Die Grey Cairns of Camster liegen im offenen Moor der Pfarrei Wick in Caithness. Ein rekonstruierter Langhügel von rund 60 Metern mit zwei Kammern und ein runder Cairn von 19 Metern Durchmesser mit dreigeteilter Kammer sind jungsteinzeitliche Grabbauten, die vor etwa 5750 bis 4500 Jahren entstanden.
Auf einer flachen Anhöhe im Moor von Caithness liegen zwei jungsteinzeitliche Steinhügel. Die Grey Cairns of Camster bestehen aus einem langen Hügel mit zwei Kammern und, rund 200 Meter weiter südsüdöstlich, einem runden Hügel mit einer Kammer in drei Teilen. Beide dienten der Bestattung.
Der Langhügel ist das sichtbarste Denkmal seiner Art im Norden des schottischen Festlands. Er wurde im 20. Jahrhundert rekonstruiert, und seine Kammern lassen sich als geschlossene Räume erleben, sodass man Maßstab und Aufbau solcher Gräber nachvollziehen kann. Diese Seite erklärt Bau und Aufbau der Hügel, die Funde, die Ausgrabungen seit 1865 und die Frage, wie viel vom heutigen Bild echt ist. Ein später entstandenes Hügelgrab-Ensemble sind die Clava Cairns.
| Lage | offenes Moor in der Pfarrei Wick, Caithness |
|---|---|
| Langhügel | rund 60 Meter lang, zwei Kammern, Vorplätze an beiden Enden |
| Runder Cairn | rund 19 Meter Durchmesser, eine Kammer in drei Teilen |
| Zeit | Jungsteinzeit, vor etwa 5750 bis 4500 Jahren |
| Typ | Orkney-Cromarty-Hörnerkairn und Camster-Dreikammertyp |
| Staatsobhut | seit 1959, Rekonstruktion 1981 abgeschlossen |
Fragen, die wir beantworten
- Wie sind die beiden Hügel gebaut?
- Was verraten die Kammern und Gänge?
- Wozu dienten die Vorplätze mit den Hörnern?
- Was fanden die Archäologen unter und in den Hügeln?
- Von 1865 bis 1981: Wie wurden die Hügel erforscht?
- Wie viel ist echt und wie viel Rekonstruktion?
- Wer baute die Hügel, und wie sah das Umfeld aus?
Wie sind die beiden Hügel gebaut?
Der lange Cairn gehört zum Typ der Orkney-Cromarty-Gräber mit Hörnern. Er ist etwa 60 Meter lang und hat zwei innere Kammern, die von einer der Längsseiten betreten werden. An beiden Enden liegen Vorplätze, die von kurzen, vorspringenden Armen, den Hörnern, eingefasst werden. Der runde Cairn, der zum sogenannten Camster-Dreikammertyp zählt, misst etwa 19 Meter im Durchmesser und hat eine einzige Kammer, die in drei Teile gegliedert ist.
Beide Anlagen liegen im offenen, feuchten Moor. Bohlenwege führen hin. Vor der Ausgrabung sah der lange Cairn aus wie eine Reihe von Buckeln, die entlang eines Rückens verbunden waren. Heute wirkt er wie ein einziger gleichmäßig gebauter Hügel.
Der Schwanz des Langhügels besteht überwiegend aus örtlichem Mittlerem Old Red Sandstone. Beobachtungen am Mauerwerk zeigten, dass für die inneren und äußeren Schalen verschiedene Steine verwendet wurden; die äußeren waren dünner und dunkler. In der Nordosthälfte hält heute eine doppelte Schale den Cairn, in der Südwesthälfte eine einfache.

Was verraten die Kammern und Gänge?
Die beiden Kammern des Langhügels tragen die Namen A und B. Kammer A hat einen fünfeckigen Grundriss mit fünf aufrechten Steinen, über denen sich ein Kraggewölbe aus trockenem Mauerwerk erhebt. Der Gang vor der Kammer war bei der Ausgrabung von 1865/66 fast unversehrt; die Decke war über dem Gang und dem äußeren Teil von Kammer B erhalten, der Rest war eingestürzt. Die höchste Kragung in Kammer B maß vor der Wiederherstellung von 1967 etwa 2,3 Meter.
Dass in Kammer A ein runder Cairn die Kammer und den innersten Teil des Gangs umschloss, war die wichtigste Entdeckung bei der Ausgrabung von John Corcoran. Der Boden war nur zum Teil gepflastert. Die Gänge sind auffallend niedrig.
Der runde Cairn wurde kurz vor 1851 entdeckt und 1865 ausgegraben. In der Kammer lagen verbrannte menschliche Knochen, Feuersteinwerkzeuge und Keramik. Der Gang war schon in der Vorzeit absichtlich verschlossen worden, und darin fanden sich Teile von zwei Skeletten.
Als rekonstruierte Denkmäler lassen beide Anlagen die Grabkammern als geschlossene Räume erleben. So bekommt man einen lebendigen Eindruck davon, wie groß und kompliziert diese Gräber waren.
Wozu dienten die Vorplätze mit den Hörnern?
Die Vorplätze liegen an den Enden des Langhügels. Der Vorplatz im Nordosten ist heute eine flache Mulde, einst mit Steinen gefüllt, die von einer niedrigen Plattform und kurzen, gestuften Hörnern eingefasst wird. Dahinter und mit der Plattform verbunden wurde eine geschlossene Fassade aus trockenem Mauerwerk gebaut. Zwei hier gefundene Steine sind verziert. Die Fassade ist so gut erhalten, weil dahinter eine zweite Schale steht.
Der Vorplatz im Südwesten wurde absichtlich zugesetzt. Seine Fassade ist nach dem Profil der Nordost-Fassade ergänzt und erreicht in der Mitte eine Höhe von 1,4 Metern. Die Vorplätze lassen sich als Orte für Rituale verstehen, deren Ablauf mehr Menschen sehen konnten als das Geschehen in den Kammern. Die genaue Art der Bestattungsriten in Camster ist nicht bekannt.
Im Mauerwerk des Langhügels fanden sich zwei Steinkisten. Etwa vier Meter von der Schale an der Nordwestseite entfernt lag ein mächtiger Block von bis zu 1,9 Metern Länge und mehr als zwei Tonnen Gewicht, unter dem sich ein ungestörtes Bodenprofil zeigte. Von allen Funden stammt die Mehrheit aus Bereichen unter dem Hügel und unter den Vorplatz-Verschlüssen.

Was fanden die Archäologen unter und in den Hügeln?
Dem Bau des Langhügels ging eine zeitweilige Besiedlung voraus. Die Erde unter dem Hügel und im Südost-Vorplatz ist ein torfiger Podsol mit mehreren verbrannten Stellen, die radiometrisch in das frühe 4. Jahrtausend v. Chr. datiert wurden. Dazu kommen Pfosten- und Stangenlöcher.
Unter den Funden sind Keramik der frühjungsteinzeitlichen Tradition, die als Grimston- und Lyles-Hill-Ware bekannt ist, und Steingeräte, von denen einige in Camster selbst geschlagen wurden. Zwei drachenförmige Feuersteinspitzen sind in schottischen Kammergräbern selten. In den Kammern fand man außerdem einige menschliche und tierische Knochen.
Unter dem Rasen liegt also eine Siedlungsspur, die dem Grab vorausging. Das passt zu einem Muster, das für Gräber des Orkney-Cromarty-Typs bekannt ist: Sie liegen an auffälligen Stellen am Rand der besiedelten Landschaft, in einem Bereich, der von Wohnen und Alltag getrennt war und den Toten gehörte.
Der runde Cairn ist weniger gut verstanden, weil er nie nach modernen Standards ausgegraben und dokumentiert wurde. Aufzeichnungen von Grabungen 1966/67 gingen verloren. Gruppen benachbarter Grabbauten sind in Caithness üblich.
Von 1865 bis 1981: Wie wurden die Hügel erforscht?
1865/66 gruben Anderson und Shearer entlang der Südostseite des Langhügels und legten die Eingänge der Kammern A und B frei. Gänge und Kammern wurden ausgegraben, einige menschliche und tierische Knochen kamen zutage. Bis 1910 war das Innere teilweise wieder verfüllt, und kleinere Einstürze waren geschehen.
1959 kam der Cairn in Staatsobhut. 1967/68 führte Roy Ritchie kleine Grabungen am Eingang der Gänge durch, entfernte eingestürzte Decken in Kammer A und sicherte Kammer B. In den 1970er-Jahren wollte man die Denkmäler sicher präsentieren: John Corcoran grub von 1971 bis 1973, Lionel Masters von 1976 bis 1980. Gleichzeitig wurden Teile rekonstruiert, wiederaufgebaut und gesichert; die Arbeiten endeten 1981. Auch der runde Cairn wurde 1966/67 neu gesetzt: Deckplatten kamen wieder an ihren Platz, eine Betonabdeckung mit Glasscheibe schützt die Kammer, und die Form des Hügels wurde wieder rund.
Ein Schafpferch aus dem späten 19. Jahrhundert, der aus abgetragenem Cairn-Material bestand, wurde 1985 abgerissen und rund 100 Meter weiter nordöstlich neu gebaut.
Wie viel ist echt und wie viel Rekonstruktion?
Beide Hügel wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rekonstruiert. Ein großer Teil des aufragenden Langhügels ist verändert und nicht mehr authentisch; Rekonstruktionen dieser Art sind problematisch, und zu Einzelheiten in Camster bleiben Fragen.
Der Wert der Rekonstruktion liegt dennoch im Erlebnis. Als begehbares Denkmal zeigt Camster, was bei den meisten Anlagen dieser Art nur als Gelände-Buckel erhalten ist, zum Beispiel am Cnoc Freiceadain. Die Entscheidung, Camster zu rekonstruieren, fiel mit der Absicht, die anderen Cairns unberührt zu lassen. Die Rekonstruktion ist also zugleich ein Lehrstück der Denkmalpflege.
Wie sicher ist die Zeitstellung? Der genaue wissenschaftliche Zeitpunkt der Gräber ist nicht bekannt. Auch die Frage, wie sich der Langhügel entwickelte, bleibt offen. Wer sich mit der Jungsteinzeit beschäftigt, findet hier ein Beispiel für die Grenzen des Wissens.

Wer baute die Hügel, und wie sah das Umfeld aus?
Die Hügel zeigen, welche Fähigkeiten die frühen Bauern Nordschottlands besaßen. Für den Bau brauchte es viel Stein und viele Menschen, und das verlangte Organisation. In welcher Gesellschaft diese Gräber entstanden, ist wenig bekannt, ebenso wie der Rest der Landschaft: Wo die Erbauer wohnten und wie das Land aussah, ist ungeklärt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde in Caithness wenig archäologisch gearbeitet.
Die Gräber sind das bekannteste Element einer größeren archäologischen Landschaft. Gruppen von Grabbauten sind in Caithness üblich; neben Camster gehören Cnoc Freiceadain und Cairn o’Get zu den gleichzeitigen Anlagen. Auch die Gräber auf Orkney, etwa Maeshowe, gehören in dieselbe Epoche. Einen jungsteinzeitlichen Hof auf Orkney zeigt Knap of Howar, die frühbronzezeitlichen Clava Cairns sind jünger, und einen weiteren vorgeschichtlichen Grab- und Kultplatz im Süden bietet Cairnpapple Hill. Cairn o’Get liegt nicht weit entfernt, aber die Straßen lassen die Entfernung größer erscheinen.
Der Aufbau im Gelände ist ebenso Teil des Eindrucks: Beide Hügel liegen im offenen Moor, und der geschwungene Umriss des Langhügels hebt sich auf einer niedrigen Anhöhe vom Himmel ab, am besten von der Straße aus gesehen. Die Fassade, vor allem an den Vorplätzen, ist in Form und Mauerwerk reizvoll. Die Hügel wirken am besten in einer offenen Landschaft. Mehr zu den Landschaften im Norden finden Sie in unserer Übersicht zu den Highlands.
Wo liegen die Grey Cairns of Camster?
Im offenen Moor der Pfarrei Wick in Caithness, im Norden des schottischen Festlands.
Wie alt sind die Cairns?
Sie sind jungsteinzeitlich und etwa 5750 bis 4500 Jahre alt. Verbrannte Stellen unter dem Langhügel wurden in das frühe 4. Jahrtausend v. Chr. datiert.
Wie groß sind die beiden Hügel?
Der Langhügel ist rund 60 Meter lang, der runde Cairn hat etwa 19 Meter Durchmesser.
Sind die Hügel Originale?
Beide wurden im 20. Jahrhundert rekonstruiert, die Arbeiten endeten 1981. Ein großer Teil des Langhügels ist verändert und nicht mehr authentisch.
Seit wann sind die Cairns in Staatsobhut?
Seit 1959.
Weitere vorgeschichtliche Stätten entdecken
Von Maeshowe bis Cairnpapple Hill: unsere Übersicht der historischen Stätten.
