Cardoness Castle erhebt sich auf einem Felsen 1,6 Kilometer südwestlich von Gatehouse of Fleet in Galloway. Das Turmhaus der McCullochs entstand im späten 15. Jahrhundert und ist eines der besterhaltenen seiner Zeit in Schottland. Es hat ein Verlies mit Grube, ein Mordloch im Eingang und Schlüssellochscharten. Mit der Hinrichtung von Godfrey McCulloch 1697 endete seine Nutzung.
Cardoness Castle ist von weitem zu sehen. Der längliche Turm ragt über 21 Meter hoch aus einem Felsen über dem Tal des Fleet, und er prägt die Landschaft südlich von Gatehouse of Fleet. Der Turm ist weitgehend im Zustand seiner Erbauung erhalten, nur die angebauten Gebäude wurden in den 1930er-Jahren stark erneuert.
Diese Seite erzählt die Geschichte der Burg und der Familie, die sie baute. Sie beschreibt den Aufbau des Turms vom Eingang mit dem Eisengitter bis zur Halle, erklärt, was die Schlüssellochscharten und das Mordloch über die Zeit sagen, und führt durch die Fehde zwischen McCullochs und Gordons, die mit einem Mord und einer Hinrichtung endete. Wer die Burg mit ihrem älteren Vorbild vergleichen möchte, sollte Threave Castle im Blick behalten.
| Lage | auf einem Felsen über dem Fleet, 1,6 km südwestlich von Gatehouse of Fleet |
|---|---|
| Bauzeit | spätes 15. Jahrhundert, für die McCullochs von Cardoness |
| Bauform | länglicher Turm mit fünf Geschossen und Dachgeschoss, über 21 m hoch |
| Besonderheiten | Verlies mit Grube, Mordloch (meurtrière), Schlüssellochscharten, Halle mit Kamin |
| Schutzstatus | Scheduled Monument |
| Staatliche Obhut | seit 1927 |
Fragen, die wir beantworten
Wer baute Cardoness Castle und wann?
Das Land um Cardoness hat eine lange Geschichte. Um 1170 erhielt David fitz Teri, Herr von Over Denton in Cumberland, vom König Malcolm IV. die Herrschaft Anwoth und errichtete eine Motte mit Vorburg bei Boreland of Anwoth, ein Stück südwestlich der späteren Burg. 1220 stritt Nicholas de Kerdenes mit der Abtei Dundrennan um die Mitgift seiner Frau Cicely und gewann mit einem Einspruch beim Papst. 1277 trat Bertram von Cardoness als Zeuge einer Urkunde auf, die Lady Dervorgilla ausstellte, die Gründerin von Sweetheart Abbey.
Die McCullochs stammten aus den Machars in Wigtownshire. Gilbert McCulloch ist der erste Namensträger, der im Zusammenhang mit Cardoness belegt ist. Eine Legende erzählt, er sei zu dem Besitz gekommen, weil der frühere Herr und acht seiner neun Töchter beim Feiern der Geburt eines Sohnes in einem zugefrorenen See in der Nähe der Burg ertranken, der Neugeborene ebenfalls. Gilbert heiratete die einzige überlebende Tochter. Die heutige Burg errichtete entweder Gilbert oder sein Sohn James.
Die Schlüssellochscharten, die an der Außenwand zu sehen sind, ordnen den Bau zeitlich ein. Dieser Typ taucht in Schottland zuerst um 1450 in Threave Castle und wird in den 1510er-Jahren von der waagerechten, weit geöffneten Scharte abgelöst, die zum ersten Mal in Dunbar Castle auftritt. Cardoness gehört also in das späte 15. Jahrhundert.

Wie ist der Turm aufgebaut?
Der Turm ist länglich, fünf Geschosse und ein Dachgeschoss hoch und aus unverziertem Bruchstein gemauert. Die Wand endet in einer glatten Brüstung. Dahinter sind die Giebel des Dachgeschosses zurückgesetzt, so dass ein Wehrgang rundherum verläuft. Die Hauptfenster der drei oberen Geschosse haben abgeschrägte Gewände, kleinere Fenster und einfache Schlitze belichten die Treppe und die Wandnischen. Alle Fenster haben Falze für Glas, der Turm war also vollständig verglast.
Die Raumfolge ist typisch für das 15. Jahrhundert. Eine einzige Wendeltreppe führt zu allen Geschossen, es gibt keine Nebentreppe für das Gesinde. Aborte mit offenem Schacht, viele Wandkammern und ein Gefängnis mit Grube gehören zum Haus. Der Eingang liegt auf Bodenhöhe. Man betrat den Turm durch einen Rundbogen, der für ein äußeres Eisengitter, den Yett, und eine innere Holztür eingerichtet ist. Im Gewölbe des Vorraums sitzt ein Mordloch, ein Schlitz, durch den die Verteidiger auch dann noch schießen konnten, wenn Angreifer die Tür überwunden hatten. Solche Einrichtungen sind in Schottland selten und finden sich zum Beispiel in Dirleton Castle.
Links vom Eingang liegt die Wachstube. Geradeaus führen zwei Türen mit gemeinsamem Gewände in einen Raum, der ursprünglich aus zwei Kellern bestand. Der Rest der Trennwand ist noch zu sehen. In der Westwand des Westkellers sitzen zwei runde Nischen, die zum Haus gehören. Das Erdgeschoss unter dem Steingewölbe war ursprünglich waagerecht in zwei Ebenen geteilt. Der hölzerne Boden der oberen Ebene ist verschwunden, die Steinkonsolen in den Seitenwänden sind geblieben.
Was verbirgt sich im Verlies mit der Grube?
Von der Wendeltreppe an der Südostecke aus erreichte man nicht nur das Zwischengeschoss, sondern auch ein zweistöckiges Gefängnis in der Ostwand des Turms. Die obere Zelle hat einen Abort und ein schmales Fenster. In ihrem Boden liegt eine Luke, die in die Grube führt, ein dunkles Loch mit einem schmalen Schlitz für Luft. Das Gefängnis von Cardoness zählt zu den am besten erhaltenen in einem schottischen Turmhaus und lässt sich mit dem von Dirleton Castle vergleichen.
Gefängnisse gehören zu vielen Burgen der Krone und des Adels. Bemerkenswerte Beispiele sind Dirleton, Tolquhon, Hermitage und Castle Campbell. In Cardoness kam eine weitere Rolle hinzu: Zur Burg gehörte eine große Halle, in der der Herr sein Gericht abhielt.

Wie wohnte die Familie im Turm?
Im dritten Geschoss liegt die Halle, der einzige Raum auf dieser Ebene. Sie war repräsentativ ausgestattet: Fein proportionierte Fenster mit Steinsitzen belichten sie, der große Kamin in der Nordwand hat Gewände aus gebündelten Säulen. Der Sturz ist verloren, ein Stich von 1760 zeigt, dass seine Oberseite mit Blattwerk geschmückt war. Westlich des Kamins steht eine Nische mit Regalen, deren Kopf einen Kielbogen bildet. Dort wurde Geschirr gezeigt. Vier Wandkammern öffnen sich zur Halle, eine hat einen Abort.
Das Geschoss darüber war ursprünglich ein einziger großer Raum, der Saal des Herrn. Er wurde später in zwei Räume geteilt. In der Westwand sitzt ein Kamin, der dem der Halle gleicht, nur etwas kleiner. Darüber sind seltene Reste der Innenausstattung erhalten: zwei Fragmente eines profilierten Gesimses, das eine mit stilisiertem Blattwerk, das andere mit einem Seilprofil. An vielen Stellen im Haus sieht man Spuren von Wandputz.
Die Familie nutzte die oberen Geschosse, das Gesinde die unteren. Zur Burg gehörten weitere Bauten, darunter ein Hallenbau, der von der Südostecke des Turms nach Süden verlief, und eine Küche. Die Halle dieses Anbaus lag im ersten Geschoss, das heute fehlt. Dass ein solcher Hallenblock überhaupt erhalten blieb, ist vergleichsweise selten. Weitere Burgen abseits der großen Routen finden Sie bei den geheimen Burgen.
Was geschah in der Fehde der McCullochs mit den Gordons?
James McCulloch starb 1500, ihm folgte sein Sohn Ninian. Beide hatten den Ruf, streitsüchtig und gewalttätig zu sein, besonders gegen Nachbarn wie die Gordons, meist ging es um Land. Ninian starb 1509. Sein Sohn Thomas war noch minderjährig, die Vormundschaft hatte sein Onkel Sir Alexander McCulloch, genannt Sandy. Er war ein Freund Jakobs IV., hatte hohe Ämter am Hof, zum Beispiel als Verwalter von Linlithgow Palace und als Falkenmeister des Königs, und hatte ebenfalls ein Gespür für Streit. 1513 fiel er bei Flodden an der Seite seines Königs. Thomas starb 1516, ihm folgte sein Bruder Alexander.
Zwischen 1563 und 1566, als zwischen Schottland und England Spannung herrschte, schickte England einen Spion nach Cardoness. Er berichtete, der Turm habe keinen Barmkin, den ummauerten Hof, und keine Zinnen, und bei Flut könnten Boote von acht Tonnen bis an die Mauer fahren. Eine Invasion kam nicht, Cardoness blieb bei den McCullochs.
1628 zwangen die Verfehlungen von William McCulloch die Familie, den Besitz zu verpfänden. Der neue Eigentümer wurde John Gordon von Upper Ardwall, aus einer Familie, die oft mit den McCullochs im Streit lag. Gordon wohnte weiter in seinem alten Haus Bush o‘ Bield bei Anwoth. 1668 hatten die McCullochs die Burg wieder, auf gewaltsame Weise: Godfrey McCulloch, Sohn von Alexander McCulloch, erschoss John Gordon. Dann schleifte er Gordons Witwe Marion Peebles aus ihrem Krankenbett auf einen Misthaufen. Godfrey floh ins Ausland.

1697 kehrte Godfrey heimlich zurück. Man erkannte ihn bei einem Gottesdienst in St Giles‘ in Edinburgh, verurteilte ihn und enthauptete ihn mit der Maiden, dem Fallbeil von Edinburgh. Er gehörte zu den letzten, die so hingerichtet wurden. Danach wurde Cardoness verlassen.
Wie veränderte sich die Landschaft rund um die Burg?
Zur Zeit der Erbauung war die Umgebung eine andere. Der Spion des 16. Jahrhunderts beschrieb, dass bei Flut das Meer bis an den Felsen reichte und man bei Ebbe eine Meile weit unter der Burg über den Sand reiten konnte. Schon bevor der Fleet reguliert wurde, zogen sich die Fluten zurück, und die Sandbänke wurden grün. 1825 ließ Alexander Murray of Broughton den Water of Fleet unterhalb der Burg kanalisieren, damit Schiffe bis Gatehouse of Fleet fahren konnten. Damit verschwand der Eindruck einer Burg am Meer.
Gatehouse of Fleet selbst entstand in den 1760er-Jahren als geplante neue Stadt, gegründet von James Murray of Broughton. Die Besitzer von Cardoness wechselten: Nach den Gordons kamen die Maxwells, dann die Murrays of Broughton, dann wieder die Maxwells. 1845 gehörte das Land um die Burg Sir David Maxwell of Cardoness und Alexander Murray of Broughton. Beide hatten Verbindungen zu Vermögen aus der Sklaverei: Maxwells Frau Georgina Martin stammte aus einer Familie, deren Vater 1768 304 versklavte Menschen besaß, und Murray erhielt 1836 eine Entschädigung für 121 versklavte Menschen. Ob die Gewinne direkt in die Burg flossen, ist offen.
1927 übergab Lady Maxwell die Burg dem Staat. Das Ministry of Works führte danach ein umfangreiches Sicherungsprogramm durch, einschließlich des Wiederaufbaus der angrenzenden Gebäude. Die Aufbauten wurden so stark verändert, dass sich ihre Funktion kaum noch deuten lässt, der Turm dagegen ist im Wesentlichen original. In den 1980er-Jahren wurde die A75 südlich von Gatehouse of Fleet verlegt, so dass sie nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Burg verläuft.
Der Turm spielte schon im 18. und 19. Jahrhundert eine Rolle in der Malerei. William Daniell zeichnete ihn 1815 als Aquatinta. Vom oberen Ende des Turms blickt man nach Süden über den Water of Fleet bis zum Solway Firth, der bei klarem Wetter zu sehen ist. In den Wäldern um die Burg leben Rote Eichhörnchen, die im Gelände oft zu sehen sind.
Wann wurde Cardoness Castle gebaut?
Im späten 15. Jahrhundert für die McCullochs von Cardoness. Die Schlüssellochscharten datieren den Bau in diese Zeit.
Was ist ein Mordloch?
Ein Schlitz im Gewölbe des Eingangs, von dem aus Verteidiger auch im Vorraum noch auf Angreifer schießen konnten. In Cardoness sitzt er im Gewölbe des Vorraums.
Was geschah mit Godfrey McCulloch?
Er erschoss 1668 John Gordon, floh ins Ausland, kehrte heimlich zurück und wurde 1697 in Edinburgh enthauptet. Danach wurde die Burg verlassen.
Wie ist das Gefängnis aufgebaut?
Es hat zwei Ebenen. Die obere Zelle hat einen Abort und ein schmales Fenster, eine Luke im Boden führt in die Grube mit nur einem Luftschlitz.
Seit wann ist die Burg in staatlicher Obhut?
Seit 1927, als Lady Maxwell sie dem Staat übergab.
Passend dazu: MacLellan’s Castle.
