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Maeshowe auf Orkney: Grabkammer, Wintersonne und Wikinger-Runen

Maeshowe auf Orkney: Grabkammer, Wintersonne und Wikinger-Runen

Maeshowe auf Mainland Orkney ist eine Grabkammer aus der Jungsteinzeit, entstanden um 2700 v. Chr. Der über zehn Meter lange Gang richtet sich nach dem Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende aus. Im Inneren tragen die Wände über 33 Runeninschriften der Wikinger. Der Besuch ist nur mit einer Führung ab dem Besucherzentrum in Stenness möglich.

Maeshowe sieht von außen aus wie ein großer, grasbewachsener Hügel. Erst im Inneren zeigt sich, warum das Bauwerk zu den bedeutendsten der europäischen Jungsteinzeit zählt: riesige Steinplatten, eine hoch aufragende Kammer, drei Seitenzellen und Wände voller nordischer Runen.

Dieser Ratgeber erklärt Bau, Ausrichtung zur Wintersonne, die Runen der Wikinger, die Entdeckung im Jahr 1861 und den praktischen Besuch. Die Nachbarn im Weltkulturerbe sind Skara Brae und der Ring of Brodgar; einen Überblick über die Inselgruppe bietet die Seite zu Orkney.

LageStenness, Mainland Orkney; Besucherzentrum Ireland Road, KW16 3LB
Entstehungum 2700 v. Chr., späte Jungsteinzeit
MaßeHügel etwa 35 m Durchmesser und 7 m hoch, Gang über 10 m lang, Kammer etwa 4,7 m im Quadrat
Runenüber 33 Inschriften aus der Mitte des 12. Jahrhunderts
Zugangnur mit Führung, Buchung online empfohlen; kein Zugang für Rollstühle
EintrittPreise und Zeiten nach Jahreszeit, aktuell auf der Seite von Historic Scotland (Stand November 2026)

Was ist Maeshowe und wie alt ist die Grabkammer?

Maeshowe ist ein Ganggrab, ein überdeckter Steinbau mit langem Zugang und zentraler Kammer. Er gehört zum Weltkulturerbe Heart of Neolithic Orkney, das 1999 in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Nach den Radiokarbondaten entstand die Anlage um 2700 v. Chr.; Hügel, Plattform, Graben und äußerer Wall gehören wahrscheinlich zur selben Bauphase.

Der Hügel misst etwa 35 Meter im Durchmesser und ist rund 7 Meter hoch. Er sitzt auf einer eingeebneten ovalen Plattform, umgeben von einem breiten, flachen Graben und einem Außenwall; die gesamte Anlage ist etwa 80 Meter lang und 70 Meter breit. Das Weltkulturerbe-Gelände umfasst rund einen Hektar. Das Wort howe kommt aus dem Altnordischen und bedeutet Hügel.

Der heutige Hügel ist abgerundet wie eine Puddingform. Frühere Zeichnungen zeigen ihn höher und kegelförmiger, mit einer Mulde auf der Spitze. Die Rundung entstand bei Arbeiten nach 1910, als das Denkmal in staatliche Obhut kam und über dem viktorianischen Gewölbe eine Betonplatte erhielt. Der Hügel besteht aus Erde, Lehm und Steinmauern; der Lehm für die Plattform stammt aus dem Loch of Harray.

Wie wurde Maeshowe gebaut?

Der Zugang liegt im Südwesten. Der Gang ist über zehn Meter lang und bis zu 1,4 Meter hoch, am Eingang für Besucher 119 Zentimeter hoch und 70 Zentimeter breit. Die Wände bestehen überwiegend aus je einer einzigen Sandsteinplatte, einzelne wiegen bis zu drei Tonnen. Auf halber Strecke stehen Türpfosten; ein großer Verschlussstein, der bei der Öffnung 1861 im Gang lag, ist heute in der Nische dahinter eingesetzt.

Der Gang führt in eine Kammer von etwa 4,7 Metern im Quadrat und 4,5 Metern Höhe. In jeder Ecke steht ein mächtiger Sandsteinblock, jeweils von einem Pfeiler aus kleineren Steinen ummantelt. Darüber wölbt sich ein Kraggewölbe, bei dem jede Steinlage ein Stück weiter in den Raum ragt als die darunter. Drei erhöhte Zellen gehen von der Kammer ab; Boden, Rückwand und Decke jeder Zelle bestehen aus einzelnen Steinplatten.

Zuerst errichteten die Bauleute vermutlich die vier Eckblöcke, die wohl auch die Ausrichtung des Gangs festlegten. Danach wuchsen Kammerwände und Dach um sie herum, und zuletzt kamen Stützmauern und der Erdhügel. Die Eckblöcke tragen nichts; ihr Einbau macht die Statik sogar anfälliger. Das spricht dafür, dass sie eine symbolische Bedeutung hatten, vielleicht als Zeichen der Ahnen, denn aufrechte Steine werden in der Vorgeschichte häufig mit Toten verbunden.

Die Arbeit gelang ohne Metallwerkzeug und ohne Maschinen. Unter dem Hügel liegt außerdem ein älterer Bau: Ausgrabungen von 1991 fanden unterhalb der Plattform nahe dem Eingang eine frühere Struktur, vermutlich einen Abfluss, der zu einem Haus gehörte. Bei Howe bei Stromness lag unter einem Ganggrab ebenfalls ein älteres Gebäude.

Was passiert zur Wintersonnenwende in Maeshowe?

Der Gang ist auf den Untergang der Mittwintersonne hinter den Hügeln von Hoy ausgerichtet. Rund drei Wochen vor und nach der Sonnenwende fällt das Licht der untergehenden Sonne den Gang entlang und erleuchtet die Rückwand der Kammer; am Tag der Wintersonnenwende selbst wandert der Lichtstreifen über die Rückwand. Zur Linie gehört der Barnhouse Stone, ein Menhir südwestlich des Hügels, und der Gipfel des Ward Hill auf Hoy.

Die Forschung bleibt vorsichtig: Der Gang liegt nicht genau in der Mitte der Sonnenlinie, und die Änderungen am äußeren Gang im 19. Jahrhundert erschweren es, die ursprüngliche Ausrichtung zu beurteilen. Sicher ist, dass der Platz bewusst auf den Mittwinterpunkt hin gewählt wurde. Möglich ist auch, dass das Bauwerk half, weitere Daten im Sonnenkalender zu bestimmen.

Besucher, die das Schauspiel erleben wollen, kommen in den rund sechs Wochen im Winter, ungefähr von Ende November bis Mitte Januar. Dafür gilt die Führung um 14 Uhr; bei klarem Himmel ist der Sonnenuntergang dabei sichtbar.

Was bedeuten die Runen der Wikinger?

Rund 3.000 Jahre nach dem Bau brachen Nordmänner in die Kammer ein. Sie hinterließen mindestens 33 Runeninschriften, darunter Zweigrunen, und mindestens acht Zeichnungen oder Motive, dazu den berühmten Maeshowe-Drachen, der oft als Löwe gedeutet wird. Es ist die größte Sammlung von Runen außerhalb Skandinaviens. Stilistisch gehören alle in die Mitte des 12. Jahrhunderts, sie stammen aber von verschiedenen Schreibern und vielleicht aus mehreren Anlässen.

Die Orkneyinga-Saga nennt den Hügel Orkahaugr. Sie erzählt, wie Earl Harald Maddadarson im Januar 1153 mit seinen Männern bei einem Schneesturm Schutz im Hügel suchte; zwei Männer hätten dort den Verstand verloren. Die Runen deuten zudem darauf hin, dass schon früher Kreuzfahrer unter Earl Rognvald Kali den Grabhügel aufbrachen. Eine Inschrift erwähnt die Axt von Gaukr Trandils Sohn, eine Waffe aus der Njáls-Saga.

Der Ton ist oft launig: Die Runen sind Graffiti, keine Grabinschriften. Die Inschriften erwähnen außerdem Schätze, die aus dem Hügel geholt worden seien. Auch deshalb fanden sich im Inneren kaum Funde aus der Jungsteinzeit, die Kammer ist vermutlich mehrfach geräumt worden.

Zu Maeshowe gehört auch ein Volksglaube: Orcadische Geschichten erzählen von einem Hügelgeist, der im Grabhügel wohnt und mit großer Kraft ausgestattet ist. Der Name leitet sich vermutlich vom altnordischen haugbúi ab, dem „Geist des Grabhügels“.

Wer öffnete Maeshowe und was fand man?

Der Antiquar James Farrer öffnete den Hügel 1861 von oben und durchbrach das Kraggewölbe. Die Runen lösten großes Interesse bei Gelehrten in ganz Nordeuropa aus, über Deutung und Übersetzung wurde teils heftig gestritten. Beim Eingriff wurde der äußere Gang beschädigt und später wieder aufgebaut; der Grundstückseigentümer verschloss die Kammer mit einem neu errichteten Gewölbe.

Die Fundlage ist dünn: Es sind keine Artefakte überliefert, und von menschlichen Resten ist nur ein einzelnes Schädelfragment dokumentiert, andere Berichte erwähnen mehrere Schädel. Das passt zu vielen Gräbern dieses Typs, die kaum Skelette enthalten. Maeshowe war vermutlich weniger ein Friedhof der Gemeinschaft als ein symbolischer Ort der Ahnen und der Zeremonie. In der Jungsteinzeit ritzten Menschen zudem Muster in die Steine; an Türpfosten und Zelleneingängen sind Pickspuren erhalten.

Das Denkmal gehörte zu den ersten in Großbritannien, die 1882 unter dem Gesetz zum Schutz von Altertümern standen; 1910 kam es in staatliche Obhut. Im Zweiten Weltkrieg stand neben dem Hügel ein Armeelager bei Tormiston, dessen Bau mehrere bronzezeitliche Grabhügel zerstörte. Die Grundbesitzerfamilie Balfour of Trenabie, der das Land gehörte, zeigte großes Interesse an dem Denkmal; spätere Generationen stellten Orkneys Altertümer unter staatlichen Schutz.

Wie hängt Maeshowe mit Brodgar und Skara Brae zusammen?

Maeshowe liegt in einer der reichsten jungsteinzeitlichen Landschaften Europas. Zum Weltkulturerbe gehören vier Hauptmonumente: der Ring of Brodgar, die Stones of Stenness, Maeshowe und Skara Brae, dazu der Barnhouse Stone und der Watch Stone. Die Anlagen auf den Landzungen von Brodgar und Stenness liegen in einer natürlichen Schüssel aus Hügelketten, die von Hoy bis Greeny Hill reicht. Die Bauten zeigen höchste architektonische Raffinesse und sind technisch einfallsreiche, monumentale Meisterwerke.

Wer die Anlagen an einem Tag besuchen will, beginnt am besten mit dem Ring of Brodgar und den Stones of Stenness, die frei zugänglich sind, und bucht die Führung für Maeshowe zu einer festen Zeit. Skara Brae liegt an der Westküste und braucht Zeit für sich. Die Forschung verbindet die Monumente seit Langem: Die Keramik des Typs Grooved Ware, zu deren Zentren Orkney gehörte, breitete sich bis in den Süden Britanniens aus, auch in die Gegend um Stonehenge.

Wie besuche ich Maeshowe: Führung, Zeiten und Zugang

Der Zugang ist nur mit Führung möglich. Die Touren beginnen und enden am Besucherzentrum in Stenness. Ein Shuttlebus bringt die Gruppe zum Hügel, danach folgen 400 Meter Fußweg über Kies, Stein und unebenes Gras zum Graben und durch den niedrigen Gang. Im Gang muss man sich bücken; Foto- und Filmaufnahmen sind im Inneren nicht erlaubt. Im Inneren führen Lampen und Taschenlampen durch die Kammer, ein Steward von Historic Scotland begleitet jede Tour.

Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Eine Buchung im Voraus ist ausdrücklich empfohlen, ein kleines Kontingent wird am Tag selbst im Besucherzentrum verkauft. Die Tourzeiten und Preise wechseln mit der Jahreszeit: Im Sommer gibt es mehr Touren bis in den Abend, im Winter drei Touren am Tag. Weihnachten und der Jahreswechsel sind geschlossen. Prüfe Termine, Preise und Ermäßigungen vor der Reise auf der offiziellen Seite von Historic Scotland; dort gibt es auch den Explorer Pass für mehrere Anlagen.

Rollstuhlfahrer können den Hügel nicht betreten, der Eingang ist zu niedrig und zu schmal. Der Shuttlebus nimmt einen Rollstuhl mit, die Anfrage richtet sich an das Besucherzentrum. Assistenzhunde sind erlaubt, begleitende Pflegepersonen zahlen bei Menschen mit Behinderung nichts. Das Besucherzentrum hat Parkplätze, Toiletten, Shop und Selbstbedienungskaffee; für Busse über 14 Sitze gibt es dort keinen Platz.

Für die Anreise ist ein Mietwagen die flexibelste Lösung; Hinweise liefert der Ratgeber zum Mietwagen in Schottland. Es gibt auch Busverbindungen auf der Hauptstraße zwischen Stromness und Kirkwall. Die beste Jahreszeit hängt vom Ziel ab; Überlegungen dazu stehen unter beste Reisezeit. Weitere Stätten der Inselgruppe sammelt die Seite zu Orkney; andere Stätten in staatlicher Obhut finden sich in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten.

Wie alt ist Maeshowe?

Die Anlage entstand um 2700 v. Chr. und ist damit rund 4.700 Jahre alt; Hügel, Plattform, Graben und Wall gehören wahrscheinlich zur selben Bauphase.

Kann man Maeshowe ohne Führung besuchen?

Nein. Der Zugang ist nur mit einer Führung ab dem Besucherzentrum in Stenness möglich; eine Buchung im Voraus ist ausdrücklich empfohlen.

Wann scheint die Sonne in die Kammer?

Rund drei Wochen vor und nach der Wintersonnenwende; zur Winterzeit ungefähr von Ende November bis Mitte Januar, am besten bei der 14-Uhr-Tour und klarem Himmel.

Was sind die Runen in Maeshowe?

Über 33 Inschriften der Wikinger aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die größte Sammlung außerhalb Skandinaviens. Es sind Graffiti, die Schätze, Waffen und Spott erwähnen.

Ist Maeshowe barrierefrei?

Nein. Der Gang ist 119 Zentimeter hoch und 70 Zentimeter breit; der Hügel ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, der Shuttlebus aber schon.

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