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Ruthven Barracks bei Kingussie: Kaserne nach 1715 auf dem Burghügel über dem Spey

Ruthven Barracks bei Kingussie: Kaserne nach 1715 auf dem Burghügel über dem Spey

Ruthven Barracks stehen auf einem steilen Hügel über dem Spey-Tal bei Kingussie in den Highlands. Die Regierung von Georg I. ließ die Kaserne zwischen 1719 und 1721 nach dem Jakobitenaufstand von 1715 bauen. 1746 sammelten sich hier die Überlebenden von Culloden. Auf demselben Hügel standen zuvor mittelalterliche Burgen der Comyns und der Gordons.

Ruthven Barracks sieht man schon von Weitem. Ein glatter, regelmäßiger Hügel erhebt sich aus der Flussebene des Spey, darauf stehen hohe Mauern mit leeren Fenstern, vor dem Hintergrund der Berge. Die Anlage gehört zu den bekanntesten Bildern der Highlands. Dahinter steckt keine Burg des Adels, sondern ein Militärposten, den eine fremde Regierung baute, um ein Gebirge unter Kontrolle zu bringen.

Diese Seite führt durch die Geschichte des Ortes: vom mittelalterlichen Burghügel der Comyns über die Kaserne nach 1715 bis zum Winter 1746. Sie beschreibt, wie die Anlage aufgebaut war, wie die Belagerung von 1745 verlief und was nach der Schlacht von Culloden hier geschah. Die Kaserne ist der beste Einstieg in das Thema Jakobiten, das Sie auf unserer Geschichtsseite im größeren Zusammenhang finden.

Lageauf einem Hügel über dem Spey-Tal bei Kingussie, Highlands
Bauzeit1719 bis 1721, unter Georg I.
ZweckGarnison zur Überwachung der Highlands und Durchsetzung des Entwaffnungsgesetzes von 1716
Stallungenergänzt 1734 auf Anregung von General Wade
Vorgängermittelalterliche Burgen der Comyns und der Gordons, erhalten ist nur der Brunnen
SchutzstatusScheduled Monument und Kategorie A denkmalgeschützt

Warum steht gerade hier ein Burghügel über dem Spey?

Der Hügel liegt im Tal des Spey, an einer Stelle, an der sich Wege nach Norden, Süden, Osten und Westen kreuzen. Er ist ein auffälliger, glatter Hügel aus eiszeitlichen Ablagerungen über der breiten Aue des Flusses. Wer ihn besitzt, kann die Verbindungen durch das Tal überwachen. Diese Lage hat dazu geführt, dass der Ort über viele Jahrhunderte militärisch genutzt wurde und im Kampf um die Highlands immer wieder eine Rolle spielte.

Schon im 13. Jahrhundert wählten die Comyns den Hügel als Hauptsitz ihrer Herrschaft Badenoch. Im späten 14. Jahrhundert gehörte sie Alexander Stewart, dem berüchtigten „Wolf von Badenoch“, bevor sie an die Krone zurückfiel. 1451 war die Anlage teilweise zerstört. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ließ der sechste Earl of Huntly eine neue Burg aus Stein errichten.

Im 17. Jahrhundert blieb der Ort in den Kriegen der Zeit ein Brennpunkt. 1649 besetzten englische Truppen unter Cromwell die Burg, 1689 wurde sie erneut zerstört. Von diesen Vorgängern ist heute nur noch der Brunnen sichtbar. Er wurde von den Soldaten des 18. Jahrhunderts weiterverwendet. Wie die älteren Burgen aussahen, ist weitgehend unbekannt.

Welche Rolle spielten die Jakobitenaufstände?

Hinter dem Bau der Kaserne steht ein Streit um den Thron, der Großbritannien ein halbes Jahrhundert lang beschäftigte. Als James VII. und II. 1688 ins Exil ging, weil sein protestantischer Schwiegersohn Wilhelm von Oranien und seine Tochter Maria an seine Stelle traten, begann eine Reihe von Aufständen, die den Stuarts die Krone zurückbringen sollten. Es ging um Glauben und Erbfolge. Die Hannoveraner waren Protestanten, die Stuarts Katholiken. 1701 beschränkte der englische Parlamentsbeschluss, der Act of Settlement, den Thron auf Protestanten.

Nach dem Tod von James im Jahr 1701 führte sein Sohn James Francis Edward Stuart, der „Alte Prätendent“, den Anspruch fort, ohne Erfolg. Der Aufstand von 1715 scheiterte ebenfalls. Die Regierung von Georg I. wollte die Highlands dauerhaft kontrollieren. Dazu gehörten das Entwaffnungsgesetz von 1716 und ein Netz von Garnisonen, zu dem neben Ruthven auch Fort William, Fort Augustus, Inverness und Bernera zählten.

Ruthven gehört zu vier neuen Kasernen, die nach 1715 in den Highlands entstanden. Nach Bernera in Glenelg ist Ruthven das am besten erhaltene Beispiel. Die Anlage dient heute als sichtbarer Beleg dafür, wie viel Geld und Organisation die Regierung in diese Kampagne steckte. Ein Plan der Ordnance-Behörde aus dem frühen 18. Jahrhundert hält die vorgesehene Befestigung fest und stimmt weitgehend mit dem Bau überein. Ein Teil der Pläne wich ab: Man versetzte etwa den Brunnen und änderte einzelne Gewölbe und Schießscharten.

Die Ruine von Ruthven Barracks auf einem grünen Hügel mit Bergen im Hintergrund

Wie war die Kaserne aufgebaut?

Die Anlage entstand zwischen 1719 und 1721 auf dem alten Burghügel. Zwei lange Kasernenblöcke stehen sich über einem Exerzierhof gegenüber. Jeder hat drei Geschosse und ein Dachgeschoss über einem Halbkeller, und auf jeder Etage liegen zwei Räume mit je 5,5 mal 5,2 Metern, getrennt durch ein Treppenhaus. Pro Block gab es sechs Räume, in denen die Soldaten zu zehnt untergebracht waren, je zwei in einem Bett. Die Rückwände haben Schießscharten, die im Keller aber bald zugemauert wurden.

Eine Mauer mit Schießscharten verbindet die äußeren Ecken der Kasernenblöcke und umschließt einen annähernd quadratischen Hof von etwa 28 mal 26 Metern. An der Nordwest- und Südostseite bilden offene Gewölbe die Wehrmauer, darüber verlief ein Wehrgang. Von dort kam man in die oberen Geschosse der Türme an der Ost- und Westecke, in denen Offiziere wohnten. Im Erdgeschoss des Westturms lagen ein Backofen und die Reste eines Braukessels, im Osturm die Wache.

1734 baute man nordwestlich der Kaserne Stallungen für Pferde. General Wade hatte dies angeregt. Dragoner, die als Boten auf dem Netz der Militärstraßen unterwegs waren, nutzten sie. Dafür öffnete man in der Nordwestmauer eine Pforte und entfernte die dortigen Latrinen. Die Kasernen konnten zwei Kompanien aufnehmen, also etwa 120 Mann samt Offizieren.

Die Mauern der Kaserne von Ruthven mit hohen Bogenöffnungen auf dem Hügel

Was geschah 1745 und 1746?

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Bau kam die Garnison zum ersten Mal ernsthaft zum Einsatz. Im August 1745 landete Charles Edward Stuart, „Bonnie Prince Charlie“, am 19. August bei Glenfinnan und sammelte schnell ein Heer. Die Jakobiten zogen in Edinburgh ein, siegten am 21. September 1745 bei Prestonpans und gelangten bis Derby, bevor sie sich zurückzogen. Mehr über den Ort der Landung finden Sie auf der Seite zu Glenfinnan.

Ende August 1745 belagerten etwa 300 Jakobiten die Kaserne. Zwölf Rotröcke im Inneren hielten sie ab. Ein Soldat starb. Sein Sergeant berichtete, er habe „töricht den Kopf über die Brüstung gehoben“. Als die Jakobiten im Februar 1746 mit schweren Geschützen zurückkehrten, ergab sich die Besatzung bald. Die Kaserne ging an Männer unter Gordon von Glenbuchat.

Ruthven entschied keinen Feldzug. Die Kaserne zeigt aber, wie schnell ein Posten in den Highlands zum Ziel wurde, sobald der Aufstand begann.

Warum sammelten sich nach Culloden alle in Ruthven?

Am 16. April 1746 trafen die Jakobiten bei Drummossie Moor auf das Heer der Regierung unter dem Herzog von Cumberland. Es war die letzte Feldschlacht auf britischem Boden. Die Artillerie der Regierung verschaffte ihr schnell die Oberhand, die Jakobiten durchbrachen die erste Linie, saßen aber zwischen erster und zweiter Linie fest. Das Heer wich zurück.

Die Überlebenden sammelten sich in Ruthven und warteten auf Befehle ihres Anführers. Seine Antwort traf am 20. April 1746 ein. Jeder Mann solle selbst für seine Sicherheit sorgen, so gut er könne. Chevalier Johnstone beschrieb die Antwort später als rücksichtslos gegenüber denen, die sich für Charles geopfert hatten. Damit war der Aufstand vorbei.

Charles floh über die Westküste auf die Insel Skye und kehrte auf den Kontinent zurück, ohne je nach Großbritannien zurückzukommen. Die Regierung ging mit Härte gegen die Highlands vor, mit dem Ziel, die Clanstruktur aufzulösen. Nach Culloden entstand Fort George, entworfen von William Skinner, als größtes Bauprojekt der Highlands bis zum Kaledonischen Kanal. Die Garnison von Corgarff Castle gehört in dieselbe Zeit.

Der Hügel von Ruthven Barracks in der Weite des Spey-Tals unter bewölktem Himmel

Wie wurde aus der Garnison eine Ruine?

Die Regierung ließ die Kaserne nach 1746 verfallen. Der Duke of Gordon erwarb sie 1792 zurück, doch es kam zu keiner neuen Nutzung. Der Hof wurde später teilweise gestaltet, aber nie bewohnt. 1929 lehnte der Staat ein Angebot zur Übernahme ab. 1958 stellte man die Anlage unter Schutz, und weil sich ihr Zustand verschlechterte, nahm man sie auf eine Überwachungsliste auf. Ab 1961 wurden dringende Sicherungsarbeiten ausgeführt, 1968 übernahm der Staat die Anlage.

Große Teile des Innenraums und der Stallungen wurden vor der Präsentation archäologisch untersucht, der Brunnen nur teilweise. Spuren einer Besiedlung vor dem 13. Jahrhundert fehlen. Unter dem Nordwestteil des Hofs fand man 1983 Reste älterer Bauten. Die hohen Mauerkronen haben die Zeiten überstanden und prägen den Eindruck.

Für den Clan MacPherson, dessen Vorfahren die Kaserne 1745 angriffen, ist der Ort von besonderem Interesse. Die Hinterlassenschaft der Hannoveraner in den Highlands des 18. Jahrhunderts bleibt für viele ein Thema, das Gefühle auslöst.

Was macht die Lage in der Landschaft so eindrucksvoll?

Der Hügel ist weithin sichtbar, und die Mauerreste zeichnen sich dramatisch gegen den Himmel ab. Nachts ist die Anlage beleuchtet. Die Kaserne beherrscht das weite Spey-Tal, das noch heute die wichtigste Verbindung von Norden nach Süden ist, die A9. Das Tal ist selbst ein schönes Landschaftsbild, und die Kaserne steht in einer besonderen Beziehung zu ihm. Nicht weit vom Fluss liegt das Naturschutzgebiet Insh Marshes, dessen flaches, sumpfiges Gelände die strategische Wirkung des Hügels betont.

Für die Planung einer Reise lohnt die Verbindung mit dem Cairngorms-Nationalpark und der übrigen Highlands. Beides liegt im selben Tal, das die Kaserne überblickt.

Wann wurde Ruthven Barracks gebaut?

Zwischen 1719 und 1721, nach dem Jakobitenaufstand von 1715, auf Anordnung der Regierung von Georg I.

Wozu diente die Kaserne?

Sie sollte Infanterie beherbergen, die Gegend überwachen und das Entwaffnungsgesetz von 1716 durchsetzen.

Was geschah 1745 und 1746 in Ruthven?

Im August 1745 hielten zwölf Soldaten etwa 300 Jakobiten ab. Im Februar 1746 ergab sich die Garnison vor schweren Geschützen.

Warum sammelten sich nach Culloden Jakobiten hier?

Die Überlebenden warteten in Ruthven auf Befehle von Charles Edward Stuart. Am 20. April 1746 kam seine Antwort, jeder solle sich selbst retten.

Was blieb von den mittelalterlichen Burgen?

Nur der Brunnen. Die Burgen der Comyns und der Gordons standen auf demselben Hügel.

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