Crichton Castle in Midlothian ist eine Hofburg über dem Tyne, die zwischen dem späten 14. Jahrhundert und etwa 1590 in mehreren Schüben wuchs. Der Wohnturm der Crichtons, die Halle von Kanzler William Crichton und die Nordfassade mit Diamantquadern von Francis Stewart, Earl of Bothwell, machen sie zu einem seltenen Ensemble der schottischen Baugeschichte.
Crichton Castle steht auf einer Terrasse über dem oberen Tyne, etwa drei Kilometer südsüdwestlich von Pathhead in Midlothian. Die Ruine ist ohne Dach, doch ihre Mauern reichen fast überall bis zur Traufhöhe. Wer den Hof betritt, steht vor einer Fassade mit diamantförmig behauenen Steinen, die eher zu einem italienischen Palazzo als zu einer Grenzburg passt.
Dieser Ratgeber folgt dem Weg der Burg von den ersten Crichtons über den mächtigen Kanzler und die Earls of Bothwell bis zum Verfall. Er erklärt die vier Flügel um den Hof, die Fassade des 16. Jahrhunderts und das Verhältnis zur nahen Stiftskirche, und er sagt, wie der Besuch aktuell aussieht. Vergleichbare Bauten finden Sie in Craigmillar Castle und auf Hermitage Castle.
| Lage | Terrasse über dem River Tyne, rund 3 km südsüdwestlich von Pathhead, Midlothian |
|---|---|
| Wohnturm | spätes 14. Jahrhundert, John Crichton |
| Hofburg | Halle und Küche um 1430 bis 1450, Kanzler William Crichton |
| Nordflügel | um 1590, Francis Stewart, 5. Earl of Bothwell, Fassade aus Diamantquadern |
| Stiftskirche | 1449 gegründet, nicht Teil der staatlichen Anlage |
| Staatliche Obhut | seit 1926 |
Fragen, die wir beantworten
- Wer waren die Crichtons, und wie entstand der Wohnturm?
- Was baute Kanzler William Crichton im 15. Jahrhundert?
- Wie kamen die Hepburns und die Earls of Bothwell auf die Burg?
- Was macht die Nordfassade mit den Diamantquadern besonders?
- Wie ging die Geschichte der Burg zu Ende?
- Wie besucht man Crichton Castle?
Wer waren die Crichtons, und wie entstand der Wohnturm?
Die frühe Geschichte des Ortes ist unklar. Schon 1315 könnte hier ein Herrenhaus gestanden haben, als sich Robert the Bruce und der Earl of Fife versöhnten. Das Land gab einer Familie den Namen, zu der Waffenträger, ein Kaufmann aus Berwick und der Ortspfarrer zählten. Erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stiegen die Crichtons in den Adel auf. In den 1350er- und 1360er-Jahren heißt William Crichton in Urkunden „lord of that ilk“, also Herr der Baronie; um 1390 bestätigt König Robert III. John Crichton die Rechte an der Baronie.
In diese Zeit fällt der Wohnturm, der älteste erkennbare Teil der Burg. Ein genaues Baudatum fehlt, doch ein Entstehen im späten 14. Jahrhundert ist wahrscheinlich. Der Turm steht an der Ostseite des heutigen Hofs und war mindestens drei Geschosse hoch. Ein gewölbter Keller, eine hohe Gewölbehalle im ersten Obergeschoss mit einer Außentreppe und darüber die Schlafkammer des Herrn bildeten den Kern. Eine zweigeschossige Kammer in der Nordostecke diente entweder als Küche oder als Gefängnis.
Der Bau aus grob behauenen Quadern zählt zu den ersten Herrenhäusern dieses Typs in Schottland. Im Aufbau ähnelt er den Türmen von Threave und Craigmillar. Als Teil der Anlage gehörte vermutlich eine große Halle an der Nordseite des Hofs; ihr Keller ist in der Nordwand erhalten, und Grabungen von 1985 legten die Südostecke dieser Halle frei.
Was baute Kanzler William Crichton im 15. Jahrhundert?
William Crichton stieg nach der Rückkehr König Jakobs I. aus englischer Gefangenschaft 1424 rasch auf. Er diente der Krone als Verwalter, Berater, Diplomat, Geldgeber und Zeremonienmeister, wurde 1439 Kanzler von Schottland und später als erster Lord Crichton in den Adel erhoben. Als Gesandter reiste er nach Dänemark, Frankreich und Burgund. Zwischen etwa 1430 und 1450 gab er der Burg ihre Hofform: den Südflügel mit der Halle über der Einfahrt und große Teile des Westflügels.
Die Halle erreichte man über eine prächtige Außentreppe, deren Torbogen mit Profilen erhalten ist. Trotz späterer Unterteilung zeigt sie noch den Kamin mit Haube am Nordende und ein geschnitztes Gesims. Im Westflügel liegen die Küche im Obergeschoss, die Speisekammer für das Silber, der Raum zum Anrichten von Bier und Wein mit einer Bodenluke zum Keller sowie vier übereinanderliegende Gästekammern. Die Zinnen mit auskragenden Pechnasen gehören zu den bestbewahrten in Schottland und weisen auf französischen Einfluss.
Die Burg hatte, anders als die meisten ihrer Zeit, keine Schießscharten. Erst im späten 16. Jahrhundert kamen Geschützöffnungen hinzu. Dazu passt die Stiftskirche St Mary und St Kentigern, die William 1449 gründete; Priester beteten dort für das Seelenheil der Familie. Das Gotteshaus liegt nordöstlich der Burg und wird von einer privaten Stiftung betreut.

Wie kamen die Hepburns und die Earls of Bothwell auf die Burg?
Der 3. Lord Crichton unterstützte in den 1480er-Jahren den rebellischen Herzog von Albany, den Bruder Jakobs III. Als er floh, ließ er eine Besatzung von vierzig Mann zurück. Am 11. Dezember 1483 ritt der Sheriff von Edinburgh mit einem Juristen und sechs Gerichtsdienern vor die Burg und verlas die Anklage wegen Hochverrats. Danach zog die Krone die Burg ein, vergab sie zunächst an den Günstling John Ramsay und übergab sie nach dem Sturz Jakobs III. 1488 an Sir Patrick Hepburn, der zum ersten Earl of Bothwell aufstieg.
1511 schenkte sein Sohn die Burg seiner Frau Agnes Stewart, einer früheren Geliebten Jakobs IV. Gräfin Agnes behielt Crichton fast fünfzig Jahre bis 1557, trieb Handel mit Wolle und heiratete nach Flodden noch zweimal. Zu ihrer Zeit entstanden Gärten, ein Wildpark und eine Schule an der Stiftskirche. Ihr Enkel James Hepburn, 4. Earl of Bothwell, wurde 1567 der dritte Ehemann von Maria Stuart. Die Königin besuchte Crichton nur einmal, 1561, zur Hochzeit von Bothwells Schwester.
Die Burg erlebte auch dunklere Geschichten. Eine Erzählung berichtet, Kanzler Crichton habe den jungen 6. Earl of Douglas 1440 zwei Tage lang auf Crichton bewirtet, bevor er ihn zum „Black Dinner“ nach Edinburgh Castle sandte, wo Douglas und sein Bruder hingerichtet wurden. Die spärlichen Chroniken lassen offen, welche Rolle die Burg bei den Ereignissen spielte. Zur Burg in der Hauptstadt lesen Sie die Seite zu Edinburgh Castle.
Was macht die Nordfassade mit den Diamantquadern besonders?
Am auffälligsten ist der Nordflügel, den Francis Stewart, 5. Earl of Bothwell, um 1590 umgestalten ließ. Der Neffe des 4. Earl hatte 1582 die Burg nach einer Reise durch Frankreich und Italien übernommen. Im Hof trägt ein Erdgeschoss mit Loggia Säulen, darüber erhebt sich eine Arkadenfassade, bei der jeder Stein diamantförmig behauen ist. Diese Rustika kennt man von italienischen Palästen; woher Bothwell seine Anregung nahm, ist bis heute eine offene Frage. Die Fassade zählt zu den Meilensteinen der Renaissance in der schottischen Architektur.
Der Flügel ist raffiniert geplant: Er enthält Wohnräume und eine Treppenanlage, und seine Ecke trägt einen Pavillon mit Schießscharten, die ersten Geschützöffnungen der Burg. Südlich steht ein zweigeschossiger Bau mit Satteldach und ungewöhnlichen hufeisenförmigen Türen an beiden Giebeln; er diente wohl als Stall mit Unterkunft darüber und gehört ebenfalls in Bothwells Zeit. Im Hof haben nur wenige Burgen eine so geschlossene Folge von Bauphasen bewahrt.
Ähnliche Loggien kennt man vom Huntly Castle, wo ebenfalls Reste zu sehen sind. Der Adelssitz zeigt, wie die Aristokratie am Ende des 16. Jahrhunderts mit europäischen Moden experimentierte.
Wie ging die Geschichte der Burg zu Ende?
Francis Stewart wurde 1593 geächtet, und die Burg blieb mehr als fünfzig Jahre Streitobjekt verschiedener Anwärter. Als der Streit entschieden war, wurde sie schnell verkauft, vermutlich um Anwaltskosten zu zahlen. Der Erbe Lord Humbie geriet in die Gefangenschaft von Cromwells Truppen. 1659 war Crichton offenbar bereits eine Ruine, die seine Enkel untereinander umkämpften. Ein Wiederaufbau nach 1600 blieb aus, und genau deshalb liegen die älteren Phasen heute offen.
1808 machte Walter Scotts Versepos Marmion die Burg zum Touristenziel; sie spielte dort eine Rolle in der Romantik des 19. Jahrhunderts. Scott beschrieb Kanzler Crichton als klug und mutig, aber ohne Glauben, Gnade und Gewissen. Aus der Burgenzeit hat sich der seltene Name „massiemore“ für das Verlies erhalten, ein Lehnwort aus dem Arabischen. 1926 kam die Burg in staatliche Obhut; die Ministry of Works räumte sie Ende der 1920er-Jahre. Die Fundlage war unspektakulär, Münzen, Keramik und ein hölzernes Bett im Brunnen.
Rund um die Burg liegen ein Stall, ein Wall und Erdwerke sowie ein Steinbruch, aus dem die Steine kamen. Fledermäuse haben im Stall ihr Quartier, und Erlen an den Ufern lieferten einst Holzkohle für das Pulverwerk in Gorebridge.

Wie besucht man Crichton Castle?
Crichton Castle liegt auf einer Terrasse über dem oberen Tyne, rund drei Kilometer südsüdwestlich von Pathhead. Die Ruine ist ohne Dach, die Mauern der vier Flügel um den Hof reichen fast überall bis zur Traufhöhe. Besucher können traditionell vor allem das Erd- und das erste Obergeschoss betreten; von dort sieht man die Halle mit ihrem Kamin, die Küche im Westflügel, den Kellerzugang und im Hof die Loggia der Nordfassade. Ein kurzes Stück nordöstlich steht die Stiftskirche St Mary und St Kentigern, die eine private Stiftung betreut.
Nahe der Burg liegen die Reste des Stalls, ein Wall westlich unterhalb und verschiedene Erdwerke auf dem Hang im Osten; der Stein für die Burg kam aus Steinbrüchen südöstlich des Hauses. Die Terrasse wird von Wiesen und Wald über dem Tyne-Tal gerahmt, ein stiller Rahmen, der viel zur Wirkung der Ruine beiträgt. Zeiten, Zugang und Tickets prüfen Sie vor der Reise bei Historic Environment Scotland.
Wer ohnehin in der Region unterwegs ist, kombiniert den Abstecher mit weiteren Burgen und Klöstern. Von Edinburgh sind die Orte in Midlothian bequem zu erreichen, lesen Sie dazu die Seiten zu Edinburgh und zu Südschottland. Die Anreise nach Schottland ist auf der Seite Anreise beschrieben.
Wer baute Crichton Castle?
Den Wohnturm errichteten die Crichtons im späten 14. Jahrhundert, Kanzler William Crichton gab ihr zwischen 1430 und 1450 die Hofform, und Francis Stewart, 5. Earl of Bothwell, ließ um 1590 den Nordflügel umbauen.
Was ist die Nordfassade?
Eine Arkadenfassade im Hof, deren Quader diamantförmig behauen sind; sie ist ein Beispiel früher Renaissance in Schottland.
War Maria Stuart auf Crichton Castle?
Ja, 1561 besuchte sie die Burg zur Hochzeit von Bothwells Schwester; 1567 wurde sie die Frau von James Hepburn, 4. Earl of Bothwell.
Seit wann ist die Burg in staatlicher Obhut?
Seit 1926.
Wo liegt Crichton Castle?
Auf einer Terrasse über dem Tyne, rund drei Kilometer südsüdwestlich von Pathhead in Midlothian. Zeiten und Zugang prüfen Sie vor der Reise bei Historic Environment Scotland.
Passend dazu: Elcho Castle.
Passend dazu: Seton Collegiate Church.
