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Elcho Castle am Tay: Herrenhaus der Wemyss mit Gitterkörben und Türmen

Elcho Castle am Tay: Herrenhaus der Wemyss mit Gitterkörben und Türmen

Elcho Castle steht am Südufer des Tay bei Rhynd in Perthshire und gehört zu den am besten erhaltenen Herrenhäusern des 16. Jahrhunderts in Schottland. Ein rechteckiger Kern wird von runden und quadratischen Türmen umstellt, eine Anordnung ohne genaues Vorbild. Die Wemyss bauten es zwischen den späten 1550er-Jahren und 1570 als Landsitz mit Gittern, Schießscharten und Stuck.

Elcho Castle liegt auf einem flachen Felsrücken über dem Tay, ein Stück südlich von Perth. Wer das Haus erreicht, sieht einen hohen, grauen Block mit vorspringenden Türmen, Ecktürmchen und Gittern vor vielen Fenstern. Es erinnert an eine Festung und ist doch ein Wohnhaus. Die Familie Wemyss ließ es nicht für den Krieg bauen, sondern um Wohlstand und Weltläufigkeit zu zeigen.

Auf dieser Seite erfahren Sie, wie der Landsitz entstand, warum er 17 Schießscharten und kunstvolle Gitterkörbe vor den Fenstern besitzt, wie die Familie darin wohnte und wann sie ihn aufgab. Dazu kommen das Kloster nebenan, die Hungerrevolte von 1773 und die Rettung des Gebäudes im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Burg mit ähnlichem Anspruch ist Crichton Castle.

LageRhynd, am Südufer des Tay, Perthshire
Bauzeitzwischen den späten 1550er-Jahren und 1570
BauherrSir John Wemyss von Wemyss
Grundrissrechteckiger Kern mit rundem und quadratischen Türmen
Schießscharten17 im Erdgeschoss
BesonderheitEisengitter in Korbform, Stuckfriese, Taubenturm aus dem 16. Jahrhundert

Wer waren die Wemyss und woher kam der Besitz?

Die Familie Wemyss führt ihre Herkunft bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ihren Namen trägt sie nach der Baronie Wemyss an der Küste von Fife, wo es viele Höhlen gibt. Das schottisch-gälische Wort uamh bedeutet „Höhle“, im Namen wurde daraus „weem“. Der Hauptsitz der Familie war Wemyss Castle in Fife. Elcho war ein Landsitz, kein Stammhaus. Der Lord, seine Frau, die Kinder und die Dienerschaft hielten sich dort zeitweise auf, lebten aber hauptsächlich im Stammsitz.

Die ältesten Urkunden zu Elcho stammen aus dem 15. Jahrhundert. 1468 bestätigte König Jakob III. Sir John Wemyss von Wemyss den Besitz von Easter Elcho. Der Ortsname erscheint auch in einer literarischen Quelle des 15. Jahrhunderts, im Epos über William Wallace von Blind Harry, wo „Elchoch“ mehrfach als fester Ort genannt wird. 1501 spricht ein Sir John Wemyss vom „place of Elchok“, seinem Haus.

Das heutige Haus entstand in einer Zeit des Umbruchs. Die Wemyss stiegen auf. 1628 wurde Sir John Wemyss zum Lord Wemyss of Elcho erhoben, 1633 ernannte ihn König Karl I. zum Earl of Wemyss. Er starb 1649.

Was hat das Nonnenkloster mit dem Schloss zu tun?

Direkt neben dem Besitz lag Wester Elcho mit dem Elcho Priory, einem Kloster von Zisterzienserinnen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Nonnen finanzielle Schwierigkeiten. Sir John Wemyss gewährte der Priorin und ihren acht Nonnen mehrere Darlehen. Zum Dank ernannte man ihn zum erblichen Verwalter, und nach und nach wurden ihm und seinen Erben Teile des Klosterlandes verpachtet. Bereits 1541 ist das Haupthaus von Elcho, das capitale messuagium, urkundlich erwähnt, 1552 ein John Wemyss „of that place“.

Mit der Reformation 1560 wurden Kirchenländereien offiziell säkularisiert. Zu diesem Zeitpunkt befand sich fast das gesamte Klosterland von Easter und Wester Elcho in der Hand der Wemyss. Der Bau des heutigen Hauses lief schon vor der Reformation an: 1558 unterzeichnete Sir John Urkunden „apud Elcho“, also „bei Elcho“, und 1570 schuldete er einem verstorbenen Handwerker sieben Pfund für Eisenarbeiten, darunter Gitter für Tor und Fenster. Die Familie war damit in Easter und Wester Elcho fest verankert.

Das Kloster ist verschwunden, doch der Ort des mittelalterlichen Nonnenklosters liegt in der Nähe des Schlosses.

Elcho Castle am Tay mit dem hohen grauen Haus und den vorspringenden Rundtürmchen über einer Wiese

Was macht den Grundriss mit den vielen Türmen so ungewöhnlich?

Das Haus besteht aus einem rechteckigen Kern, an dessen Südwestecke ein großer quadratischer Turm sitzt. Hinzu kommen drei weitere angebaute Türme. Diese Anordnung von runden und eckigen Türmen ist unter den erhaltenen Häusern dieser Zeit einmalig, auch wenn es Teilparallelen gibt, etwa in Kellie, Thirlestane und MacLellan’s Castle. Das Haus bot auf vier Geschossen bequeme und private Räume.

Die Fassade zeigt Ecktürmchen auf Kragsteinen, den Wechsel von runden und eckigen Grundrissen und aufwendige Dachgauben. Die Mode, die darin zu sehen ist, kam vom europäischen Festland: Der Adel war gebildeter und weitgereister geworden. Eine Gaube an der Südseite hat zierliche Säulchen und einen flachen Giebel mit einem Ring. Ein solcher Ring bezeichnet im Wappenwesen den fünften Sohn. Reste des Verputzes sind noch zu erkennen. Der Treppenturm ist vergrößert, damit eine breite Wendeltreppe ins erste Obergeschoss führen konnte. Die oberen Stockwerke erreichte man über vorspringende Wendeltreppen.

Das Haus war in voller Höhe von der Nordseite her sichtbar, wo man vom Tay aus anreiste. Eine Zufahrt führte per Boot über den Tay in eine Bachmündung, die als kleiner Hafen diente. Nördlich des Hauses liegt ein großer ehemaliger Steinbruch. Er war einst überflutet und mit dem Fluss durch einen Einschnitt verbunden. Heute ist er verfüllt und als Wildnisgarten bepflanzt.

Wozu dienten die vielen Schießscharten und Gitter?

Im Erdgeschoss zählt man 17 Schießscharten, eine ungewöhnlich hohe Zahl. Sie zeigten Wehrhaftigkeit, doch ihre Anordnung folgt keinem strategischen Plan. Die Wemyss wollten zeigen, dass sie mit den neuesten Befestigungselementen vertraut waren. In einigen Scharten sitzen noch hölzerne Auflager für die Gabel eines Gewehrs.

Die Eisengitter vor vielen Fenstern kamen vom Kontinent. Sie erlaubten größere Glasflächen und schützten zugleich. Vergleichbare Gitter gab es am Torhaus von Falkland Palace und in der Nordfassade von Crichton Castle. In Elcho sind sie von der Korbbauart. Sie stehen vor der Wand hervor, ihre Stäbe sind waagerecht und senkrecht um einen Mittelpunkt angeordnet und ineinandergesteckt. Das ist eine typisch schottische Bauweise. Meist sitzt das Gitter nur im Fensterrahmen.

Auf der Nordseite gibt es keine Gitter. Das Gelände fiel dort steil ab und wirkte abschreckend genug, und die Gitter waren zugleich Schmuck. Vor der Zeit von Tresoren und Bankkonten schützten Schießscharten, Gitter, Hofmauer (der barmkin im Süden) und das Eisengitter hinter der einzigen Eingangstür vor Dieben. Im Inneren waren sichere Verstecke, etwa Wandschränke, schwer zu finden.

Eine Hauswand aus grauem Stein mit Eisengittern vor den Fenstern und schmalen Schießscharten

Wie wohnte man in den vier Geschossen?

Nach dem Betreten des Hauses teilen sich zwei Wege. Links lag das Erdgeschoss für die Bediensteten: ein langer Gang, von dem drei gewölbte Räume abgehen. Diese Gliederung war bequemer als eine Reihe von Durchgangsräumen und setzte sich damals durch, etwa in Newark Castle bei Port Glasgow. Im ersten Raum, der Küche, steht ein breiter Kamin mit einem Backofen in der Wand und einer Speisekammer in der Ecke. Eine Öffnung in der Ostwand diente als Durchreiche. Ein halbrunder Treppenturm an der Nordwand ermöglichte den Dienern, unauffällig zum großen Saal und zu den Kammern zu gelangen.

Gäste und Familie nahmen die breite Treppe direkt vor dem Eingang. Sie führte in einen Vorraum, den ein Holzschirm vom Ostende des Saals trennte. Im ersten Stock des Nordwestturms liegt ein Raum, der vom Vorraum zugänglich ist. Am anderen Ende des Saals lag die Tür zur großen Kammer des Lairds, in der man privat speiste und besondere Gäste empfing. Dort stand das Prunkbett. Im Rundturm an der Nordostecke lag ein Nebenraum mit Abort. Die hölzernen Sitze sind erhalten.

Weitere Wendeltreppen an drei Ecken des Saals führten zu den Wohnungen in den oberen Geschossen, für die Familie, wichtige Mitglieder des Haushalts und Gäste. Mit großem Einfallsreichtum plante man Quartiere unterschiedlicher Größe, die alle getrennt zugänglich waren und je einen eigenen Kamin und Abort hatten. Reste von Stuckfriesen mit Winkelmustern, Disteln, Lilien und Rosen sind im Saal und in der angrenzenden großen Kammer erhalten, Distel, Lilie und Rose stehen für Schottland, Frankreich und England. Außerdem ist der Holzeinbau gut zu erkennen: Windfänge an den Türen, Trennwände und Leisten zum Auflegen von Handfeuerwaffen.

Was gehörte zu Hof, Taubenturm und Garten?

Von der Hofmauer ist nur noch wenig erhalten. Ein kleiner runder Turm im Südosten sowie kurze Mauerstücke im Norden und Westen stehen noch. In der Basis des Turms sitzt eine Schießscharte, ähnlich denen im Haus, und im Erdgeschoss ein kuppelförmiger Backofen von 2,2 Metern Durchmesser. Das Westgebäude des Hofs ist bis auf seinen Südgiebel Fundament. Auf dem Giebel steht ein Stein mit den Buchstaben E.I.W. für John, den ersten Earl of Wemyss. Er datiert das Gebäude in die Zeit nach 1633.

An der Zufahrt neben dem Hofgebäude steht ein schöner Taubenturm des 16. Jahrhunderts, kuppelförmig, mit einem Durchmesser von fünf Metern und einem modernen Dach. Er lieferte der Familie Taubenfleisch und Eier, besonders im kargen Winter. 1999 wurde westlich des Hauses ein Obstgarten angelegt. Er folgt keinem Fund, sondern den Plänen anderer Obstgärten des 16. und 17. Jahrhunderts.

Das Gelände ist landwirtschaftlich geprägt. Von den oberen Räumen und vom Wehrgang aus sieht man die Gebäude des benachbarten Hofs, den Tay und sein Ufer.

Ein Obstgarten mit jungen Bäumen und dem grauen Haus von Elcho Castle im Hintergrund

Wie wurde aus dem Landsitz ein Denkmal?

Nach dem Tod von James, dem vierten Earl, im Jahr 1756 wurde Elcho nicht mehr als Familiensitz genutzt. Sein Sohn James heiratete Janet, die Tochter von Colonel Francis Charteris of Amisfield in East Lothian. Der Colonel vermachte sein Vermögen dem ältesten Sohn Francis, sofern dessen Nachkommen den Namen Charteris annähmen. Francis, der fünfte Earl, erwarb 1784 das Gut Gosford in East Lothian und ließ dort von Robert Adam ein neues Haus bauen.

Im Jahr 1773, in der großen Getreideknappheit, lagerte ein Pächter im Schloss Korn, das nach England und Frankreich ausgeführt werden sollte. Eine Menschenmenge zog zum Schloss, und nur anwesende Soldaten verhinderten einen Aufruhr. Am nächsten Tag wurde das Korn auf dem offenen Markt in Perth verkauft.

Um 1830 ließ der achte Earl, Francis Wemyss Charteris-Douglas, das Haus neu eindecken und baute das Cottage an der Ostseite des Hofs. Das Dach mit den Schiefern aus dem Gebiet der Highland Boundary Fault ist im Wesentlichen original. 1931 wurden die Dächer instand gesetzt und neue Fenster eingebaut. Bei den Arbeiten fanden sich Münzen und ein Bleimedaillon des 19. Jahrhunderts. Als in den 1990er-Jahren das Dach repariert wurde, legte man die Schiefer an ihre ursprünglichen Plätze zurück. Weniger als ein Dutzend wurden ersetzt. Ein Gebäude, das in einem so unveränderten Zustand erhalten ist, erlaubt Vergleiche mit anderen Wohnbauten des 16. Jahrhunderts.

Ruhige Kontraste bieten die Orte in der Umgebung. Die Seite zu Perthshire beschreibt weitere Ziele. Weitere Burgen und Kirchen der Gegend sind Doune Castle und Dunblane Cathedral. Ein weiteres Ziel in Perthshire ist Huntingtower Castle mit seiner bemalten Decke.

Wann wurde Elcho Castle gebaut?

Zwischen den späten 1550er-Jahren und 1570 für Sir John Wemyss von Wemyss.

Was ist an der Bauform besonders?

Ein rechteckiger Kern wird von runden und quadratischen Türmen umgeben. Eine solche Anordnung ist unter den erhaltenen Häusern der Zeit einmalig.

Wozu dienten die Gitterkörbe vor den Fenstern?

Sie erlaubten größere Glasflächen, schützten vor Einbruch und waren Schmuck. Sie sind nach kontinentaler Mode gebaut, in schottischer Korbbauart.

Wann verließ die Familie das Schloss?

Nach dem Tod des vierten Earl im Jahr 1756 wurde es nicht mehr als Familiensitz genutzt.

Was hat Elcho mit dem Nonnenkloster zu tun?

Das Kloster von Zisterzienserinnen lag auf dem Nachbargrund. Sir John Wemyss lieh den Nonnen Geld und pachtete nach und nach ihr Land, bis fast alles in den Händen der Familie war.

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