Knap of Howar liegt an der Westküste der Orkney-Insel Papa Westray und gehört zu den ältesten erhaltenen Steinhäusern Nordeuropas. Zwei Gebäude des Frühneolithikums stehen bis auf Dachhöhe, mit Trennplatten, Herden, Bänken und Nischen. Ein Sturm legte sie 1928/29 frei, seit 1954 stehen sie in staatlicher Obhut.
Knap of Howar ist ein Ort, an dem die Jungsteinzeit greifbar bleibt. Zwei Steinhäuser stehen dicht am Meer, die Mauern sind noch fast mannshoch, die Türöffnungen intakt, die Herdstellen und Steinbänke an ihrem Platz. Wer durch den niedrigen Gang tritt, steht in Räumen, in denen vor über fünftausend Jahren eine Bauernfamilie Gerste anbaute, Rinder hielt und Leder bearbeitete.
Diese Seite erklärt, wie die beiden Häuser gebaut sind, wie ein Sturm sie ans Licht brachte, wie die Grabungen der 1970er-Jahre die Datierung klärten, was die Funde über Landwirtschaft und Alltag verraten und wie sich Knap of Howar zu den Gräbern und Dörfern der Insel verhält. Als Ergänzung bieten sich Skara Brae mit seiner späteren Jungsteinzeit-Siedlung und Maeshowe an.
| Lage | Westküste von Papa Westray, Orkney |
|---|---|
| Zeit | Frühneolithikum, zwischen etwa 3500 und 3000 v. Chr. |
| Haus 1 | innen 10 m mal 5 m, Wände durchschnittlich 1,5 m breit, bis 1,6 m hoch |
| Haus 2 | innen 7,5 m mal 3 m, Wände durchschnittlich 0,9 m breit, bis 1,26 m hoch |
| Entdeckung | Sturm im Winter 1928/29 |
| Geschützt | in staatlicher Obhut seit 1954, geschütztes Denkmal seit 1994 |
Fragen, die wir beantworten
- Wo liegt Knap of Howar auf Papa Westray?
- Wie ist Haus 1 gebaut?
- Was zeigt Haus 2?
- Wie brachte ein Sturm Knap of Howar ans Licht?
- Wie klärten die Grabungen der 1970er-Jahre das Alter?
- Was verraten die Funde über Landwirtschaft und Alltag?
- Wie passt Knap of Howar zu den Gräbern und Dörfern der Insel?
- Welche Stätten der Jungsteinzeit liegen im Umfeld?
Wo liegt Knap of Howar auf Papa Westray?
Papa Westray ist eine der nördlichen Inseln der Orkney-Gruppe, flach, fruchtbar und von Wasser umgeben. Knap of Howar liegt am Westufer der Insel, geschützt hinter einer modernen Ufermauer, die die Küste vor dem Meer sichert. Das Gelände ist eingezäunt und misst rund 33 mal 40 Meter. Von hier blickt man auf die offene See.
Der Name verrät die Lage: Er geht auf zwei altnordische Wörter zurück. „Knappr“ bedeutet Knauf oder Kappe, „howe“ Hügel. Gemeint ist ein kleiner Buckel am Strand, unter dem die Siedlung begraben lag, bis die Stürme ihn öffneten. Eine alternative Schreibweise des Namens lautet Knap of Hower.
Die Häuser stehen nicht auf einem Felsen, sondern auf einem Müllhügel. Die Bewohner hatten schon vor dem Hausbau Abfälle abgelagert, einen Abfallhaufen, im Fachwort Midden. Dieser Haufen bedeckt etwa 500 Quadratmeter und ist im Mittel 0,4 Meter dick. Als man die Steinhäuser baute, ebnete man den Haufen und verwendete sein Material zum Füllen der Mauerkerne.
Wie ist Haus 1 gebaut?
Haus 1 ist das größere und besser erhaltene Gebäude. Der Grundriss ist ein Rechteck mit gerundeten Ecken, innen und außen. Die Fläche misst innen zehn mal fünf Meter. Die Wände sind doppelschalig aus Trockenmauerwerk gebaut, mit einem Kern aus Erde und Abfällen, und im Durchschnitt 1,5 Meter breit. Sie stehen bis zu 1,6 Meter hoch, das ist die Höhe, auf der das Dach ansetzte.
Der äußere Eingang liegt am Westende. Er öffnet sich in einen 1,7 Meter langen, gepflasterten und mit Sturzsteinen überdeckten Gang, der ins Innere führt. Der Zugang ist niedrig und schmal. Die Türpfosten sind gekerbt.
Hochkant gestellte Steinplatten teilen das Innere in zwei Räume. Jede Trennung besteht aus einem Paar Platten mit einem Pfostenloch dazwischen. In diesen Löchern stand ein Holzpfosten, der das Dach trug. Im äußeren Raum liegt ein gepflasterter Boden, an der Südwand zieht sich eine niedrige Steinbank entlang. Im inneren Raum findet sich eine flache Feuerstelle in einer Mulde und in der Nordwand eine kleine Nische. In den Boden sind lineare Rillen eingeschnitten. Auf dem Boden lag ein großer Trog-Mahlstein.
Ein 1,5 Meter langer gepflasterter Gang in der Nordwand des äußeren Raums verbindet Haus 1 mit Haus 2. Beide Häuser können also von innen ineinander übergehen und haben doch jedes einen eigenen Außeneingang.

Was zeigt Haus 2?
Haus 2 liegt nördlich von Haus 1 und ist kleiner. Es steht frei und berührt die Mauer von Haus 1 nur am verbindenden Gang. Der Grundriss misst innen 7,5 mal drei Meter, die Wände sind im Mittel 0,9 Meter breit und stehen bis zu 1,26 Meter hoch. Aufrechte Platten teilen das Innere in drei Räume.
Der äußere Raum hat zwei Türen, eine nach draußen und eine über den gepflasterten Gang zu Haus 1. Beide wurden zu einem späteren Zeitpunkt zugemauert, noch während die Siedlung bewohnt war. Das beweist, dass Haus 2 vor Haus 1 aufgegeben wurde. Im mittleren Raum lagen nacheinander zwei Herde: ein älterer, von Platten gefasster mit einer Größe von 0,7 mal 0,65 Metern und ein jüngerer in einer flachen Mulde mit 0,9 Metern Durchmesser. An der Nordwand steht eine niedrige Bank.
Der innere Raum ist der bemerkenswerteste. Er enthält fünf Nischen, die wie Schränke aussehen, drei Regale oder Vertiefungen in der Wand und zwei Gruben im Boden. In Haus 2 sind die Bodenschichten weniger gestört als in Haus 1, weil die ersten Grabungen sie weitgehend ließen. Im inneren Raum von Haus 1 lag dagegen eine auffällige Ansammlung von Feuerstein.
Wie brachte ein Sturm Knap of Howar ans Licht?
Im Winter 1928/29 ließ ein Sandsturm die Gebäude hervortreten. Der Grundbesitzer William Traill, Mitglied der Gesellschaft der Altertumsforscher, war nach den Ausgrabungen von Gordon Childe in Skara Brae in den 1920er-Jahren für Altertümer begeistert. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter William Kirkness begann er, die Anlage freizulegen. Sie räumten rund 2,5 Meter Flugsand aus und um die Häuser.
Die Methoden waren nach heutigen Maßstäben einfach, aber sie hielten viel fest. Traill ließ zahlreiche Fotos machen und einen stummen 16-mm-Film drehen. Dieser Film zeigt die Häuser kurz nach der Freilegung, noch vor jeder Sicherung, und ist die älteste archäologische Filmaufnahme Schottlands. Er wurde der Gesellschaft der Altertumsforscher vorgeführt, ein Bericht erschien 1937, eine Auswahl der Funde ging an das Nationalmuseum in Edinburgh.
Vergleichbare Stätten waren damals nicht bekannt, und so ordnete man die Reste der Eisenzeit zu. Dass sie viel älter sind, zeigten erst die späteren Untersuchungen. Traill zeigte trotzdem, was ein Grundbesitzer leisten kann: Er erkannte die Bedeutung, veröffentlichte seine Ergebnisse und bot die Stätte dem Staat an. In einer Zeit, in der Landwirte vielerorts Altertümer vom Acker räumten, war das ungewöhnlich.
Nach der Grabung blieb die Stätte offen, das Mauerwerk begann zu zerfallen, und eine Wand stürzte ein. Die Verhandlungen mit der Familie Traill führten schließlich zur Obhut, die 1954 vollzogen wurde. Man sicherte das Mauerwerk geringfügig und baute eine Ufermauer gegen die Brandung.
Wie klärten die Grabungen der 1970er-Jahre das Alter?
Die Archäologin Anna Ritchie grub die Stätte in den 1970er-Jahren neu aus, ein Programm, das 1973 begann und 1975 mit einer weiteren Saison fortgesetzt wurde. Es verfolgte zwei Ziele: Daten zur Kultur und zur Zeitstellung zu gewinnen und die Häuser für Besucher vorzubereiten. Gegraben wurde nach modernen Methoden, aber mit begrenztem Auftrag, der eine vollständige Ausgrabung ausschloss.
Die Ergebnisse waren ein Meilenstein. Radiokarbondatierungen zeigten, dass die Siedlung ins vierte Jahrtausend v. Chr. gehört, die Steinhäuser wurden zwischen etwa 3500 und 3000 v. Chr. gebaut und bewohnt. Eine zweite Serie von Datierungen, die an einzelnen Proben bekannter Tierarten erfolgte, ersetzte die erste Serie und ordnet die Nutzung der Häuser ab dem 33. Jahrhundert v. Chr. ein. Die Untersuchung war die erste systematische Untersuchung einer frühneolithischen Siedlung auf Orkney.
Zwei Perioden ließen sich unterscheiden. Periode I besteht aus dem Abfallhügel, Periode II aus dem Bau und der Nutzung der Häuser samt dem darüberliegenden Abfall. Unter den Funden von Periode I waren Scherben von neun Gefäßen der Unstan-Ware, eine Steinbeil, ein Spatel aus Walknochen, Hämmer aus Walknochen und Geweih, vier Steinbohrer und Feuerstein. Insgesamt wurden in dieser Periode 35 Geräte aus Knochen und Stein geborgen. Periode II brachte 56 Geräte, darunter Knochenahlen, Messer aus Schulterblättern, ein Messer aus Walknochen, zwei Steinbohrer und drei Schleifsteine.

Was verraten die Funde über Landwirtschaft und Alltag?
Die Bewohner besaßen alle Bausteine der jungsteinzeitlichen Landwirtschaft: Rinder, Schafe, Schweine, Getreide und Keramik. Sie bauten Gerste an, dazu kommt Weizenpollen. Rinder und Schafe hielten sie in etwa gleicher Zahl, dazu einige Schweine. Die Rinder waren groß, die Hälfte starb im ersten Lebensjahr. Die Schafe waren ursprüngliche Tiere vom Soay-Typ ohne Wolle.
Daneben nutzten die Menschen wilde Ressourcen. Fisch, Seevögel und Schalentiere standen auf dem Speiseplan. Viele Werkzeuge hängen mit der Lederverarbeitung zusammen. Zwei Werkzeugformen aus Knap of Howar sind heute als Typen bekannt: der Knap-of-Howar-Schleifstein und der Knap-of-Howar-Bohrer.
Keramik und Werkzeuge entstanden vor Ort, fremde Materialien fehlen. Die Fundlage ist ungewöhnlich gut, weil Pflug und saurer Boden an anderen frühneolithischen Plätzen viel zerstört haben. Auch die Unstan-Ware, runde Gefäße ohne Standfläche, ist hier erstmals in einem Wohnzusammenhang belegt. Neben dem Herd von Haus 1 lag in einer Grube ein kleiner, fast vollständiger ovaler Becher, abgedeckt mit der Scherbe eines anderen Gefäßes. In Haus 2 gibt es einen ähnlichen Befund.

Wie passt Knap of Howar zu den Gräbern und Dörfern der Insel?
Die Bauweise ähnelt den Kammergräbern vom Typ Orkney-Cromarty, den „stalled cairns“. Auch dort teilen aufrechte Platten den Innenraum in Abschnitte. Dazu kommt die Unstan-Ware, die in beiden Zusammenhängen vorkommt. Das nahe Kammergrab Holm of Papa Westray North war zur selben Zeit in Gebrauch wie die Häuser.
Für das Verhältnis gibt es zwei Lesarten. Nach der einen gaben die Häuser den Grabbauten das Vorbild, die Gräber waren „Häuser der Toten“. Nach der anderen entstanden zuerst die Gräber, und die Steinhäuser bildeten die Grabarchitektur bewusst nach. Die Datenlage reicht nicht, um die Reihenfolge zu entscheiden. Die Rückwand von Haus 2 mit ihren Nischen erinnert zudem an die „Anrichten“ der jüngeren Jungsteinzeit-Häuser, etwa von Skara Brae.
Lange galt Knap of Howar als Beispiel einer verstreuten, selbstversorgenden Gesellschaft kleiner Haushalte, im Gegensatz zu den größeren Dörfern der späten Jungsteinzeit. Neue Entdeckungen haben das Bild verändert. Auf Mainland sind Knowes of Trotty, Smerquoy und Stonehall Meadow vergleichbare Orte, dazu Green auf Eday und Braes of Ha’Breck auf Wyre. Frühe Holzbauten, älter als die Steinhäuser, sind inzwischen ebenfalls bekannt.
Knap of Howar bleibt dennoch die am besten erhaltene Stätte dieser Art und der Maßstab, an dem alle neuen Funde gemessen werden. Die Lage ist unauffällig, nahe an Ackerland und Meer, nicht auf Sichtbarkeit angelegt. Unter den Funden fehlen fremde Materialien, doch Bauweise, Technik und Keramik zeigen weder Isolation noch Armut.
Welche Stätten der Jungsteinzeit liegen im Umfeld?
Auf der Nachbarinsel Westray liegt das Noltland Castle, eine Burg des 16. Jahrhunderts. Dort, am Links of Noltland, wurden Reste von Auerochsen erkannt.
Auf Mainland stehen die großen Zeugnisse der späteren Jungsteinzeit: das Kammergrab Maeshowe, der Ring of Brodgar und die Siedlung Skara Brae. Gemeinsam bilden sie das jungsteinzeitliche Herz von Orkney. Die Eisenzeit zeigen der Midhowe Broch und das Rennibister Earth House. Einen Überblick bietet die Seite zu Orkney.
Wie alt ist Knap of Howar?
Die Häuser wurden zwischen etwa 3500 und 3000 v. Chr. gebaut und bewohnt. Die Nutzung der Häuser setzt ab dem 33. Jahrhundert v. Chr. ein.
Wer entdeckte Knap of Howar?
Ein Sandsturm legte die Gebäude im Winter 1928/29 frei. William Traill und William Kirkness untersuchten sie in den 1930er-Jahren, Anna Ritchie grub sie in den 1970er-Jahren neu aus.
Was aßen die Bewohner?
Rinder, Schafe, Schweine und Gerste, dazu Fisch, Seevögel und Schalentiere.
Was ist Unstan-Ware?
Eine Keramik mit runden Böden, die in Kammergräbern und in Knap of Howar vorkommt. Hier wurde sie erstmals in einer Siedlung nachgewiesen.
Was haben die beiden Häuser gemeinsam?
Beide sind rechteckig mit gerundeten Ecken, mit Platten in Räume geteilt und durch einen Gang verbunden. Haus 1 ist größer, Haus 2 hat fünf Nischen und zwei Herde.
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Von der Jungsteinzeit bis zur Burg: unsere Übersicht der historischen Stätten.
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