Jarlshof liegt auf einer Landzunge bei Sumburgh am Südende der Shetland-Hauptinsel. Hier siedelten Menschen von der Jungsteinzeit bis ins 17. Jahrhundert: Bronzezeithäuser, ein Eisenzeit-Broch, Radhäuser, ein Wikingerhof und ein Laird’s House liegen übereinander. Den Namen erfand der Schriftsteller Walter Scott für seinen Roman „The Pirate“.
Jarlshof ist eine der ungewöhnlichsten Fundstätten Europas. Auf engem Raum folgt Epoche auf Epoche, und Sie gehen zwischen Mauern, die mehr als viertausend Jahre trennen. Die Häuser wurden immer wieder auf den Resten älterer Bauten errichtet, und Sand, den der Wind von den Dünen herübertrug, deckte die Schichten zu und bewahrte sie.
Dieser Ratgeber führt durch die Epochen von der Steinzeit bis zur Neuzeit, erklärt die Gebäudeformen, von denen es in Schottland nur wenige so deutlich zu sehen gibt, und zeigt, wie der Sturm einer Winternacht die Fundstätte freilegte. Mehr zu den Inseln im Norden finden Sie unter Shetland.
| Lage | Landzunge über dem West Voe von Sumburgh, südlicher Teil der Shetland-Hauptinsel |
|---|---|
| Besiedlung | von der späten Jungsteinzeit bis ins 17. Jahrhundert |
| Epochen | Bronzezeit, Eisenzeit mit Broch, Radhäuser, Wikingerzeit, Mittelalter, Laird’s House |
| Entdeckung | Stürme legten die Anlage in den 1890er Jahren frei; Grabungen 1890er, 1930er und 1950er Jahre |
| Name | Walter Scott nannte den Ort „Jarlshof“ in seinem Roman „The Pirate“; der eigentliche Name ist Sumburgh |
| Betreuung | Historic Environment Scotland; seit 1925 in staatlicher Obhut |
Fragen, die wir beantworten
- Woher kommt der Name Jarlshof?
- Wie wurde Jarlshof entdeckt?
- Wie lebten die ersten Siedler in der Stein- und Bronzezeit?
- Was ist ein Broch, und was zeigt die Eisenzeit?
- Was sind die Radhäuser von Jarlshof?
- Wie lebten die Wikinger in Jarlshof?
- Wer baute das Laird’s House?
- Jarlshof in Daten: eine Zeittafel
- Wie plane ich den Besuch von Jarlshof?
Woher kommt der Name Jarlshof?
Der Name klingt nach den Wikingern, ist aber jung. Sir Walter Scott besuchte Shetland 1814 auf einer Fahrt der Northern Lighthouse Commissioners und sah dort nur die Ruine des Old House of Sumburgh. Er ließ seinen 1822 erschienenen Roman „The Pirate“ dort spielen und gab dem Ort den Namen „Jarlshof“, Hof des Jarls. Die Archäologen übernahmen den Namen für die gesamte Fundstätte.
Der eigentliche Ortsname lautet Sumburgh. Er stammt von altnordisch „borg“, was „Festung“ bedeutet. Der Name Jarlshof ist also ein literarischer, doch er passt zu einer Fundstätte, deren Wikinger-Schicht so gut sichtbar ist, dass sie das Bild prägt. Wer die Ruinen betrachtet, sollte aber im Kopf behalten: Die Wikinger bilden nur eine von mehreren Schichten.
Wie wurde Jarlshof entdeckt?
Der Platz lag viele Jahrhunderte unter Sand. Wind hatte Sand von den nahen Dünen über die Reste geweht und sie versiegelt. In den 1890er Jahren legten Stürme die Fundstätte frei, und die Landschaft begann, Mauern preiszugeben. Grabungen folgten in den 1890er, 1930er und 1950er Jahren. Der Grundbesitzer John Bruce ließ ab 1897 bis 1906 in mehreren Etappen graben und errichtete die ersten Küstenschutzbauten.
1925 kam die Stätte in staatliche Obhut. Von 1931 bis 1939 wurde erneut gegraben, und 1950 leitete John R. C. Hamilton Grabungen, deren umfassender Bericht 1956 erschien. Zu den früheren Ausgräbern zählen Alexander O. Curle und V. Gordon Childe. Anders als in Skara Brae auf Orkney, wo Besucher die Bauten von oben betrachten, kann man in Jarlshof durch die Gebäude gehen.
Die Fundstätte ist zwei Hektar groß, nach Süden offen und durch eine Mauer gegen das Meer geschützt. Sie zeigt Bauformen und Techniken aus fast der gesamten Zeit der menschlichen Besiedlung Shetlands. Wer Jarlshof mit den Fundstätten auf Orkney vergleichen möchte, findet dort Skara Brae und Maeshowe.
Die Schichten sind der eigentliche Schatz. Wo spätere Siedler auf den Resten ihrer Vorgänger bauten, liegen die Epochen buchstäblich übereinander, und jede Grabung öffnete ein Fenster in eine andere Zeit. Der Wind, der die Dünen bewegte, deckte Haus um Haus zu, bis Stürme in den 1890er Jahren die Landzunge wieder öffneten. Dass Sand das Gelände versiegelte, ist der Grund, warum Mauern, Gänge und Räume so lesbar geblieben sind.
Wie lebten die ersten Siedler in der Stein- und Bronzezeit?
Die ersten Menschen erreichten Shetland vor etwa 5.000 bis 6.000 Jahren. Reste der ältesten Behausungen datieren auf die Zeit um 2700 v. Chr. Ab mindestens 2000 v. Chr. lässt sich eine Siedlung der Bronzezeit nachweisen. Ihre Häuser sind oval. Der Wohnraum war durch Pfeiler und Mauervorsprünge in Zellen unterteilt.
Um 800 v. Chr. wurde in eines der älteren Häuser eine Schmiede eingebaut. Dort verarbeitete man Metall. Wie weit die Verbindungen reichten, belegen die Funde: In den Schichten der Bronze- und Eisenzeit fanden die Ausgräber Gegenstände, die auf Austausch quer durch Schottland und Europa deuten. Shetland war also keine abgeschiedene Welt, sondern lag an Seewegen, die Handelswaren weit trugen.
Was ist ein Broch, und was zeigt die Eisenzeit?
Ein Dorf der frühen Eisenzeit wurde teils über der Bronzezeit-Siedlung errichtet. Seine Häuser sind rund, mit Zellen um eine zentrale Feuerstelle, und geräumiger, weil sie ohne dicke Stützpfeiler auskamen. Zwei Häuser besaßen Souterrains, unterirdische Gänge.
Nach einer Unterbrechung der Besiedlung entstand der Broch, ein runder Turm mit dicken Mauern. Heute ist er 2,4 Meter hoch, ursprünglich besaß er mehrere Geschosse. Wie er einst aussah, zeigt der Broch auf der Insel Mousa, etwa 16 Kilometer nördlich: Er ist 13 Meter hoch und noch heute erhalten. Neben dem Turm standen ein großes Rundhaus mit Seitenschiffen und ein Stall für das Vieh.

Was sind die Radhäuser von Jarlshof?
In den ersten Jahrhunderten n. Chr. entstanden neue Bauten, die die alten ersetzten. Vier Radhäuser sind erhalten. Sie heißen so, weil ihr Dach auf radial angeordneten Mauern ruhte, die wie Speichen eines Rades vom Zentrum nach außen führen. Zwischen den Speichen entstanden einzelne Kammern.
Zwei Hütten im Westen waren um 800 n. Chr. noch in Gebrauch. Ein Schieferstück mit einem christlichen Kreuzmotiv deutet darauf hin, dass die Besiedlung in die Zeit der Pikten hineinreichte. Damit schließt sich die Lücke zwischen der Eisenzeit und den Wikingern: Hier lebten nahezu ununterbrochen Menschen, nur das Gesicht der Häuser änderte sich.
Wie lebten die Wikinger in Jarlshof?
Im 9. Jahrhundert kamen Wikinger aus Norwegen. Sie siedelten sich an und bauten einen Hof, dessen Langhaus im Mittelpunkt noch deutlich zu erkennen ist. Das Langhaus ist der Kern des Hofes. Der Hof wuchs und schrumpfte über zwölf bis sechzehn Generationen.
Im späten 13. Jahrhundert entstand östlich ein Bauernhaus mit angebauter Scheune und Trockenöfen für Getreide. Es ersetzte das alte Langhaus. Das Mittelalter ist in Jarlshof also vor allem eine Zeit des Bauernlebens, in der Familien über Generationen auf demselben Platz wohnten. 1469 ging Shetland von Norwegen an Schottland über.

Wer baute das Laird’s House?
Im 16. Jahrhundert stand Shetland unter der Herrschaft von Earl Robert Stewart, einem unehelichen Sohn von James V. Earl Patrick Stewart, genannt „Black Patie“, ließ das Old House of Sumburgh bauen, das die Fundstätte heute überragt. Er war berüchtigt für seine Willkür in Orkney und Shetland. Das Gebäude, ein Laird’s House, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Neben dem Haus steht ein früherer Darrofen zum Trocknen von Getreide.
Das Laird’s House war die letzte große Bauphase. Bis ins 17. Jahrhundert lebten Menschen auf dem Platz. Auch das Haus der Stewarts steht auf einem Boden, der seit Jahrtausenden bewohnt wurde.
Jarlshof in Daten: eine Zeittafel
Die Epochen im Überblick:
- um 2700 v. Chr.: Reste der ältesten Behausungen.
- ab mindestens 2000 v. Chr.: Siedlung der Bronzezeit mit ovalen Häusern.
- um 800 v. Chr.: Schmiede im Bereich der Bronzezeit-Häuser.
- Eisenzeit: rundes Dorf, danach der Broch.
- erste Jahrhunderte n. Chr.: vier Radhäuser.
- um 800 n. Chr.: zwei Hütten im Westen noch in Gebrauch.
- 9. Jahrhundert: Wikinger aus Norwegen siedeln und bauen ein Langhaus.
- spätes 13. Jahrhundert: Bauernhaus mit Scheune und Trockenöfen.
- 1469: Shetland geht von Norwegen an Schottland über.
- 16. Jahrhundert: Old House of Sumburgh unter Earl Patrick Stewart.
- 17. Jahrhundert: Ende der Besiedlung.
Wie plane ich den Besuch von Jarlshof?
Jarlshof liegt am äußersten Südende der Shetland-Hauptinsel. Der Rundgang führt durch die Epochen in der Reihenfolge, in der sie sich überlagern, und lässt sich in ein bis zwei Stunden bewältigen. Die Besucher gehen über Wege zwischen den Mauern und können durch viele Räume hindurchgehen. Eintrittspreise, Öffnungszeiten und Anreise stehen auf der Seite von Historic Environment Scotland.
Zu den Orten, die sich anschließen, zählen der Broch auf der Insel Mousa und die Fundstätte Old Scatness in der Nähe, wo ein Broch, ein Dorf der Pikten und Wikingerspuren liegen. Wer ganz Schottland kennenlernen will, findet die Zusammenhänge auf unserer Seite zur Geschichte Schottlands, und die Inselgruppen Nordschottlands stellt die Übersicht zu Orkney, Shetland und Hebriden vor. Für die Anreise per Auto, Fähre und Flug hilft die Seite zur Anreise nach Schottland.
Wie alt ist Jarlshof?
Die ältesten Reste datieren auf die Zeit um 2700 v. Chr.; die Besiedlung dauerte bis ins 17. Jahrhundert. Das sind mehr als 4.000 Jahre.
Warum heißt der Ort Jarlshof?
Walter Scott erfand den Namen für seinen Roman „The Pirate“ von 1822. Der eigentliche Name lautet Sumburgh, von altnordisch „borg“ für „Festung“.
Was ist ein Radhaus?
Ein rundes Haus, dessen Dach auf Mauern ruhte, die wie Speichen eines Rades vom Zentrum nach außen verlaufen. In Jarlshof sind vier erhalten.
Wann kamen die Wikinger?
Im 9. Jahrhundert siedelten Wikinger aus Norwegen. Das Langhaus ihres Hofes im Zentrum der Fundstätte ist noch deutlich zu erkennen.
Wie unterscheidet sich Jarlshof von Skara Brae?
In Jarlshof gehen Besucher durch die Gebäude, in Skara Brae betrachten sie die Bauten von oben. Dafür zeigt Jarlshof zahlreiche Epochen an einem Ort.
Passend dazu: Earl’s Palace in Birsay.
