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Scalloway Castle: Die Burg des Earl Patrick Stewart auf Shetland

Scalloway Castle: Die Burg des Earl Patrick Stewart auf Shetland

Scalloway Castle ist ein vierstöckiges Tower House mit L-förmigem Grundriss auf Shetland, zwischen 1599 und 1602 für Earl Patrick Stewart errichtet. Die Große Halle füllt das ganze erste Obergeschoss, Eckturmchen mit Zierkonsolen prägen die Fassade. Hier tagte das Gericht der Inseln, und seit 1908 steht die Ruine unter staatlichem Schutz.

Scalloway Castle beherrscht den Hafenort Scalloway an der Westküste der Shetland-Hauptinsel. Wer von der Straße her an der Kehre namens „The Scord“ ankommt, sieht Hafen, Brücke, die kleinen Inseln der Hafeneinfahrt und über allem den grauen Turm mit seinen Eckturmchen. Er gehört zu den prägendsten Bildern der Inselgruppe.

Die Burg ist ein Bau der Renaissance, nicht des Mittelalters: Sie entstand um das Jahr 1600 und ist das eindrucksvollste Denkmal der frühen Neuzeit auf Shetland. Diese Seite erzählt, wie das Haus gebaut ist, wer es errichten ließ, was in seiner Halle verhandelt wurde und welche Rolle es im Zweiten Weltkrieg spielte. Wer die Schwesterburg im Norden kennenlernen möchte, findet sie auf der Seite zu Muness Castle.

LageHafenort Scalloway, Westküste der Shetland-Hauptinsel
Bauzeit1599 bis 1602
BauherrPatrick Stewart, 2. Earl of Orkney
BauformL-Plan, vier Geschosse und Dachgeschoss
MaßeHauptblock 18 mal 8 Meter, Treppenturm 8 Meter im Quadrat
BaumaterialBruchstein, ursprünglich verputzt, Zierteile aus Eday-Sandstein
Staatlicher Schutzseit 1908

Wer war Earl Patrick Stewart, der Erbauer von Scalloway?

Patrick Stewart wurde 1568 geboren und war der zweite Sohn von Robert Stewart, dem ersten Earl of Orkney. Roberts Vater war König Jakob V. von Schottland; er wuchs zum Teil mit seiner Halbschwester Maria Stuart auf, die ihn zum Sheriff von Orkney und Shetland machte. Jakob VI. erhob ihn 1581 zum Earl of Orkney. Nach Roberts Tod 1593 übernahm Patrick die Herrschaft über die Inseln, den Titel des Earls und das Bistum erhielt er aber erst 1600.

In den 1590er Jahren festigte er seine Macht, führte ein aufwendiges Leben und hörte auf keine Kritiker. Zugleich begann er ein ehrgeiziges Bauprogramm, zu dem Scalloway Castle und der Palast in Kirkwall gehören. Beide Bauten folgten der neuesten europäischen Mode. Über den Palast auf Orkney berichtet die Seite zu den Bishop’s and Earl’s Palaces in Kirkwall, über seinen Landsitz im Westen der Hauptinsel die Seite zum Earl’s Palace in Birsay.

Bis heute lebt Patrick im Gedächtnis der Inseln als „Black Patie“ fort. Man erinnert ihn für die Härte gegen die Bevölkerung, und es gibt zahlreiche Geschichten über seine Grausamkeit. Fest steht, dass er 1602 wegen der Zwangsarbeit beim Bau von Scalloway Castle vor Gericht gebracht wurde. Die Klage vor dem Court of Session in Edinburgh brachte sein Onkel Laurence Bruce von Muness gemeinsam mit dessen Sohn Andrew vor.

Die Macht entglitt ihm Schritt für Schritt: Schulden häuften sich, sein Ruf verfiel, und James Law, der 1605 zum Bischof von Orkney ernannt worden war, trug zu seinem Sturz bei. 1609 wurde Patrick festgenommen und in Dumbarton Castle eingesperrt. 1612 und 1614 versuchte sein unehelicher Sohn Robert, den Palast in Kirkwall und Kirkwall Castle an sich zu reißen; der Aufstand scheiterte, und Robert wurde hingerichtet. 1615 gestand Patrick, den Befehl zu dem Aufstand gegeben zu haben, und wurde zum Tod verurteilt. Die Hinrichtung fand 1615 in Edinburgh statt.

Wie viel an den Legenden um Black Patie stimmt, lässt sich kaum trennen. Die Geschichten verraten oft mehr über das Entstehen von Mythen im 19. Jahrhundert als über den Mann selbst.

Wie ist das Haus gebaut: Grundriss, Mauern und Türmchen?

Das Haus ist ein L-förmiger Bau mit vier Geschossen und einem Dachgeschoss. Der Hauptblock liegt in Ost-West-Richtung, 18 Meter lang und 8 Meter breit. An der Südwestecke springt ein quadratischer Treppenturm vor, im Fachwort „Jamb“, mit 8 Metern Seitenlänge. Die Mauern bestehen aus Bruchstein aus der Umgebung, der ursprünglich verputzt war. Reste des Putzes sind besonders an der Nordseite erhalten. Für Tür- und Fenstergewände nahm man Sandstein von der Insel Eday auf Orkney.

An allen Ecken sitzen Türmchen. Das Türmchen am Nordostende des Hauptblocks ruht auf Konsolen ab dem ersten Obergeschoss und enthält eine Wendeltreppe zu den oberen Geschossen. Bei den anderen Ecken beginnen die Konsolen erst ab dem dritten Geschoss. Die Konsolen zeigen zwei Reihen schachbrettartig versetzter Steine, dazwischen liegen Schießscharten. Unter den Fenstern des zweiten Geschosses sitzen vierpassförmige Schießscharten, im Nordost-Türmchen kreisrunde, und beide Formen sind mit denen von Muness Castle auf Unst identisch.

Die Ruine von Scalloway Castle mit Eckturmchen und L-förmigem Grundriss über dem Hafen von Scalloway auf Shetland

Der Eingang liegt in der Ostseite des Treppenturms und hat einen Rundbogen mit Wulstprofil. Darüber sitzt eine Tafel. Eine im 18. Jahrhundert aufgezeichnete lateinische Inschrift nannte Patrick Stewart, Earl von Orkney und Shetland, und endete mit dem Spruch: Das Haus, dessen Grundlage Fels ist, werde stehen; das auf Sand gebaute aber vergehe. Die Jahreszahl lautete 1600. Heute ist der Text verwittert.

Das Mauerwerk von Scalloway wurde einst mit Zierteilen aus Sandstein geschmückt, von denen viele fehlen. Der Earl of Morton erlaubte 1754 Andrew Mitchell, behauene Steine, Türgewände und Fensterornamente abzutragen, um sie am Haa of Sand zu verwenden, einem neuen Haus etwa zehn Kilometer nordwestlich. Zwei Türrahmen mit Architrav stehen dort heute noch im Garten.

Was lag im Inneren: Küche, Halle und Wohnräume?

Hinter dem Eingang liegt eine tonnengewölbte Eingangshalle mit der Haupttreppe geradeaus. Links führt ein gewölbtes Lager, rechts ein Gang zum gewölbten Korridor an der Südseite des Hauptblocks. Von ihm geht im Westen die gewölbte Küche ab. Ein großer Kamin füllt die westliche Außenwand, ein Brunnen sitzt in der östlichen Trennwand. Der gleich große gewölbte Raum im Osten hat keinen Kamin.

Die Haupttreppe ist eine Scale-and-platt-Treppe, also eine gerade Treppe mit Absätzen, die bis zum ersten Obergeschoss reicht. Dort liegt die Halle, die das ganze Geschoss des Hauptblocks einnimmt. Sie ist 13,7 Meter lang, 6,9 Meter breit und war ursprünglich 4,57 Meter hoch. Zwei Kamine heizten sie, der große in der Südwand und ein kleinerer in der Ostwand. Gegenüber dem großen Kamin sitzt in der Nordwand eine Anrichtenische. Die Halle ist hervorragend belichtet: je zwei Fenster in Süd-, Ost- und Westwand und drei in der Nordwand. Auf den Wänden sind noch große Putzflächen erhalten.

Die oberen Geschosse zeigen die Wohnräume. Im zweiten Geschoss des Treppenturms liegt ein Raum mit Kamin und je einem Fenster in den anderen Wänden. Der Hauptblock hat im zweiten Geschoss zwei Kamine und in jeder Wand zwei Fenster; in der Dicke der Nordwand sitzen zwei Abortkammern. Das dritte Geschoss hat drei kleine Kamine in West-, Süd- und Ostwand. Eine Kammer im Treppenturm besaß ebenfalls einen Kamin und drei runde Kammern in den Ecktürmchen.

Blick in die Halle einer Burgruine mit Kamin, Fenstern und Putzresten an den Wänden unter offenem Himmel

Ungewöhnlich ist die Raumfolge: Die Halle nimmt das ganze erste Geschoss ein, ohne dass auf derselben Ebene private Räume liegen. Ein Vorbild für eine Halle über die volle Breite des Hauptblocks ist Newark Castle in Port Glasgow aus dem Jahr 1597. In Scalloway kam eine zweite Aufgabe hinzu: Die Halle war der Gerichtssaal der Inseln, und die privaten Räume lagen deshalb getrennt in den oberen Geschossen.

Warum war Scalloway Sitz von Verwaltung und Gericht?

Im 17. Jahrhundert wurde die Burg zum Zentrum der Verwaltung und des Rechts auf Shetland. Die Verlegung nach Scalloway markierte das Ende der skandinavischen Herrschaft über die Nordinseln. Der wichtigste Versammlungsplatz für das oberste Gericht war bis dahin Law Ting Holm in Tingwall, rund vier Kilometer entfernt. Earl Patrick verlegte die Verhandlungen in die Große Halle, sobald die Burg fertig war. Auf der Seite zu Jarlshof sieht man, wie das alte Shetland unter nordischer Herrschaft stand; hier endete es.

1611 verbot der Privy Council die „fremden Gesetze“, damit auch das nordische Rechtsbuch. 1602 ließ Patrick zwei Männer unter Mordverdacht in der Burg festhalten, 1604 wurde hier ein Streit um Grundbesitz beigelegt. Auch nach der Verhaftung des Earls ging die Rechtsprechung weiter: Bischof Law hielt 1612 und 1613 Gerichtstage in Scalloway ab. 1640 wurde eine neue Klinge für die „Maiden“ bestellt, eine frühe Guillotine. Gefangene saßen im „lach volt of the jame“, dem niedrigen Gewölbe im Treppenturm.

Zwischen 1600 und 1650 fanden in der Halle Hexenprozesse statt. Am 2. Oktober 1616 wurden drei Frauen verurteilt und hingerichtet. Solche Hinrichtungen fanden meist westlich der Burg am Gallow Hill statt, dem Galgenhügel oberhalb des Ortes. Im Gerichtsbuch von 1615 heißt der Ort „the gallow hill abone Houll“, und der Straßenname Houl Road erinnert noch an die Häusergruppe Houll am Fuß des Hügels. Die Prozesse setzten sich nach 1650 fort, aber nicht mehr in der Burg.

Die Macht des Hauses war kurz. 1675 predigte ein Pfarrer in der Burg, weil die Kirche in Tingwall repariert werden musste. Im folgenden Jahr hatte sie ein verrottetes Dach und kaputte Türen und Fenster, und um 1700 war sie verfallen. Dazu passt, dass die Hauptstadt der Inseln im 18. Jahrhundert nach Lerwick wechselte.

Wie verfiel die Burg und wann kam sie in Staatsobhut?

Der Pfarrer John Brand schrieb 1701, die Dachschiefer fielen mit jedem Sturm herunter und das Holz beginne zu faulen. 1733 schrieb der Grundbesitzer Thomas Gifford, es stünden nur noch die Mauern. 1792 fertigte der Hydrograph Edward Henry Columbine eine Skizze an, und 1814 besuchte Walter Scott die Ruine; er sprach von zerrissenen Mauern, die dem Seewind freien Zugang gewährten. 1883 beklagte John Tudor, ohne Vernachlässigung und Vandalismus stünde das Haus noch unversehrt da. Die Dachziegel aus Sandstein, die um 1600 aufgelegt wurden, fielen im 18. Jahrhundert ab und fanden an anderen Häusern der Gegend neue Verwendung.

1908 übernahm das Office of Works die Burg durch ein Minute of Agreement mit Lawrence Dundas, dem Marquess of Zetland. Eigentum und Staatsobhut werden so getrennt: Der Besitz blieb in privater Hand, die Pflege übernahm der Staat. Scalloway war das erste Bauwerk der Zeit nach dem Mittelalter, das nach dem Ancient Monuments Act in staatliche Obhut kam. Die Burg wurde gesichert und für Besucher hergerichtet.

Grabungen in der Umgebung 1979 und 1980 brachten viel Keramik aus den Niederlanden, Deutschland, England, China und Persien ans Licht, dazu Ziegel, Fliesen, Tonpfeifen und Münzen. Spuren von Nebengebäuden oder Gärten fanden sich nicht. Die Funde liegen heute bei den National Museums Scotland, und im Shetland Museum in Lerwick sind Dachziegel der Burg zu sehen.

Welche Rolle spielte die Burg unter Cromwell und im Zweiten Weltkrieg?

Im Jahr 1653 richtete Cromwells Armee eine Garnison in Scalloway ein, zuerst unter Robert Lilburne, dann unter Edward Lunne. In diese Jahre fiel der Erste Englisch-Niederländische Krieg von 1652 bis 1654. Die kleine Besatzung blieb bis zur Wiederherstellung der Monarchie 1660.

Im Zweiten Weltkrieg waren rund 20.000 Soldaten auf Shetland stationiert. In Scalloway bewachten Geschütze der Royal Artillery die Hafeneinfahrt, und Straßensperren kontrollierten den Zugang zum Ort. Nördlich der Burg lag ein Lager der Royal Air Force; an seiner Stelle steht heute das Scalloway Museum.

Berühmt ist Scalloway durch die „Shetland Bus“. Nach dem Einmarsch Deutschlands in Norwegen im April 1940 fuhren in dunklen Winternächten Fischerboote mit norwegischen Besatzungen und brachten Flüchtlinge nach Shetland. 1942 wurde der Stützpunkt von Lunna nach Scalloway verlegt, weil die Werft von William Moore and Sons die norwegischen Schiffe warten konnte. Der britische Offizier David Howarth beschrieb später, dass Waffen und Sprengstoff für Norwegen in Verstecken auf den Inseln lagerten, eines davon im Verlies der Burg von Scalloway.

Der Hafen von Scalloway auf Shetland mit Fischerbooten und der Burgruine auf dem Hügel dahinter bei bedecktem Himmel

Die Besatzungen der Shetland Bus unternahmen 210 Fahrten, brachten über 400 Tonnen Waffen, Sprengstoff und Nachschub nach Norwegen und retteten mehr als 300 Flüchtlinge. 44 norwegische Seeleute starben dabei. An sie erinnert seit 2003 ein Denkmal an der Main Street. Ab 1943 ersetzten U-Boot-Jäger die Fischerboote.

Wie hat sich das Umfeld verändert, und was ist in der Nähe?

Ursprünglich lag die Burg dicht am Wasser und blickte unmittelbar auf den Hafen. In den 1980er Jahren entstand östlich ein neuer Kai, und aufgeschüttetes Land trägt seither Gebäude der Fischerei. So erscheint die Burg heute vom Wasser abgerückt. Die kräftige Silhouette über der Bucht bleibt dennoch ein Anziehungspunkt, und auch die Menschen im Ort empfinden das Haus als Teil ihrer Identität. Für das Flaggenprojekt eines Jugendzentrums wählte man die Burg als Symbol, und sie steht in der Fahne des Ortes neben einem Segelschiff und einer Abwandlung der Shetland-Flagge.

In der Nähe lassen sich die Zeugnisse sehr verschiedener Epochen verbinden. Der Broch von Clickimin bei Lerwick stammt aus der Eisenzeit, und der Turm von Mousa ist der am besten erhaltene Broch Schottlands. Einen Überblick über die Inselgruppe gibt die Seite zu Shetland.

Von Orkney her lohnt der Vergleich mit Noltland Castle auf Westray. Dort sitzen vierpassförmige Schießscharten, die denen von Scalloway und Muness gleichen. Zusammen mit dem Palast in Kirkwall bilden die vier Bauten eine Gruppe von nationaler Bedeutung für die Architektur Schottlands.

Wann wurde Scalloway Castle gebaut?

Zwischen 1599 und 1602. Die Inschrift über dem Eingang trug die Jahreszahl 1600.

Wer ließ die Burg bauen?

Patrick Stewart, der zweite Earl of Orkney, in Shetland als „Black Patie“ bekannt. Er wurde 1615 in Edinburgh hingerichtet.

Wie groß ist die Halle?

Die Halle misst 13,7 mal 6,9 Meter und war ursprünglich 4,57 Meter hoch. Sie nimmt das ganze erste Obergeschoss des Hauptblocks ein.

Warum ist die Burg in Scalloway so bekannt?

Sie war Sitz von Verwaltung und Gericht der Inseln, wurde 1653 Garnison der Cromwell-Armee und lag im Zweiten Weltkrieg am Stützpunkt der Shetland Bus. Zudem prägt sie das Ortsbild.

Seit wann gehört die Burg zur staatlichen Obhut?

Seit 1908, durch ein Minute of Agreement mit dem Marquess of Zetland. Sie war das erste Bauwerk der Zeit nach dem Mittelalter, das so geschützt wurde.

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