Cubbie Roo’s Castle steht auf einem der höchsten Hügel der Orkney-Insel Wyre. Ein quadratischer Steinturm von knapp 8 Metern Seitenlänge mit 1,75 Meter dicken Mauern bildet den Kern, umgeben von Graben und Wall. Die Orkneyinga-Saga erwähnt für das Jahr 1145 eine „schöne Steinburg“ des Kolbein Hruga auf Wyre. Seit 1932 steht die Anlage in staatlicher Obhut.
Cubbie Roo’s Castle ist ein Ort, an dem sich Archäologie und Sage überschneiden. Der Turm auf Wyre gehört zu den frühesten Steinburgen Schottlands, und seine Geschichte lässt sich mit zwei Sagatexten verbinden: dem Bericht über Kolbein Hruga und der Belagerung von 1231. Dazu kommen die Kapelle St Mary’s unterhalb des Hügels und der Gutshof The Bu: zusammen ergibt sich das Bild eines Herrensitzes der nordischen Zeit.
Diese Seite erklärt den Aufbau des Turms, die fünf Bauphasen mit Küche, Latrine und Halle, die Funde aus Metallhandwerk und der Zeit um 1320, die Grabungen der 1930er-Jahre und die Verbindung zur Saga. Passend dazu sind die Stätten Earl’s Palace in Birsay und die Paläste in Kirkwall.
| Lage | Insel Wyre, Orkney, auf einem der höchsten Hügel der Insel |
|---|---|
| Turm | rund 7,8 m mal 7,9 m, Mauern 1,75 m dick am Fuß |
| Graben | 1,75 m breit und 1,82 m tief |
| Saga | Orkneyinga-Saga, Jahr 1145; Belagerung 1231 in der Hákonar saga |
| Geschützt | seit 1929 als Denkmal, seit 1932 in staatlicher Obhut |
| Nachbarn | St Mary’s Chapel und der Hof The Bu |
Fragen, die wir beantworten
Wo liegt Cubbie Roo’s Castle auf Wyre?
Wyre ist eine kleine Insel nordöstlich der Hauptinsel Mainland von Orkney. Sie liegt zwischen Rousay, Egilsay und Gairsay, und von der Burg aus liegen Rousay und Egilsay im Blick. Die Burg sitzt auf einem der höchsten Hügel der Insel, auf einem Buckel, der Ringgraben und Mauerreste trägt. In Orkney sind solche Hügel häufig die Reste eingestürzter Brochs aus der Eisenzeit. Hier spricht der blanke Fels, der an mehreren Stellen offen liegt, gegen diese Deutung.
Die Umgebung ist alt besiedelt. Rund 500 Meter südwestlich, bei Braes of Ha’Breck, fand man eine Siedlung der frühen Jungsteinzeit mit fünf Bauten, Abfallhaufen und einem Steinbruch, dazu Keramik vom Typ Unstan Ware und eine große Menge verkohltes Getreide, das von einem Brand der Siedlung zeugt. Rund 1.400 Meter östlich liegen die Einhegungen von Skirmie Clett, die vorgeschichtlich sind. Aus der Bronzezeit sind auf Wyre kaum Siedlungsspuren bekannt.
Der Hof The Bu liegt etwa 180 Meter nordöstlich der Burg auf einem großen Hügel mit Abfallschichten. Die Kapelle St Mary’s steht rund 150 Meter südlich davon. Burg, Kapelle und Gutshof bilden zusammen die Teile einer Herrschaftseinheit, wie sie für das europäische Mittelalter typisch ist.
Wie ist der Turm von Cubbie Roo’s gebaut?
Der Kern der Anlage ist ein quadratischer Block aus Mauerwerk von hoher Qualität. Seine Grundmauern messen 7,83 mal 7,92 Meter. Die Mauern sind am Fuß 1,75 Meter dick und verjüngen sich über einem inneren Absatz auf 1,53 Meter. Der Absatz ist nur an der Innenseite der Nordwand erhalten und trug die Deckenbalken in 1,98 Metern Höhe über dem Boden des Erdgeschosses. Der Boden besteht aus festgetretenem Kies und gesprungenen Platten.
In den Fels ist ein unregelmäßiges rechteckiges Becken von 1,21 Metern Tiefe geschlagen, ein Wassertank etwas westlich der Mitte, der noch heute Wasser hält. Eine Tür im Erdgeschoss fehlt, der Turm wurde also über das erste Obergeschoss betreten. In der Süd- und der Westwand sitzt je ein schmales Fenster, außen 0,22 und 0,24 Meter breit und innen doppelt so breit. Beide haben Falze im Abstand von 0,30 Metern von der Außenseite für Fensterläden aus Holz.
An der Ostwand haben sich Reste von feinem Kalkputz erhalten. Die Qualität des Mauerwerks übertrifft die der Kapelle St Mary’s und sogar die der ältesten Teile der St-Magnus-Kathedrale in Kirkwall, deren älteste Teile ab dem Gründungsjahr 1137 entstanden. Auch Untersuchungen des Mörtels zeigen, dass Turm und Kapelle in ähnlicher Zeit gebaut wurden.
Um den Turm zieht sich ein Graben von 1,75 Metern Breite und 1,82 Metern Tiefe, der im Nordwesten, Norden und Nordosten erhalten ist. An der Innenkante sitzt eine grob gemauerte Wand, die am östlichen Eingang 2,2 Meter dick ist. Graben und Mauer sind früh im Bauablauf entstanden, denn eine spätere Erweiterung nach Süden überbaute beide.

Welche Bauphasen zeigt die Anlage?
Auf den Turm folgte bald ein Anbau an der Ostseite, etwa 4,45 mal 3,84 Meter groß, mit Mauern von rund einem Meter Stärke. Ein Latrinenschacht in seiner Ostwand zeigt, dass das erste Obergeschoss bewohnt war. Der Anbau reichte nicht höher als zwei Ebenen.
Die dritte Phase brachte einen rechteckigen Bau nördlich des Turms, etwa 4,5 Meter tief, mit einem Kamin und einem Fenster mit weitem Gewände an der Nordwand. Er war ein Wohnraum und trug Spuren von Innenputz. Eine Außentreppe an der Ostwand führte zu einem Obergeschoss oder Speicher.
In der vierten Phase wuchs die Zahl der Gebäude deutlich. Eine gekrümmte Mauer mit drei Abflussöffnungen schloss den Winkel zwischen Anbau und Nordbau. Ein neuer Gang verband die Räume, im Nordbau entstand ein Ofen. An der Westseite des Turms kam ein weiterer Block von rund 4,1 Metern Breite hinzu, der das Westfenster des Turms zubaute. Die fünfte Phase brachte eine Treppe zu den Obergeschossen und einen Durchgang vom Osteingang zum Turm.
Südlich des Turms steht ein größeres Gebäude, die Halle. Sie hat einen großen, flachen Kamin und eine Tür in der Mitte der Nordwand. Für seinen Bau wurden Graben und Wall im Süden abgetragen. Östlich davon liegen zwei große Wassertanks. Dieser Teil der Anlage ist weniger eng mit dem Turm verbunden als die älteren Anbauten. Der Ausbau zeigt, wie sich die Burg vom Turm zu einem Hof mit Küche, Halle und Werkstätten entwickelte.
Was berichten die Sagas über die Burg auf Wyre?
In der Orkneyinga-Saga heißt es im 84. Kapitel: „Zu jener Zeit lebte ein sehr tüchtiger Mann namens Kolbein Hruga als Bauer auf Wyre in Orkney. Er ließ dort eine schöne Steinburg bauen, eine wirklich feste Anlage.“ Die Erwähnung fällt in das Jahr 1145.
Ein zweiter Text, die Saga von Håkon Håkonsson, erzählt von 1231: Hánef und seine Gefährten fuhren nach Orkney, setzten sich nach Wyre in eine Burg, „die Kolbein Hruga hatte bauen lassen“, und holten Vorräte in die Vorburg. Die Verwandten und Freunde des Jarls sammelten sich, zogen nach Wyre und belagerten die Burg. Der Text bezeichnet sie als „einen sehr unhandlichen Ort zum Angreifen“. Beide Erwähnungen sind die einzigen aus dem Mittelalter, die eine Burg auf Wyre betreffen.
Kolbeins Sohn Bjarni war von 1188 bis zu seinem Tod 1223 Bischof von Orkney, ein Dichter und Bauherr. Er leitete die Überführung der Gebeine des Rognvald Kali Kolsson im Jahr 1192 und eine große Bauphase an der St-Magnus-Kathedrale in Kirkwall. Wenige Jahre nach der Burg entstand unterhalb des Hügels die Kapelle St Mary’s.
Die Nordmänner bauten in ihren Heimatländern in der Regel keine Steinburgen, und in Britannien sind nur wenige nordische Burgen bekannt. Burg und Kapelle sind deshalb ein Beleg für die nordische Prägung des Nordens von Schottland: Orkney stand 500 Jahre lang unter norwegischer Herrschaft.

Wer ist Cubbie Roo, der Riese?
Der Name Cubbie Roo hat in den Quellen viele Schreibweisen, darunter Cobbie Row, Coppie, Cubberow und Cubbarrow. Die Überlieferung verbindet ihn mit Kolbein, dessen Beiname Hruga „Haufen“ bedeutet und auf eine kräftige Gestalt hinweist. Aus dem historischen Mann wurde ein Riese der Orkney-Folklore.
Schon 1529 schrieb Jo Ben: „Hier wohnte einst ein hochgewachsener Riese, wo noch das Abbild seines Hauses steht.“ 1693 erwähnte James Wallace die Reste. Ihm zufolge war der Turm ein vollkommenes Quadrat mit Mauern von acht Fuß Dicke, fest gebaut und mit Kalk gemauert, mit einem großen Tor und einem kleinen Fensterschlitz. Über den Cubbirow erzählte das Volk „viele müßige Fabeln“.
Mehrere vorgeschichtliche Denkmäler und Felsen in Orkney tragen den Namen Cubbie Roo, ohne mit Kolbein verbunden zu sein. In den 1930er-Jahren fanden Arbeiter, die die Kapelle St Mary’s freilegten, unter dem Boden Knochen, die sie für die eines Riesen hielten.
Welche Funde brachten die Grabungen?
Aus den Grabungen kamen Funde ins Nationalmuseum von Schottland und ins Orkney Museum. Das einzige datierbare Stück ist ein Rechenpfennig aus Messing aus der Zeit König Magnús Eriksson von Norwegen und Schweden, um 1320 bis 1340. Damals gehörten Orkney und Shetland zum Königreich Norwegen. Die Kettenhemdfragmente, die oft der Burg zugeschrieben werden, stammen von der Kapelle und aus dem 12. bis 15. Jahrhundert.
Tiegel, Gussformen und Reste von Bronze und Kupfer weisen auf Metallhandwerk vor Ort hin. Eine Ringfibel mit schlichtem Muster und das Bruchstück einer kleinen Glocke gehören ebenfalls zu den Funden. Handgemachte Keramik gibt es in drei Gruppen, doch ihr Alter reicht von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit.
Zu den Grabungen: Hugh Marwick schrieb 1927 und 1928 über die Burg und erwähnte, dass im Anbau früher für einen Hühnerstall gegraben wurde. 1933 räumte das Office of Works Kapelle und Burg unter der Aufsicht des Denkmalinspektors James S. Richardson. Das Mauerwerk des Rings wurde gesichert und Lücken zeigen seinen Verlauf. 1934 und 1935 wurde unter Marwicks Leitung weiter freigelegt, bevor die Königliche Kommission den Plan der Stätte aufnahm.
Was ist in der Nähe von Wyre zu sehen?
Die Kapelle St Mary’s, im Stil der nordischen Romanik schlicht gebaut, steht in einem kleinen historischen Friedhof mit moderner Erweiterung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war sie Ruine.
Auf Orkney bieten sich weitere Stätten dieser Zeit an: der Earl’s Palace in Birsay, die Bishop’s und Earl’s Palace in Kirkwall und die jungsteinzeitlichen Zeugen wie Maeshowe und Skara Brae. Aus der Eisenzeit stammen der Midhowe Broch auf Rousay und der Broch of Gurness. Einen Überblick über die Inselgruppe bietet unsere Seite zu Orkney.
Wer baute Cubbie Roo’s Castle?
Die Orkneyinga-Saga erwähnt für das Jahr 1145 eine Steinburg des Kolbein Hruga auf Wyre. Mit ihm wird die Anlage verbunden, ebenso mit seinem Sohn Bjarni, dem späteren Bischof.
Wie groß ist der Turm?
Die Grundmauern messen 7,83 mal 7,92 Meter. Die Mauern sind am Fuß 1,75 Meter dick.
Was bedeutet der Name Cubbie Roo?
Die Überlieferung verbindet ihn mit Kolbein Hruga, aus dem die Orkney-Folklore einen Riesen machte.
Wann wurde die Burg belagert?
Die Saga von Håkon Håkonsson berichtet von einer Belagerung der Burg auf Wyre im Jahr 1231.
Seit wann ist Cubbie Roo’s Castle geschützt?
Seit 1929 als Denkmal eingetragen und seit 1932 in staatlicher Obhut. Die Schutzgrenze wurde 1999 zuletzt geändert.
Weitere Stätten auf Orkney entdecken
Von Wyre bis Maeshowe: unsere Übersicht der historischen Stätten.
Passend dazu: Brough of Birsay, Noltland Castle.
