Huntingtower Castle liegt am Westrand von Perth und besteht aus zwei Turmhäusern, die nur drei Meter voneinander entfernt stehen. Hier lebten die Ruthvens, bis die Familie 1600 nach dem Gowrie-Komplott ausgelöscht wurde. Die bemalte Decke aus dem 16. Jahrhundert und die Wandmalereien gehören zu den ältesten erhaltenen Schottlands. Danach hießen Haus und Land Huntingtower.
Huntingtower Castle wirkt von der Straße aus unscheinbar. Hinter der A85 und den Reihenhäusern am Stadtrand von Perth erhebt sich ein grauer Block mit Zinnen, davor ein kurzer Weg über Felder. Erst im Inneren zeigt sich, warum das Haus zu den bedeutendsten Schlössern Perthshires zählt: Es besteht nicht aus einem, sondern aus zwei Turmhäusern, die erst später verbunden wurden, und es bewahrt Malereien, wie sie in Schottland nur selten überlebt haben.
Die Seite folgt der Geschichte des Hauses. Sie beginnt bei den Ruthvens, die hier ihren Hauptsitz hatten, beschreibt den Raubzug gegen den jungen König Jakob VI. 1582 und das Ende der Familie 1600 und zeigt dann, wie die Murrays das Haus im 17. Jahrhundert zum Landsitz umbauten. Dazu kommen die Räume, die Decke und der Weg des Gebäudes in die Obhut des Staates. Passende Ziele in der Nähe finden Sie auf der Seite zu Perthshire.
| Lage | am Westrand von Perth, Perthshire |
|---|---|
| Früherer Name | Place of Ruthven, seit 1600 Huntingtower |
| Bauform | zwei Turmhäuser im Abstand von etwa drei Metern, später verbunden |
| Älteste Teile | 15. Jahrhundert |
| Malerei | bemalte Decke aus dem 16. Jahrhundert, Wandbilder aus dem frühen 16. Jahrhundert |
| Familien | Ruthven (Earls of Gowrie), danach Murray (Tullibardine, Atholl) |
Fragen, die wir beantworten
- Wer waren die Ruthvens und warum bauten sie zwei Türme?
- Was geschah beim Ruthven Raid von 1582?
- Wie endete das Haus Ruthven im Jahr 1600?
- Was machten die Murrays aus dem Haus?
- Warum ist die bemalte Decke so besonders?
- Wie kam das Haus in staatliche Obhut?
- Was lässt sich in der Nähe von Perth verbinden?
Wer waren die Ruthvens und warum bauten sie zwei Türme?
Die Familie Ruthven kam gegen Ende des 12. Jahrhunderts aus East Lothian nach Perthshire und stieg im späten Mittelalter zu einer der einflussreichen Familien der Region auf. Huntingtower war ihr wichtigster Wohnsitz. Bis 1600 hieß das Haus nicht Huntingtower, sondern Place of Ruthven, „Haus der Ruthvens“. Wo die Familie in den gut zweihundertfünfzig Jahren zwischen ihrer Ansiedlung und dem Bau des heutigen Hauses lebte, ist nicht bekannt.
Der älteste erhaltene Teil ist der untere Teil des Osturms. Er enthält die Reste eines kräftigen Torhauses aus dem 15. Jahrhundert. Dieses Torhaus führte in den Haupthof, in dem die Wohngebäude der Familie standen. Um 1500 schloss man die Durchfahrt zu, zog zunächst einen Holzboden ein und ersetzte ihn kurz darauf durch ein Steingewölbe. Darüber lagen im ersten Stock ein Saal mit bemalter Decke, im zweiten Stock eine Schlafkammer sowie ein Dachboden mit Wehrgang. Der Eingang befand sich auf der Nordseite, eine Wendeltreppe an der Nordwestecke erschloss die oberen Geschosse.
Nur drei Meter westlich baute man um 1500 einen zweiten Turm, um mehr Raum zu schaffen. Eine Mauer verband beide Türme. Die Anordnung ist ungewöhnlich, und der Grund dafür ist nicht bekannt. 1480 erhielten die beiden Söhne von William, dem ersten Lord Ruthven, Legitimationsbriefe. Ob das mit den zwei Türmen zusammenhängt, ist offen. William war Vormund König Jakobs V. und starb 1528. Seine Frau war Isabel Lindsay.
Das Ergebnis ist ein seltener Fall. Zwei nahezu gleichrangige Turmhäuser nebeneinander gab es im 16. und weitgehend auch im 17. Jahrhundert, und Huntingtower ist das am besten erhaltene Beispiel dafür. Um die Türme standen außerdem ein einstöckiger großer Saal aus dem späten 16. Jahrhundert, Wirtschaftsgebäude, Gärten und Obstgärten, die von einer Mauer umschlossen waren. Von diesem Umfeld sind nur noch Spuren zu sehen. Eine Zeichnung von 1790 zeigt den Saal bereits als Ruine neben einem verfallenen zweistöckigen Kammertrakt.

Was geschah beim Ruthven Raid von 1582?
1581 machte König Jakob VI. den vierten Lord Ruthven zum Earl of Gowrie. Ein Jahr später führte Gowrie gemeinsam mit dem Earl of Mar einen Staatsstreich an, der als Ruthven Raid in die Geschichte einging. Der junge König wurde auf dem Place of Ruthven rund zehn Monate gegen seinen Willen festgehalten. Die Verschwörer wollten ihn von katholischen Einflüssen fernhalten.
Nach rund zehn Monaten war der König wieder frei, und Gowrie wurde 1584 in Stirling verurteilt und enthauptet. Sein Besitz wurde eingezogen, später aber an seine Erben zurückgegeben. Das Haus, das den Staatsstreich erlebte, blieb also zunächst in der Familie. Für die Ruthvens war es jedoch nur ein Aufschub.
Die Geschichte zeigt, wie eng der Wohnsitz mit der großen Politik verbunden war. Die Ruthvens waren Protestanten und griffen zweimal nach dem König. Am Ende verloren sie alles. Wer in Huntingtower durch den Saal im ersten Stock geht, steht in dem Raum, in dem diese Auseinandersetzung ihren Anfang nahm.
Wie endete das Haus Ruthven im Jahr 1600?
1600 versuchten die Ruthvens erneut, den König in ihre Gewalt zu bringen, diesmal im Haus der Familie in Perth, dem Gowrie House. John, der dritte Earl, und sein Bruder Alexander starben dort. Der Plan, den man als Gowrie-Komplott bezeichnet, wurde vereitelt. Später klagte man beide Brüder wegen Hochverrats an.
Die Strafe war außergewöhnlich hart. Ein Parlamentsbeschluss löschte den Namen Ruthven aus, ihre Wappen wurden gestrichen, ihre Güter eingezogen und ihre verstümmelten Leichen in den wichtigsten Städten Schottlands gezeigt. Der Beschluss bestimmte außerdem, dass Baronie und Haus von Ruthven künftig „Huntingtour“ heißen sollten. Aus dem Place of Ruthven wurde Huntingtower.
So verschwand ein Name, der Jahrhunderte lang mit dem Ort verbunden war. Die Familie war am Ende, die Burg aber blieb.
Was machten die Murrays aus dem Haus?
Nach 1600 verwalteten Murrays das Haus im Auftrag der Krone. Sir Mungo Murray von Drumcairn war von 1607 bis 1613 Constable, William Murray, der spätere Earl of Dysart und Lord of Huntingtower, ab 1643. James, der vierte Earl of Tullibardine, hatte es ab 1649 inne und erwarb es 1663. Damit wurde Huntingtower zum Besitz der Familie, aus der später die Herzöge von Atholl hervorgingen.
John, der zweite Earl of Atholl, erbte das Haus 1670. Er wurde 1676 Marquis und starb 1703. In seine Zeit fällt der große Umbau, der die zwei Türme zu einem einheitlichen Wohnhaus nach dem Geschmack der Zeit machen sollte. In die Südseite des Westturms setzte man große, regelmäßig angeordnete Fenster und führte sie über den Zwischenbau fort. Das Muster war auch für den Osturm vorgesehen, davon zeugen vorstehende Steine an der Ostseite des Zwischenbaus. Stattdessen erhielt der Osturm zwei große Fenster und einen neuen Haupteingang.
Der Raum zwischen den Türmen wurde im späten 17. Jahrhundert überbaut. Dort entstand eine große hölzerne Treppe, die man durch eine Tür im Osturm betrat. Sie erschloss die oberen Kammern des Westturms und bot an der ersten Etage einen zweiten Zugang zum Raum im Osten. Die Wendeltreppe im Nordwesten des Osturms verlängerte man bis zum Erdgeschoss, damit sie am Fuß der Haupttreppe endete. Die wichtigsten Räume erhielten Täfelungen, Stuck und Kamine.
Als Mary, die Witwe des ersten Herzogs von Atholl, 1767 starb, war das Haus bereits heruntergekommen. Es wurde nicht mehr als Adelssitz genutzt. Zwischen 1805 und 1815 diente es James Buchan als Unterkunft für Arbeiter einer Stoffdruckerei. Major Lindsay Mercer erbte es später von seinem Vater, der es 1863 gekauft hatte, und übergab es 1912 in staatliche Obhut.

Warum ist die bemalte Decke so besonders?
Im Saal des Osturms im ersten Stock hängt eine bemalte Decke aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde 1912 und 1913 freigelegt, nachdem man die Wand- und Deckentäfelung des 18. Jahrhunderts entfernt hatte. Auf schwarzem Grund sind Flechtmuster gemalt, an den Balken Blattwerk, Fruchtranken und Tiergestalten in Farben. Sie zählt zu den frühesten erhaltenen Renaissance-Decken Schottlands.
Auch ihre Bauweise ist ungewöhnlich. Die Decke ist durch fünf Hauptbalken in vier Felder gegliedert. In jedem Feld wechseln Bretter und schmalere Balken, die im rechten Winkel zu den Hauptbalken verlaufen. Üblich sind eng gesetzte Balken mit dazwischen liegenden Brettern, deren Bemalung in dieselbe Richtung läuft. Nach der Behandlung gegen Schwamm wurden Balken und Bretter 1913 und 1914 wieder eingesetzt. Die Decke ist mehrfach konserviert worden, zuletzt in den Jahren 2001 und 2002. 1975 wurde sie fotogrammetrisch aufgenommen.
Daneben haben sich in den Obergeschossen beider Türme zehn Flächen bemalten Putzes erhalten, die ebenfalls 1912 und 1913 freigelegt wurden. Zu sehen sind Blumen, ein Hase, Hirsche, Engel, die Gestalt „Adam“, ein Würfelmuster in Scheinperspektive, Friese und das gemeinsame Wappen der Familien Erskine und Ruthven. Es stammt aus der Zeit vor 1513: Margaret, die Tochter des ersten Lord Ruthven, war mit John Erskine von Dun verheiratet, der in jenem Jahr bei Flodden fiel, ebenso wie ihr Bruder William, der Master of Ruthven. Die übrigen Bilder stammen von derselben Hand. Seit 1913 schützt Glas die empfindlichsten Stellen.
Eine so dichte Folge von Malereien aus dem frühen 16. Jahrhundert ist in Schottland selten.
Wie kam das Haus in staatliche Obhut?
Als Huntingtower 1912 in den Besitz des Staates kam, begannen sofort große Arbeiten. Man entfernte die große Treppe des 17. Jahrhunderts, den Stuck, die Kamine und die Täfelung des 18. Jahrhunderts, um den früheren Zustand freizulegen, und besserte das Mauerwerk umfassend aus. Neue Dächer folgten um 1916, Eichenfenster, Türen und Geländer bis 1926. Die vorhandenen Böden über dem Gewölbe des Osturms, im zweiten Stock und im ersten Stock des Westturms wurden 1948 ersetzt. Eine moderne Treppenbrücke über den Zwischenbau verbindet die ersten Stockwerke der beiden Türme. Die Wehrgänge sind seit 1986 mit Geländern und Toren zugänglich.
Vom einstigen Hof, den Gärten und Nebengebäuden ist wenig geblieben. Nur Teile der Anlage um das Haus lassen sich noch ablesen. Ein Suchgraben stieß 1996 am Westturm auf massive Fundamente aus lehmgebundenem Mauerwerk.
Das Haus liegt auf einer ebenen Flussterrasse und beherrscht die Umgebung. Zwischen dem Stadtrand mit der Hauptstraße und dem Landwirtschaftsbetrieb Mains of Huntingtower wirkt es wie ein Stück Landschaft des frühen 16. Jahrhunderts, auch wenn die hohen Hofmauern, die Gärten und die Obstgärten fehlen. Im Sommer ist es Quartier einer Kolonie von Zwergfledermäusen, die dort auch überwintert.

Was lässt sich in der Nähe von Perth verbinden?
Huntingtower ist ein guter Einstieg in die Geschichte Perthshires. Wer sich für mittelalterliche Kirchenbaukunst interessiert, findet in Dunblane Cathedral ein Ziel in Perthshire. Wer weiter in die Highlands will, kann Blair Castle ansteuern.
Einen Überblick über die Epoche bietet die Seite zur Geschichte Schottlands. Die Landschaft rund um den Tay beschreibt die Seite zu Perthshire.
Warum hieß Huntingtower früher Place of Ruthven?
Weil die Familie Ruthven dort ihren Hauptsitz hatte. Nach dem Gowrie-Komplott von 1600 ordnete ein Parlamentsbeschluss die Umbenennung in Huntingtower an.
Was war der Ruthven Raid?
Ein Staatsstreich von 1582, bei dem der Earl of Gowrie und der Earl of Mar den jungen König Jakob VI. rund zehn Monate auf dem Place of Ruthven festhielten.
Wie alt ist die bemalte Decke?
Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und zählt zu den frühesten erhaltenen Renaissance-Decken Schottlands.
Warum stehen zwei Türme nur drei Meter voneinander entfernt?
Der Grund ist nicht bekannt. Der Osturm geht auf ein Torhaus des 15. Jahrhunderts zurück, der Westturm kam um 1500 hinzu. Beide Türme verband später ein Zwischenbau.
Wann kam Huntingtower in staatliche Obhut?
1912, als Major Lindsay Mercer das Haus an den Staat übergab.
