Bothwell Castle bei Glasgow steht über einer Windung des River Clyde und besitzt einen Donjon von fast 20 Metern Durchmesser, dessen Mauern über 4,5 Meter dick sind. Edward I. nahm die Burg 1301 in weniger als einem Monat ein. Eintritt 4,50 Pfund (Stand Oktober 2026), die Bahnstation Uddingston liegt 30 Gehminuten entfernt.
Bothwell Castle liegt am Ostufer des River Clyde zwischen Bothwell und Uddingston, 9 Meilen südöstlich von Glasgow. Es ist eine der herausragenden mittelalterlichen Burgen Schottlands und eigentlich zwei Burgen in einer: die Anlage der Morays aus dem späten 13. Jahrhundert und der große Umbau der Black Douglas danach. Aus roten Sandsteinquadern gebaut, hebt sie sich warm vom Grün der Bäume ab.
Dieser Ratgeber erklärt, wer die Burg baute, warum der Donjon in Schottland ohne Vergleich ist, wie die Belagerungen der Wars of Independence verliefen, was die Douglas veränderten und was du heute sehen kannst. Die nächste große Stadt ist Glasgow; eine zweite Festung am Clyde ist Dumbarton Castle.
| Lage | Castle Avenue, Uddingston, G71 8BL, Ostufer des River Clyde |
|---|---|
| Bauherren | Familie Moray (Murray), später Black Douglas |
| Donjon | fast 20 m Durchmesser, Mauern über 4,5 m dick, noch über 27 m hoch |
| Belagerung | August 1301 durch Edward I., Einnahme in weniger als einem Monat |
| Öffnungszeiten | April bis September Di bis Sa 9.30 bis 17 Uhr, Oktober bis März Mo bis Mi, Sa, So 10 bis 16 Uhr (Stand Oktober 2026) |
| Eintritt | Erwachsene 4,50 £, Senioren 3,50 £, Kinder 7 bis 15 Jahre 2,50 £ (ermäßigt wegen Konservierung) |
| Zugang | Hauptturm, Südostturm und Great Hall derzeit geschlossen |
Fragen, die wir beantworten
Wer baute Bothwell Castle?
Im Jahr 1242 fiel Bothwell an Walter of Moray, den Schwiegersohn von Walter Olifard, dessen Familie die Herrschaft seit dem 12. Jahrhundert innehatte. Morays Hauptsitz lag bei Inverness. Nach dem Tod Walters 1278 baute er oder sein Sohn William, „le Riche“ genannt wegen seines großen Reichtums, die neue Burg: eine große steinerne Ringmauer mit einem zweitürmigen Torhaus am nördlichen Haupteingang und einem mächtigen steinernen Donjon, einem Bergfried, an der Südwestecke über dem Clyde.
Wie viel davon vor dem Ausbruch der Wars of Independence 1296 fertig war, ist unklar. Heute stehen von der Ringmauer samt Torhaus und Zwischentürmen nur niedrige Fundamente. Das Torhaus lässt sich mit den großen Torhäusern von Edwards I. Burgen in Wales vergleichen, etwa Harlech, und findet sich in Schottland in Caerlaverock und Kildrummy wieder. Hätten die Morays die Burg vollendet, wäre sie die mächtigste Adelsburg des Königreichs gewesen.
Die Burg steht auf einer Terrasse etwa 30 Meter über dem Meeresspiegel. Der Clyde war zugleich Schutz und Verkehrsweg, die Lage erlaubt weite Ausblicke. Gegenüber liegt Blantyre Priory; im Trockenjahr 1976 sah man außerdem Reste eines hölzernen Landungsstegs und den Eingang eines Tunnels aus feinem rotem Sandstein, der zum anderen Ufer weist.
Was macht den Donjon so besonders?
Der Donjon ist ein runder Wohnturm mit Flügelmauern zu beiden Seiten. Er hat fast 20 Meter Durchmesser, Mauern von über 4,5 Metern Stärke und steht noch über 27 Meter hoch. Er war als Privatquartier der Morays vorgesehen und so gebaut, dass er sich unabhängig verteidigen ließ.
Zu seinen Neuerungen gehörten ein steingefasster Graben mit Schleuse zum Füllen und Leeren, ein abgewinkelter „Schnabel“, der den Eingang vom Hof wegdrehte und so Rammböcke erschwerte, Schlitzscharten mit Querschlitz für Bogenschützen und eine Pechnase über dem Eingang, von der aus die Verteidiger geschützt wirken konnten. Vom obersten Raum führte außerdem ein Fluchtweg über den Wehrgang der Südflügelmauer zum Gefängnisturm.
Innen hat der Donjon vier Geschosse mit achteckigen Räumen. Zu sehen sind der Raum mit der Mechanik für Zugbrücke und Fallgitter und ein feines Maßwerkfenster im obersten Raum. Die Quaderarbeit aus rotem Sandstein ist hervorragend. Der Aufstieg über die enge Wendeltreppe zum Wehrgang belohnt mit Blicken über die Burgruine, den Park und den Clyde. Nichts Vergleichbares steht anderswo in Schottland.

Wie verliefen die Belagerungen?
1296 besiegte Edward I. die Schotten bei Dunbar und nahm Sir William Murray und dessen Neffen Andrew gefangen; Bothwell fiel an die Engländer. 1297 floh Andrew Murray aus Carlisle und gewann mit William Wallace die Schlacht von Stirling Bridge. Zwei Jahre später wurde Bothwell nach einer Belagerung von 14 Monaten zurückerobert.
Im August 1301 belagerte Edward I. die Burg mit einem Feldheer von 6.800 Mann. Die Angreifer nutzten einen Belagerungsturm, „le berefrey“ genannt, den man aus Glasgow heranschaffte. Die Burg fiel in weniger als einem Monat, und Edward vertraute sie Sir Aymer de Valence an. Der Name „Valence Tower“ ist seither für den Donjon gebräuchlich.
Vor der Schlacht von Bannockburn 1314 war Bothwell noch in englischer Hand, besetzt von 60 Mann unter Sir Walter FitzGilbert de Homeldone. Nach der englischen Niederlage flohen Reiter unter Sir Humphrey de Bohun, Earl of Hereford, zur Burg, wurden von Edward Bruce und seinen Männern umzingelt und ergaben sich. Hereford allein wurde gegen die Königin Elizabeth, Roberts Schwester Mary, Tochter Marjorie und Bischof Robert Wishart ausgetauscht. Robert I. ließ die Burg militärisch unbrauchbar machen.
1336 fiel Bothwell wieder in englische Hand, Edward III. blieb den Winter über und zog sich vor Weihnachten nach Newcastle zurück. Im März 1337 eroberte Sir Andrew Murray of Bothwell die Burg zurück und ließ die Hälfte des Donjons abtragen, als Schutzmaßnahme und als Zeichen der Treue zur Sache Bruces. Es war die letzte belegte Belagerung.
Was veränderten die Black Douglases?
1362 heiratete Archibald Douglas, „der Grimmige“, Joanna, die Witwe von Sir Thomas Murray und Erbin von Bothwell. Er wurde 1369 Lord of Galloway und 1388 3. Earl of Douglas und baute die zerschossene Burg als Hauptsitz wieder auf. Er stufte den Donjon zum Nebenwohnbau zurück und errichtete auf der Ostseite ein neues Wohngebäude, ein rechteckiges Turmhaus an der Nordostecke, dessen Fundamente erhalten sind. Sein Sohn Archibald, der 4. Earl, vollendete den Wiederaufbau und veränderte ihn kräftig.
Der 4. Earl ließ eine neue Great Hall bauen, einen Mauerabschnitt mit neuen Türmen und eine Wehrbrüstung mit Gusserkern, die erst im frühen 15. Jahrhundert möglich war. Seine Reisen auf dem Kontinent, vor allem in Frankreich, prägten diese Bauweise. Die Pechnasen von Bothwell machten Schule, bald gab es Nachahmungen in ganz Schottland, etwa in Craigmillar Castle.
Die Great Hall ist einer der wenigen erhaltenen Hallenbauten des mittelalterlichen Schottlands; weitere gibt es in Darnaway, Doune und Tantallon. Die Halle im oberen der beiden Geschosse hat ein feines Podiumsfenster und Spuren einer Musikantenempore, aber keinen Kamin, die Wärme kam vermutlich von freistehenden Kohlebecken. Die Kapelle zwischen Halle und Südostturm hat Sakramentshaus, Piscina und Weihwasserbecken, seltene Ausstattung in einer weltlichen Burg; nur Dirleton Castle hat etwas Ähnliches, aber viel Kleineres.
1455 zog die Krone Bothwell ein, als der 9. und letzte Earl of Douglas nach England floh. 1492 erhielt Archibald Douglas, 5. Earl of Angus, die Burg im Tausch gegen Hermitage Castle; Jakob IV. besuchte sie mehrfach. Die zehn schlanken Fenster der Great Hall und die Fenster der Südmauer stammen vermutlich aus dieser Zeit.
Wie kam Bothwell zu seinem Ruf als Ruine?
1669 erwarb Archibald Douglas, 1. Earl of Forfar, Bothwell und baute um 1700 ein neues Herrenhaus, das ebenfalls Bothwell Castle hieß. Für den Bau nutzte man Steine der alten Burg; der Verlust von Archibalds Turmhaus geht darauf zurück. Die adlige Nutzung der alten Burg endete damit. Um 1750 malte Paul Sandby die Burg mit dem Clyde im Vordergrund, 1803 besuchten William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge die Ruine. Ein Besucher des 18. Jahrhunderts nannte sie „die großartigste Ruine Schottlands“.
In den 1870er Jahren eröffnete die Firma William Baird & Co. aus Coatbridge die Kohlegruben Bothwell Castle und Bothwell Park. Das neue Herrenhaus wurde im 20. Jahrhundert wegen Bergsenkungen abgerissen; die alte Burg erwies sich als stabiler. 1935 übergab der 13. Earl of Home sie der staatlichen Obhut. 2005 wurde der Clyde Walkway eröffnet, der Glasgow mit New Lanark verbindet und direkt an der Burg vorbeiführt.

Was kostet der Eintritt, und wann ist geöffnet?
Vom 1. April bis 30. September ist die Burg Dienstag bis Samstag von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet; montags und sonntags ist geschlossen. Vom 1. Oktober bis 31. März gilt Montag bis Mittwoch sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr; donnerstags und freitags ist geschlossen. Mittags kann von 12.30 bis 13.30 Uhr geschlossen sein. Der letzte Einlass ist 30 Minuten vor Schluss. Vom 25. Dezember bis 5. Januar bleibt die Burg zu.
Der Eintritt kostet Erwachsene (16 bis 64 Jahre) 4,50 Pfund, Senioren ab 65 Jahren 3,50 Pfund und Kinder von 7 bis 15 Jahren 2,50 Pfund. Das sind ermäßigte Preise, solange Konservierungsarbeiten laufen. Schottische Jugendliche und junge Erwachsene von 7 bis 25 Jahren mit Young-Scot- oder National-Entitlement-Karte zahlen 1 Pfund. Mitglieder kommen frei hinein, ebenso bis zu zwei Begleitpersonen von Besuchern mit Behinderung. Der Explorer Pass gilt ebenfalls.
Der kleine Parkplatz liegt etwa 160 Meter von der Burg; für größere Fahrzeuge gibt es ausgewiesene Plätze ohne Garantie. Der barrierefreie Parkplatz ist eben und asphaltiert, zum Aussteigen kann man am Eingang halten, wenn man das vorher abspricht. Der Weg vom Parkplatz verläuft über ebenen Rasen und Beton, die Hofwege haben ein Gefälle von 1:13. Zum Donjon führt eine unebene Wendeltreppe mit 50 Stufen, zur Great Hall eine Holztreppe mit 21 Stufen, zur Kellerausstellung führen 6 unebene Stufen. Die nächste behindertengerechte Toilette ist bei Tesco an der Bothwell Road in Uddingston (G71 7ET).
Vor Ort gibt es Shop, Picknickplatz, Toiletten und eine Wasser-Nachfüllstation; Hunde sind im Freien willkommen, Assistenzhunde auch in überdachten Bereichen. Am Burggelände wächst Spanischer Lauch, ein Sandlauch, wohl als Rest des Burggartens; er wurde vermutlich von den Römern nach Britannien gebracht und kann für mittelalterliche Augensalbe oder als Gemüse angebaut worden sein. Im Frühjahr blüht der Wald neben der Burg.
Wie komme ich nach Bothwell Castle?
Von der Bahnstation Uddingston gehst du 30 Minuten oder fährst fünf Minuten nach Süden, über die Main Street und die Castle Avenue. Mit dem Auto parkst du auf dem kleinen Parkplatz 160 Meter vom Eingang. Der Clyde Walkway verbindet das Gelände mit Glasgow und New Lanark.
Wer die Burg mit einer Rundreise verbindet, findet im Castle Trail weitere Festungen und in Linlithgow Palace ein Königsschloss derselben Region. Mietwagen-Tipps gibt Mietwagen in Schottland.
Wer baute Bothwell Castle?
Die Familie Moray im späten 13. Jahrhundert; Walter of Moray oder sein Sohn William „le Riche“ baute die Burg. Nach 1362 erweiterten die Black Douglas sie.
Wie groß ist der Donjon?
Fast 20 Meter Durchmesser, Mauern über 4,5 Meter dick und noch über 27 Meter hoch.
Wann belagerte Edward I. Bothwell?
Im August 1301 mit 6.800 Mann und einem Belagerungsturm aus Glasgow; die Burg fiel in weniger als einem Monat.
Was kostet der Eintritt?
4,50 Pfund für Erwachsene, 3,50 Pfund für Senioren, 2,50 Pfund für Kinder von 7 bis 15 Jahren (Stand Oktober 2026), ermäßigt wegen Konservierung.
Ist Bothwell Castle komplett zugänglich?
Nein, Hauptturm, Südostturm und Great Hall sind derzeit geschlossen, der Rest der Anlage ist offen.
Passend dazu: Kildrummy Castle, Caerlaverock Castle.
Passend dazu: Threave Castle, Craignethan Castle.
Passend dazu: St Andrews Castle, Rothesay Castle.
Passend dazu: Glasgow Cathedral.
Passend dazu: Dundonald Castle.
