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Noltland Castle: Die Burg mit 71 Schießscharten auf Westray

Noltland Castle: Die Burg mit 71 Schießscharten auf Westray

Noltland Castle auf der Orkney-Insel Westray ist eine Burg des 16. Jahrhunderts mit 71 Schießscharten, ein Z-förmiger Bau mit zwei Ecktürmen. Gilbert Balfour, in Mord und Hofintrigen verstrickt, begann ihn 1560 und vollendete ihn nie. Die breite Treppe mit geschnitztem Mittelpfosten gehört zu den schönsten ihrer Art in Schottland.

Noltland Castle sieht aus der Ferne wie ein gewöhnlicher schottischer Wohnturm des 16. Jahrhunderts aus. Aus der Nähe zeigt sich die Besonderheit: 71 Schießscharten, in Reihen über die Wände verteilt, machen den Bau zu einer Artilleriefestung, die zugleich als bequemes Haus eines reichen Mannes geplant war. Sein Bauherr, Sir Gilbert Balfour, führte ein Leben, das von Politik, Gewalt und Flucht geprägt war.

Diese Seite erklärt die Lage am Hafen von Pierowall, den Grundriss, die Treppe, die Lebensgeschichte des Bauherrn und die Ereignisse nach seinem Tod. Als Ergänzung bieten sich der Bischofs- und Earlspalast in Kirkwall und Knap of Howar auf der Nachbarinsel an.

LageWestray, Orkney, nahe dem Hafen von Pierowall
Bauzeitab 1560, in mehreren Abschnitten bis 1574, nie vollendet
GrundrissZ-Form, Hauptbau rund 27 m mal 11 m
TürmeSüdwestturm rund 9 m im Quadrat, Nordostturm rund 8 m
Bewaffnung71 Schießscharten, in Reihen angeordnet
Geschütztin staatlicher Obhut seit 1910/11

Wo liegt Noltland Castle auf Westray?

Westray gehört zu den nördlichen Inseln von Orkney, und die Burg liegt nahe bei Pierowall, einem natürlichen Hafen der Inselgruppe. Von den oberen Ebenen reicht der Blick über den Hafen, die nördlichen Orkney-Inseln und gelegentlich bis Fair Isle. Das erinnert daran, wie wichtig Seewege und Sicherheit waren.

Der Platz liegt in einer guten Verteidigungslage, doch die Burg ist nicht die erste an dieser Stelle. Im Bericht von Jo Ben über Orkney aus dem Jahr 1529 steht eine „ausgezeichnete, noch nicht fertiggestellte Burg“. Nach dem Baustil kann damit nicht der heutige Bau gemeint sein. So bleibt offen, ob schon früher eine Burg an diesem Ort stand.

In der Umgebung finden sich weitere Stätten: die Links of Noltland, die Kirche von Westside, Tuquoy und die Kirche von Pierowall. Bei Grabungen im Hof an der Nordseite kam 1925 ein früher christlicher Friedhof an der Westseite der Burg zutage, dessen Gräber auch unter Teilen des Baus liegen. Über ihn ist wenig bekannt, doch er verleiht dem Ort zusätzliches Gewicht.

Wie ist die Burg gebaut?

Noltland ist ein Z-förmiger Bau, also ein länglicher Hauptbau mit zwei quadratischen Türmen an gegenüberliegenden Ecken. Der Hauptbau misst rund 27 mal 11 Meter und enthält über einem gewölbten Küchentrakt mit Vorratsräumen die Halle und eine Kammer. Der Südwestturm ist rund neun Meter im Quadrat groß, der Nordostturm rund acht Meter. Das Gebäude steht an der Nordseite eines ummauerten Hofs.

Geplant war ein dreigeschossiger Oberbau. Fertig geworden sind nur der Nordostturm und der anschließende Wohnflügel. Diese Teile tragen Wehrgänge auf Kragsteinen und zylindrische Türmchen, zwischen denen sich die Treppengiebel der steilen Dächer erheben. Der Rest blieb unvollendet, deshalb ist die Burg heute eine Ruine ohne Dach.

Die Aufteilung zeigt, wie Diener, Gäste und Familie das Haus nutzten: Im Erdgeschoss liegen Küche und Vorräte, darüber die Wohnräume. Die beiden unteren Geschosse waren dunkel und wurden nur durch die Schießscharten belichtet. Das obere Geschoss wirkt wie eine Kaserne. Die Zahl der Schießscharten ist beeindruckend und fast übertrieben. Sie setzt ein deutliches Zeichen von Wehrhaftigkeit, obwohl die Burg ein bequemes Wohnhaus war.

Dachlose Burgruine mit Treppengiebeln und runden Eckturmchen über einer flachen grünen Inselfläche

Wie wohnte man hinter den Schießscharten?

Noltland war als befestigtes, aufwendiges und komfortables Zuhause eines reichen und wichtigen Mannes gedacht. Im Erdgeschoss liegen großzügige Wirtschaftsräume, darunter die gewölbte Küche mit den Vorratsräumen. In den Etagen darüber lagen die prachtvollen Wohnräume der Herrschaft, die Halle und die Kammer. Wer das Gebäude heute betrachtet, erkennt an der Anordnung, auf welchen Wegen Diener, Gäste und Familie in die verschiedenen Teile gelangten.

Der Gegensatz zwischen innen und außen prägt den Eindruck. Von außen wirkt die Burg streng, kriegerisch und schmucklos, die vielen verzierten Schießscharten haben eine dramatische Wirkung. Innen dagegen sind die Räume weit, und die Treppe ist ein Schaustück. Die Silhouette mit den hohen Treppengiebeln ist über eine große Entfernung zu sehen.

Das Mauerwerk steht gut erhalten. Die Burg ist ein sehr gut bewahrtes befestigtes Haus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, und man versteht an ihm, wie der Platz im Inneren genutzt wurde. Das unterscheidet sie von vielen anderen Ruinen, bei denen von der Raumaufteilung nur Fundamente übrig sind.

Was macht die Treppe so besonders?

Die breite Haupttreppe gehört zu den bedeutendsten Teilen des Hauses. Sie ist eine „scale and platt“-Treppe, bei der gerade Läufe über Absätze führen statt einer Wendeltreppe, und eine der schönsten Treppen dieser Art in Schottland. Der geschnitzte Mittelpfosten endet in einem kräftigen, spitz zulaufenden runden Kapitell.

Treppen waren in der Renaissance Orte der Darstellung. Wer das Haus betrat und die Treppe zu den Räumen des Herrn hinaufstieg, sollte beeindruckt sein. Das gilt auch für andere Bauten, etwa den Earl’s Palace in Kirkwall und das Fyvie Castle in Aberdeenshire. In Noltland trifft die Pracht der Treppe auf eine Außenwirkung, die kriegerisch und schmucklos ist.

Für einzelne Bauteile verwendete man roten Sandstein aus Eday, der eingeführt wurde. Der Bau war insgesamt sehr aufwendig. Wer die Burg entwarf und ob die Handwerker von auswärts geholt wurden, ist nicht bekannt.

Warum ist Noltland ein Meilenstein in Orkney und Shetland?

Noltland ist die erste Renaissance-Burg und das erste befestigte Herrenhaus, das auf Orkney und Shetland entstand. Es ist zugleich das erste große Gebäude, das auf Orkney seit dem „Goldenen Zeitalter“ im 12. Jahrhundert neu errichtet wurde. Zwar hatte Bischof Reid im 16. Jahrhundert begonnen, den Bischofspalast in Kirkwall umzubauen, doch Noltland steht am Anfang einer sehr regen Bauphase.

Reiche und mächtige weltliche und geistliche Herren errichteten in den folgenden Jahrzehnten Burgen, Paläste und befestigte Herrenhäuser. Dazu gehören der Earl’s Palace in Kirkwall und der Earl’s Palace in Birsay, daneben Scalloway Castle und Muness Castle auf Shetland. Auch das Huntly Castle in Aberdeenshire und das Fyvie Castle werden mit Noltland zusammen gesehen. Solche Bauten verbinden die Architektur im Norden Schottlands mit Entwicklungen im übrigen Schottland und darüber hinaus.

Den Bau hatte kein Earl, sondern ein Adliger in Auftrag gegeben, dessen Lebensgeschichte der nächste Abschnitt erzählt.

Wer war Gilbert Balfour?

Sir Gilbert Balfour war der Sohn von Balfour of Mountquhanie und Schwager von Adam Bothwell, dem Bischof von Orkney. Er war Sheriff von Orkney, Konstabler der Burg von Kirkwall und Haushofmeister von Maria Stuart. 1560 überließ ihm sein Schwager, der Bischof, das Land auf Westray, auf dem er baute.

Balfour hatte eine bewegte Vergangenheit. 1546 war er in den Mord an Kardinal Beaton in St Andrews verwickelt, über das Ereignis berichtet die Seite zum St Andrews Castle. 1567 half er, Lord Darnley, den zweiten Ehemann der Königin, zu ermorden. Nach der Verhaftung Marias floh er nach Westray. Später kehrte er aufs Festland zurück und trat für die gestürzte Königin ein. 1572 verließ er das Land. Vier Jahre danach starb er in Schweden, wo er für König Johan III. kämpfte.

Sein befestigter Wohnsitz lag fern von Kirkwall auf Westray. Der Text einer Inschrift am Eingang ist dem Buch Exodus entnommen: „Wenn ich das Blut sehe, werde ich in der Nacht an euch vorübergehen.“

Steinerne Treppe mit geschnitztem Mittelpfosten im Inneren einer Burg aus Sandstein

Was geschah nach Balfour mit der Burg?

1572 besetzte Lord Robert Stewart die Burg vorübergehend. 1598 belagerte Earl Patrick Stewart sie. Im 17. Jahrhundert wurde südlich des Hauptbaus ein Gebäudeflügel angefügt, den ein Hof umschloss. Von dieser Anlage stehen die Südmauer und die Fundamente. Im 18. Jahrhundert entstanden weitere Bauten an den Ost- und Westmauern des Hofs.

1745 nahmen besiegte jakobitische Offiziere in der Burg Zuflucht, und hannoversche Truppen steckten sie in Brand. Danach blieb sie eine Ruine. 1910/11 kam sie in staatliche Obhut. Der Hof wird im 18. Jahrhundert als Garten bezeichnet, ob dort schon früher ein angelegter Garten bestand, ist ungeklärt.

Was unter dem Boden liegt, ist kaum bekannt. Die Ausgrabungen von 1925 sind nicht veröffentlicht, und ihre genaue Lage lässt sich nicht bestimmen. In neuerer Zeit gab es nur kleine Untersuchungen vor Leitungsarbeiten, die nichts Bemerkenswertes ergaben. Wie das Gelände vor der Burg genutzt wurde und welche Rolle es in der späten Wikingerzeit der Insel spielte, ist offen.

Was gibt es auf Westray und den Nachbarinseln zu sehen?

Die Jungsteinzeit prägt die Inseln: Auf Papa Westray, der Nachbarinsel, stehen die Häuser von Knap of Howar. Bei den Links of Noltland auf Westray wurden Reste von Auerochsen nachgewiesen. Dazu kommen die Kirchen von Pierowall und Westside.

Auf Mainland liegen die Paläste von Kirkwall und Birsay, die zur selben Bauwelle gehören wie Noltland. Wer die Burg besucht, richtet den Blick auf die Inselgruppe als Ganzes. Einen Überblick bietet die Seite zu Orkney.

Wer baute Noltland Castle?

Sir Gilbert Balfour ab 1560. Er war Sheriff von Orkney und stand in enger Verbindung mit Maria Stuart.

Wie viele Schießscharten hat die Burg?

71, in Reihen über den Hauptbau verteilt.

Was blieb unvollendet?

Geplant war ein dreigeschossiger Oberbau, fertiggestellt wurden nur der Nordostturm und der Wohnflügel.

Was ist eine Z-förmige Burg?

Ein länglicher Hauptbau mit zwei quadratischen Türmen an gegenüberliegenden Ecken.

Seit wann ist die Burg in staatlicher Obhut?

Seit 1910/11.

Weitere Burgen und Stätten entdecken

Von Orkney bis zu den Borders: unsere Übersicht der historischen Stätten.

Zu den Sehenswürdigkeiten

Passend dazu: Scalloway Castle, Muness Castle.