Muness Castle auf der Insel Unst ist die nördlichste Burg der Britischen Inseln. Laurence Bruce ließ das Z-förmige Tower House in den 1590er Jahren errichten, trägt die Inschrift über dem Eingang die Jahreszahl 1598. Zwei Rundtürme, Zierkonsolen, Schießscharten und eine Scale-and-platt-Treppe zeigen den Stil des schottischen Festlands.
Muness Castle steht auf der Shetland-Insel Unst, auf einer grasigen Erhebung nahe der Küste. Weiter nördlich gibt es auf den Britischen Inseln keine Burg. Der Anblick überrascht: zwei runde Ecktürme, dicke, verwitterte Mauern und feine Steinmetzarbeit an einem Ort, an dem man eher Crofts und Schafweiden erwartet.
Die Burg war der erste Bau im Stil der schottischen Renaissance auf Shetland und bedeutete einen Bruch mit der bisherigen skandinavischen Bauweise. Diese Seite beschreibt Grundriss und Details, erzählt von ihrem Bauherrn und dem Streit mit dem Earl of Orkney und erklärt, was die Inschrift über dem Eingang sagt. Das Gegenstück im Süden der Inselgruppe ist Scalloway Castle.
| Lage | Insel Unst, Shetland, nördlichste Burg der Britischen Inseln |
|---|---|
| Bauzeit | 1590er Jahre, Inschrift mit der Jahreszahl 1598 |
| Bauherr | Laurence Bruce von Cultmalundie |
| Bauform | Z-Plan mit Rundtürmen an zwei gegenüberliegenden Ecken |
| Maße | Hauptblock 22,3 mal 7,9 Meter |
| Baumaterial | Bruchstein aus Schiefer, Gabbro und Serpentin, Zierteile aus rotem Sandstein |
| Staatlicher Schutz | seit 1956 |
Fragen, die wir beantworten
- Warum steht eine Renaissance-Burg am Rand der Britischen Inseln?
- Wie ist Muness gebaut: Z-Plan, Türme und Mauerwerk?
- Was steht über dem Eingang, und woher stammt die Tür?
- Wie ist das Innere aufgeteilt, von der Küche bis zur Halle?
- Welche Vorbilder stehen hinter Muness?
- Wie verlief der Streit zwischen Bruce und dem Earl of Orkney?
- Wie endete die Nutzung, und was ist erhalten geblieben?
Warum steht eine Renaissance-Burg am Rand der Britischen Inseln?
Die Geschichte des Ortes vor der Burg ist schlecht bekannt. Im 15. Jahrhundert gehörte Muness zum Besitz des Klosters Munkeliv in Bergen. Vor dem Bau der Burg gab es keinen größeren Herrschaftssitz an dieser Stelle, und Spuren eines älteren Gebäudes sind nicht bekannt. Eine Grabung hat bisher nicht stattgefunden. Die Burg stand einst über einem Süßwassersee im Süden, der heute mit Torf gefüllt ist, und überblickte einen Ankerplatz, den Ham of Muness.
Dass hier gebaut wurde, hängt mit der Familie Stewart zusammen. Robert Stewart, ein unehelicher Sohn von Jakob V., war seit 1564 Lehnsherr von Orkney und Shetland und wurde 1581 Earl of Orkney. Sein Halbbruder Laurence Bruce kam vor 1570 zu ihm auf die Inseln. Beide waren Söhne von Eupheme Elphinstone, die 1535 John Bruce von Cultmalundie geheiratet hatte. Bruce, geboren 1547, stammte aus der Gegend nordwestlich von Perth.
Bruce wurde zur rechten Hand des Earls auf Shetland: Er war Foud, also Sheriff, Admiral-Depute, Kämmerer der Ländereien des Earls und verwaltete die früheren Güter des Bistums. Er war zweimal verheiratet: zuerst mit Helen Kennedy von Girvan Mains, dann mit Elizabeth Gray, der Tochter des 5. Lord Gray, deren Familie Sitze auf Fowlis Castle und Castle Huntly hatte. Seit spätestens Juli 1589 ist er auf Muness nachweisbar.

Wie ist Muness gebaut: Z-Plan, Türme und Mauerwerk?
Der Bau entstand in einer einzigen Phase in den 1590er Jahren und wurde danach nicht mehr wesentlich verändert. Der rechteckige Hauptblock liegt in Nordwest-Südost-Richtung und misst außen 22,3 mal 7,9 Meter. An zwei gegenüberliegenden Ecken sitzen Rundtürme, der südliche mit etwa 5,5 Metern Breite, der nördliche mit etwa 5,2 Metern. Ihre Mauern sind dünner als die des Hauptblocks. Diese Anordnung heißt Z-Plan. Die vorspringenden Türme erlaubten, Schüsse an allen Seiten der Burg entlangzuführen, und sie ließen Raumfolgen auf mehreren Ebenen zu.
Die Mauern bestehen aus Bruchstein der Umgebung, aus Schiefer, Gabbro und Serpentin, und wurden verputzt. Große Putzreste haben sich vor allem im Nordosten erhalten. Für Gewände und Zierteile holte man roten Sandstein von außerhalb. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss stehen fast unversehrt, das Dachgeschoss nur zum Teil. Vom Dach sind die Giebelkamine im Nordwesten und Südosten und die unteren Lagen der Türmchen geblieben.
Am auffälligsten sind die Türmchen mit ihren Konsolen. Vier durchlaufende Bänder von Profilen sitzen darunter, darüber zwei Reihen schachbrettartig versetzter Konsolen mit Blindscharten dazwischen. Die meisten Fenster haben abgeschrägte Kanten, nur die der Halle im ersten Geschoss sind abgerundet. Alle Fenster im ersten Geschoss haben unter den Sohlbänken Schießscharten und Scharten, in vielen Formen von vierpassförmig bis schlicht.
Eine Besonderheit blieb lange unbeachtet: Die schmalen Fenster an den Treppen haben Stürze mit zwei Bögen, die sich oben in einer Spitze treffen. Das Motiv hat in Schottland keine Entsprechung. Das nächste bekannte Beispiel steht in Deutschland: Das Johann-Friedrichs-Bau von Schloss Hartenfels in Torgau, 1533 bis 1536 erbaut, hat größere Fenster mit ähnlich geformten Stürzen. Am Keller von Craignethan in Lanarkshire gibt es zwei entfernt ähnliche Fenster aus den 1530er Jahren.
Was steht über dem Eingang, und woher stammt die Tür?
Der reich verzierte Türrahmen mit seitlichen Ohren, ein „lugged architrave“, wurde allerdings erst 1959 hier eingesetzt. Er stammt zusammen mit dem Gesims darüber vom aufgegebenen Old House of Lund an der Westseite von Unst. Man hatte angenommen, dass er ursprünglich von Muness komme. Das Gesims besteht aus anderem Stein und gehört nicht zur Tür.
Über dem Eingang sitzen zwei Tafeln in profilierten Rahmen. Die obere umgibt das geviertelte Wappen von Laurence Bruce und seiner Frau Elisabeth Gray. Die untere trägt eine Inschrift in erhabenen Buchstaben, in schottischem Dialekt: „List ze to knaw yis building quha began, Laurence the Bruce he was that worthy man, quha ernestly his airis and ofspring prayis to help and not to hurt this vark aluayis, the zeir of God 1598.“ Sinngemäß: Hört, wer dieses Bauwerk begonnen hat – Laurence Bruce, der würdige Mann, der seine Erben und Nachkommen eindringlich bittet, dieses Werk immer zu fördern und niemals zu schädigen. Im Jahr des Herrn 1598.
Die oberen vier Zeilen haben eine eher gotische Schrift, die unterste ist in kleineren römischen Buchstaben ausgeführt. Die Jahreszahl 1598 gehört zum Bau; ob sie den Beginn oder den Abschluss der Arbeiten markiert, bleibt offen.

Wie ist das Innere aufgeteilt, von der Küche bis zur Halle?
Im Erdgeschoss liegen vier gewölbte Räume, verbunden durch einen gewölbten Korridor, der durch das ganze Gebäude läuft. Jeder der beiden Ecktürme enthält ein kleines Zimmer. Im Nordwesten lag die Küche mit großem Kamin, Backofen und Abfluss. Rechts vom Eingang steigt die Haupttreppe auf, eine Scale-and-platt-Treppe, die bis zum zweiten Geschoss reicht. Eine schmale Nebentreppe verbindet das Zimmer im Südosten mit der Halle darüber.
Die Mitte des ersten Geschosses nimmt die Halle ein, beleuchtet von zwei Fenstern im Südwesten und einem im Nordosten. Rechts davon liegt eine Anrichtenische, dazu kommen kleine Wandschränke. Ein auffallend breiter Kamin füllt den größten Teil der Nordostwand. Rechts daneben führt eine Tür zu einem annähernd quadratischen Vorzimmer mit Kamin und einem Fenster, an das sich im Nordturm ein Kabinett mit drei kleinen Fenstern anschließt.
Am anderen Ende der Halle liegt ein L-förmiger Raum mit Kamin, der in ein geräumigeres rundes Zimmer im Südturm führt, wieder mit Kamin und drei kleinen Fenstern. Solche Appartements an beiden Enden der Halle sind ungewöhnlich, kommen aber auch in Newark Castle bei Port Glasgow und im Palast von Kirkwall vor. Das zweite Geschoss im Dachraum wiederholt die Aufteilung fast gleich. Eine Wendeltreppe in der Nordostwand des Vorzimmers führt hinauf. In den Gewölben des Erdgeschosses stehen behauene Steine, die von der Burg stammen und aus der Nähe zu betrachten sind.

Welche Vorbilder stehen hinter Muness?
Muness ist ein kleines, aber vollendetes Beispiel eines Z-Plan-Hauses. Der größte und vornehmste Vertreter dieses Typs ist das unvollendete Drochil Castle in Peeblesshire, um 1580 für den Regenten Morton gebaut. Von dort stammen zahlreiche kleinere Nachahmer, darunter Edinample Castle in Stirlingshire von 1584, Claypotts bei Dundee und Colliston in Angus von 1583. Die Konsolen der Türmchen von Muness ähneln denen am Südwestturm von Drochil und fast völlig denen des Palastes in Kirkwall.
Eine Scale-and-platt-Treppe besitzt auch der italienisch geprägte Nordflügel von Crichton Castle in Midlothian, den Francis Stewart, Earl of Bothwell, in den 1580er Jahren baute. Pläne mit Treppen dieser Art und mit Z-förmigen Häusern veröffentlichte der französische Baumeister Jacques Androuet du Cerceau. Auch Newark Castle in Port Glasgow, 1597 datiert, hat eine solche Treppe.
Andrew Crawford war Master of Works von Earl Patrick Stewart, John Ross sein Steinmetzmeister. Beide sind erstmals um 1600 beim Bau von Scalloway Castle belegt. Das Alte Haus von Sumburgh, das heutige Jarlshof, wurde 1591 gebaut und besitzt nichts von den Merkmalen von Muness und Scalloway. Schießscharten, Konsolen und Türmchen verbinden Muness mit Scalloway und mit dem Palast in Kirkwall; hinzu kommt Noltland Castle auf Westray. Zusammen bilden diese Bauten eine Gruppe von herausragender Bedeutung für die Architektur Schottlands.
An Muness ist nichts provinziell. Das Haus gehört in die erste Reihe der schottischen Renaissance-Häuser. Weil es auf einem unbebauten Platz entstand, kurz bewohnt und kaum verändert wurde, zeigt es gut, wie eine Gutsbesitzerfamilie um 1600 wohnen wollte.
Wie verlief der Streit zwischen Bruce und dem Earl of Orkney?
Anfangs arbeiteten die Halbbrüder eng zusammen. Doch schon 1576 ging bei der Regierung in Edinburgh eine Beschwerde der Bevölkerung von Shetland über Bruces harte Methoden ein. Bruce wurde nicht ernsthaft bestraft und kehrte mit dem zusätzlichen Amt des Admiral-Depute zurück, mit der Auflage, sich zu bessern. Gegen beide Familien gingen zahlreiche Petitionen an den schottischen Hof ein, man warf ihnen vor, ausbeuterische Grundherren zu sein.
Nach dem Tod von Earl Robert 1593 wurde das Verhältnis zu dessen Sohn Patrick zunehmend feindselig. Patrick zog Pächter von Bruce zur Arbeit beim Bau von Scalloway Castle ein, beschlagnahmte Güter und entführte Gefolgsleute Bruces. Der Streit zog sich durch die 1590er Jahre und weit in die 1600er Jahre. 1602 erhielt Bruce eine dauerhafte Befreiung von der Gerichtsbarkeit des Earldoms. So unterstand er direkt der fernen Krone. Patrick war bereit, bewaffnete Gewalt einzusetzen. Muness hat unter jedem Fenster des ersten Geschosses Schießscharten.
1609 wurde Patrick wegen Hochverrats festgenommen und 1615 hingerichtet. Bruce hatte ab 1608 die Verwaltung seiner Güter auf Shetland seinem zweiten Sohn Andrew übertragen, während der älteste Sohn Alexander die Güter in Perthshire übernahm. Laurence blieb auf Unst und starb 1617 mit siebzig Jahren auf Muness.
Wie Scalloway steht damit auch Muness für den Wandel der Gesellschaft unter den beiden Stewart-Earls: Das Recht des schottischen Festlands und seine Bräuche verdrängten die skandinavischen Gewohnheiten. Einen Überblick bietet die Seite zur Geschichte Schottlands.
Wie endete die Nutzung, und was ist erhalten geblieben?
Die Burg war nur kurz bewohnt: gebaut um 1598, aufgegeben bis etwa 1750, 1794 ohne Dach. 1627 fiel im Krieg gegen Spanien und Frankreich ein Geschwader feindlicher Schiffe auf Shetland ein und griffen die Burg an.
Von der Ausstattung blieben wenige Spuren. Eine aufwendig geschnitzte Eichenholztafel mit dem Wappen der Bruces und einem Teil des Wahlspruchs „Amor Vincat Omnia“ – die Liebe besiege alles – liegt im Shetland Museum in Lerwick. Dazu kommt ein 32 Zentimeter langer Türklopfer aus Messing mit demselben Wappen und dem Namen „Andro Brus“, der 1881 in Sand Lodge bei Sumburgh verzeichnet wurde. Andrew war der zweite Sohn von Laurence und erbte Muness.
Von den Gärten ist wenig zu sehen. Im Südwesten zeichnen sich drei Terrassen ab, die sich etwa 50 Meter von der Südfront erstrecken, und ein Hügel liegt im Südosten. Ackerland um die Burg war auf Shetland ungewöhnlich, und Bruce legte es an. Heute liegt die Burg in einer offenen, beweideten Landschaft mit Bauernhäusern des 19. Jahrhunderts im Norden.
Wo liegt Muness Castle?
Auf der Insel Unst auf Shetland. Es ist die nördlichste Burg der Britischen Inseln.
Wer ließ Muness Castle bauen?
Laurence Bruce von Cultmalundie, ein Halbbruder von Robert Stewart, dem ersten Earl of Orkney. Die Inschrift über dem Eingang nennt das Jahr 1598.
Was bedeutet Z-Plan?
Der Grundriss besteht aus einem rechteckigen Hauptblock mit runden Türmen an zwei gegenüberliegenden Ecken. Der Plan erlaubte Schüsse entlang aller Seiten und Wohnräume auf mehreren Ebenen.
Welche Besonderheit zeigen die kleinen Fenster?
Ihre Stürze tragen zwei Bögen, die sich in einer Spitze treffen. Das Motiv ist in Schottland sonst unbekannt, das nächste Beispiel steht in Deutschland.
Seit wann ist die Burg in staatlicher Obhut?
Seit 1956.
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