Dunblane Cathedral steht am Ostufer des Allan Water in Perthshire. Das Besondere ist der freistehend begonnene Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert, den die Bischofskirche des 13. Jahrhunderts in ihre Mauern aufnahm. Diese Verbindung von Turm und Kirche ist in Schottland einzigartig. Die Kathedrale ist bis heute eine Pfarrkirche und besitzt seltenes spätmittelalterliches Chorgestühl.
Dunblane Cathedral sieht man schon von weitem: ein roter, fast purpurner Sandsteinturm, der schräg neben einem langen, schlichten Kirchenschiff steht. Die Kleinstadt Dunblane liegt an der alten Straße von Glasgow nach Perth, an der einzigen Stelle, an der man den Allan Water überqueren konnte. Die Stadt wuchs um die Kirche herum.
Diese Seite erzählt, was über die frühen Christen am Allan Water bekannt ist, wie Bischof Clement die verfallene Kirche ab 1233 neu baute, was von den Zeiten nach der Reformation blieb und warum das Gebäude im 19. Jahrhundert fast neu entstand. Ein Gegenstück in der Größenordnung ist Glasgow Cathedral.
| Lage | Dunblane, Perthshire, am Ostufer des Allan Water |
|---|---|
| Bistum | Bistum Dunblane, erster namentlich bekannter Bischof 1155 |
| Neubau | ab 1233 unter Bischof Clement |
| Glockenturm | zwölftes Jahrhundert, sechs Geschosse, unten roter Sandstein |
| Restaurierung | Chor 1816 bis 1819, Langhaus 1889 bis 1893 durch Robert Rowand Anderson |
| Ausstattung | Chorgestühl des späten 15. Jahrhunderts, Glasfenster, Kreuzplatten |
| Nutzung | Pfarrkirche der Church of Scotland in staatlicher Obhut |
Fragen, die wir beantworten
- Wie begann das Christentum am Allan Water?
- Warum baute Bischof Clement die Kathedrale ab 1233 neu?
- Was macht den Glockenturm so besonders?
- Wie sehen Langhaus, Westfront und Chor aus?
- Was geschah nach der Reformation mit der Kirche?
- Wie wurde die Kathedrale im 19. Jahrhundert wiederhergestellt?
- Was gehört zur Ausstattung der Kirche?
- Wie lässt sich der Besuch in Perthshire verbinden?
Wie begann das Christentum am Allan Water?
Der Name Dunblane bedeutet „Burg des Blane“. Blane, gälisch Blàthan, war nach der Überlieferung im 6. Jahrhundert auf der Insel Bute geboren und wurde im Kloster Kingarth dort begraben. Warum sein Name hierher kam, ist ein Rätsel. Eine Erzählung berichtet, dass die Mönche von Kingarth vor Wikingerüberfällen aufs Festland flohen und die Reliquien ihres Heiligen mitnahmen.
Fest steht, dass hier früh Christen lebten. Zwei Kreuzplatten des 8. oder 9. Jahrhunderts wurden am Ort gefunden. Die größere trägt auf einer Seite ein großes Kreuz, auf der Rückseite fünf Reihen Verzierungen mit Tieren, einem Reiter und einer Gestalt mit Stab. Beide Platten stehen heute im Westen des Langhauses neben dem Eingang. Wo und wann genau sie entdeckt wurden, ist nicht geklärt. 1873 kamen unter einer Treppe im Westen des Nordbaus frühchristliche Kreuzplatten ans Licht, und schon 1836 fand man einen weiteren Stein.
Um 1155 taucht der erste namentlich bekannte Bischof auf, Laurence. Im 12. Jahrhundert wurde das Bistum neu eingerichtet und eine erste Steinkirche gebaut. Im Boden des Friedhofs liegen noch ältere Spuren: Steinkisten, die bei Wartungsarbeiten 1928 und 1975 gestört wurden. Die Kiste von 1975 enthielt die Reste von mindestens einem Kind und zwei Erwachsenen, und ihr Bau gleicht Gräbern, die in der Gegend aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt sind.
Warum baute Bischof Clement die Kathedrale ab 1233 neu?
1233 kam der Dominikanermönch Clement als Bischof nach Dunblane und fand ein verarmtes Bistum vor. Man erwog, den Bischofssitz nach Muthill oder Inchaffray zu verlegen, entschied sich aber für Dunblane. Die Kirche stand kahl und ohne Dach da. Clement ließ sie in der Form wiederaufbauen, die man heute sieht, und behielt nur den hohen Glockenturm der Kirche des 12. Jahrhunderts bei.
Das Domkapitel bestand aus vier Würdenträgern, dem Archidiakon und elf Pfründnern, später kamen zwölf Chorkapläne hinzu. Die Domherren feierten täglich Gottesdienste im Chor. Ein Lettner trennte den Chor vom Langhaus, und ein großes Kreuz stand auf dem Lettnergang. Schräge Schlitze im Mauerwerk oberhalb des Chorbogens markieren die Stelle.
Die Mauern sind in einem Zug gezogen worden. Ein durchgehender Sockel läuft um das gesamte Gebäude, nur der Turm hat einen eigenen. Turm und Kirche sind etwas unterschiedlich ausgerichtet.

Was macht den Glockenturm so besonders?
Der Turm ist quadratisch und hat sechs Geschosse. Die unteren vier bestehen aus rotem, fast purpurnem Sandstein und stammen nach stilistischer Datierung aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts. Es gibt für die Nachbarschaft von Turm und Kirche keine genaue Parallele. Der bestehende, freistehende Turm wurde in den Neubau aufgenommen. Ähnliche Glockentürme des 12. und 13. Jahrhunderts, die einzeln standen, gab es in Cambuskenneth und bei Lindores.
Bischof James Chisholm, im Amt von 1487 bis 1526, ließ den Turm um zwei Geschosse aus behauenem Stein erhöhen. Sein Wappen sitzt an der Brüstung. Der gespreizte Turmhelm wurde 1866 bis 1868 weitgehend erneuert. Betreten wird der Turm vom südlichen Seitenschiff aus. Das unterste Geschoss trägt ein spitzes Rippentonnengewölbe, und eine breite Wendeltreppe in der Südwestecke führt bis zum vierten Geschoss. Das spätmittelalterliche Glockengestell hängt noch im Glockengeschoss.
Die Glocken wurden 1908 aus dem Turm genommen und durch ein Geläut aus einer großen und acht kleineren Glocken ersetzt. Die große Glocke von 1612, 1660 und 1809 umgegossen, und die kleinere von 1687, 1723 umgegossen, stehen heute im nördlichen Seitenschiff.
Wie sehen Langhaus, Westfront und Chor aus?
Die Westfront ist frühgotisch und elegant. Das große Prozessionsportal wird von blinden Bögen flankiert, wie sie auch am Inchmahome Priory vorkommen. Darüber liegen drei Fenster mit Maßwerk und eine Vesica im Giebel. Das Langhaus hat acht Joche. Ursprünglich waren niedrige gewölbte Seitenschiffe geplant. Nachdem die Außenwände standen, erhöhte man die Arkaden und gab die Steingewölbe zugunsten von Holzdächern auf. Auch die Fenster wurden während des Baus von Lanzettenfenstern auf Maßwerkfenster umgestellt.
Der Lichtgaden hat einen Mauergang und eine feine innere Arkade. Das zweigeschossige Wandsystem wirkt elegant und hat Parallelen in Nordengland, etwa in Hedon in Yorkshire. Der Chor hat sechs schmale Joche und keine Seitenschiffe. Er wurde höher gebaut als zuerst vorgesehen, so dass zwei Fenster am Ostende des Langhauses über dem Chorbogen im Dachraum verschwanden. Original sind vom Chor nur Chorbogen, Fensterbögen und die Tür zum Nordbau.
Der zweigeschossige Nordbau enthielt unten Kapitelhaus und Sakristei, oben Schatzkammer und Kapelle. Das Erdgeschoss hat ein fünfjochiges Kreuzrippengewölbe. Das Kapitelhaus wurde um 1918 zur Kriegsgedenkstätte umgebaut.

Was geschah nach der Reformation mit der Kirche?
1559 ließ der Earl of Argyll die Kathedrale von „Denkmälern des Götzendienstes“ säubern. 1562 gab es einen reformierten Pfarrer. Das Langhaus wurde nicht mehr genutzt, die Gemeinde zog in den Chor. Der Chor war der Bereich, der im Mittelalter dem Klerus vorbehalten war, und der Gottesdienst fand nur noch dort statt. 1622 stürzte das Dach des Langhauses ein.
Das Gebäude überstand die Reformation im Unterschied etwa zu St Andrews, weil es weiter als Pfarrkirche diente. Dunblane hat knapp sieben Jahrhunderte durchgehenden Gemeindegottesdienst erlebt. 1661 wurde Robert Leighton Bischof von Dunblane. Nach seinem Tod 1684 gründete seine Schwester mit seiner privaten Büchersammlung die Leighton Library, die älteste eigens dafür errichtete Bibliothek Schottlands. Das Gebäude von 1687 steht in der Nähe der Kathedrale.
Eine Ansicht von John Slezer aus dem Jahr 1693 zeigt das Langhaus ohne Dach, nur der Glockenturm und die östlichen Joche des Südseitenschiffs waren überdacht und dienten als Begräbnisplatz. Außerdem sieht man eine Außentreppe am Chor, die auf Emporen im Inneren verweist. Eine Zeit der Vernachlässigung folgte, die erst im 19. Jahrhundert endete.
Wie wurde die Kathedrale im 19. Jahrhundert wiederhergestellt?
1816 bis 1819 erneuerte James Gillespie Graham Chor und Nordbau. Er setzte neues Maßwerk ein, denn das ursprüngliche war verloren, und hob den Fußboden an. 1860 bis 1862 erneuerte Thomas Brown junior die Dächer von Chor und Nordbau mit flacherem Querschnitt. 1866 bis 1868 reparierte das staatliche Bauamt Turm und Helm. 1873 senkte man den Chorboden auf seine ursprüngliche Höhe und öffnete die Fenster über dem Chorbogen wieder.
1886 hielt man den Chor für zu klein, um die Gemeinde zu fassen, und beschloss, das ruinierte Langhaus wieder in Gebrauch zu nehmen. Die Society for the Protection of Ancient Buildings leistete heftigen Widerstand. Von 1889 bis 1893 führte Robert Rowand Anderson, der bedeutendste schottische Architekt seiner Zeit, eine umfassende Restaurierung durch, mit Zustimmung der Behörde, die die Kathedrale für die Krone verwaltete. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel einer ehrgeizigen und für ihre Zeit behutsamen Wiederherstellung. Aus dieser Zeit stammen im Chor die Holzdecke und die dreiteiligen „Triforium“-Öffnungen im Norden.
Robert Lorimer entwarf 1912 bis 1914 das Chorgestühl mit Baldachinen und das Orgelgehäuse. Reginald Fairlie gestaltete 1934 bis 1938 Täfelung und Pflaster von Kapitelhaus und Sakristei. 1964 richtete Edith Burnet Hughes im Strebepfeiler der Südwestecke die Clement Chapel ein. 1989 und 1990 baute die Firma Flentrop die Orgel um. Wer die Kirche betritt, sieht also ein Bauwerk des 13. Jahrhunderts in einer Ausstattung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Was gehört zur Ausstattung der Kirche?
Das Chorgestühl im Langhaus, zwei Gruppen von Sitzen mit Baldachinen und Miserikordien beiderseits des Westportals, trägt das Wappen von Bischof James Chisholm. Es stand ursprünglich im Chor und ist eines der schönsten seiner Art in Schottland. Im Ostteil des Chors befindet sich weiteres Gestühl mit geschnitzten Miserikordien, auf denen unter anderem eine Fledermaus, ein Drache, ein Grüner Mann und Distelmotive zu sehen sind.
Im Langhaus liegt im nördlichen Seitenschiff ein Doppelgrabmal von Ritter und Dame um 1300, im südlichen eine Wandnische mit der verwitterten Gestalt eines Bischofs. Von Rowand Anderson stammen der Taufstein am Westende des Südschiffs, die achteckige Kanzel mit Schalldeckel und das große Messinglesepult mit Löwen. Zur Buntglassammlung gehören das große Westfenster mit dem Baum Jesse von Clayton & Bell aus dem Jahr 1906, die Südfenster von Douglas Strachan 1926 und Louis Davis 1915, ein allegorisches Sechsfensterwerk von Louis Davis im Chor und das große Ostfenster von Charles Eamer Kempe aus dem Jahr 1901.
Im Friedhof steht östlich ein spitzbogiges Tor, Riccarton’s Stile, das 1814 von William Stirling neu gebaut wurde. Dort wurde 1999 ein Gedenkgarten für die Opfer des Anschlags von Dunblane am 13. März 1996 angelegt, und im südlichen Seitenschiff erinnert seit dem Jahr 2000 ein Gedenkstein an sie. Für die Familien und die Stadt ist der Ort ein stiller Gedenkort, und Besucher sollten ihn entsprechend respektvoll betreten.
Das Umfeld besteht aus dem Friedhof, dem Haus des Dekans aus dem 17. Jahrhundert, das heute das Kathedralmuseum ist, der Leighton Library und einem Kutschenhaus von 1829. Nach Süden schließt die Cathedral Hall von 1903 an, ebenfalls von Rowand Anderson. Die Kathedrale beherrscht das Bild der Stadt, vor allem vom Westufer des Allan Water aus gesehen.
Wie lässt sich der Besuch in Perthshire verbinden?
Dunblane liegt zwischen Stirling und Perth. Die Kathedrale lässt sich mit einem Ausflug in die Region verbinden, etwa zu Doune Castle, und auf der Seite zu Perthshire finden Sie weitere Ziele.
Dunblane Cathedral ist wie Fort George und Glasgow Cathedral eine von drei Stätten in staatlicher Obhut, die ihrem ursprünglichen Zweck weiter dienen. Anders als die Kathedrale von St Andrews, die als Ruine blieb, überstand Dunblane die Reformation als Gemeindekirche.
Wann wurde die Kathedrale gebaut?
Die heutige Kirche ab 1233 unter Bischof Clement. Der Glockenturm stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in den Neubau einbezogen.
Warum steht der Turm schräg?
Der Turm blieb von der Kirche des 12. Jahrhunderts stehen und wurde in die neue Kirche aufgenommen. Er ist etwas anders ausgerichtet als die Kirche.
Wann wurde das Langhaus restauriert?
Von 1889 bis 1893 unter Robert Rowand Anderson. Das Langhaus hatte seit der Reformation kein Dach mehr, das 1622 eingestürzt war.
Was ist am Chorgestühl besonders?
Zwei Gruppen von Gestühl aus der Zeit von Bischof James Chisholm tragen sein Wappen und sind unter den schönsten ihrer Art in Schottland.
Ist die Kathedrale noch eine Kirche?
Ja. Sie dient der Church of Scotland als Pfarrkirche und steht zugleich in staatlicher Obhut.
Passend dazu: Huntingtower Castle, Elcho Castle.
Passend dazu: Inchmahome Priory.
