Inchcolm Abbey liegt auf einer kleinen Insel im Firth of Forth vor der Küste von Fife. Das Augustinerkloster besitzt den besterhaltenen Kreuzgang Schottlands und ein achteckiges Kapitelhaus aus dem 13. Jahrhundert. Hier schrieb Abt Walter Bower das Scotichronicon, später sicherten Geschütze die Insel. Man erreicht sie nur mit dem Boot.
Inchcolm Abbey sieht man schon von der Fähre aus: ein Turm, graue Dächer aus Steinplatten und dahinter die Brücken über den Forth. Die Insel besteht aus zwei Hälften, einem felsigen Ostteil mit der Anlegestelle und einem grasigen Westteil, verbunden durch eine schmale Landenge. Auf dieser Landenge steht das Kloster. Es ist die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage Schottlands, und nur hier steht noch ein ganzer Kreuzgang-Vierflügelbau.
Dieser Ratgeber erzählt, wie aus der Zuflucht eines Königs ein Kloster wurde, warum die Mönche ihre Mauern wie eine Festung bauten und was Soldaten aus zwei Weltkriegen auf der Insel hinterließen. Weitere Klosterruinen der Region finden Sie im Sehenswürdigkeiten-Überblick.
| Lage | Insel im Firth of Forth, weniger als einen Kilometer von der Küste von Fife entfernt; die Anlegestelle liegt im felsigen Ostteil |
|---|---|
| Orden | Augustinerchorherren; zur Abtei erhoben 1235 |
| Gründungsgeschichte | König Alexander I. gelobte 1123 nach einem Sturm ein Kloster; sein Bruder David I. erfüllte das Gelöbnis |
| Berühmtester Abt | Walter Bower (Abt von 1418 bis 1449), Verfasser des Scotichronicon |
| Besonderheiten | vollständiger Kreuzgang, achteckiges Kapitelhaus, Lettnerwände mit Wandmalerei, Wehranlagen beider Weltkriege |
| Anreise | nur per Boot, zum Beispiel ab South Queensferry |
| Betreuung | Historic Environment Scotland; seit 1924 in staatlicher Obhut |
Fragen, die wir beantworten
- Wie entstand das Kloster auf Inchcolm?
- Was macht den Kreuzgang von Inchcolm so besonders?
- Welche Räume und Kunstwerke sind besonders sehenswert?
- Wer war Walter Bower, und was schrieb er hier?
- Wie oft griffen die Engländer Inchcolm an?
- Welche Befestigungen aus den Weltkriegen stehen auf der Insel?
- Wie plane ich den Besuch auf Inchcolm?
Wie entstand das Kloster auf Inchcolm?
Die Gründungsgeschichte beginnt mit einem Sturm. König Alexander I. wollte 1123 den Forth überqueren und wurde auf die Insel verschlagen. Dort lebte ein Einsiedler, der an einer Kapelle wachte und den König aufnahm. Alexander gelobte, aus Dankbarkeit ein Kloster zu gründen. Er starb ein Jahr später, ohne das Versprechen einzulösen. Sein jüngerer Bruder David I. holte es nach und siedelte Augustinerchorherren an.
Die Augustiner waren ein Orden, der dem Klosterleben nahestand, seine Mitglieder aber auch als Pfarrer aufs Festland schickte. Die Chorherren von Inchcolm versahen Kirchen in Dalgety und Aberdour. Wer auf der Insel blieb, betete im Wechsel der Gebetszeiten und feierte die Messe. Von Beginn an stand das Kloster in enger Verbindung mit dem Bischof von Dunkeld, und mehrere Bischöfe fanden ihr Grab auf der Insel. Die Kirche von Inchcolm diente ihnen gewissermaßen als Zweitsitz.
Der Überlieferung nach ist die kleine Zelle westlich der Klostergebäude jene Kapelle, in der Alexander Schutz suchte. Das schlichte gewölbte Bauwerk wurde im 19. Jahrhundert stark erneuert, doch es ist ein sehr frühes Gotteshaus der Insel und eines der ältesten Bauwerke des Landes, wenn die Überlieferung stimmt. Lange vor den Augustinern lebte hier schon eine christliche Gemeinschaft. Davon zeugt ein Grabstein im Hogback-Stil aus dem 10. Jahrhundert und der Schaft eines Steinkreuzes mit Flechtband-Verzierung.
1235 erhob man das Priorat zur Abtei. Auch der Name verrät die ältere Geschichte: Inchcolm bedeutet „Insel des Colm“, und Colm ist die Kurzform von Columba. Die Verbindung zu dem Heiligen von Iona lief über Dunkeld, das im 9. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum seiner Verehrung wurde. Eine zweite Deutung leitet den lateinischen Beinamen Emonia vom keltischen Wort für „Zwilling“ ab, passend zu den zwei Inselhälften.
Was macht den Kreuzgang von Inchcolm so besonders?
Andere Klöster in Schottland haben Ruinen, Inchcolm hat Räume. Der Kreuzgang bildet ein geschlossenes Viereck, in dem Erdgeschoss und Obergeschoss noch stehen. Die Mönche bauten ihn im 15. Jahrhundert um, und zwar mit dem Gedanken an Verteidigung. Das gesamte Erdgeschoss besteht aus überwölbten Gängen mit rundbogigen Fenstern in tiefen Nischen, in denen Steinbänke sitzen. Die Räume der Gemeinschaft liegen darüber: im Osten der Schlafsaal, im Süden das Refektorium, im Westen der Bereich, in dem das Kloster mit der Außenwelt in Berührung kam.
Üblich waren leichte Holzdächer und vorgelagerte Säulengänge. Auf Inchcolm setzte man dagegen fast durchgehend auf Stein. Das erklärt, warum der Bau so gut erhalten ist: Gewölbe halten, wo Holzbalken verfaulen und brennen. In den 1420er Jahren wurde das Kloster „befestigt“, um englischen Überfällen standzuhalten. In den 1440er Jahren war das Werk vollendet. Ohne Artillerie war diese Anlage kaum einzunehmen.
Von der Klosterlebensweise erzählen Einzelheiten. Im Wärmeraum blieben Reste einer Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Im Refektorium gibt es eine Kanzelplattform, von der ein Mönch während der Mahlzeiten vorlas. Küche und Speisesaal bildeten ursprünglich einen offenen Raum mit einer Feuerstelle in der Mitte unter einem kreisrunden Rauchabzug im Gewölbe. Die Feuerstelle wärmte so auch den Speisesaal.

Welche Räume und Kunstwerke sind besonders sehenswert?
Das Kapitelhaus ist praktisch unverändert erhalten. Es entstand im 13. Jahrhundert, ist achteckig, hat Strebepfeiler an den Ecken und ein elegantes Gewölbe mit ausgezeichneter Akustik. Ringsum läuft eine Steinbank für die Chorherren. Gegenüber der Tür sitzen drei Bogennischen, in denen der Abt, der Prior und der Unterprior saßen. Über dem Kapitelhaus liegt ein eigener Raum, der später erheblich umgebaut wurde.
Ein weiterer Schatz ist die Turmkirche an der Nordostecke des Vierecks. Der Turm geht auf das 12. Jahrhundert zurück und steht auf dem Grundriss des ältesten Chors. In seinen Bögen sind zwei Steinwände mit Säulen eingesetzt, die Reste jener Trennwände, die große mittelalterliche Kirchen unterteilten. Üblich sind die Bezeichnungen Lettner und Pulpitum. Auch zugemauert gehören sie zu den am besten erhaltenen Beispielen auf den Britischen Inseln und haben in Schottland kein Gegenstück. In der Südwestecke führt eine Wendeltreppe nach oben.
Im 13. Jahrhundert erweiterte man die Kirche nach Osten, 1265 war der neue Chor vollendet. Das Wandbild in der südlichen Grabnische des Chors zeigt eine Trauerprozession und entstand im 13. Jahrhundert. Hier ruhte Bischof John de Leicester von Dunkeld, der 1214 starb und 1266 an diesen Platz umgebettet wurde. Von dem Chor stehen heute nur noch Mauerfüße, ebenso von der größeren Kirche, die man im 15. Jahrhundert weiter östlich baute.
Dieser zweite Kirchenbau war kreuzförmig angelegt, mit einem Hochaltar und Kapellen in den Querarmen. Als er in Gebrauch ging, wandelte man den ersten Kirchenbau um. Der alte Kirchenraum wurde Teil der Mönchsunterkünfte. In das Langhaus zog man ein Tonnengewölbe ein, und im Turm entstanden mehrere Stockwerke. Der Turm neigt sich bis heute leicht nach Norden. Die Umbauten wirkten dem Absacken entgegen und machten die Räume zugleich leichter zu verteidigen.
Wer war Walter Bower, und was schrieb er hier?
Der berühmteste Bewohner von Inchcolm war Abt Walter Bower, der von 1418 bis 1449 an der Spitze des Klosters stand. Er schrieb hier das Scotichronicon, eine der wichtigsten Chroniken des mittelalterlichen Schottlands. Sie erzählt die Geschichte des Landes von der sagenhaften Gründung durch Scota, die Tochter eines Pharaos, bis zum Tod von James I. Der frühere Teil baut auf dem Werk von John of Fordun auf, der spätere ist Bowers eigene Chronik zeitnaher Ereignisse.
Das Original der Handschrift mit Bowers eigenen Zeichnungen ist erhalten. Es gibt damit den seltenen Fall, dass Ort, Autor und Manuskript noch zusammenpassen. Über der alten Kirche ließ Bower Räume einrichten: ein Saal im früheren Langhaus, ein Zimmer im Turm, ein Arbeitszimmer in einem Anbau mit Strebepfeiler. Im obersten Turmgeschoss hing eine Glocke, deren Seile durch Löcher in den Böden der beiden Räume darunter reichten. Der Abt wurde so täglich an den klösterlichen Charakter seiner Macht erinnert.
Bower schreibt auch über die Insel selbst, etwa über englische Überfälle. Ein zweites Zeugnis geistlicher Kultur ist das Antiphonar von Inchcolm, ein Chorbuch mit Gregorianischem Gesang, das um 1340 im Kloster entstand. Ein Text darin bittet den Heiligen: „Vater Columba, bewahre diesen Chor vor den Angriffen der Engländer.“ Wie nötig das war, zeigen die Daten im nächsten Abschnitt.

Wie oft griffen die Engländer Inchcolm an?
Der erste belegte englische Angriff fällt ins Jahr 1315, als eine Truppe Land des Klosters bei Donibristle plünderte. 1335 raubte ein englisches Schiff eine Statue des heiligen Columba und Kirchenschmuck, verlor aber die Beute bei plötzlichen Stürmen: Die Räuber ließen sie samt einer Gold- und Silberspende auf Inchkeith zurück. 1385 kamen 140 Bewaffnete, nahmen Zierrat und Einrichtung mit, und nur ein Winddreher bewahrte die Gebäude vor dem Feuer.
Die Gefahr bestimmte den Alltag. Um 1421 lebten die Chorherren nur im Winter auf der Insel. Im Sommer, wenn die Seewege offen waren, zogen sie aufs Festland. Deshalb befestigte man das Kloster, und der gewölbte Kreuzgang gehört zu dieser Politik. Auch die Umfassungsmauer des Klostergeländes gehört zum Teil in diese Zeit. Sie zog eine Grenze für die Gemeinschaft, in der Gärten gepflegt wurden, und schützte sie.
Im 16. Jahrhundert wurde die Lage ernster. Im Herbst 1542 überfielen Engländer die Insel. Bis dahin zählte die Gemeinschaft mindestens vierzehn Chorherren. Im September 1547 besetzte Lord Somerset das leere Kloster. Er ließ Sir John Luttrell mit 100 Arkebusieren und fünfzig Schanzarbeitern zurück, dazu zwei kleine Kriegsschiffe. Die Schotten legten eine Seeblockade um die Insel. Den Engländern fehlte bald das Brennholz, sie mussten sogar Beiboote verfeuern und aßen zeitweise nur Butter und Käse. Ende Februar 1548 zog die Besatzung ab.
Danach folgte der Zerfall. Nach der Reformation wurden die Klostergebäude zu einem Herrenhaus umgenutzt, und 1611 machte man das Klosterland zu einer weltlichen Herrschaft. Im späten 17. Jahrhundert verlor das Haus seinen Sinn, als die Herren ein neues Anwesen auf dem Festland in Donibristle bauten. Später lebte ein Fischer als Einsiedler im Turm, Artilleristen nutzten das Refektorium als Kaserne, und eine Familie aus Edinburgh baute es zum Wochenendhaus um. Die Staatsobhut ab 1924 machte viele dieser Eingriffe wieder rückgängig.
Welche Befestigungen aus den Weltkriegen stehen auf der Insel?
Inchcolm liegt strategisch im Forth, und das machte die Insel immer wieder zum Stützpunkt: im 16. Jahrhundert gegen England, 1794 mit Batterien gegen das revolutionäre Frankreich. Die größte Ausbaustufe kam im 20. Jahrhundert. Ab 1914 sperrte man den Forth mit Netzen und Minen gegen U-Boote, Geschütze und starke Suchscheinwerfer bewachten die Sperre. Rund um das Kloster entstand ein Lager mit 180 Betten, in dem einige Klostergebäude als Kantine dienten.
Zum Schutz von Edinburgh, der Forth Bridge und der Marinebasis Rosyth kamen im Zweiten Weltkrieg neue Stellungen hinzu. Die Geschützstände liegen im Ostteil der Insel, dazu Scheinwerferhäuser, ein Tunnel und eine Schmalspurbahn. Manche Scheinwerferstellungen besitzen noch Originalglas und Prismen, die anderswo nicht erhalten sind. Das heutige Besucherzentrum war 1916 das Maschinenhaus, das den Strom für die Scheinwerfer lieferte. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Telefonzentrale und Lazarett.
Die Natur hat die Betonbauten zurückerobert. Dichtes Gestrüpp, Seevögel auf den Klippen und Seehunde an den Landspitzen geben der Insel heute den Charakter einer Wildnis. Die letzten Geschütze wurden in den 1950er Jahren entfernt. Wer mit dem Boot ankommt, sieht zuerst Scheinwerferhäuser am Anleger, erst dann das Kloster.

Wie plane ich den Besuch auf Inchcolm?
Der Ausflug beginnt mit der Überfahrt, die ein Teil des Erlebnisses ist. Abfahrtshäfen am Forth sind etwa South Queensferry und Cramond. Von Bord aus sieht man die Forth-Brücken, die kleinen Inseln und Seevögel, und mit etwas Glück Robben. Wetter und Seegang bestimmen, ob die Boote fahren; ein Zeitpuffer im Reiseplan ist deshalb ratsam. Fahrzeiten erfahren Sie beim Bootsbetreiber.
Planen Sie zwei bis drei Stunden auf der Insel ein. Beginnen Sie mit dem Kloster: Kreuzgang, Kapitelhaus, Turm mit den Lettnerwänden und die Kirchenreste mit dem Wandbild. Danach lohnt der Rundweg über die Insel mit weiten Ausblicken, zu den Geschützstellungen im Osten und zu den Vogelkolonien. Festes Schuhwerk ist ratsam.
Die Anlage ergänzt eine Tour durch das Königreich Fife und die Umgebung von Edinburgh. Das Hafenstädtchen Aberdour auf dem Festland war der Mittelpunkt der Klosterländereien, und ein weiteres großes Kloster der Region ist Dunfermline Abbey. Wer die Klosterlandschaft des Südens kennenlernen will, kombiniert das mit Melrose Abbey oder Cambuskenneth Abbey bei Stirling. Die Hauptstadt Edinburgh ist die bequeme Basis. Den geschichtlichen Rahmen liefert unsere Geschichte Schottlands.
Wer gründete Inchcolm Abbey?
König Alexander I. gelobte 1123 nach einem Sturm, ein Kloster zu gründen. Sein Bruder David I. erfüllte das Gelöbnis und siedelte Augustinerchorherren an. 1235 wurde das Priorat zur Abtei erhoben.
Was ist an dem Kreuzgang besonders?
Es ist der besterhaltene Schottlands, und nur hier steht ein ganzer Kreuzgang-Vierflügelbau. Im Erdgeschoss liegen überwölbte Gänge, darüber Schlafsaal, Refektorium und Westflügel.
Wer war Walter Bower?
Der Abt von Inchcolm von 1418 bis 1449. Er verfasste das Scotichronicon, die Geschichte Schottlands bis zum Tod von James I. Das Originalmanuskript mit seinen Zeichnungen ist erhalten.
Was geschah im Zweiten Weltkrieg auf der Insel?
Inchcolm war Teil der Verteidigung des Forth. Auf der Insel standen Geschützstände, Scheinwerferhäuser, ein Tunnel und eine Schmalspurbahn zum Schutz von Edinburgh, der Forth Bridge und Rosyth.
Wie komme ich nach Inchcolm?
Nur mit dem Boot. Abfahrtshäfen am Forth sind etwa South Queensferry und Cramond. Fahrzeiten erfahren Sie beim Bootsbetreiber.
Edinburgh und Fife entdecken
Klöster, Burgen und Küstenorte rund um den Firth of Forth.
Passend dazu: Inchmahome Priory, Torphichen Preceptory.
