auch wer in dem Grab beigesetzt wurde, ist ungeklärt.

Die Sakristei an der Nordseite des Chors ist tonnengewölbt und war ursprünglich zweigeschossig. Das Obergeschoss erreichte man über eine Leiter. Im Erdgeschoss gibt es einen Kamin und eine eigene Piscina. An der Westwand hängt eine große beschriftete Tafel für einen der Lords Seton.

In den Querarmen und im Vierungsbereich stehen Denkmäler, Steinfragmente und Gegenstände aus der Kirche. Die Piscina im Südquerarm hat eine Schale, in die eine geflügelte Fledermaus geschnitzt ist. Das Weihwasserbecken in der Westwand der Vierung trägt drei geschnitzte Köpfe. Zwei Taufbecken aus dem frühen 15. Jahrhundert tragen die Wappen von Sir John Seton und seiner Frau Katherine Sinclair und stammen vom selben Steinmetz. Die große Glocke goss 1577 Adrian Steylaert in Holland.

Das auffälligste Denkmal ist das für James, den ersten Earl of Perth, der 1611 starb. Es steht im Südquerarm und besteht aus einer großen Wandtafel zwischen freistehenden Marmorsäulen. Die Grabinschrift verfasste der Dichter William Drummond of Hawthornden. Das schlichtere Denkmal für James Ogilvie of Birnes aus dem Jahr 1617 steht im Nordquerarm. Beide standen ursprünglich im Chor und wurden 1878 verlegt.

Ein Wandgrab mit zwei Steinfiguren in einem gewölbten Chor

Wie hing die Kirche mit Seton Palace zusammen?

Westlich der Kirche stand der Wohnsitz der Familie. Nach der Reformation 1560 endete das Kollegium. Die Unterkünfte der Priester wurden zu einer Mühle und Brauerei für den benachbarten Palast umgebaut. 1580 vereinigte man die Gemeinden Seton und Tranent; danach diente die Kirche nur noch als private Kapelle der Familie.

Das Langhaus wurde nach 1580 abgerissen, weil es für den öffentlichen Gottesdienst nicht mehr gebraucht wurde. Die Setons bauten in dieser Zeit ihren Palast aus. Robert Seton wurde 1600 zum ersten Earl of Winton erhoben und war ein Günstling Jakobs VI. Als er 1603 starb, nahm Jakob an seiner Beerdigung in der Kirche teil, auf dem Weg nach Süden zu seiner Krönung als König von England. Um 1630 erweiterte der dritte Earl den Palast, um Karl I. bei dessen Krönungsbesuch 1633 zu beeindrucken.

Berühmte Setons gibt es mehrere. Mary Seton gehörte zu den „Four Marys“, den vier Hofdamen Maria Stuarts. Alexander Seton, der Earl of Dunfermline, war einer der engsten Berater Jakobs VI., bis 1622 Kanzler und Erzieher des jungen Karl I. Der Familiensitz war der Palast, die alte Stiftskirche behielt die Familie als Grablege.

Von Seton Palace blieb nichts stehen. 1789 wurde er abgerissen und durch das heutige Seton House ersetzt, das Robert Adam für den Edinburgher Juristen Alexander Mackenzie entwarf. Steinfragmente des alten Palastes brachte man zur Sicherung in die Kirche; sie liegen heute an der Ostmauer. Zwei Stücke sind älter als 1600, die übrigen stammen aus der Zeit um 1630.

Wie kam die Kirche über Verfall und Rettung zum heutigen Zustand?

1716 verloren die Earls of Winton ihre Titel und Güter wegen ihrer Beteiligung am Jakobitenaufstand von 1715. Die Kirche wurde damals beschädigt, die Gräber der Setons wurden aufgebrochen, und der Besitz kam an die York Buildings Company. Damit endete der kirchliche Gebrauch.

1851 waren Fenster und Türen zugemauert, und der Südquerarm diente als Tischlerwerkstatt. Das änderte sich 1878, als der neunte Earl of Wemyss, Eigentümer von Seton, das Gebäude als Grabstätte seiner Familie herrichtete. Er öffnete Fenster und Türen wieder und verlegte die Denkmäler aus dem Chor in die Querarme. Seither ruhen die Wemyss in Seton; die zweite Grabstätte der Familie liegt in der Pfarrkirche von Aberlady.

Seit 1920 ist Seton ein geschütztes Denkmal. 1948 übergab der zwölfte Earl of Wemyss die Kirche dem Staat. Nach größeren Sicherungsarbeiten wurde sie 1957 für Besucher geöffnet.

Die Archäologie hat die Kirche kaum berührt. 1947 legte eine Probegrabung südwestlich der Kirche Mauern frei, die zu den Wohngebäuden des Kollegiums gehören. Bei einer Grabung vor Drainagearbeiten 1988 kamen viele Bestattungen zum Vorschein. Offene Fragen bleiben: Wie sah die ursprüngliche Pfarrkirche aus, von der nur die Fundamente des Langhauses zeugen? Wozu dienten die Gebäude im Südwesten genau? Und wer liegt im Wandgrab im Chor?

Wie liegt Seton in der Landschaft?

Die Kirche steht auf dem Gelände des früheren Familiensitzes, zwischen alten Bäumen und hinter einer hohen Mauer. Der warme Sandstein und das gepflegte Gras bilden mit den Resten der Priesterhäuser, durch die ein kleiner Bach fließt, ein ruhiges Gesamtbild. Westlich schließt sich das Seton House von Robert Adam an. Ein Waldweg führt am Gebäude vorbei und trifft bei Seton Sands auf den John Muir Way.

Der Innenraum wirkt hell und ruhig, mit einer ausgezeichneten Akustik. Zwergfledermäuse und Braune Langohren nutzen den Bau im Sommer und im Winter als Quartier.

Bei einem Besuch in East Lothian lässt sich Seton gut mit anderen Orten verbinden. Südlich der Küste liegt Rosslyn Chapel, und die Hauptstadt ist über Edinburgh schnell erreicht. Ein Stück weiter westlich beschreiben wir Torphichen Preceptory, ein Ordenshaus der Johanniter.

Was ist die Seton Collegiate Church?

Eine Stiftskirche in East Lothian, die die Familie Seton im 15. und 16. Jahrhundert zu einem Priesterkollegium ausbaute. Chor, Sakristei, Vierungsturm und Querarme sind erhalten, das Langhaus ist verschwunden.

Wann wurde die Kirche gegründet?

Erstmals verzeichnet ist die Kirche 1242. Den Ausbau zur Kollegiatkirche betrieben die Lords Seton ab 1470; die Papstbestätigung kam 1492.

Wer baute den heutigen Chor und die Querarme?

Der erste Lord Seton begann den Chor und die Sakristei, bevor er 1478 starb. Seine Witwe Janet Hepburn fügte nach 1513 den Nordquerarm, den Südquerarm und den Vierungsturm hinzu.

Was endete 1560?

Mit der Reformation endete das Priesterkollegium. Die Kirche diente danach als private Kapelle und Grablege, zuerst der Setons, später der Wemyss.

Wer liegt im Wandgrab im Chor?

Das ist nicht bekannt. Die beiden Figuren tragen die Tracht des 15. Jahrhunderts, ein Ritter in Plattenrüstung und eine Dame im langen Mantel.

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