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Balvenie Castle bei Dufftown: Ringmauerburg mit Renaissance-Wohnbau

Balvenie Castle bei Dufftown: Ringmauerburg mit Renaissance-Wohnbau

Balvenie Castle liegt auf einer Anhöhe über dem Fiddich am Rand von Dufftown in Moray. Die Comyns bauten im späten 13. Jahrhundert eine Burg mit mächtiger Ringmauer, später gehörte sie den Black Douglases und den Earls of Atholl, die um 1550 die Atholl Lodging anfügten. Das Ensemble aus Mauer, Graben und Renaissance-Wohnbau stand über 500 Jahre im Dienst großer Adelshäuser.

Balvenie Castle gehört zu den Burgen, die man erst sieht, wenn man vor ihnen steht. Bäume verbergen sie von weitem, dann öffnet sich der Blick auf einen tiefen Graben, eine fensterlose Mauer und einen runden Turm, der aus der Ecke des Hofs aufragt. In der Nähe liegt die Destillerie Glenfiddich, und der Duft von Malz zieht bis zur Burg hinauf.

Diese Seite erzählt von den Comyns, den Douglases und den Stewarts, die hier herrschten, vom Bau der Ringmauer, vom Wohnturm Atholl Lodging, vom Abstieg der Burg im 17. und 18. Jahrhundert und vom Rest, der heute zu sehen ist. Einen Überblick über die Region gibt die Seite zu Whisky-Regionen.

LageAnhöhe über dem Fluss Fiddich am Rand von Dufftown, Moray
ErbauerComyn, Earls of Buchan, im späten 13. Jahrhundert
Weitere HerrenBlack Douglases im 15. Jahrhundert, Earls of Atholl ab 1460
BesonderheitAtholl Lodging um 1550 mit Rundturm, Wappen und doppelflügeligem Eisengitter
Bauformviereckige Ringmauer mit Graben, später ein Wohnbau in der Nordostecke
Staatliche Obhutseit 1925, Historic Environment Scotland

Wer baute die Burg im 13. Jahrhundert?

Balvenie entstand als Burg mit Ringmauer im späten 13. Jahrhundert, gebaut von den mächtigen „Black Comyns“, den Earls of Buchan. Die Comyns waren die vornehmste Adelsfamilie Schottlands im 13. Jahrhundert. Sie beherrschten den Norden, und ihr Einfluss reichte weit darüber hinaus. Um 1212 heiratete William Comyn Marjorie, die einzige Erbin von Fergus, Earl of Buchan, und wurde Schottlands erster anglonormannischer Earl.

In den 1260er Jahren erwarb sein Sohn Alexander, der zweite Earl, den Besitz Mortlach, den späteren Balvenie, im Tausch gegen Land in East Lothian. Alexander ist als „Black Comyn“ bekannt. Mit Mortlach verband er das Earldom Buchan im Osten mit der Herrschaft Badenoch im Westen, die sein Halbbruder Walter, Earl of Menteith, hielt. Auf diesem Gut stand die Burg, die als Stützpunkt und zweiter Wohnsitz diente.

1289 starb Alexander, sein Sohn John folgte. Sieben Jahre später begannen die Unabhängigkeitskriege gegen England. John Comyn spielte darin eine wichtige, aber schwankende Rolle und stützte zu verschiedenen Zeiten Edward I. von England, John Balliol und Robert Bruce. 1303 übernachtete Edward I. am 6. Oktober auf Balvenie, als er nach der Unterwerfung des Nordens nach Süden zog. Als er 1304 John Comyns Land zurückgab, blieben Balvenie und Slains ausgenommen.

Am 22. Mai 1308 schlug Robert Bruce Johns Truppen in der Schlacht von Inverurie. John floh nach England und starb im selben Jahr. Bruce verwüstete das Earldom Buchan und zerstörte Burgen wie Slains und Dundarg. Was mit Balvenie geschah, ist offen. Die Burg verschwindet für ein Jahrhundert aus den Quellen.

Die graue Ringmauer von Balvenie Castle mit dem tiefen Graben und hohen Bäumen

Wie sieht die Ringmauer mit dem Graben aus?

Die viereckige Ringmauer des 13. Jahrhunderts bestimmt alle späteren Bauten. Sie ist massiv dick, schmucklos und größtenteils gut erhalten, nur im Nordosten fehlt sie, dort steht die Atholl Lodging. Sie hat einen kräftigen Sockel und Reste des Wehrgangs. Zwei vorspringende Ecktürme sind belegt, im Südwesten und im Nordwesten, der letztere war ein Abortturm. Die Türme waren klein im Grundriss, ähnlich wie bei Burgen des frühen 13. Jahrhunderts, etwa Caerlaverock Old Castle.

Rund um die Mauer läuft ein breiter Graben mit flacher Sohle und steinverkleideten Wänden. Im Süden und Westen ist er gut erhalten. Im Norden und Osten wurde er verfüllt, als um 1550 die Atholl Lodging gebaut wurde. Ähnliches geschah in Dirleton Castle. Die viereckige Anlage erinnert an andere Comyn-Burgen wie Inverlochy und Lochindorb, deren Rundtürme allerdings viel eindrucksvoller sind.

Die Burg gehört zu einer kleinen, aber bedeutenden Gruppe von Ringmauerburgen, die im späten 13. Jahrhundert in Schottland entstanden. Zu dieser Gruppe zählen auch Caerlaverock, Bothwell und Kildrummy. Die Räume dahinter waren ursprünglich Holzbauten, die an die Innenseite der Mauer gelehnt standen. Der steinerne Bau in der Südostecke, später zur Küche umgebaut, enthält Reste einer Halle des 13. Jahrhunderts.

Wie kamen die Black Douglases nach Balvenie?

Im frühen 15. Jahrhundert tauchte die Burg als Besitz der Black Douglases wieder auf, einer zweiten großen Dynastie. 1408 übertrug Archibald, vierter Earl of Douglas, die Herrschaft Balvenie an seinen jüngeren Bruder James, genannt „the Gross“. 1440 wurde James siebter Earl of Douglas und gab Balvenie an seinen jüngsten Sohn John weiter. Die Douglases hatten ihre Machtbasis im Süden Schottlands und investierten dennoch in diese Burg im Nordosten.

Ihr Sturz kam 1455. König James II. besiegte die Familie im Mai in der Schlacht von Arkinholm. Alle Titel und Besitzungen, darunter die Herrschaft Balvenie, fielen an die Krone. 1460 gab James II. Balvenie an John Stewart, den späteren ersten Earl of Atholl. Seine Frau Margaret war zuvor mit dem achten und dem neunten Earl of Douglas verheiratet gewesen. Als Pacht zahlten die Stewarts jährlich eine einzige rote Rose.

Die Stewarts blieben rund 250 Jahre. Sie machten aus dem mittelalterlichen Stützpunkt eine Renaissance-Residenz.

Was zeigt die Atholl Lodging im Nordosten?

Der schönste Teil der Burg ist die Atholl Lodging, die John Stewart, vierter Earl of Atholl, und seine erste Frau Lady Elizabeth Gordon um 1550 bauten. Die Wappentafeln datieren sie in die 1550er Jahre. An der Nordostecke der alten Ringmauer steht ein kräftiger runder Turm, und die Fassade schmücken reiche Verzierungen: weite Schießscharten, die eher dem Schein als der Verteidigung dienten, vorspringende Erker im obersten Geschoss und eine Reihe von Wappentafeln. Drei Wappen sind in Höhe der Mauerkrone zu sehen. Unter dem des vierten Earl ruht eine lange Schriftrolle mit dem Wahlspruch der Familie: „Forth fortune and fill thy coffers“. Über dem Eingang und über den Türen zu den Treppentürmen sitzen leere Nischen, in denen einst ebenfalls das Wappen der Atholls stand.

Runde Türme an bestehenden Wohnflügeln waren Mitte des 16. Jahrhunderts Mode, wie in Huntly Castle, Edzell Castle und im Bischofspalast von Kirkwall. Sie zeigen Kenntnis französischer Vorbilder, in Frankreich gab es Logis mit angefügtem Rundturm seit dem frühen 15. Jahrhundert. Balvenie ist so ein Beispiel dafür, wie schottische Adlige Anregungen vom Kontinent aufnahmen. Mehr zu Burgen dieser Gegend finden Sie bei Huntly Castle.

Im Eingang hängt ein seltenes doppelflügeliges Eisengitter, ein „yett“ mit gekreuzten Stäben. Ein weiteres steht auf Doune Castle. Die Hofseite wirkt funktionaler, aber ebenfalls eindrucksvoll: Zwei runde Treppentürme flankieren die Durchfahrt. Die großzügigere Treppe links führt zu den Privaträumen und endet in einem quadratischen Obergeschoss auf durchgehenden Konsolen.

Innen bot die Lodging Platz für den Earl, die Countess und ihr Gefolge. Im Erdgeschoss liegen vier Räume, die ungewöhnlicherweise keine Lagerräume waren, sondern Wohnräume mit Abort und Kamin. Im ersten Stock lag ein Appartement mit Halle, äußerem und innerem Zimmer, im obersten Geschoss das der Countess. Die Aufteilung ähnelt dem Palast von Huntly, der in den 1550er Jahren umgebaut wurde.

Der runde Turm der Atholl Lodging mit Erkern und Wappentafeln über dem Burghof

Wie endete die Zeit als Adelssitz?

1562 verbrachte Königin Maria zwei Nächte auf Balvenie während ihres Feldzugs gegen George Gordon, den vierten Earl of Huntly, den Schwiegervater des Earl of Atholl. 1595 starb der fünfte Earl ohne männlichen Erben. Seine vier Töchter überließen 1610 ihre Ansprüche der Krone. Danach wechselte die Burg oft den Besitzer, unter anderem an Lord Abernethy of Saltoun, Lord Ochiltree, die Innes of Invermarkie, Colonel Sutherland of Kinminity und die Duffs of Dipple.

Im Bürgerkrieg zog der Marquis of Montrose 1644 von der Schlacht bei Fyvie nach Balvenie und blieb einige Tage. 1649 überholten die Covenanters unter General Leslie royalistische Truppen Karls II. bei Balvenie und schlugen sie. Unter den Toten war Walter Innes, Laird of Balvenie. 1687 erwarb Alexander Duff of Braco die Burg. Nach dem Sturz Jakobs VII. und der Thronbesteigung von William und Mary 1689 besetzten Regierungstruppen Balvenie und flohen nach dem jakobitischen Sieg bei Killiecrankie am 27. Juli. Kurz darauf besetzten Jakobiten die Burg und zogen ab, als der Aufstand scheiterte.

1715 und 1716 hielt William Duff die Burg im Auftrag der Regierung gegen den Aufstand des Earl of Mar. Nach 1722 baute William Duff of Dipple ein neues Haus in der Nähe, Balvenie House, nach Plänen von James Gibbs. Damit war die Burg als Wohnsitz aufgegeben. Noch einmal besetzten sie 1746 Regierungstruppen kurz, in der Schlussphase des letzten jakobitischen Aufstands. Eine andere Burg im Nordosten, Corgarff Castle, wurde nach 1745 zur Garnison.

1886 öffnete im Schatten der Burg die Destillerie Glenfiddich. 1925 kam die Burg in staatliche Obhut, und Balvenie House wurde damals größtenteils abgerissen. Die damalige Räumung des Geländes durch das Ministry of Works hat die Archäologie des Ortes beeinträchtigt. 1990 fand man im Südflügel einen großen Ofen und im Westen mehrere ältere Gruben.

Was sehen Besucher in Dufftown und Umgebung?

Im Erdgeschoss der Burg liegen Bäckerei, Gesindestuben und Vorratskeller. Zwei Wendeltreppen führen in die oberen Geschosse, der Hof ist mit Kopfsteinen gepflastert. Fledermäuse und Schleiereulen leben einen Teil des Jahres in den Mauern.

Die Burg lässt sich gut mit einem Besuch in einer Destillerie verbinden. Das Thema greift die Seite zu den Whisky-Trail-Rundreisen auf. Für Historiker ist die Burg interessant, weil sie in einem Ort drei Epochen zeigt: die Mauer der Comyns, die Spuren der Douglases und die Lodging der Stewarts.

Wer baute Balvenie Castle?

Die Comyns, Earls of Buchan, im späten 13. Jahrhundert. Später gehörte sie den Black Douglases und ab 1460 den Earls of Atholl.

Was ist die Atholl Lodging?

Ein Wohnbau, den der vierte Earl of Atholl um 1550 in der Nordostecke der Ringmauer errichten ließ, mit Rundturm, Wappentafeln und Erkern.

Was ist ein Yett?

Ein Eisengitter aus gekreuzten Stäben. Balvenie besitzt ein seltenes doppelflügeliges Exemplar im Eingang der Lodging.

Wann kam die Burg in staatliche Obhut?

1925, nachdem sie seit den 1720er Jahren nicht mehr bewohnt war.

Wo liegt Balvenie Castle?

Am Rand von Dufftown in Moray, auf einer Anhöhe über dem Fluss Fiddich.

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