Carn Liath ist ein eisenzeitlicher Broch an der Küste des Moray Firth, wenige Kilometer östlich von Golspie in Sutherland. Der Turm steht noch 3,6 Meter hoch und hat 21 Meter Außendurchmesser. Grabungen fanden darunter ein Grab der Bronzezeit und Spuren eines Holzbaus, dazu Schmuck aus Schiefer und römisch geprägte Stücke. Seit 1975 steht er in Staatsobhut.
Carn Liath liegt auf einer Anhöhe über einem Küstenstreifen, der sich viele Kilometer am Moray Firth entlangzieht. Bei klarem Wetter reicht der Blick über die Förde bis nach Moray und Banffshire. Der Broch ist leicht zu erreichen, nahe an der Straße A9, und er ist weniger abgelegen als viele andere.
Carn Liath ist kein hoch aufragender Turm wie Mousa. Seine Bedeutung liegt im Boden und in den Funden: Die Stätte wurde schon vor dem Broch genutzt, und das ist bei Brochs selten belegt. Diese Seite erzählt von den Schichten unter dem Turm, vom Schmuck aus Schiefer und den Stücken aus der Fremde und von den Grabungen seit 1868. Ein Gegenstück im Landesinneren ist Dun Dornaigil.
| Lage | Anhöhe über der Küste des Moray Firth, östlich von Golspie, Sutherland |
|---|---|
| Zeit | Eisenzeit, wissenschaftliche Datierung fehlt |
| Höhe | Mauer bis 3,6 Meter |
| Maße | Außendurchmesser etwa 21 Meter, Innendurchmesser etwa 10 Meter |
| Bauweise | Sandstein und Konglomerat, massiver Mauerfuß, Treppe in der Mauer |
| Vorgeschichte | Grab der Bronzezeit, Pfostenbau unter dem Broch |
| Staatlicher Schutz | seit 1975 |
Fragen, die wir beantworten
- Wo liegt der Broch, und woher hat er seinen Namen?
- Wie ist der Broch gebaut, und was liegt außerhalb der Mauer?
- Was war schon vor dem Broch an dieser Stelle?
- Welche Funde zeugen von Handwerk und Fernhandel?
- Was haben die tiefen Kammern im Boden zu bedeuten?
- Wer hat den Broch ausgegraben und gesichert?
- Was gibt es in der Umgebung zu sehen?
Wo liegt der Broch, und woher hat er seinen Namen?
Der Broch liegt östlich von Golspie auf einer Anhöhe über einer gehobenen Strandterrasse, die sich entlang des Moray Firth zieht. Er gehört zu einer kleinen Gruppe am Südende des großen Verbreitungsgebiets von Brochs in Ost-Sutherland und Caithness. Nahe Nachbarn sind Backies, Kintradwell und Carrol sowie, am weitesten im Süden, der zerstörte Dun Alisaig. Weil diese Brochs gut zugänglich waren und die Grundbesitzer des 19. Jahrhunderts sich dafür interessierten, wurden sie früh erforscht.
Der Name erklärt sich aus dem Gestein. Der Turm besteht aus großen Blöcken von gelbbraunem und rotem Sandstein und Konglomerat, die an Felsen nicht weit landeinwärts und am Strand unterhalb des Hügels zu finden sind. Das Gestein verwittert zu einem weichen Grau, und auf Gälisch heißt grau „liath“.
Der Broch ist ein empfohlener Halt an der North Coast 500.

Wie ist der Broch gebaut, und was liegt außerhalb der Mauer?
Der Turm steht heute noch etwa 3,6 Meter hoch, mit rund 21 Metern Außendurchmesser und 10 Metern Innendurchmesser. Eine Wachkammer in der Mauerstärke liegt rechts vom schmalen Eingangsgang, kurz hinter zwei aufrechten Steinplatten, die einen hölzernen Türflügel hielten. Im Inneren führt ein Zugang vom Hof zu einer Treppe, die im Uhrzeigersinn bis zum erhaltenen Mauerkopf steigt. Spuren oberer Galerien sind nicht mehr vorhanden, ältere Beschreibungen kennen aber mindestens eine sowie eine Kammer über dem Eingangsgang.
An der Innenseite der Wand läuft in etwa zwei Metern Höhe ein Absatz, ein „Scarcement“. Stellenweise ist vor die innere Wandfläche eine zusätzliche Mauer von 0,5 bis 0,6 Metern Stärke gesetzt, die bis 1,5 Meter über den Boden reicht. Beide Bauteile gehen beiderseits des Eingangsgangs ineinander über. Der Absatz ist älter als die zusätzliche Mauer.
Außerhalb des Eingangs verlängert sich der Gang nach Südosten und durchquert dort den äußeren Wall. Ein kürzerer Gang führt zum südlichen Innenraum des umschlossenen Geländes. Unmittelbar vor dem Eingang des Broch liegt ein kleiner Steinbau, den man mit einer Hundehütte verglichen hat. Solche Kammern gibt es an mehreren Brochs.
Den ganzen Platz umgibt ein breiter, niedriger Wall aus Trockenmauerwerk. Zwischen ihm und dem Turm liegen im Süden eine ebene Fläche, im Norden das unebene Gelände mit grasbewachsenen Resten rechteckiger Bauten. Diese Bauten sind kaum untersucht. Ein ähnlicher Zugang durch einen äußeren Wall findet sich am Broch of Gurness auf Orkney, nur ohne dessen tiefe Gräben und deshalb weniger großartig.
Was war schon vor dem Broch an dieser Stelle?
Carn Liath hat für einen Broch auf dem Festland ungewöhnlich sichere Hinweise darauf, dass die Stätte vorher genutzt wurde. In den 1980er Jahren fanden Archäologen unter einem der rechteckigen Außenbauten ein Grab der Bronzezeit, eine Steinkiste. Dabei lag ein Gefäß vom Typ Food Vessel, und eine Kette aus kleinen runden Perlen aus Schiefer gehörte zu den Beigaben. Eine einzelne Scherbe eines Glockenbechers mit Schnureindruck kommt hinzu.
Aus der Zeit vor dem Turm stammt auch ein großer Teil eines Rings aus Pfostenlöchern in der Nähe des Grabes, der auf einen runden Holzbau hinweist. Ein zweiter Pfostenring ist im Fußboden des Broch zu erkennen und verläuft unter den Mauern hindurch. Ähnliches kennt man vom Broch bei Buchlyvie in Stirlingshire, wo man ein Rundhaus erkannt hat. Die Stätte war damit fast zwei Jahrtausende lang von örtlicher Bedeutung.
Ein Stein mit Verzierungen im Stil der Ganggräber, darunter eingepickte konzentrische Kreise. Er liegt heute im Museum von Dunrobin Castle. Eine zweite, verschwundene Platte mit eingeritzten Mustern wurde 1881 gemeldet. Solche älteren Steine wurden häufig in Brochs eingebaut. Die Vermutung, der Broch stehe auf einem noch älteren Grab der Jungsteinzeit, wurde diskutiert und verworfen.

Welche Funde zeugen von Handwerk und Fernhandel?
Die Funde sind klein, aber aufschlussreich. Zwei schwere Bronzeplatten tragen Hammerspuren; für das Metall gibt es vor Ort keine Quelle. Zwei Gefäße aus Speckstein bestehen aus einem Material, das auf Shetland oder an der Westküste nahe Glenelg vorkommt. Dazu kommt eine silberne Fibel nach römischem Vorbild.
Das Gegenstück zu diesen Fernkontakten ist der Schmuck aus der Nähe. Zahlreiche Bruchstücke von Armreifen, Perlen und Ringen aus örtlichem Jura-Schiefer, dazu Abfall von der Herstellung, belegen die Arbeit am Ort. Sie begann lange vor dem Broch – die Perlenkette im Grab zeigt es – und setzte sich über die gesamte Besiedlung fort. Außerdem gab es reichlich Hinweise auf Eisenverarbeitung: Schlacke und Bruchstücke von Tiegeln.
Ein Teil der Funde ist im kleinen Museum von Dunrobin Castle ausgestellt, ein anderer in den National Museums Scotland in Edinburgh. Die Burg selbst beschreibt die Seite zu Dunrobin Castle. Die meisten Funde stammen aus Grabungen ohne dokumentierte Schichtenfolge.
Was haben die tiefen Kammern im Boden zu bedeuten?
Bei den Grabungen kamen im Hof zwei tiefe Kammern, ein Herd und der Teil eines Pfostenrings zutage. Die Kammern gleichen den „Brunnen“ in mehreren anderen Brochs. Der sandige Untergrund hält kein Wasser, daher konnten sie in Carn Liath keine Wasserstellen sein. Im nahen Broch von Kintradwell gab es sehr ähnliche Kammern im Boden, zu denen kurze Steintreppen hinunterführten.
Wozu die Kammern dienten, ist nicht bekannt. Sie wurden aus Sicherheitsgründen wieder verfüllt, denn der Boden unter dem Broch besteht aus einer sehr lockeren Mischung aus Sand und Kies. Auch die Spuren aus der Zeit vor dem Broch sind nicht sichtbar.
Für die Gestaltung gibt es eine regionale Besonderheit: Die Treppe in der Mauer beginnt auf Bodenhöhe, wie in Ost-Sutherland und im Süden von Caithness üblich. Auf Orkney und Shetland setzt sie meist ein bis zwei Meter höher an. Daneben hat Carn Liath außer der Wachkammer keine Räume im Mauerfuß, was für Brochs in Sutherland und Caithness ungewöhnlich ist. Weitere Brochs zum Vergleich sind Dun Carloway und der Turm von Mousa. In Edin’s Hall in den Borders fanden sich Kupferbarren tief in den Schichten.
Wer hat den Broch ausgegraben und gesichert?
Schon 1769 besuchte der Reisende Thomas Pennant den Turm. Die Nähe zu Dunrobin Castle weckte früh Interesse. Von den späten 1840er Jahren an ließen die Herzöge von Sutherland mehrere Brochs auf ihren Ländereien ausgraben, und 1868 ließ der Herzog Carn Liath räumen. Über viele dieser Grabungen schrieb der Reverend J. M. Joass. Christian MacLagan, eine der frühen Archäologinnen, kam ihm 1875 mit einem Plan zuvor, und T. M. Wise beschrieb einen inzwischen verschwundenen Stein mit Ritzungen.
Danach blieb der Turm sich selbst überlassen. Fotos von 1963 zeigen ihn in schlechtem Zustand. 1971 grub eine Schülergruppe ohne Genehmigung. Daraufhin beauftragte das Ministry of Works J. X. W. P. Corcoran mit einer umfassenderen Grabung, als Vorbereitung auf die Übernahme in Staatsobhut. Corcoran starb kurz nach der ersten Grabungssaison 1972, und seine Unterlagen sind lückenhaft.
1975 kam der Broch in Staatsobhut, und die Mauern wurden gesichert. Dabei verschwanden einzelne Details, die man vorher gesehen hatte, zum Beispiel ein Riegelloch hinter den Türanschlägen im Gang. 1984 und 1986/87 grub Paula Love in kleinerem Umfang, bevor weiter gesichert wurde; dabei kamen die Spuren vor dem Broch ans Licht, und sie klärte, was Corcoran getan hatte. Der Plan, den sie 1989 veröffentlichte, ist der einzige gedruckte seit dem von Joass von 1890. Der erste veröffentlichte Plan stammt von MacLagan aus dem Jahr 1875.
Weil an dem Turm so oft gegraben und gesichert wurde, zeigt er nicht mehr zuverlässig, wie er vor den 1870er Jahren aussah. Der Wall rund um den Platz ist kaum untersucht; die Grabungen der 1980er Jahre zeigen einen Erdwall mit Steinverkleidung. Auch die Fläche zwischen Broch und Wall ist wenig untersucht.
Was gibt es in der Umgebung zu sehen?

Die ländliche Umgebung ist ruhig: Wiesen mit Feldlerchen, Mäusebussarde über dem Hang, Kaninchen am Weg. Der gesamte Moray Firth unterhalb der Niedrigwasserlinie ist als Schutzgebiet für Sandbänke und Große Tümmler ausgewiesen. Als Wahrzeichen der Gegend steht aber nicht der Broch, sondern Dunrobin Castle im Vordergrund.
Ein weiterer Broch in Sutherland in staatlicher Obhut ist Dun Dornaigil. Der Vergleich beider Türme lohnt: Dun Dornaigil ist hoch, eine Ausgrabung ist nicht verzeichnet, Carn Liath ist niedrig, aber oft erforscht. Wer weiter reisen möchte, findet einen Überblick auf der Seite zu den Highlands.
Wo liegt Carn Liath?
Wenige Kilometer östlich von Golspie in Sutherland, auf einer Anhöhe über der Küste des Moray Firth.
Wie hoch und wie groß ist der Broch?
Die Mauer steht noch rund 3,6 Meter hoch. Der Außendurchmesser beträgt etwa 21 Meter, der Innendurchmesser etwa 10 Meter.
Woher kommt der Name Carn Liath?
Auf Gälisch bedeutet „liath“ grau. Der Sandstein verwittert zu einem weichen Grau.
Was ist besonders an der Vorgeschichte?
Unter einem Außenbau lag ein Grab der Bronzezeit mit einem Food Vessel und einer Perlenkette. Dazu kam ein Ring aus Pfostenlöchern von einem runden Holzbau.
Seit wann ist der Broch in Staatsobhut?
Seit 1975. Zuvor hatte der Herzog von Sutherland ihn 1868 räumen lassen.
Weitere Brochs und Stätten entdecken
Von den Hebriden bis nach Shetland: unsere Übersicht der historischen Stätten.
