Rennibister Earth House liegt am Südufer der Bay of Firth auf Mainland, mitten auf einem Bauernhof. Der unterirdische Bau der Eisenzeit besteht aus einer sechseckigen Kammer, einem gebogenen Gang und vier freistehenden Pfeilern. 1926 brach ein Dreschwagen durch das Dach, und darunter lagen die Knochen von rund 18 Menschen. Seit 1927 steht die Anlage in staatlicher Obhut.
Rennibister Earth House ist ein Stück Alltag der Eisenzeit, das ein Zufall ans Licht brachte. Anders als die Brochs mit ihren Türmen und Dörfern zeigt der Bau, wie gewöhnliche Bauern auf Orkney lebten: unter einem Rundhaus, in einem Keller aus Stein, in dem sie Vorräte lagerten. Dass hier die Knochen von rund 18 Menschen sorgfältig niedergelegt wurden, macht den Ort besonders.
Diese Seite erklärt, wie der Bau aussieht, wie er 1926 entdeckt wurde, was mit den Knochen geschah, welche Bedeutung die Fachwelt Erdhäusern beimisst und welche Stätten der Eisenzeit in der Nachbarschaft liegen. Als Ergänzung bieten sich der Midhowe Broch und der Broch of Gurness an.
| Lage | Südufer der Bay of Firth, Mainland, Orkney, auf einem Bauernhof |
|---|---|
| Zeit | Eisenzeit, 1. Jahrtausend v. Chr. |
| Kammer | sechseckig, rund 3,3 m mal 2,5 m, 1,5 m hoch |
| Gang | rund 3,7 m lang und etwa 0,7 m hoch, leicht gebogen |
| Entdeckung | 1926, als ein Dreschwagen durch das Dach brach |
| Geschützt | in staatlicher Obhut seit 1927 |
Fragen, die wir beantworten
Wo liegt Rennibister, und was ist ein Erdhaus?
Rennibister liegt am Südufer der Bay of Firth, knapp zurückgesetzt von der heutigen Küste, im Herzen von Mainland. Der Bau steht inmitten eines modernen Bauernhofs, dessen Namen er trägt: Der Name Rennibister geht auf den Hof zurück, der um den Bau entstand. Oberirdisch ist von der Eisenzeit nichts mehr zu sehen, nur der Zugang mit seiner modernen Luke.
Ein Erdhaus, auch Souterrain genannt, ist ein unterirdischer, mit Steinen ausgekleideter Gang mit einer Kammer. In Orkney sind solche Bauten im ersten Jahrtausend v. Chr. häufig. Ihr Name als Erdhaus war im frühen 20. Jahrhundert für diesen Bautyp gebräuchlich. Heute spricht man im größten Teil Schottlands von Souterrains, nur einige Stätten in Orkney tragen weiter den älteren Namen.
Früher hielt man Erdhäuser für isolierte Anlagen. Die moderne Archäologie zeigt, dass die meisten vom Inneren eines Rundhauses aus betreten wurden. Wo die Spuren erhalten sind, finden sich über dem Erdhaus Siedlungsreste, etwa Verfärbungen von Rundhäusern, Asche, Abfall und gelegentlich Mauern. Rennibister gehörte zu einer kleinen Siedlung, deren Spuren unter den Hofgebäuden liegen.
Wie ist Rennibister gebaut?
Die Kammer ist sechseckig und misst rund 3,3 mal 2,5 Meter bei einer Höhe von 1,5 Metern. Ihre Wände bestehen aus Trockenmauerwerk. In fünf der sechs Ecken sitzen kleine rechteckige Nischen, an der sechsten beginnt der Gang. Die Nischen sind unterschiedlich groß und hoch, eine ist durch ein Steinbrett in zwei Fächer geteilt. Als der Bau gefunden wurde, waren sie leer. In den Kammern von Erdhäusern sind solche Nischen selten, sie finden sich eher im Gang.
Der Gang ist rund 3,7 Meter lang, nur etwa 0,7 Meter hoch und leicht gebogen. Er öffnet sich über dem Kammerboden, ist aus Mauerwerk in Lagen und aufrecht gestellten Platten gebaut und steigt zur Oberfläche an. Die aufrechten Platten im Gang sind ein ungewöhnliches Merkmal. Am fernen Ende ist er durch Abfallschichten und Steine verschlossen, und dieser Teil wurde nie untersucht.
Das Dach der Kammer ruht auf vier freistehenden Steinpfeilern, den Orthostaten. Jeder trägt eine Deckenplatte, die hinten in die Wand eingemauert ist, und auf diesen liegen die überlappenden Platten des Dachs. Dass die Pfeiler weit von den Seitenwänden entfernt stehen, ist ein ungewöhnliches Merkmal, das nur in Orkney vorkommt. Anderswo in Schottland wachsen die Pfeiler aus der Kammerwand.
Der Bau wurde in glazialen Lehm und darunter in den Fels geschnitten. Der Lehm ist hinten in den Nischen zu sehen, der Fels am Boden. Der Untergrund gehört zur Upper-Stromness-Flagstone-Formation, einem Plattenstein, den Orkney in Hülle und Fülle bietet. Die Bauleute verwendeten sowohl gebrochene Platten als auch abgerundete Platten. Dünne Füllsteine glichen die Platten aus und stabilisierten das Ganze.

Wie kam Rennibister 1926 ans Licht?
Das Erdhaus wurde 1926 entdeckt, als ein Dampfdreschwagen auf dem Hof von Rennibister Farm durch das Dach der Kammer brach. Die Landarbeiter bargen die Maschine und fanden darunter die unterirdische Kammer. Noch am selben Nachmittag trafen Mitglieder der Orkney Antiquarian Society ein. Am nächsten Morgen begann unter seiner Leitung die Untersuchung.
Nach dem Räumen des Schutts vom eingestürzten Dach untersuchte man den Inhalt der Kammer, brach die Arbeit aber nach zwei Tagen ab, weil man den Bau in staatliche Obhut nehmen wollte. Marwick barg die Knochen und sandte sie an das Nationalmuseum in Edinburgh, wo Thomas Bryce sie untersuchte. Die Knochen sind seither verloren. Ein neuer Versuch, sie zu finden, blieb erfolglos.
1927 kam die Stätte durch eine Vereinbarung in staatliche Obhut. 1928 folgten die Abschlussarbeiten: Das Mauerwerk wurde gesichert, und man schuf einen sicheren Zugang durch das Loch im Dach statt durch den niedrigen, engen Gang. Dabei erhielten einige Pfeiler Stützen aus Metall, eine Luke mit Leiter kam hinzu, und eine zweite Luke wurde am fernen Ende des Gangs eingesetzt.
Der Bau war vor dem Einsturz vollständig erhalten, ein Zeugnis für die Sorgfalt, mit der er errichtet wurde. Die Mitglieder der Orkney Antiquarian Society bewiesen mit ihrer schnellen Reaktion, wie wichtig Landwirte und Altertumsfreunde für die Archäologie sind: Viele Denkmäler werden bei Feldarbeiten entdeckt.
Was weiß man über die Knochen in der Kammer?
In der Kammer lagen Knochen von rund 18 Menschen, mindestens 12 Kindern und sechs Erwachsenen, Männern wie Frauen. Sie waren sorgfältig niedergelegt worden, bevor der Bau verschlossen wurde. Viele Schädel standen gesammelt am Fuß eines der Pfeiler, die meisten umgedreht und auf dem Unterkiefer ruhend. Die meisten übrigen Knochen lagen auf der gegenüberliegenden Seite der Kammer, mit einzelnen verstreuten Stücken dazwischen.
Vollständige Skelette waren nicht vertreten. Schädel und Schädelteile waren gut vertreten, Röhrenknochen deutlich seltener, und viele Knochen waren Bruchstücke. Die Knochen sind verloren, eine neue Untersuchung ist also nicht möglich. Schon die Forscher der 1920er-Jahre erkannten, dass der Fund eine bewusste Niederlegung ist, und die spätere Analyse hat das bestätigt.
Die Niederlegung erfolgte am Ende der Lebenszeit des Baus, bevor man ihn verschloss. Dass in einem Erdhaus menschliche Überreste liegen, ist außergewöhnlich selten. Zwar fanden sich später ähnliche Knochen bei Grabungen in Windwick auf South Ronaldsay, doch Rennibister bleibt eine der wenigen Stätten mit einem solchen Befund.
Rennibister zeigt, wie eng im Denken der Eisenzeit Alltag und Ritual verbunden waren. Heutige Deutungen sehen in Erdhäusern Lagerräume für die Siedlung darüber und zugleich Orte häuslicher Riten. Die Trennung zwischen geistlichem und alltäglichem Handeln war weniger scharf als heute.

Wie lebte man in der Eisenzeit auf Orkney?
Das Leben drehte sich um die Landwirtschaft, vor allem um die Rinderhaltung, daneben blieben Fischfang und Jagd wichtig. Verschiedene Arten von Stätten zeigen eine Gesellschaft mit sozialer Rangordnung. Viele Menschen lebten in Rundhäusern, die oft zu kleinen Dörfern zusammenstanden. In Orkney gibt es außerdem Dorfanlagen um einen zentralen Turm, den Broch. Brochs waren bis zu 13 Meter hohe Rundbauten mit mehreren Geschossen, in manchen gab es einen Brunnen oder eine Zisterne.
Der Bau von Rennibister gehört zur Alltagsseite dieser Welt. Er unterscheidet sich vom Broch of Gurness und von Midhowe, wo Familien der Oberschicht lebten, und vom Zeremonienplatz Mine Howe im Osten von Mainland. Gerade die Alltäglichkeit macht ihn wertvoll: Das gewöhnliche Leben ist archäologisch schwerer zu fassen als das der Eliten. Rennibister und das Erdhaus von Grain gewähren einen Blick auf den Alltag des einfachen Bauern.
Zu den Fertigkeiten gehörten Steinbau, Viehhaltung, Werkzeugherstellung, Fellverarbeitung, Töpferei und Speisenzubereitung. Die Gemeinschaften waren weitgehend selbstversorgend und in ein lokales Netz eingebunden, wie die anderen Stätten der Eisenzeit rund um die Bucht zeigen.
Welche Stätten der Eisenzeit liegen in der Nachbarschaft?
Rund vier Kilometer östlich liegen im Gewerbegebiet von Hatston vier Erdhäuser. Das Erdhaus bei Saverock grub 1848 der Marineoffizier Captain F. W. L. Thomas mit den Orkney-Forschern George Petrie und Robert Heddle aus. Ein weiteres kam 1939 beim Bau des Flugplatzes von Hatston zutage, und zwei gehören zu Grain: eines wurde 1827 entdeckt, das andere 1982 beim Bau eines Parkplatzes. Insgesamt kennt man über fünfzig Erdhäuser in Orkney.
Weniger als einen Kilometer westlich steht an der Küste der Broch von Ingashowe. Rund um die Bay of Firth liegen weitere Brochs, darunter einer auf der Insel Damsay und Anlagen bei Firth, Burness und Redland. Keine dieser Stätten ist in neuerer Zeit ausgegraben worden, sodass das Ausmaß der eisenzeitlichen Besiedlung der Bucht offen bleibt. Klar ist, dass das Gebiet fruchtbar und geschützt war und eine große Bevölkerung ernähren konnte.
Auf Mainland gehören Maeshowe und Skara Brae zur jungsteinzeitlichen Welt der Insel, Earl’s Palace in Birsay und die Paläste in Kirkwall zur nordischen und späteren Zeit. Weitere Ziele finden Sie bei Orkney.
Wie alt ist Rennibister Earth House?
Der Bau stammt aus der Eisenzeit, aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. Er war Teil einer kleinen Siedlung und wurde vom Inneren eines Rundhauses aus betreten.
Wie wurde Rennibister entdeckt?
1926 brach ein Dampfdreschwagen durch das Dach der Kammer. Noch am selben Tag kamen Mitglieder der Orkney Antiquarian Society, am nächsten Morgen begann die Untersuchung unter Hugh Marwick.
Was fand man in der Kammer?
Knochen von rund 18 Menschen, mindestens 12 Kindern und sechs Erwachsenen, sorgfältig niedergelegt. Die Knochen sind verloren.
Warum heißt der Bau Erdhaus oder Souterrain?
Beide Namen bezeichnen einen unterirdischen, mit Stein ausgekleideten Gang mit Kammer. Souterrain ist heute in Schottland der gebräuchlichere Begriff, Erdhaus der ältere.
Seit wann ist Rennibister in staatlicher Obhut?
Seit 1927. 1928 wurde das Mauerwerk gesichert und der Zugang durch das Dach geschaffen.
Weitere Stätten auf Orkney entdecken
Vom Erdhaus bis zum Broch: unsere Übersicht der historischen Stätten.
Passend dazu: Cuween Hill Chambered Cairn.
