Dun Carloway ist ein eisenzeitlicher Broch auf der Hebrideninsel Lewis, gut neun Meter hoch und der höchste erhaltene Broch der Äußeren Hebriden. Der Rundturm steht auf einer Felskuppe über einem kleinen See, hat fünf durchgehende Galerien in der Mauer und seit 1887 den Schutz des Staates. Eine Bauzeit ist nicht direkt belegt.
Dun Carloway, gälisch Dùn Chàrlabhaigh oder An Dùn Mòr, ist der Broch, den man auf Lewis zuerst im Kopf hat. Er steht auf einer Felskuppe über einem kleinen Süßwassersee, und von der Mauerkrone reicht der Blick zum Loch Roag, einem Meeresarm des Atlantiks. Die Mauer des Rundturms ragt an einer Stelle auf über neun Meter, damit gehört er zu den höchsten Brochs Schottlands.
Diese Seite erklärt, was ein Broch ist, wie Dun Carloway gebaut wurde, warum die Mauer auf dem unebenen Fels so eng mit dem Gestein verzahnt ist und was die Funde über die spätere Nutzung erzählen. Sie berichtet außerdem von der alten Geschichte um Donald Cam MacAulay. Zum Vergleich bietet sich der Broch auf Mousa an, der als einziger noch voll erhalten ist.
| Lage | Felskuppe über einem kleinen See bei Carloway, Insel Lewis, Äußere Hebriden |
|---|---|
| Höhe | Mauer an einer Stelle über neun Meter |
| Innenraum | Durchmesser etwa sieben Meter |
| Bauweise | Trockenmauerwerk aus Lewis-Gneis, fünf Galerien in der Mauer |
| Zeit | Eisenzeit, Bauzeit nicht direkt datiert |
| Staatlicher Schutz | seit 1887 |
Fragen, die wir beantworten
- Was ist ein Broch und wie verbreitet sind sie?
- Wo steht Dun Carloway und was sieht man von dort?
- Wie ist die Mauer gebaut und wie hoch steht sie?
- Was ist am Grundriss des Brochs ungewöhnlich?
- Wie verhält sich Dun Carloway zu Mousa und den anderen hohen Brochs?
- Wann wurde der Broch entdeckt, untersucht und geschützt?
- Was erzählt die Geschichte von Donald Cam MacAulay?
- Wie viel vom Mauerwerk ist ursprünglich?
- Welche Stätten ergänzen den Besuch auf Lewis?
Was ist ein Broch und wie verbreitet sind sie?
Brochs sind hohe, runde Türme aus Trockenmauerwerk mit sehr dicken Mauern. Es gibt sie nur in Schottland. Das Wort bezeichnet hier die voll entwickelten Turmbrochs, die einen annähernd kreisförmigen Grundriss, eine hohle oder von Galerien durchzogene Mauer, einen einzigen schmalen Eingangsgang und eine Treppe in der Mauerstärke haben. Übereinander liegende Hohlräume und die Turmform kommen hinzu.
Nach dem heutigen Wissen begann der Bau von Brochs zwischen 400 und 200 v. Chr. Radiokarbondaten von Fundstellen auf South Uist und Shetland zeigen Bauzeiten vor 100 v. Chr. beziehungsweise zwischen 400 und 200 v. Chr. Die Zahl der Brochs ist unbekannt. Die Schätzungen für mögliche Standorte reichen von 150 bis 600, und rund 80 bekannte Stätten erfüllen die enge Definition.
Ihre Verteilung ist ungleichmäßig. Auf den Äußeren Hebriden gibt es nur wenige Brochs und viele andere befestigte Steinbauten mit unregelmäßigem Grundriss. Orkney und Shetland haben deutlich mehr Brochs und kaum andere eisenzeitliche Anlagen dieser Größe. Auf Orkney finden Sie den Broch of Gurness und den Broch von Midhowe, auf Shetland Clickimin. Warum die Verteilung so ist, wird bis heute diskutiert.
Wo steht Dun Carloway und was sieht man von dort?
Der Broch liegt auf einer Felskuppe über einem kleinen See, südlich des Dorfes Carloway auf Lewis. Die Landschaft besteht aus Felsrücken, zwischen denen sich Crofterhäuser und binsenbewachsenes Weideland verteilen, das früher bebaut wurde. In der Nähe liegt das Loch Carloway, ein geschützter Meeresarm, der lange als Hafen diente. Weiter liegen der East Loch Roag, die niedrigen Felshügel der Insel Great Bernera und weiter entfernt die Berge von Uig.
Der Name bedeutet „die Festung von Carloway“. Der Ortsname selbst geht auf das Altnordische zurück. An den Hängen unter dem Broch stehen die Mauerreste von Blackhouses, den traditionellen Wohnhäusern der Crofter. Das letzte in diesem Gebiet war bis in die frühen 1960er Jahre bewohnt. Das Bild aus Broch, Ruinen und bewirtschaftetem Land zeigt eine Landschaft, die über lange Zeit genutzt wurde.
Der Broch liegt abseits der Küste, ist aber vom Meer aus gut zu sehen. Das ist eine häufige Eigenschaft von Brochs: Sie liegen über dem besten Land der Gegend, nicht darin, und neben Heide, die als Weide taugt. Eine kleine Quelle liegt in der Nähe, einen Brunnen im Inneren gibt es nicht.

Wie ist die Mauer gebaut und wie hoch steht sie?
Dun Carloway ist ein Turm aus Trockenmauerwerk mit annähernd rundem Grundriss. Die Mauer steht an einem kleinen Teil des Umfangs auf über neun Meter Höhe. Die Außenseite ist deutlich geböscht, sie neigt sich also beim Aufsteigen nach innen, mit einem Anstieg von fast eins zu fünf. Die Innenseite steigt senkrecht auf. Das Mauerwerk der Außenseite ist sorgfältig mit dem unregelmäßigen Felsen verzahnt, auf dem der Broch steht. Der Fels ragt sogar in den Innenraum hinein, im Nordwesten des Fußbodens.
Der einzige Eingang ist ein schmaler Durchgang, von dem eine ovale Kammer in der Mauerstärke abgeht. Der Gang öffnet sich in den runden Innenraum von etwa sieben Metern Durchmesser. Am Fuß der senkrechten Innenwand liegen drei Türöffnungen mit Sturz. Eine führt in eine ovale Kammer, die beiden anderen in einen langgestreckten Raum, den eine Steintreppe unterbricht. Sie steigt im Uhrzeigersinn zu einem Absatz in etwa zwei Metern Höhe. Nur der östliche Teil der Mauer steht heute über Kopfhöhe, die Fortsetzung der Treppe ist verloren.
Über dem Erdgeschoss sind fünf durchgehende Galerien in der Mauerstärke zu erkennen. Der Boden jeder Galerie bildet die Decke der darunterliegenden und besteht aus langen Steinplatten, die zugleich die innere und die äußere Mauerschale verbinden. Eine senkrechte, von Stürzen überspannte Öffnung in der Innenwand ließ Licht und Luft in die Galerien.

Alle Teile bestehen aus grob gebrochenen Blöcken von Lewis-Gneis. Dieses Gestein lässt sich schwer formen und bricht unter Druck. Die Erbauer lösten die Aufgabe dennoch so gut, dass der Bau nahe an den Grenzen des Machbaren für dieses Material und diese Form liegt.
Was ist am Grundriss des Brochs ungewöhnlich?
Der Grundriss vereint zwei Bauweisen. Rechts vom schmalen Eingang verläuft im Erdgeschoss eine fast durchgehende Galerie in der Mauerstärke. Gegenüber steht ein massiver Mauerfuß mit einer einzelnen ovalen Kammer. Brochs mit massivem Mauerfuß findet man vor allem im Norden des schottischen Festlands und auf den Nordinseln, Brochs mit Galerien im Erdgeschoss eher im Westen und auf den Hebriden. Dun Carloway zeigt beide Formen in einem Bau.
Manche Forscher haben den Bau deshalb einen Übergangstyp genannt. Wer dagegen annimmt, dass sich die Brochs über lange Zeit zu höheren und massiveren Formen entwickelten, zählt Dun Carloway zu den letzten Brochs. Eine andere Erklärung ist einfacher: Der Grundriss kann auch eine Antwort auf das schwierige Gelände sein.
Dieses Gelände ist für den Bau bemerkenswert. Die Mauer greift in den unebenen Fels, obwohl ein stabiler Bauplatz wenige Meter weiter südlich oder östlich möglich gewesen wäre. Die Seeseite des Turms steigt senkrecht aus dem Gestein auf. Eine ähnliche Lage am Rand eines steilen Hangs hat der Broch Dun Dornaigil in den Highlands.
Wie verhält sich Dun Carloway zu Mousa und den anderen hohen Brochs?
Dun Carloway gehört zu einer kleinen Gruppe von Brochs, deren Mauern fast bis zur ursprünglichen Höhe stehen. Die anderen sind Dun Dornaigil, Dun Telve, Dun Troddan und Mousa. Nur Mousa ist über den ganzen Umfang voll erhalten, wie die Seite zum Broch von Mousa zeigt. Bei den vier anderen werden die Galerien nach oben hin deutlich schmaler, sodass sie nicht als Gänge oder Lager gedient haben können.
Bei allen hat der teilweise Einsturz die oberen Treppenstufen zerstört. Deshalb weiß niemand, ob die Treppe in der Mauer bis zur Mauerkrone reichte wie in Mousa. Von den anderen hohen Brochs ähnelt Dun Carloway Mousa in den Maßen am meisten: Er hat einen vergleichsweise kleinen Durchmesser und dicke Mauern. Dun Telve und Dun Troddan sind etwas großzügiger angelegt, aber ebenfalls dickwandig.

Das Mauerwerk kann man mit den Bauten auf Orkney und Shetland vergleichen. Dort bricht der Stein flacher und lässt sich eleganter verlegen. In Carloway wurden später kleine Füllsteine zwischen die großen Blöcke gesetzt. Das gibt dem Broch heute ein Aussehen, das an die Orkney-Brochs erinnert.
Wann wurde der Broch entdeckt, untersucht und geschützt?
Für die Bauzeit gibt es kein direktes Datum. Der Broch gehört in die Eisenzeit, mehr lässt sich nicht sagen. Er wurde nicht erkennbar umgebaut, doch gibt es Hinweise auf eine Nutzung um die Mitte des ersten Jahrtausends nach Christus. Die Funde kamen bei Untersuchungen 1972 zutage: Im Kammerraum der Nordseite lagen mehrere hundert Tonscherben und das Bruchstück einer Drehmühle. Die Keramik gehört ins 5. bis 7. Jahrhundert, und die Kammer diente damals als Werkstatt. Die Funde befinden sich im National Museum of Scotland.
Schriftlich erwähnt wird der Broch erst spät. Frühe Beschreibungen erwähnen ihn nicht. Der erste gedruckte Hinweis ist ein Brief des Colin Mackenzie, der 1792 erschien und einen Besuch Ende des 18. Jahrhunderts beschreibt. 1797 pries der Pfarrer von Uig im First Statistical Account den Bau als den vollständigsten seiner Art in Schottland, eine Aussage, die übertrieben war. 1861 maß Captain F. W. L. Thomas den Broch sorgfältig aus und räumte den Eingangsgang. Seine Beschreibung erschien 1890, fünf Jahre nach seinem Tod.
1887 kam der Broch durch einen Vertrag mit dem Grundbesitzer in staatliche Obhut, einer der ersten Fälle nach dem Ancient Monuments Act von 1882. In der ersten Liste dieses Gesetzes standen Mousa, Clickimin, Dun Telve, Dun Troddan und Dun Dornaigil, nicht aber Carloway. Zwischen 1887 und 1921 räumten Arbeiter des Office of Works herabgefallene Steine weg und sicherten die Mauern, teilweise mit umfangreichem Neuaufbau. Dabei bargen sie zwei Mühlsteine und weitere Steingeräte, die 1909 der Society of Antiquaries of Scotland übergeben wurden. Die Kammer an der Nordseite wurde erst 1971 und 1972 vollständig geräumt.
Was erzählt die Geschichte von Donald Cam MacAulay?
Mit dem Broch verbindet sich eine mündliche Überlieferung um Donald Cam MacAulay, der von etwa 1560 bis 1640 lebte. Die MacAulays hielten das Land von Uig südwestlich von Carloway und lagen lange mit den Morisons von Ness im Streit um Vieh. In allen Fassungen der Geschichte haben die Morisons Vieh in Uig gestohlen, während die MacAulay-Männer auf den Flannan-Inseln waren. Bei der Rückkehr verfolgen sie die Diebe, die wegen der Herde langsam vorankommen und im Broch Zuflucht suchen.
Die MacAulays bringen die Wache vor der Tür zum Schweigen, einer von ihnen klettert die Außenmauer hinauf und reißt oben das Mauerwerk herunter oder wirft brennendes Heidekraut hinein. Die Morisons werden vom Rauch vertrieben und von den wartenden Verteidigern getötet. Die ältere Fassung berichtet von Holzpflöcken, die in die Fugen gesteckt wurden. In der jüngeren Fassung benutzt Donald Cam zwei Dolche, und der Broch erscheint als kegelförmiger Bau, den ein einziger Stein krönt. Der Irrtum mit dem Kegel war auf den Inseln verbreitet.
Beide Fassungen stimmen darin überein, dass die Außenmauer genügend Lücken hatte, um sie zu erklimmen. Die Erzählungen setzen voraus, dass man den Broch im späten 16. Jahrhundert verteidigen konnte.
Wie viel vom Mauerwerk ist ursprünglich?
Nicht alles, was man sieht, ist original. Die hohen Mauerabschnitte wurden stark ausgebessert, vor allem die Enden der äußeren und inneren Mauerschalen. Kleine Füllsteine zwischen den großen Blöcken sind bewusst als spätere Eingriffe sichtbar gesetzt, und viele Stürze wurden ersetzt, weil der harte, aber spröde Gneis bricht.
Frühe Beschreibungen erwähnen weite Fugen, durch die das Tageslicht bis in den Fuß des Turms fiel. Systematische Aufzeichnungen über Sicherungsarbeiten gibt es erst seit etwa 1960. Durch das langsame Setzen des Baus wölbt sich die Außenwand an einzelnen Stellen aus.
Die Besonderheit trotz aller Eingriffe: Masse, Größe und Lage sind unverändert. Das macht Dun Carloway zu einem Ort, an dem man Aufbau und Grundriss eines Brochs besonders gut ablesen kann. Dazu passt der Blick in die Umgebung, wo mit etwas Glück Adler zu sehen sind, Steinadler und Seeadler, meist in der Ferne, im Winter manchmal nah am Hang.
Welche Stätten ergänzen den Besuch auf Lewis?
Auf Lewis liegt mit den Calanais Standing Stones eine Steinsetzung der Jungsteinzeit, die zeitlich weit vor dem Broch steht. Beide Orte gehören zum Erbe der Insel. Zum Einordnen der Landschaft hilft die Seite zu Lewis und Harris.
Wer die Eisenzeit weiter verfolgen will, reist nach Shetland zum Broch von Clickimin und zum Broch von Mousa, oder nach Orkney zum Broch of Gurness.
Wie hoch ist Dun Carloway?
Die Mauer steht an einer Stelle auf über neun Meter Höhe. Der runde Innenraum misst etwa sieben Meter im Durchmesser.
Wann wurde der Broch gebaut?
Ein direktes Datum gibt es nicht. Brochs entstanden nach heutigem Wissen zwischen 400 und 200 v. Chr., und Dun Carloway gehört in die Eisenzeit.
Was fand man im Broch?
Bei der Räumung von 1972 kamen mehrere hundert Tonscherben des 5. bis 7. Jahrhunderts und das Bruchstück einer Drehmühle zutage. Die Kammer war damals eine Werkstatt.
Warum gilt Mousa als vollständiger?
Nur Mousa blieb über den gesamten Umfang bis zur ursprünglichen Höhe erhalten. Bei Dun Carloway und drei weiteren Brochs ist die Mauer teilweise eingestürzt.
Seit wann steht der Broch unter staatlichem Schutz?
Seit 1887, durch einen Vertrag mit dem Grundbesitzer.
Weitere Brochs und Stätten entdecken
Von den Hebriden bis nach Shetland: unsere Übersicht der historischen Stätten.
Passend dazu: Dun Dornaigil, Carn Liath.
