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Edin’s Hall Broch: Der größte Broch im Süden Schottlands

Edin’s Hall Broch: Der größte Broch im Süden Schottlands

Edin’s Hall in den Scottish Borders vereint auf einer Anhöhe über dem Whiteadder Water drei Epochen der Eisenzeit: ein Hillfort, einen Broch und eine offene Siedlung aus Rundhäusern. Der Broch hat den größten Durchmesser aller bekannten Bauten dieser Art, seine Mauern sind bis zu fünf Meter dick. Eine Sage erzählt vom dreiköpfigen Riesen Etin.

Edin’s Hall ist einer der ungewöhnlichsten Brochs Schottlands. Die klassischen Türme dieser Bauform stehen auf Orkney, Shetland und im Norden des Festlands. Edin’s Hall dagegen liegt weit im Süden, im grünen Hügelland der Scottish Borders, und ist alles andere als ein Turm: ein flacher, riesiger Ring aus Trockenmauerwerk, eingebettet in die Reste eines älteren Hillforts.

Diese Seite erklärt, was auf dem Hügel zu sehen ist, wie die drei Bauphasen zusammenhängen, warum Fachleute bis heute diskutieren, ob der Bau überhaupt ein Broch ist, wie die Anlage im 19. Jahrhundert freigelegt wurde und welche Sage dem Ort den Namen gab. Auf dem Weg durch den Süden passen Melrose Abbey und Hermitage Castle gut dazu.

LageScottish Borders, auf einer Anhöhe über dem Whiteadder Water, rund 200 m über dem Meer
EpochenHillfort der frühen, Broch der mittleren und Siedlung der mittleren bis späten Eisenzeit
Hillfortovale Fläche von 135 m mal 75 m, zwei Gräben mit Wall
BrochMauern bis zu 5 m dick, erhalten bis 1,5 m Höhe
Geschütztseit 1882 im ersten Denkmalgesetz, seit 1887 in staatlicher Obhut
Besonderheitgrößter Durchmesser aller bekannten broch-ähnlichen Bauten

Wo liegt Edin’s Hall, und wie sieht der Hügel aus?

Edin’s Hall liegt auf einer flachen Erhebung an einem nach Norden abfallenden Hang, in rund 200 Metern Höhe. Im Norden öffnet sich ein weiter Blick über das Tal des Whiteadder Water, das zur Nordsee fließt und östlich von Berwick in den Tweed mündet. Im Südwesten ragt der große Hillfort von Cockburn Law auf. Das Tal bildete früher einen Weg von Nordnorthumberland in die Ebene von Lothian.

Die Landschaft ist heute überwiegend Weideland und Ackerland mit kleinen Waldstücken, nach Südwesten steigt sie zu rauem Grasland mit größeren Nadelwäldern an. Der Weg zur Anlage führt von der Straße Duns–Grantshouse auf einer markierten Strecke von etwa zwei Kilometern über das Whiteadder Water, das eine schmale Holzbrücke quert. Für jede Richtung muss man mit etwa 45 Minuten rechnen. Unterwegs begleiten Feldlerchen den Frühling, und Rehe, Dachse, Otter und Hasen leben im Gelände.

Aus der Luft ist Edin’s Hall am eindrucksvollsten, weil sich dann die Abfolge aus Gräben, Wällen, Brochmauer und Rundhäusern wie ein Plan lesen lässt. Am Boden sieht man in erster Linie niedrige Mauern, Gräben und Wälle.

Was ist über das Hillfort bekannt?

Das älteste sichtbare Element ist das Hillfort der frühen Eisenzeit. Zwei Gräben mit einem dazwischen liegenden Wall umschließen eine ovale Fläche von 135 Metern in Ost-West-Richtung und 75 Metern in Nord-Süd-Richtung. Im Südwesten bleibt eine Lücke als Eingang. An der Nordseite, wo der Hang am steilsten ist, fehlt der äußere Graben: Dort genügte ein einzelner Wall.

Diese Anordnung, ein D-förmiger Doppelgraben, der am Steilrand in einen einfachen Wall übergeht, ist in der Region typisch: Das Fort sitzt am Rand eines steilen Abfalls. Die Gräben wurden in glazialen Ablagerungen aus Lehm, Sand und Kies ausgehoben. Die Wälle bestehen aus dem Aushub, der über einer Grasnarbe liegt, die einst die Oberfläche war. An den Außenseiten beider Wälle blieben schwache Spuren einer Stützmauer.

Der Hillfort ist älter als der Broch, und die Reihenfolge ist deutlich vereinfacht, wenn man nur zwei Phasen unterscheidet. Die Wälle haben mehrere Bauphasen, und die Siedlung im Inneren hat mindestens drei.

Grasbewachsene Wälle und Gräben eines eisenzeitlichen Hillforts auf einer Anhöhe über einem Flusstal

Was macht den Broch von Edin’s Hall so ungewöhnlich?

Brochs sind massive, kreisrunde Türme aus Trockenmauerwerk, die es nur in Schottland gibt. Das Vorbild ist der Broch von Mousa auf Shetland, der mehr als 13 Meter hoch ist. Der Bau von Brochs begann zwischen 400 und 200 v. Chr. Rund 80 Stätten erfüllen die enge Definition eines Turmbrochs vollständig, und ihre größte Dichte haben sie auf Orkney, Shetland, in Caithness und im Osten von Sutherland.

Edin’s Hall steht am entgegengesetzten Ende der Skala. Der Broch liegt im Westen der Hillfort-Fläche, und seine Mauern sind nur bis zu 1,5 Meter hoch erhalten. Der Eingang führt durch eine 5 Meter dicke Wand. Zwei Kammern in der Mauerstärke öffnen sich zum Eingangsgang, drei weitere sind vom Inneren aus zugänglich. In der südlichsten Kammer sind Stufen einer Steintreppe erhalten. Der Innenraum ist so weit, dass der gesamte Durchmesser von Mousa hineinpassen würde, mit Platz zum Überfluss.

Mehrere Merkmale weichen von der Norm ab. Der Broch hat nie viel höher als etwa drei Meter gestanden. Seine Außenwand steht senkrecht und neigt sich nicht wie bei den Türmen nach innen, und das beweisen alte Zeichnungen, die den Zustand vor den Arbeiten des 19. Jahrhunderts zeigen. Der Innenhof weicht stärker vom Kreis ab als bei fast jedem anderen Broch, und der Fuß der Mauer ist uneben und senkt sich im Norden über eine Mulde. Das Gelände wurde nur ungefähr eingeebnet.

Die Abweichungen sind so groß, dass der Bau eine späte, übergroße, grobe Nachahmung der Broch-Tradition ist und diskutiert wird, ob er überhaupt als Broch gelten darf. Zugleich haben Mauerkammern und Treppe die typischen Merkmale, und selbst die schärfsten Kritiker lassen gelten, dass die Erbauer einen Broch im Sinn hatten.

Niedrige kreisförmige Trockenmauer mit dicker Wand auf einer grünen Anhöhe im Hügelland

Was zeigt die Siedlung aus Rundhäusern?

Im östlichen Teil des Forts liegt eine Siedlung aus Rundhäusern und kleinen, annähernd rechteckigen Einhegungen. Sie überlagert teilweise die östlichen Verteidigungsanlagen des Forts, die man damals abgetragen hatte. Das größte Haus misst mehr als 14 Meter im Durchmesser und liegt fast in der Mitte der Anlage.

Bis 1996 galt die Siedlung als jünger als der Broch. Die Grabung dieses Jahres zeigte, dass die Einhegung am Broch an das große Haus anstößt. Das Haus ist also älter als die Mauer und damit älter als der Broch. Das große Haus steht fast in der Mitte der Fläche, der Broch liegt daneben am Westende. Die offene Siedlung reicht damit von kurz vor dem Bau des Brochs bis lange danach.

Auffällig ist die Ausrichtung der Eingänge. Von den elf Rundbauten, deren Eingang sich bestimmen lässt, Broch eingeschlossen, zeigen alle nach Osten, im Spektrum von Nordost über Ost und Südost bis Süd. Kein Eingang zeigt nach Westen. Das entspricht den Rundhäusern in ganz Britannien und verbindet sich mit einem Leben im Haus, das nützlich wie rituell geordnet war.

Wie alt ist der Broch, und was ist über seine Zeit bekannt?

Direkte Hinweise auf das Alter des Brochs fehlen. Die wenigen Brochs der Lowlands und Südschottlands sind späte Beispiele, und einige von ihnen entstanden im 2. Jahrhundert n. Chr., in der Zeit der Kontakte zwischen Einheimischen und Römern. In den Scottish Borders sind Torwoodlee, Bow und Edin’s Hall die einzigen bekannten Brochs. Sie sind Ausnahmen in einem Gebiet, in dem Hillforts die Regel sind.

Zu den Besonderheiten gehört auch ein Fund aus den 1990er-Jahren: In der Kammer am Fuß der Treppe lagen zwei große Kupferbarren verborgen. Rund 1,4 Kilometer östlich liegen mittelalterliche Kupferminen. Für einen Broch sind die Barren ein seltener Beleg für etwas anderes als Ackerbau und Viehzucht.

In der Gesamtschau zeigt Edin’s Hall den Wandel der Eisenzeit. Die frühe Zeit mit Hillforts und mächtigen Gräben weicht einer späten Epoche mit offeneren Siedlungen, die mit Einhegungen für das Vieh, aber nicht mehr für die Verteidigung gebaut wurden. Gleichzeitig verändert sich das Wirtschaften von der Viehzucht zu gemischter Landwirtschaft mit mehr Ackerbau.

Aufsicht auf eine ringförmige Steinmauer mit Eingang, umgeben von Wällen und Gräben

Wie wurde Edin’s Hall freigelegt und bewahrt?

Vom späten 18. Jahrhundert an wird der Platz in Berichten erwähnt, und diese Berichte zeigen, dass die Mauern verfielen, weil man Steine für Feldmauern entnahm. 1793 wurde der Platz vermessen, und derselbe Landvermesser beschrieb ihn 1834 erneut. George Turnbull (1792 bis 1855) war Eigentümer des Landguts Abbey St Bathans, und seine Beschreibung erschien 1857 nach seinem Tod.

Die örtliche Altertumsgesellschaft drängte auf Schutz und sammelte mit der Society of Antiquaries of Scotland Geld, um die Stätte zu umzäunen und „freilegen“ zu lassen, wie es damals üblich war. Das geschah 1869 und 1870 unter John Turnbull (1820 bis 1891). 1882 wurde Edin’s Hall in den Anhang des ersten Denkmalgesetzes aufgenommen, das am 18. August 1882 verabschiedet wurde. Der Anhang nannte zwei Dutzend schottische Denkmäler, darunter die Brochs Mousa, Clickimin, Dun Telve, Dun Troddan und Dun Dornaigil.

1887 kam die Stätte durch eine Vereinbarung mit dem Grundbesitzer in staatliche Obhut. Zwischen 1887 und 1906 baute das Office of Works die Mauern des Brochs teilweise wieder auf und räumte das Innere erneut. Aufzeichnungen darüber fehlen. Als die Königliche Kommission die Stätte 1906 besuchte, hatte sie bereits ihr heutiges Aussehen. Ihre Pläne erschienen 1909 und, überarbeitet, 1915.

Seit den 1980er-Jahren machte Kaninchenfraß dem archäologischen Boden zu schaffen. 1996 leitete Andrew Dunwell Untersuchungen mit Oberflächenkartierung und Probeschnitten, um den Schaden zu klären. Danach entstand ein kaninchensicherer Zaun im Süden. Später wurde die gesamte Anlage mit Laserscanning dreidimensional erfasst. Insgesamt wurde bisher nur ein kleiner Teil, etwa fünf Prozent, genauer untersucht.

Welche Sage erzählt man sich über Etin?

Der Name erscheint auch als Woden’s Hall und Odin’s Hall. Man hat ihn auf den Herrscher Edwin bezogen, dessen Name auch in Edinburgh steckt. Mehrere Berichte des 19. Jahrhunderts leiten ihn von Etin ab, einem Riesen aus der Sage, der Vieh stahl und Menschen fraß.

Nach der örtlichen Überlieferung hatte der Riese drei Köpfe und hauste im Broch. Viele versuchten vergeblich, ihn zu töten. Schließlich zogen drei Brüder getrennt los. Die beiden ersten scheiterten an den Fragen des Riesen zur schottischen Geschichte und wurden zu Stein. Der dritte teilte sein Essen mit einer alten Frau, die ihm Geschichten erzählte und ein Bündel mitgab. Darin lag eine doppelschneidige Axt, mit der er dem Riesen alle drei Köpfe auf einmal abschlug. Danach wurden die versteinerten Brüder und alle Verschwundenen befreit. Die Erzählung hat Züge mit dem Märchen von Jack und der Bohnenranke gemeinsam.

Die Sage ist eine Legende und kein Beleg für die Eisenzeit, aber sie zeigt, wie früh die Menschen die mächtigen Mauern als Werk von Riesen verstanden. Das Gegenstück dazu bietet Cubbie Roo’s Castle auf Wyre, dessen Namensgeber ebenfalls ein Riese ist.

Was lässt sich in der Nähe und im Vergleich entdecken?

Wer Brochs im Norden vergleichen möchte, findet auf Orkney den Midhowe Broch und den Broch of Gurness mit seinem Dorf, auf Shetland Jarlshof. Die Kombination aus Fort, Broch und offener Siedlung gibt es in Schottland nur an wenigen Orten, etwa bei Laws of Monifieth nahe Dundee und bei Dun Skeig in Argyll, doch keiner dieser Plätze hat so gut erhaltene Bauten.

In den Borders liegen die großen Abteien von Melrose, Jedburgh, Kelso und Dryburgh sowie Hermitage Castle. Mehr zum Süden des Landes finden Sie bei Südschottland.

Ist Edin’s Hall wirklich ein Broch?

Der Bau hat Kammern in der Mauer und eine Treppe wie ein Broch, weicht aber in Größe, Grundriss und Wandform stark ab. Deshalb wird diskutiert, ob er als Broch gelten darf.

Wie dick sind die Mauern des Brochs?

Der Eingang führt durch eine Wand von 5 Metern Dicke. Die Mauern sind bis zu 1,5 Meter hoch erhalten und standen nie viel höher als etwa drei Meter.

Woher kommt der Name Edin’s Hall?

Mehrere Berichte des 19. Jahrhunderts leiten ihn von Etin ab, einem dreiköpfigen Riesen der örtlichen Sage. Der Name erscheint auch als Woden’s und Odin’s Hall.

Wann kam Edin’s Hall in staatliche Obhut?

Die Stätte wurde 1882 in den Anhang des ersten Denkmalgesetzes aufgenommen und 1887 durch eine Vereinbarung mit dem Grundbesitzer in staatliche Obhut genommen.

Welche drei Epochen sind zu sehen?

Ein Hillfort der frühen Eisenzeit, ein Broch der mittleren Eisenzeit und eine offene Siedlung aus Rundhäusern der mittleren bis späten Eisenzeit.

Weitere vorgeschichtliche Stätten entdecken

Von den Scottish Borders bis nach Orkney: unsere Übersicht der historischen Stätten.

Zu den Sehenswürdigkeiten

Passend dazu: Dun Dornaigil, Carn Liath.