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Earl’s Palace Birsay: Der Palast der Stewart-Earls auf Orkney

Earl’s Palace Birsay: Der Palast der Stewart-Earls auf Orkney

Der Earl’s Palace in Birsay an der Nordwestküste der Orkney-Hauptinsel entstand zwischen 1569 und 1574 für Robert Stewart, den unehelichen Halbbruder von Maria Stuart. Der Bau mit Hof, Türmen und langer Galerie stand am Ort eines älteren Bischofssitzes. 1615 wurden Robert der Jüngere und sein Vater Patrick hingerichtet. Seit 1981 liegt die Ruine in staatlicher Obhut.

Der Earl’s Palace in Birsay ist die Ruine eines Renaissance-Palastes im äußersten Nordwesten der Orkney-Hauptinsel. Gebaut hat ihn Robert Stewart, der Halbbruder der Königin Maria Stuart, der Orkney und Shetland wie ein kleiner Fürst regierte. Die Stewart-Earls ließen Paläste mit Galerien, bemalten Decken und feinen Gemächern bauen und herrschten zugleich mit harter Hand.

Diese Seite erzählt, wer die Earls waren, wie der Palast aufgebaut war, was ein Inventar aus dem Jahr 1653 über seine Räume verrät und wie er zur Ruine wurde. Für das Umland empfehlen sich die jungsteinzeitlichen Stätten von Skara Brae, Maeshowe und dem Ring of Brodgar.

LageBirsay, Nordwestküste der Orkney-Hauptinsel
BauherrRobert Stewart, Halbbruder von Maria Stuart
Bauzeit1569 bis 1574
Anlagedrei zweigeschossige Flügel um einen Hof, später ein vierter
InventarRaum für Raum erfasst im Jahr 1653
Staatliche Obhutseit 1981

Wer war Robert Stewart, der Erbauer?

Robert Stewart war der uneheliche Sohn König Jakobs V. und von Euphemia Elphinstone und damit ein Halbbruder von Maria Stuart. 1564 übertrug man ihm die königlichen und gräflichen Güter von Orkney und Shetland, aber noch nicht den Titel. 1567 wurde er vorübergehend enteignet: Maria ernannte ihren dritten Ehemann James Hepburn, den Earl of Bothwell, zum Duke of Orkney, vor allem, damit er einen Rang hatte, der ihm die Ehe mit der Königin erlaubte. 1568 floh Bothwell über Orkney aus Schottland, kehrte nie zurück, und sein Herzogtum fiel kurz darauf an die Krone.

Zwischen 1569 und 1574 baute Robert den Palast in Birsay. 1581 ernannte ihn sein Neffe Jakob VI. zum Earl of Orkney, Lord of Shetland und Knight of Birsay. Über der Palasttür ließ er eine Inschrift anbringen, die ihn als Sohn Jakobs V. bezeichnet. Weil sie „rex“ statt „regis“ nutzte, las sie sich, als sei er selbst König, was dem Wortlaut nach Hochverrat war.

Als Robert 1593 starb, folgte ihm sein Sohn Patrick, genannt „Black Patie“, der die harte Herrschaft des Vaters fortsetzte. 1609 wurde Patrick verhaftet. 1614 besetzte sein Sohn Robert der Jüngere den Palast in Birsay wieder, zog nach Kirkwall und nahm dort den Earl’s Palace ein, bis man ihn gefangen nahm. Anfang 1615 wurden Robert der Jüngere und Patrick innerhalb eines Monats hingerichtet.

Mauerflügel und Turm des Earl’s Palace um einen grasbewachsenen Hof

Was stand vor dem Palast in Birsay?

Der Ort Birsay hat eine lange Vorgeschichte. Auf der Gezeiteninsel Brough of Birsay lebten im späten 7. Jahrhundert Pikten, ab dem frühen 9. Jahrhundert Wikinger. Aus dem 12. Jahrhundert stammen eine kleine romanische Kirche und die Reste eines Klosters. Zu den Resten auf der Insel zählen Häuser des 10. Jahrhunderts, eines davon mit Fußbodenheizung, dazu Scheunen und Werkstätten. Palast und Insel sind voneinander aus sichtbar.

Der Bischof von Orkney besaß in Birsay einen Wohnsitz, dessen genaue Lage unbekannt ist. Die Umgebung ist mit dem Dom von Orkney verbunden, der vor 1150 hier stand, bevor der Bischofssitz nach Kirkwall verlegt wurde. Auch danach behielt der Bischof erhebliche Interessen in der Gegend. Als Robert Stewart die weltlichen Güter des Bischofs von Orkney erwarb, entstand im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts der neue Wohnsitz am Ort der älteren Gebäude; auf dem Gelände des Palastes haben sich ältere, nicht datierte Mauerreste erhalten.

Die Namen verraten die Lage: „Brough“ und „Birsay“ gehen beide auf das altnordische Wort „borg“ für Festung zurück. „Birsay“, früher „byrgisey“, bezeichnet eine Insel, die nur über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Auf dem Friedhof steht die Nachbildung eines piktischen Symbolsteins mit vier Symbolen, darunter ein Tier und ein Adler, über einer Szene mit drei bewaffneten Männern. Das Original ist im Nationalmuseum von Schottland in Edinburgh. Auch Broschen, Ringe, Knochenkämme und Gewandnadeln wurden gefunden. Der Ort war während der ganzen Zeit von hohem Rang, und der Palast der Stewarts setzte diese Reihe in einer neuen Epoche fort.

Der Blick entlang der Küste von Birsay mit einer Ruine und dem Meer auf Orkney

Wie war der Earl’s Palace aufgebaut?

Der Palast bestand ursprünglich aus drei zweigeschossigen Flügeln um einen Hof. An der Nordost-, Südost- und Südwestseite sprangen rechteckige Türme vor. Das Tor lag im Südflügel unter dem großen Saal. Später im 16. Jahrhundert kam ein vierter Flügel hinzu: Der zweigeschossige Nordflügel mit Saal und Kammer im Obergeschoss über Küche und Kellern. Die Westwand des Ostflügels wurde verändert, und in der Nordostecke des Hofs entstand eine neue Treppe. Diese Arbeiten fallen in die 1580er Jahre unter Robert Stewart.

In seinen frühesten Bauphasen ist der Palast ein unmittelbarer Vorläufer des bedeutenderen Earl’s Palace in Kirkwall. Beide Paläste verbinden die Nordinseln über Schottland mit der europäischen Mode ihrer Zeit, in Architektur und Ausstattung. Verwandte Bauten der Stewart-Earls sind Jarlshof mit Sumburgh House, Scalloway Castle, Noltland Castle und Muness Castle.

Was verrät das Inventar von 1653 über die Räume?

Ein Inventar von 1653 listet den Palast Raum für Raum auf und macht seine Nutzung anschaulich. Das Obergeschoss des Westflügels war eine lange Galerie, an deren Nordende 1653 ein Arbeitszimmer lag. Im Erdgeschoss des Westflügels lagen fünf Kammern; ein Zugang durch den Westflügel war vor der Mitte des 17. Jahrhunderts zugemauert worden.

Im Obergeschoss des Südflügels befand sich eine weitere Galerie, mit Kammern in den Südwest- und Südosttürmen. Nach der Beschreibung des 17. Jahrhunderts war die Decke einer der Galerien mit biblischen Szenen bemalt. Im Erdgeschoss des Ostflügels gab es eine Küche, eine Brauerei mit Backhaus, eine Kammer und ein zweiteiliges Kornhaus, das Girnell House. Früher hatten dort eine Küche und mehrere Kammern gelegen. Vom Obergeschoss ist das meiste verloren, aber 1653 enthielt es eine „Little Hall“ und Kammern im Nordostturm, südlich davon eine Reihe weiterer Räume.

Das Inventar zeigt einen Palast mit Galerien, Arbeitszimmer, Küche, Brauerei und Kornhaus, in dem sich die Aufgaben der Räume im Lauf der Zeit änderten. Die Earls of Morton, Nachfolger im Earldom, nutzten den Palast noch in den 1650er Jahren. 1653 beschlagnahmten ihn Truppen Cromwells.

Wie verhält sich Birsay zu den Palästen in Kirkwall?

Birsay war das Vorbild, Kirkwall die Steigerung. Der Earl’s Palace in Kirkwall entstand um 1606 unter Patrick Stewart, dem Earl of Orkney. Er hat im ersten Obergeschoss einen Saal, den eine aufwendige Treppe erschließt, dazu die inneren und äußeren Gemächer des Earls, Gästezimmer und Räume für wichtige Bedienstete, eine bemerkenswerte Hauptfassade und zwei große Kamine im Saal, von denen einer etwa fünf Meter breit ist. Patrick baute außerdem Scalloway Castle auf Shetland. Seine Schulden und Exzesse brachten ihn bei Jakob VI. in Ungnade. Von 1609 bis 1615 war er in Edinburgh Castle und Dumbarton Castle eingesperrt, am 6. Februar 1615 wurde er in Edinburgh mit der „Maiden“ hingerichtet, einer frühen Guillotine.

Neben dem Earl’s Palace steht in Kirkwall der Bischofspalast aus dem frühen 12. Jahrhundert, ursprünglich ein zweigeschossiges Hallenhaus, gebaut etwa zur selben Zeit wie die St Magnus Cathedral. Das Erdgeschoss ist weitgehend erhalten, die Westwand hat schmale Fenster aus abwechselnd rotem und gelbem Stein wie der Dom. Am 15. Dezember 1263 starb dort König Håkon IV. von Norwegen in seinem Schlafgemach, nachdem er von seinem gescheiterten Zug in den Firth of Clyde zurückgekehrt war, der in der Schlacht von Largs endete. Er war der letzte norwegische König, der über die Hebriden herrschte.

Wer Birsay und Kirkwall nacheinander besucht, sieht zwei Stufen derselben Familie: den früheren, schlichteren Palast des Vaters Robert und den größeren seines Sohnes Patrick.

Wie wurde aus dem Palast eine Ruine?

Spätestens 1700 war der Palast ohne Dach. Er stand danach bis auf Wandhöhe, wie weiter genutzt wurde, ist unbekannt. Im 19. Jahrhundert stürzte ein großer Teil der Westwand ein. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nutzte der benachbarte Bauernhof die Ruinen: Einige Trennwände im Westflügel wurden gesenkt, damit Traktoren zum Nordende fahren konnten, ein Schweinestall stand im Südflügel, vor dem Südwestturm eine Garage mit Werkstatt. 1960 diente der Hof als Misthaufen. 1981 ging die Anlage in staatliche Obhut über.

Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen Gärten rund um den Palast; Von diesen Gärten ist archäologisch wenig bekannt. Von Einzelheiten ist wenig erhalten. Die Wirkung der Ruine liegt in der Masse der erhaltenen Flügel, die sich weithin sichtbar vom Himmel abheben. Am besten sieht man sie entlang der Küste von der Gezeiteninsel Brough of Birsay.

Wer baute den Earl’s Palace in Birsay?

Robert Stewart, der uneheliche Halbbruder von Maria Stuart, zwischen 1569 und 1574.

Warum liegt der Palast in Birsay?

Hier besaß der Bischof von Orkney einen Wohnsitz. Nachdem Robert Stewart die weltlichen Güter des Bischofs erworben hatte, baute er den neuen Palast am älteren Ort.

Was war „Black Patie“?

Der Beiname von Patrick Stewart, dem Sohn Roberts. Er setzte die harte Herrschaft seines Vaters fort, wurde 1609 verhaftet und Anfang 1615 hingerichtet.

Was verrät das Inventar von 1653?

Es listet die Räume einzeln auf: lange Galerien, ein Arbeitszimmer, fünf Kammern im Erdgeschoss des Westflügels, Küche, Brauerei, Backhaus und Kornhaus im Ostflügel.

Seit wann ist der Palast in staatlicher Obhut?

Seit 1981. Zuvor nutzte ein benachbarter Bauernhof die Ruinen als Stall und Garage.

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