Hermitage Castle in Liddesdale, einem einsamen Tal der Scottish Borders, ist eine der großen Grenzburgen zwischen Schottland und England. Die Black Douglas bauten sie im späten 14. Jahrhundert zu einem Wohnturm mit vier Ecktürmen um. 1566 besuchte Maria Stuart hier den verwundeten Earl of Bothwell. Der Eintritt ist kostenpflichtig, die Burg nur im Sommerhalbjahr geöffnet.
Hermitage Castle steht mitten in einer Landschaft, in der kaum jemand wohnt. Die Mauern sind wuchtig, steil und fast ohne Öffnungen; die Burg wirkt in sich gekehrt und finster. Gerade das hat sie zu einem Sinnbild der wilden Grenzgeschichte gemacht, mit Kämpfen, Raubzügen und berühmten Besuchern.
Dieser Ratgeber erklärt die Anfänge im 13. Jahrhundert, den Wohnturm der Black Douglas, die Rolle im Grenzkrieg, den Besuch Maria Stuarts 1566, die Restaurierung des 19. Jahrhunderts, die Kapelle und den Besuch. Die Region stellt die Seite zu Südschottland vor.
| Lage | Newcastleton, Roxburghshire, TD9 0LU, im Liddesdale |
|---|---|
| Anfänge | Burg der de Soules, nach den Aufzeichnungen im 13. Jahrhundert (1242 erwähnt) |
| Bauform | Wohnturm mit vier Ecktürmen, im späten 14. Jahrhundert von den Black Douglas |
| Staatliche Obhut | seit 1930 (Burg und Kapelle) |
| Besonderheit | Fliegende Bögen und Reste eines hölzernen Wehrgangs |
| Eintritt | kostenpflichtig, nur im Sommerhalbjahr geöffnet; Preise und Tage stehen bei Historic Environment Scotland |
Fragen, die wir beantworten
- Wann und von wem wurde Hermitage gegründet?
- Welche Rolle spielte die Burg im Grenzkrieg?
- Wie ist der Wohnturm der Black Douglas gebaut?
- Wozu dienten die vier Ecktürme?
- Was geschah 1566 bei Maria Stuarts Besuch?
- Wie wurde die Ruine im 19. Jahrhundert wiederhergestellt?
- Was ist von der Kapelle erhalten?
- Wie besuche ich Hermitage Castle?
Wann und von wem wurde Hermitage gegründet?
Die frühesten Nachrichten über Hermitage betreffen die Wohnstätte der de Soules in den 1240er-Jahren. Sie stand möglicherweise westlich der heutigen Burg, bei den Resten der Kapelle. Der Chronist John von Fordun schrieb im 14. Jahrhundert, der Bau einer Burg in Liddesdale namens Hermitage habe 1242 beinahe einen Krieg zwischen Schottland und England ausgelöst. Diese erste Burg war wohl eine hölzerne Festung innerhalb der heutigen äußeren Erdwerke.
Der Bauherr war einer der de Soules, Herren von Liddesdale und erbliche Mundschenken von Schottland. Die Familie zog von ihrem früheren Sitz Liddel Castle, rund 7 Kilometer südlich, nach Hermitage um. Die Herrschaft über Liddesdale hatte David I. dem Anglonormannen Ranulf de Soules gegeben. Möglicherweise gab es im späten 12. Jahrhundert in der Gegend eine Einsiedelei, die zu Kelso Abbey gehörte; ihr Ort ist unbekannt, und die Erdwerke um die Kapelle könnten ein Rest davon sein. Der Name der Burg verweist auf eine geistliche Präsenz im Mittelalter.
Weitere Klöster der Region behandeln die Seiten zu Melrose Abbey und Jedburgh Abbey.
Welche Rolle spielte die Burg im Grenzkrieg?
Als großer Stützpunkt an der Grenze zwischen Schottland und England spielte Hermitage in den Unabhängigkeitskriegen eine Rolle. Im Jahr 1300 finanzierte Edward I. Reparaturen, doch die Burg wechselte immer wieder den Besitzer. 1335 stand sie unter englischer Kontrolle durch Ralph Neville, 1341 eroberte sie Sir William Douglas, der „Knight of Liddesdale“. Er wechselte später auf die englische Seite, und David II. gab Hermitage an seinen Neffen, ebenfalls William, den späteren ersten Earl of Douglas.
Nach der Ermordung des „Knight of Liddesdale“ durch den späteren Earl 1342 heiratete seine Witwe Mary den Engländer Lord Dacre. Der Kern des heutigen Gebäudes stammt offenbar aus Dacres Zeit. Im Jahr 1371 holte sich Earl William die Burg zurück. In den folgenden dreißig Jahren bauten die Black Douglas einen großen steinernen Wohnturm über und um Dacres Haus, mit Türmen an allen vier Ecken.
Im 16. Jahrhundert versuchte die Krone, mit dem Schloss die Überfälle der Grenzräuber („Reiver“) im Liddesdale zu bändigen. Die weitmündigen Geschützscharten setzte man um 1540 ein, als die Burg kurz der Krone gehörte. Außerdem baute man außen eine große Geschützstellung zum Schutz des Westzugangs. 1492 hatte Jakob IV. die Burg Patrick Hepburn, Earl of Bothwell, anvertraut, weil er Archibald Douglas, dem vierten Earl of Angus, misstraute. Weil die Earls of Bothwell Wardens der Middle March waren, behielten sie die Kontrolle auch später. Der Autor George MacDonald Fraser nannte die Burg „die Wachstube des blutigsten Tals Britanniens“. Für die Mehrzahl ihrer rund vierhundert Jahre beherrschte sie die schottische Middle March.
Eine weitere Burg der Black Douglas ist Tantallon Castle; zu den anderen zählen Bothwell, Threave, Balvenie und Newark.
Wie ist der Wohnturm der Black Douglas gebaut?
Der Wohnturm ist ungewöhnlich: ein rechteckiger Block in Ost-West-Richtung mit kleineren Türmen an allen vier Ecken. Die einzige weitere schottische Burg dieser Form ist Crookston Castle. Im Untergeschoss steckt noch ein großer Teil von Lord Dacres Herrenhaus. Der Haupteingang lag zunächst im ersten Stock auf der Westseite; später mauerte man ihn zu und setzte um 1540 eine Geschützscharte ein. Am Südostturm gab es eine ebenerdige Hinterpforte.
Außen besteht der Douglas-Bau aus grob geschichteten Blöcken eines groben Sandsteins, die sich vom rötlichen Quaderwerk des Hauses von Dacre abheben. Hohe „fliegende“ Bögen verbinden an Ost- und Westseite benachbarte Ecktürme. Sie trugen zum Teil einen hölzernen Wehrgang, der um das ganze oberste Geschoss lief; Konsolen und Balkenlöcher sind noch zu sehen. Darüber sitzen kleine rechteckige Türen zur Kampfplattform, mit Falz für äußere Läden. Ein solcher Wehrgang ist eine große Seltenheit; ähnliches gibt es nur auf Threave Castle, einer weiteren Burg der Black Douglas.
Der heutige Eingang liegt in der Südmauer. Er war ursprünglich der Eingang zu Dacres Herrenhaus, wurde beim Bau des Wohnturms zugemauert und nach 1540 wohl wieder geöffnet; in dieser Form ist er eine Wiederherstellung von etwa 1830. Der Eingang öffnet sich in den ehemals gepflasterten Hof des Herrenhauses. Rundbogige Türen führen in die Erdgeschosse der beiden Seitenblöcke, wohl Lagerkeller; im Ostkeller ist ein zweilichtiges Fenster zum Hof erhalten, im Westkeller ein Brunnen, einer von zweien. Eine Wendeltreppe am Nordende des Hofs führte zu den oberen Geschossen.
Der Wohnturm der Douglas wurde auf der Westseite im ersten Stock betreten. Im Gang sind zwei Fallgatter nachgewiesen. Im ersten Stock lagen zwei Räume, wohl eine niedrigere Halle und eine Kammer; im zweiten Stock gab es einen langen Raum mit Fenstern und Kamin, vermutlich die große Halle, die später in zwei Kammern geteilt wurde. Die Dächer waren wohl flach oder niedrig geneigt, damit sie leichte Belagerungsmaschinen tragen konnten.
Wozu dienten die vier Ecktürme?
Der Südostturm enthält den zweiten Brunnen, eine Hinterpforte im Erdgeschoss, die Fallgattermechanik im ersten und eine Kammer im zweiten Stock. Im Nordostturm lag im ersten Stock das Gefängnis, darunter ein elendes Verlies; im zweiten Stock saß ein Abort für die große Halle. Der Nordwestturm lässt sich nicht deuten. Der Südwestturm war der wichtigste: größer und von besserer Qualität. Im Erdgeschoss lag die Küche, im ersten Stock wohl eine Halle mit Kamin und Abort, im zweiten und dritten Stock gut ausgestattete Kammern, wohl für den Herrn oder seinen Verwalter.
Die Türen zu den vier Ecktürmen zeigen, dass die Türme von Anfang an geplant waren, auch wenn sie wie nachträgliche Anbauten wirken. Die Fenster im Südwestturm wurden später eingefügt. Außen sind die Türme fast ohne Öffnungen.
Was geschah 1566 bei Maria Stuarts Besuch?
Im Oktober 1566 wurde James Hepburn, vierter Earl of Bothwell, bei einem Gefecht mit Grenzräubern verwundet. Er war ein vertrauter Adliger der Königin Maria Stuart. Als sie davon hörte, ritt sie von Jedburgh über schwieriges Gelände, eine Strecke von rund 25 Meilen, nach Hermitage. Auf dem Rückweg stolperte ihr Pferd und warf sie in ein Moor; sie bekam Fieber, lag eine Woche in Jedburgh im Bett und hatte Glück, wieder zu genesen.
1591 fiel die Burg nach der Verbannung des fünften Earl of Bothwell wieder an die Krone, und um 1600 gehörte sie den Scotts von Buccleuch. Mit der Union der Kronen 1603, als Marias Sohn Jakob VI. auch Jakob I. von England wurde, verlor Hermitage seine strategische Bedeutung. Die Burg wurde verlassen und verfiel; im späten 18. Jahrhundert war sie eine Ruine.
Mehr über die Geschichte der Grenzregion und der Stuarts steht auf der Seite zur Geschichte Schottlands.
Wie wurde die Ruine im 19. Jahrhundert wiederhergestellt?
In den 1830er-Jahren ließ der fünfte Herzog von Buccleuch die Burg umfassend reparieren und teilweise wiederherstellen. Anlass war die wachsende Beliebtheit der kahlen Ruine mit ihrer blutigen Geschichte. Walter Scott hatte mit seinen Schriften die Sehnsucht nach der schottischen Vergangenheit geweckt. Der Schutt wurde damals aus der Burg geräumt, was die archäologischen Schichten im Inneren wohl gestört hat.
Die Maßnahmen beeinträchtigten die archäologische Substanz des Mauerwerks, sind aber ein hervorragendes Zeugnis dafür, wie sich die Sicht auf das Mittelalter in der Romantik veränderte. Abgesehen davon ist die Anlage eine der am wenigsten gestörten großen mittelalterlichen Burgen Schottlands. Nach der Übernahme in staatliche Obhut 1930 wurde in den 1980er-Jahren das Mauerwerk umfassend gesichert, um Schäden der Restaurierung von 1830 zu beheben. Moderne archäologische Untersuchungen gab es bisher nicht; das Potenzial gilt als außergewöhnlich hoch.
Zu Walter Scott und seiner Welt informiert die Seite zur schottischen Literatur.
Was ist von der Kapelle erhalten?
Westlich der Burg liegt die Kapelle, die nur als ausgegrabene Fundamente erhalten ist. Sie war ein einschiffiger Bau mit fünf ungleichen Jochen von 15,7 mal 7,4 Metern. Der Boden im östlichsten Joch war erhöht, um den Altar besser zur Geltung zu bringen. Grundriss und Fensterteile deuten auf die spätere Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Kapelle wurde 1900 und 1926 ausgegraben; geschnitzte Bruchstücke liegen noch vor Ort und auf dem nahen Hermitage Farm. Seit 1979 sind auch die Erdwerke rund um die Kapelle in staatlicher Obhut.
Im Gegensatz zur Burg wirkt die Kapelle freundlich: Sie liegt in der Nähe der bewaldeten Ufer des Hermitage Water, eine Oase in einer unwirtlichen Landschaft. Besucher nutzen den Ort als Platz der Stille; zu Ostern finden hier Gottesdienste statt. Entlang des Hermitage Water wachsen Wildblumen, und in der Nähe brüten Fischadler, die im Frühling und im frühen Sommer oft über die Burg fliegen.
Wie besuche ich Hermitage Castle?
Die Burg liegt bei Newcastleton in Liddesdale, abseits größerer Orte. Der Eintritt ist kostenpflichtig, Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt; online zu buchen ist am günstigsten. Geöffnet ist nur im Sommerhalbjahr. Aktuelle Tage, Zeiten und Preise stehen auf der Seite von Historic Environment Scotland. Parkplatz, Picknickplatz und Toiletten sind vorhanden.
Vom Parkplatz geht man rund 200 Meter über überwiegend grasige Wege mit steilen Abschnitten. Im Burghof liegt Kopfsteinpflaster, die Wehrgänge erreicht man über steile und teils spiralförmige Treppen. Hunde sind im Freien willkommen, Assistenzhunde auch in überdachten Bereichen. Die Lage ist abgelegen; die Seite von Historic Environment Scotland verweist für Busse auf Traveline Scotland. Für den Anreiseweg gibt die Seite Anreise nach Schottland Hinweise.
In der Nähe liegen nur wenige Orte: Jedburgh Abbey ist 18 Meilen entfernt, Dryburgh Abbey 23, Melrose Abbey 25 und Kelso Abbey 28 Meilen.
Wer baute Hermitage Castle?
Die de Soules gründeten sie im 13. Jahrhundert; der heutige Wohnturm entstand im späten 14. Jahrhundert unter den Black Douglas über dem Haus von Lord Dacre.
Was ist besonders an der Bauform?
Ein Wohnturm mit vier Ecktürmen; in Schottland hat nur Crookston Castle eine ähnliche Form. Dazu kommen fliegende Bögen mit Resten eines hölzernen Wehrgangs.
Was hat Maria Stuart mit Hermitage zu tun?
Sie besuchte 1566 den verwundeten Earl of Bothwell und erkrankte auf dem Rückritt nach Jedburgh.
Warum verlor die Burg an Bedeutung?
Mit der Union der Kronen 1603 verlor die Grenze ihre strategische Rolle; die Burg verfiel.
Kostet der Besuch Eintritt?
Ja; Mitglieder von Historic Environment Scotland haben freien Eintritt. Geöffnet ist nur im Sommerhalbjahr.
