Midhowe Broch liegt auf einer Landzunge an der Südwestküste der Orkney-Insel Rousay, über dem Eynhallow Sound. Der eisenzeitliche Turm steht noch 4,3 Meter hoch und ist von mindestens sechs kleineren Häusern umgeben. Ein Wall mit zwei Felsgräben sperrt die Landzunge ab. Walter Grant und James Yorston legten den Broch in den 1930er-Jahren frei; 1934 kam er in staatliche Obhut.
Midhowe Broch auf Rousay gehört zu den ersten eisenzeitlichen Stätten im Norden Schottlands, die umfassend ausgegraben und rasch veröffentlicht wurden. Der Turm aus dicken Steinmauern steht auf einer schmalen Landzunge über dem Meer, flankiert von zwei engen Felsspalten, den Geos. Um ihn drängen sich die Reste von mindestens sechs Häusern, vor dem Ganzen schützt ein breiter Wall mit zwei Gräben. Die Anlage stammt aus der Eisenzeit und zeigt, wie ein Broch samt Siedlung über Jahrhunderte wuchs und sich veränderte.
Diese Seite erklärt, was ein Broch ist, wie der Turm gebaut wurde, welche Bauten ihn umgeben, wie die Ausgrabung der 1930er-Jahre ablief und was die Funde über das Leben vor rund 2.000 Jahren verraten. Wer die Eisenzeit auf Orkney im Vergleich sehen möchte, findet auf der Seite zum Broch of Gurness den engsten Verwandten.
| Lage | Landzunge an der Südwestküste von Rousay, Orkney |
|---|---|
| Anlage | Broch mit Nebengebäuden, Wall (Forework) und zwei Felsgräben |
| Höhe heute | 4,3 Meter |
| Datierung | Eisenzeit, spätestens 1. Jahrhundert n. Chr. |
| Ausgrabung | 1929 bis 1933, Walter Grant und J. Graham Callander |
| Staatliche Obhut | seit 1934 |
Fragen, die wir beantworten
Was ist ein Broch?
Brochs sind Rundtürme mit dicken Trockenmauern aus Stein. Sie kommen nur in Schottland vor und gehören zu den wenigen Bauformen, die es nirgends sonst gibt. Typisch sind ein annähernd runder Grundriss, eine hohle, von Gängen und Kammern durchzogene Mauer, ein einziger schmaler Eingang und eine Treppe in der Mauerstärke. Meist liegen Brochs im Norden und Westen, im Süden dagegen selten.
Wie viele es einmal gab, lässt sich nicht sagen. Die Schätzungen reichen von 150 bis 600 Fundstellen. Etwa 80 erfüllen die enge Definition eines Turmbrochs. Wann die ersten entstanden, zeigen Radiokarbondaten: In Shetland wurden Brochs zwischen 400 und 200 v. Chr. gebaut, auf South Uist vor 100 v. Chr. Aus Orkney selbst gibt es bisher keine genauen Bauzeiten. Für Midhowe steht fest, dass der Turm spätestens im 1. Jahrhundert n. Chr. stand, und er kann deutlich älter sein.
Auf Orkney und in Caithness stehen viele Brochs inmitten von Gruppen kleiner Häuser, sogenannten Broch-Dörfern. Midhowe gehört dazu. Mehr über die Bauform zeigt die Seite zum Mousa Broch auf Shetland, der als höchster erhaltener Broch Schottlands bekannt ist.

Warum steht der Broch gerade hier?
Midhowe Broch liegt auf einer kleinen Landzunge über niedrigen Klippen und blickt nach Süden und Westen über das Ende des Eynhallow Sound. Der Sund trennt Rousay vom Festland von Orkney. An seinen Ufern stehen mindestens zehn Brochs, mehrere davon, darunter Gurness, sind von Midhowe aus zu sehen.
Der Turm ist das mittlere von drei Hügelbauten, die auf wenig mehr als einem halben Kilometer liegen: North Howe, Midhowe und South Howe. North Howe ist nicht ausgegraben, South Howe wird vom Meer abgetragen. Das Wort „Howe“ stammt vom altnordischen haugr, einem Hügel. Als die Wikinger Orkney besiedelten und den Orten Namen gaben, war Midhowe längst verlassen und ein grasbewachsener Hügel.
Das Land ringsum ist einer der besten Böden der Gegend, mit Zugang zu Moor für die Weide und zum Meer für den Fang. Die Strömung im Sund ist stark; wer sie nicht kannte, tat sich schwer mit der Anfahrt. Wer sich Midhowe von der Seeseite näherte, sah den Turm schon von weitem. Der Weg zur Anlage führt heute vom Fahrweg der Insel steil bergab oder vom Hof Westness am Ufer entlang, vorbei an einem ausgegrabenen Hof der Nordleute mit Grabstätte.
Wie ist die Anlage aufgebaut?
Die Landzunge ist durch einen massiven Wall abgeriegelt, das „Forework“. Es ist ein Steinwall mit Trockenmauerwerk, der von zwei schmalen, tief in den Fels geschlagenen Gräben begleitet wird. Fast ganz sperrt er die Landzunge ab; nur an der Südseite bleibt ein Durchgang. Solche Vorwerke gehören zu den kräftigsten, die bei einem Broch gefunden wurden.
Im Inneren des Walls steht der Turm, daneben drängen sich die kleineren Gebäude. Sie wurden erst nach dem Broch gebaut und stoßen aneinander. Einige sind auch jünger als das Vorwerk und sein Innengraben. Am Ende überbaute man sogar den Innengraben, um mehr Platz zu gewinnen. Das jüngste Haus schneidet in die Rückseite des Walls.
Das Meer hat die Seeseite der Anlage angegriffen und einen unbekannten Teil abgetragen. Zum Schutz wurde in den 1930er-Jahren eine Schutzmauer an der Seeseite gebaut.
Neben dem Broch fallen drei Dinge auf: Erstens die Steinplatten, die hochkant als Trennwände und Schränke stehen. Zweitens die erhaltenen Drehsteine neben den Türen, in denen sich die Türpfosten drehten. Und drittens zwei Steine mit Schälchen, den sogenannten Cup Marks, die älter sind als alles andere auf dem Platz und in das Mauerwerk eingebaut wurden.

Wie ist der Turm gebaut?
Der Turm besteht aus plattigem Sandstein der Rousay-Flagstone-Schichten, einer Lage des devonischen Old Red Sandstone. Das Gestein ist leicht zu bearbeiten und eignet sich hervorragend für saubere Trockenmauern. Doch der Stein versagt unter Druck und blättert ab, sobald er der Witterung ausgesetzt ist. Darum sind manche Sturze und Plattenwände auf dem Platz heute Ersatz.
Der Turm steht heute noch 4,3 Meter hoch. Er war einst deutlich höher. In der Mauerstärke läuft rings um das Erdgeschoss ein Gang, der sich am Eingang zu zwei gegenüberliegenden Wachkammern erweitert. Dazu kommt ein zweites Gangniveau in der Mauer, das man über eine hochgelegene Tür in der Innenwand und eine Steintreppe erreicht. Über dem Eingangsgang liegt eine Kammer. In 3,4 Meter Höhe läuft rings um die Innenwand ein vorspringender Sims, das Scarcement, auf dem die Balken eines Obergeschosses ruhten. All das sind Kennzeichen eines klassischen Broch-Turms.
Bald nach dem Bau begann die Mauer nachzugeben. Die Wände sackten ab und verformten sich. Die Bewohner reagierten, indem sie einen Teil des Mauergangs fest mit Steinen ausfüllten. Das half: Anders als in Gurness kam der Einsturz zum Stillstand, und der Turm blieb noch eine Weile hoch. Später wurde er abgetragen.
Der Eingangsgang hat ungewöhnliche Details. Die Steinwangen für den Türrahmen reichen bis durch die Decke des Gangs in die Kammer darüber. Quer über den Boden läuft eine hochkant gesetzte Platte, die die Tür sehr dicht schloss. In der rechten Wand liegt ein Riegelloch, das bis in die rechte Wachkammer führt, aber jenseits der Türpfosten, sodass es die Tür von innen nicht sichern konnte.
Im Hof liegt ein tiefer, teilweise in den Fels geschlagener Schacht, der 2,7 Meter unter den Boden reicht. Er wird meist als „Brunnen“ bezeichnet; solche Schächte gibt es auf Orkney mehrfach, bei Gurness und am Mine Howe sind sie aufwendiger gebaut. Wozu er genau diente, ist nicht geklärt.
Was zeigen Einbauten und Häuser?
Das Innere des Turms ist durch hochkant gestellte Sandsteinplatten in zwei fast gleich große Hälften geteilt. Diese Einbauten sind jünger als der Turm und wurden mehrfach umgebaut; in den 1930er-Jahren baute man vieles neu auf. Gleich links hinter dem Eingangsgang liegt ein plattengebauter Schrank, dessen Deckplatte durch Feuer gerissen und mit Asche bedeckt war.
Um den Turm stehen die Reste von mindestens sechs kleineren Gebäuden. Meist nennt man sie Häuser, doch eines diente als Schmiede. Es ist das einzige Gebäude dieser Art in Schottland, das man besichtigen kann. Dort wurde Bronze gegossen und Eisen verarbeitet; Ascheablagerungen blieben liegen. Die Häuser haben zahlreiche kleine Nischen und Schränke. Sie entstanden nacheinander auf dem jeweils besten freien Platz, nicht nach einem Gesamtplan. Orkney-Brochs mit Außenbauten sind häufig; die Häuser in Midhowe gehören zu den wenigen, die Besucher heute betreten können.
Bauweise und Grundriss erinnern stark an den Broch of Gurness. Beide haben den umlaufenden Gang mit Wachkammern am Eingang, beide zeigen Spuren eines frühen Einsturzes. In Gurness ist die Anlage ordentlicher gegliedert, in Midhowe wirkt sie, als habe man die Gebäude auf engem Raum zusammengeschoben.
Die Außenbauten wurden weitergebaut, als der Turm längst abgetragen war. Er füllte sich mit Schutt und wurde aufgegeben; die Siedlung blieb noch Jahrhunderte bewohnt.
Was fanden die Ausgräber?
Die Funde sind für die Eisenzeit auf Orkney typisch: viel schlichte Keramik, Knochenwerkzeuge, darunter Kämme für das Weben, und Gussformen für Bronze. Die Gussformen lagen in den unteren Schichten des Grabens. Daneben kamen Scherben römischer Keramik zutage, Samian-Ware und grobe Gebrauchsware, die zeigen, dass Orkney auch nach dem Bau des Turms Kontakt zur römischen Welt hatte.
Auch die Tierknochen wurden untersucht, was damals ungewöhnlich war. Der Bericht gehört zu den ersten in Schottland, die Tierreste neben den Gegenständen auswerteten. Die Funde werden im National Museum of Scotland in Edinburgh aufbewahrt.
Die Grabung selbst ist eine Geschichte für sich. Im Frühsommer 1929 wurde der Broch of Gurness zufällig entdeckt, und ganz Orkney sprach davon. Walter G. Grant, der reiche Grundbesitzer von Rousay, besaß das Trumland House als Sommersitz; sein Vermögen stammte aus der Whiskyindustrie, darunter Highland Park. Im Juli 1929 besuchte James S. Richardson, Inspektor für Ancient Monuments, die Insel. Gemeinsam wählten sie Midhowe aus, und im Sommer 1929 folgte eine Probegrabung. Grant bezahlte alles selbst; als Co-Leiter gewann er J. Graham Callander, den Direktor des National Museum of Antiquities of Scotland.
Die schwere Arbeit leistete James K. Yorston, ein Mann aus der Gegend. Er karrte 1.500 bis 2.000 Tonnen herabgestürzter Steine und Schutt aus den Bauten. Der Grabungsbericht würdigt ihn ausdrücklich, was damals außergewöhnlich war: Hilfsarbeiter blieben in Berichten sonst anonym. 1933 wurde Yorston zum korrespondierenden Mitglied der Society of Antiquaries of Scotland gewählt. Als Zeichner und Vermesser arbeitete David Wilson mit.
Wie kam der Broch in staatliche Obhut?
Callander trug den Bericht am 12. Dezember 1933 der Society of Antiquaries in Edinburgh vor, nur wenige Monate nach dem Ende der Grabung; veröffentlicht wurde er 1934. Das war ungewöhnlich schnell. Der Bericht hat sich gut gehalten, und seine Abfolge von Bau, Umbau und Aufgabe wird bis heute weitgehend geteilt. Gurness dagegen blieb zwei Generationen lang weitgehend unveröffentlicht.
Grant wollte von Anfang an, dass die Anlage erhalten und gezeigt wird. 1933 bot er sie dem Staat an. Richardson lobte in seinem Schreiben zuerst Yorston, der das Innere des Turms und die Nebengebäude freigelegt und Teile der Mauern vorsichtig gesichert hatte. 1934 kam Midhowe unter Guardianship, und die Arbeiter des Office of Works schlossen die Sicherung rasch ab.
Dabei wurde viel neu aufgemauert, teils mit Mörtel, der das Trockenmauerwerk verändert hat. Dennoch wirkt Midhowe weniger überarbeitet als Gurness. Die Lage der Mauern blieb erhalten, ebenso der Charakter des Steins. Eine Untersuchung der Felder rund um die Anlage hat zudem Spuren weiterer Bauten gefunden, deren Art unbekannt ist. Es gibt also noch viel zu entdecken.
Der Broch liegt zwischen zwei Schutzgebieten, dem Rousay SSSI und der Rousay SPA. Zu den Arten, für die die Gebiete ausgewiesen sind, gehören Küstenseeschwalbe, Schmarotzerraubmöwe, Trottellumme und Eissturmvogel; im Rousay SSSI leben außerdem Fischotter und die Orkney-Wühlmaus.
Was gibt es rund um Midhowe zu sehen?
Gleich neben dem Broch steht Midhowe Chambered Cairn, eines von 15 jungsteinzeitlichen Kammergräbern auf Rousay und das mit Abstand größte. In ihm wurden die Reste von mindestens 25 Menschen gefunden. Beide Stätten lassen sich auf demselben Weg besuchen. Von dort lohnt der Blick über den Sund auf die Brochs am gegenüberliegenden Ufer.
Wer mehr Orkney sehen möchte, findet im Überblick zu Orkney die Verbindungen zwischen den Inseln. Aus der Jungsteinzeit sind Skara Brae und Maeshowe die berühmtesten Beispiele; die Eisenzeit zeigt außer Orkney auch Jarlshof auf Shetland.
Was ist Midhowe Broch?
Ein eisenzeitlicher Rundturm auf der Orkney-Insel Rousay, umgeben von mindestens sechs kleineren Häusern und einem Wall mit zwei Felsgräben.
Wie hoch ist der Turm?
Er steht heute 4,3 Meter hoch. Ein Sims in 3,4 Meter Höhe zeigt, dass ein Obergeschoss einst darauf aufbaute.
Wann wurde der Broch gebaut?
Spätestens im 1. Jahrhundert n. Chr.; eine genauere Bauzeit ist nicht belegt.
Wer grub Midhowe Broch aus?
Walter G. Grant und J. Graham Callander, mit James K. Yorston als Arbeiter. Die Grabung lief von 1929 bis 1933.
Was fanden die Ausgräber?
Schlichte Keramik, Knochenwerkzeuge, Gussformen für Bronze und Scherben römischer Keramik.
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