Huntly Castle in Aberdeenshire war der Hauptsitz der mächtigen Gordons, der Earls und späteren Marquises of Huntly. Auf einer Motte des 12. Jahrhunderts steht ein Palast, dessen Südfassade mit gestapelten Erkerfenstern und einer riesigen Wappeninschrift zu den schönsten Renaissancebauten Schottlands zählt. Seit 1925 ist die Ruine in staatlicher Obhut. Der Eintritt ist kostenpflichtig.
Huntly Castle liegt in einem Park am Ufer des Deveron, erreichbar über eine Doppelallee aus Linden. Über den Graben und die Reste älterer Bauten erhebt sich der Palast der Gordons, eine Ruine, die Besucher an die Châteaux Frankreichs erinnert. Gut zu sehen ist hier, wie eine Familie ihren Aufstieg in Stein und Wappen verewigte.
Dieser Ratgeber erklärt die Anfänge als Motte, die Gordons, den Palast des 16. und 17. Jahrhunderts mit seiner Inschrift, den Bruch von 1594 und 1640, die Natur auf dem Gelände und den Besuch. Die Grabstätte der Gordons ist die Elgin Cathedral; die Region stellt die Seite zu Aberdeenshire vor.
| Lage | Castle Avenue, Huntly, Aberdeenshire, AB54 4SH |
|---|---|
| Ältester Bau | Motte mit Vorburg, errichtet vor den 1220er-Jahren (damals Peel of Strathbogie) |
| Gordons | seit dem 14. Jahrhundert Herren des Ortes; Palast 1550er und 1602, Arbeiten bis in die 1640er-Jahre |
| Besonderheit | gestapelte Erker und Inschrift „George Gordon First Marquis of Huntlie“ |
| Staatliche Obhut | seit 1925 |
| Eintritt | kostenpflichtig; Preise, Zeiten und Winterpause stehen bei Historic Environment Scotland |
Fragen, die wir beantworten
Wie entstand die Burg auf der Motte?
Der älteste Teil von Huntly ist eine Motte mit Vorburg. Die Herrschaft hieß ursprünglich Strathbogie; erst 1506 wechselte der Name zu Huntly. Die Motte, ein kegelförmiger Erdhügel, trug einst einen hölzernen Aufbau, und in der größeren Vorburg stehen heute die späteren Steinbauten. Die Anlage entstand vor den 1220er-Jahren, wohl im späteren 12. Jahrhundert, als Sitz einer großen Herrschaft. Dieser Bereich ist nie untersucht worden, die frühen Phasen sind daher nur aus dem Üblichen erschlossen. Die Herrschaft galt als gewaltig, mit überlieferten 48 Davochs, Gebietseinheiten, und im frühen 13. Jahrhundert mit sechs Pfarrkirchen.
Zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert kontrollierten Mitglieder des Clans MacDuff das Gebiet. 1224 ist erstmals ein David von Strathbogie als Herr bezeugt, ein Sohn des Earl Duncan von Fife. 1232 wurde sein Streit mit dem Bischof von Moray beigelegt; als Zeuge nennt die Urkunde den Seneschall Morinus. Im Mittelalter spielte die Burg in den Unabhängigkeitskriegen nur eine kleine Rolle. John de Strathbogie, Earl of Atholl, kämpfte 1306 in der Schlacht von Methven an der Seite von Robert the Bruce; als er gefangen genommen wurde, ließ Edward I. den Galgen kurzerhand um dreißig Fuß höher bauen.
Im 14. Jahrhundert ging Strathbogie an die Gordons über. Sie wurden zur führenden Familie des Nordens, wohl auch weil sie die nächsten Verwandten der früheren Earls of Buchan waren. Die Motte erkennt man als flache, runde Fläche westlich der heutigen Anlage; sie ist ein leicht zugängliches Zeugnis dieser frühesten Bauphase.
Wer waren die Gordons und wie bauten sie Huntly aus?
Die Gordons spielten eine Schlüsselrolle in der Politik des späten Mittelalters und zählten zu den mächtigsten Familien nördlich der Mounth. Um 1375 ersetzte ein massiver Wohnturm in L-Form die hölzerne Burg. Er wurde 1594 gesprengt, heute zeigen nur freigelegte Fundamente seine Größe. Im 15. Jahrhundert, wohl um 1450, entstand im Südwesten ein großer Hallenbau; seine unteren Geschosse sind in den gewölbten Kellern des Palastes erhalten. Jakob IV. besuchte die Burg oft, und 1510 heiratete seine Tochter Margaret George Gordon, den späteren vierten Earl.
In den 1550er-Jahren ließ der vierte Earl den Halle-und-Kammer-Bau über den alten Kellern neu errichten. Die alte Ringmauer wich einem Hof, der von Gebäudeflügeln umgeben ist. Zu seinem Werk zählen der Palastblock und zwei Rundtürme im Nordwesten und Südosten; das Jahr 1553 und sein Wappen stehen auf Giebelsteinen. 1556 empfing er Maria von Guise mit großem Aufwand, so dass die Krone seine Macht und seinen Ehrgeiz mit Misstrauen sah und ihn den „cock o’ the north“ nannte. Ein englischer Botschafter hielt Huntly für die beste und am besten ausgestattete Adelsresidenz Schottlands.
Die Hauptetage bildet eine Folge von Prunkräumen: Halle, große Kammer und Schlafkammer; darüber lag eine ähnliche Raumfolge, wohl die Räume der Gräfin. Der Südostturm enthielt eine private, der Nordwestturm die öffentliche Treppe. Runde Türme dieser Art finden sich auch in Balvenie, Edzell und im Bischofspalast von Kirkwall. Sie zeigen wohl französischen Einfluss; der vierte Earl reiste 1550 mit Maria von Guise nach Frankreich. Wie ein Wohnturm dieser Zeit aussah, zeigt etwa Craigmillar Castle; das Aussehen des Turms von Huntly lässt sich nur durch Vergleiche mit Bauten wie Craigmillar und Crichton erschließen.
Was zeigt die Südfassade und die Inschrift?
Nach 1594 wurde der Palast in prunkvollem Stil wiederaufgebaut, zuerst vom ersten Marquis, dann vom zweiten. Zum Palast von 1550 kamen doppelgeschossige Erker, die der große Rundturm und ein rechteckiges Türmchen flankieren. Die Erker enden in Dachgauben, ein schwerer vorkragender Zinnenkranz krönt den Rundturm, und Inschriften verkünden den Besitz der Gordons. Die Fassade fällt durch ihre Beherrschung von Proportion und Detail unter den Häusern des hohen Adels auf. Woher die gestapelten Erker stammen, ist nicht bekannt; vielleicht aus Frankreich, vielleicht von den Erkern Jakobs IV. in Edinburgh Castle und Linlithgow Palace.
Die große Inschrift verläuft im Relief über die Fassade und lautet in ihrer ursprünglichen Schreibung „GEORGE GORDOVN FIRST MARQVIS OF HVNTLIE“ und „HENRIETTE STEWART MARQVESSE OF HVNTLIE“. Die „Hand Gottes“ zeigt auf jeden Namen und bekräftigt den Aufstieg der Gordons vom Earl zum Marquis. Über dem Zugang zum Hof steht ein kühnes Bildwerk mit unverhohlen katholischer Bildsprache, wohl eher spanisch als französisch beeinflusst. Die meisten religiösen Bilder wurden 1640 von den Covenanters zerstört.
Zur Ausstattung gehören reich geschnitzte Kamine und Wappen. Unter dem Palast liegen Vorratskeller; in der Nähe steht die Ruine einer mittelalterlichen Brauerei. Im 17. Jahrhundert kam ein Säulengang im klassischen Stil östlich des Palastes hinzu, vielleicht auch eine Kapelle. Der Ostflügel, heute stark verfallen, bot einen klassischen Zugang zum Hof, und im Osten zeugen Erdwerke und eine Geschützbastion vom Bürgerkrieg.
Wie endete die Zeit der Gordons in Huntly?
Die Gordons blieben dem katholischen Glauben treu, und Huntly war wohl das wichtigste Zentrum des römischen Glaubens im Nordosten. Im Jahr 1562 zog Maria Stuart gegen den vierten Earl, den „Papst des Nordens“, ins Feld. 1601 ordnete die Generalversammlung der Kirche regelmäßige Besuche in Huntly an, um den Earl zu belehren und Messpriester fernzuhalten. Im Jahr 1594 wurde die Burg auf Befehl Jakobs VI. „geschleift“ und teilweise verbrannt; der alte Turm wurde gesprengt, der Palast blieb weitgehend stehen.
Im Bürgerkrieg wurde aus dem Palast wieder eine Garnison. Danach war Huntly kein Adelssitz mehr und verfiel zusehends. Eine Zeichnung von 1799 zeigt den Palast noch mit Dach und den Rest in Trümmern; Jean Claude Nattes zeichnete die Südfassade in diesem Jahr. 1925 kam die Burg in staatliche Obhut; in den 1920er-Jahren räumte Douglas Simpson die Anlage für das Ministry of Works aus. Die Funde gelten daher als nur eingeschränkt verwertbar.
Eng verbunden mit Huntly ist die Ballade „The Bonnie Earl o’ Moray“, die einen Vorfall von 1592 erzählt: den Mord des sechsten Earl of Huntly an James Stewart, dem zweiten Earl of Moray. Zu den Gordon-Stätten gehören auch die Elgin Cathedral, die ihre Grablege war, die Burg Auchindoun und die Ruthven Barracks.
Welche Natur und welche Besonderheiten bietet das Gelände?
Der Park liegt am Felsental des Deveron und wird über eine Doppelallee aus Linden erreicht. Bäume wie Linde, Buche und Rosskastanie prägen das Gelände, dazu kommen artenreiche Wiesen an der Motte und an den Böschungen. Die Burg ist wichtig für Fledermäuse; sie ist Sommer- und Winterquartier der Wasserfledermaus, und Winterquartiere sind selten. Als Pflanzen von lokaler Bedeutung gelten das Kriechende Gelbe Sauerklee und die Gauklerblume (Monkey Flower), beide aus Nordamerika eingeführt.
Das Gelände dient als Hochzeitsort und Hintergrund für Veranstaltungen. Die Stewards pflegen die Mundart Doric; in der Anlage gibt es Doric-Rundgänge und Kinderquiz (Stand 2018). Stege und Schutzabdeckungen über den Wappenkaminen mindern allerdings das Raumerlebnis im Palast.
Wie besuche ich Huntly Castle?
Die Burg liegt an der Castle Avenue in Huntly. Der Eintritt ist kostenpflichtig, Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt; wer ohne Auto anreist, erhält Ermäßigung. Öffnungszeiten wechseln stark mit der Jahreszeit; im Winter hat die Burg an einzelnen Tagen geschlossen, und eine längere Pause im Herbst ist möglich. Preise, Tage und gesperrte Bereiche stehen auf der Seite von Historic Environment Scotland. Eine Toilette gibt es zeitweise nicht; prüfe das vorab.
Der Eingang liegt oberhalb einer Rampe; im Inneren führen viele Stufen nach oben, ein Wendeltreppenturm hat 92 Stufen. Hunde sind auf dem Gelände an der Leine erlaubt, aber nicht in überdachten Räumen. Mit dem Zug erreicht man Huntly ab Aberdeen in etwa 1 Stunde 20 oder ab Inverness in etwa einer Stunde, dann folgt eine Meile Fußweg; Busse halten am Square. Wie man nach Schottland kommt, steht auf der Seite zur Anreise.
In der Nähe liegen der Picardy Symbol Stone in 9 Meilen, St Mary’s Kirk in Auchindoir in 11 Meilen, Balvenie Castle in 13 Meilen und der Maiden Stone in 15 Meilen.
Wer baute Huntly Castle?
Auf einer Motte des 12. Jahrhunderts bauten die Gordons seit dem 14. Jahrhundert; den Palast ließen der vierte Earl in den 1550er-Jahren und der erste Marquis nach 1594 prächtig ausbauen.
Was bedeutet die Inschrift an der Fassade?
Sie nennt George Gordon als ersten Marquis of Huntlie und seine Frau Henriette Stewart; die Hand Gottes zeigt auf jeden Namen.
Wann kam Huntly in staatliche Obhut?
1925.
Was zerstörten die Covenanters 1640?
Den größten Teil der religiösen Bildwerke an Fassade und Kaminen; nur die Hand Gottes auf der Inschrift blieb.
Kostet der Besuch Eintritt?
Ja; Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt. Zeiten und Winterpausen stehen bei Historic Environment Scotland.
