Der West Highland Way ist Schottlands bekanntester Fernwanderweg: 96 Meilen, rund 154 Kilometer, von Milngavie bei Glasgow nach Fort William am Fuß des Ben Nevis. Die meisten gehen ihn in sechs bis acht Tagen. Er führt am Loch Lomond entlang, über das Rannoch Moor und durch Glen Coe in die Highlands.
Kaum eine Wanderung zeigt den Wandel von den Lowlands zu den Highlands so eindrucksvoll wie der West Highland Way. Du startest am Stadtrand von Glasgow zwischen Feldern und Hügeln, wanderst tagelang am Ufer des größten Sees Großbritanniens entlang und erreichst schließlich die einsamen Moore und schroffen Berge rund um Glen Coe. Der Weg wurde 1980 als erster offizieller Fernwanderweg Schottlands eröffnet und gehört heute zu den Scotland’s Great Trails. Er ist gut markiert, führt durch genügend Orte zum Einkaufen und Übernachten und eignet sich deshalb auch für Fernwanderer ohne viel Erfahrung. Hier findest du Route, Etappen, beste Reisezeit und alle praktischen Tipps.
| Länge | 96 Meilen, ca. 154 km (offizielle Angabe) |
|---|---|
| Start und Ziel | Milngavie (nördlich von Glasgow) – Fort William |
| Dauer | meist 6 bis 8 Tage, sportlich 5 Tage |
| Höhenmeter | insgesamt rund 3.100 m Anstieg; höchster Punkt an der Devil’s Staircase (ca. 550 m) |
| Schwierigkeit | mittel, gut markiert, Karte und Kompass trotzdem nötig |
| Beste Zeit | Mai bis September, Frühling und Herbst besonders schön |
| Betreuung | West Highland Way Management Group |
Fragen, die wir beantworten
- Wie verläuft der West Highland Way?
- In welchen Etappen gehe ich den West Highland Way?
- Wie schwer ist der Weg und was ist die Devil’s Staircase?
- Wann ist die beste Zeit und wie schlimm sind die Midges?
- Wo übernachte ich unterwegs und wie funktioniert der Gepäcktransport?
- Wie komme ich nach Milngavie und von Fort William zurück?
Wie verläuft der West Highland Way?
Der West Highland Way führt von Süden nach Norden, von der Granit-Stele im Zentrum von Milngavie bis zur Statue „Sair Feet“, einem Wanderer mit schmerzenden Füßen, in Fort William. Fast alle gehen ihn in dieser Richtung, weil die Landschaft so von Tag zu Tag wilder und dramatischer wird und die schwierigsten Abschnitte erst kommen, wenn die Beine eingelaufen sind.
Der erste Teil führt durch den Mugdock Country Park und offenes Hügelland mit Blick auf die Campsie Fells nach Drymen. Danach steigt der Weg auf den 361 Meter hohen Conic Hill, der genau auf der Highland Boundary Fault liegt: Vom Gipfel siehst du über Loch Lomond und die Inseln, hinter dir das Flachland, vor dir die Berge. Über Balmaha geht es dann tagelang am bewaldeten Ostufer von Loch Lomond entlang, vorbei an Rowardennan am Fuß des Ben Lomond, Inversnaid und der Höhle des Volkshelden Rob Roy bis Inverarnan.
Ab Crianlarich und Tyndrum wird es rauer. Auf alten Viehtreiber- und Militärstraßen aus der Zeit der Jakobitenaufstände wanderst du über Bridge of Orchy und Inveroran auf das weite Rannoch Moor, eines der einsamsten Gebiete Großbritanniens. Am Kingshouse Hotel öffnet sich der Blick in Glen Coe. Über die Devil’s Staircase geht es hinab nach Kinlochleven am Meeresarm und auf der letzten Etappe an den Mamores vorbei durch Glen Nevis nach Fort William. Unterwegs begegnest du Rotwild, verwilderten Ziegen und mit etwas Glück einem Steinadler.
In welchen Etappen gehe ich den West Highland Way?
Die West Highland Way Management Group schlägt mehrere Etappenpläne zwischen fünf und sieben Tagen vor; im Schnitt brauchen Wanderer sechs bis sieben Tage. Eine klassische Aufteilung in sieben Tagen sieht so aus:
| Tag | Etappe | Länge ca. |
|---|---|---|
| 1 | Milngavie – Drymen | 12 Meilen / 19 km |
| 2 | Drymen – Rowardennan (über Conic Hill und Balmaha) | 15 Meilen / 24 km |
| 3 | Rowardennan – Inverarnan | 14 Meilen / 23 km |
| 4 | Inverarnan – Tyndrum | 12 Meilen / 19 km |
| 5 | Tyndrum – Kingshouse | 19 Meilen / 31 km |
| 6 | Kingshouse – Kinlochleven | 9 Meilen / 15 km |
| 7 | Kinlochleven – Fort William | 15 Meilen / 24 km |
Wer einen Tag mehr hat, teilt die lange Etappe über das Rannoch Moor in Tyndrum – Inveroran und Inveroran – Kinlochleven oder legt in Tyndrum oder Kinlochleven einen Ruhetag ein. Sportliche Wanderer schaffen den Weg in fünf Tagen mit Tagesetappen von über 30 Kilometern. Du musst auch nicht alles am Stück gehen: Der Weg lässt sich mit Bus und Bahn gut in Wochenendabschnitte teilen, etwa Milngavie – Balmaha oder Tyndrum – Fort William. Den offiziellen Etappenvorschlag mit allen Varianten findest du auf der Website des West Highland Way.
Wie schwer ist der Weg und was ist die Devil’s Staircase?
Der West Highland Way gilt als mittelschwer. Er hat keine Kletterstellen, aber lange Tagesetappen, rund 3.100 Höhenmeter im Anstieg und teils steinige, nasse Wege. Wer an mehreren Tagen hintereinander 20 Kilometer mit Rucksack gehen kann, schafft ihn.
Als härtester Abschnitt gilt das Nordufer von Loch Lomond zwischen Inversnaid und Inverarnan. Hier ist das Ufer steil, der Pfad windet sich über Wurzeln und Felsblöcke, an manchen Stellen musst du die Hände zu Hilfe nehmen. Die Management Group rät, für diesen Abschnitt deutlich mehr Zeit einzuplanen, als die Kilometer vermuten lassen.
Die Devil’s Staircase, die Teufelstreppe, ist der Anstieg vom Glen Coe hinauf auf den Pass oberhalb von Kinlochleven, mit rund 550 Metern der höchste Punkt des Weges. Der Name klingt dramatischer, als der Weg ist: Ein altes Militärsträßchen führt in Serpentinen den Hang hinauf. Bei gutem Wetter ist der Blick zurück auf Buachaille Etive Mòr und Glen Coe einer der schönsten der ganzen Tour. Danach folgt ein langer, steiler Abstieg nach Kinlochleven, der in die Knie geht. Im Winter kann Schnee im Norden den Weg verdecken; dann ist der Weg nur etwas für erfahrene Wanderer mit guten Navigationskenntnissen. Der Weg ist zwar durchgehend markiert, Karte, Kompass oder eine Offline-Karte auf dem Handy gehören trotzdem ins Gepäck. Was sonst noch mitmuss, steht in unserer Packliste für Schottland.
Wann ist die beste Zeit und wie schlimm sind die Midges?
Die beste Zeit für den West Highland Way liegt zwischen Mai und September. Der Mai ist der beliebteste Monat, die Tage sind lang und die Midges noch selten, dafür sind die Unterkünfte stark gefragt. Frühling und Herbst sind ruhiger und landschaftlich besonders schön, wenn Birken, Farn und Heide ihre Farben zeigen.
Die Midges, winzige Stechmücken, sind von Mai bis September unterwegs, am lästigsten von Juni bis August. Sie stechen vor allem in der Dämmerung, an feuchten Stellen und bei Windstille; schon eine leichte Brise hält sie fern. Gegen sie helfen ein gutes Mückenmittel, ein Kopfnetz und lange, helle Kleidung. Gefährlich sind die Stiche nicht, aber sie jucken. Alles über Schutz und Hotspots erklärt unser Ratgeber zu den Midges in Schottland.
Mit Regen musst du in jeder Jahreszeit rechnen, im Westen der Highlands häufig mehrere Tage am Stück. Gute Regenkleidung und eingelaufene, wasserdichte Schuhe sind wichtiger als jedes andere Ausrüstungsteil. Im Winter ist der Weg grundsätzlich begehbar, aber viele Unterkünfte haben geschlossen, die Tage sind kurz und im Norden liegt oft Schnee.
Wo übernachte ich unterwegs und wie funktioniert der Gepäcktransport?
Entlang des Weges findest du Hotels, Inns, B&Bs, Bunkhouses und Campingplätze. Historische Gasthäuser wie das Inveroran Hotel oder das Kingshouse Hotel am Rand des Rannoch Moor sind seit Jahrhunderten Rastpunkte für Reisende. In manchen Abschnitten ist das Angebot jedoch klein. Buche deshalb früh, im Mai und Sommer am besten Monate im Voraus. Ist ein Ort ausgebucht, kannst du mit Bus oder Bahn zu einer Unterkunft an der vorherigen Etappe zurückfahren. Einen Überblick über Unterkunftsarten in Schottland gibt unser Ratgeber Unterkünfte in Schottland.
Wildcampen ist nach dem Scottish Outdoor Access Code grundsätzlich erlaubt: in kleinen Gruppen, mit leichtem Zelt, höchstens zwei oder drei Nächte am selben Ort und ohne Spuren zu hinterlassen. Im Nationalpark Loch Lomond and The Trossachs gelten aber von März bis September besondere Campingregeln. Am Ostufer des Loch Lomond darfst du in dieser Zeit nur mit Genehmigung oder auf ausgewiesenen Plätzen zelten, Feuer sind dort streng geregelt. Koch am besten mit dem Gaskocher; Kartuschen gibt es in Milngavie.
Wer nicht den ganzen Rucksack tragen möchte, bucht einen Gepäcktransport. Mehrere Anbieter holen dein Gepäck jeden Morgen an der Unterkunft ab und bringen es zur nächsten, sodass du nur mit Tagesrucksack wanderst. Viele Reiseveranstalter bieten auch komplette Pakete mit gebuchten Unterkünften und Gepäcktransport an. Vergleiche die Bedingungen, etwa Gewichtsgrenzen und Abholzeiten, und gib jeder Unterkunft Bescheid, dass Gepäck geliefert wird.
Wie komme ich nach Milngavie und von Fort William zurück?
Milngavie liegt am nördlichen Stadtrand von Glasgow und ist mit Zügen und Bussen aus der Innenstadt schnell erreichbar. Der Startpunkt liegt nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt. Wer mit dem Auto kommt, kann es Stand 2026 kostenlos am Bahnhof Milngavie parken; einen eigenen Wanderparkplatz gibt es nicht. Alternativ kannst du an der Polizeiwache parken, wenn du dort dein Kennzeichen, deine Pläne und eine Notfallnummer hinterlegst. Flughäfen gibt es in Glasgow und Edinburgh, Infos zu Flügen und Zügen bietet unser Ratgeber zur Anreise nach Schottland.
Von Fort William fährt die Bahn über die West Highland Line zurück nach Glasgow, eine landschaftlich großartige Fahrt über das Rannoch Moor. Daneben verkehren Fernbusse von Citylink, die auch an Orten entlang des Weges wie Crianlarich, Tyndrum, Bridge of Orchy und Glen Coe halten, sowie ein Elektrobus nach Edinburgh. Fahrpläne findest du bei Traveline Scotland.
Viele krönen die Tour mit einem Tag Pause und dem Aufstieg auf den Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens direkt über Fort William. Wer weiterwandern möchte, kann in Fort William auf den Great Glen Way nach Inverness wechseln.
Wie lang ist der West Highland Way?
Offiziell 96 Meilen, das sind rund 154 Kilometer von Milngavie nach Fort William. Ältere Angaben schwanken etwas, weil der Weg im Lauf der Jahre an einigen Stellen verlegt wurde.
Wie viele Menschen gehen den West Highland Way?
Rund 45.000 Menschen gehen jedes Jahr die gesamte Strecke, etwa ebenso viele wandern einzelne Abschnitte. Damit ist er der beliebteste Fernwanderweg Schottlands. Entsprechend früh sind Unterkünfte in der Hauptsaison ausgebucht.
Kann ich den West Highland Way ohne Erfahrung gehen?
Ja, wenn du fit bist und mehrere Tage hintereinander wandern kannst. Der Weg ist gut markiert und führt regelmäßig durch Orte. Plane genug Zeit für die raue Etappe am Nordufer von Loch Lomond ein.
Darf ich mit Hund auf den West Highland Way?
Ja, Hunde sind willkommen, wenn sie unter Kontrolle sind. In der Brutzeit von April bis Juli und in der Nähe von Weidetieren gehören sie an die kurze Leine. Am Conic Hill gibt es während der Lammzeit eine Umleitung für Hundebesitzer.
In welche Richtung gehe ich den Weg?
Üblich ist die Richtung von Süd nach Nord, von Milngavie nach Fort William. So steigert sich die Landschaft von Tag zu Tag, und die Highlights Rannoch Moor, Glen Coe und Ben Nevis kommen zum Schluss.
Von den Lowlands in die Highlands
Sieben Tage, ein Weg und die ganze Bandbreite schottischer Landschaft: Der West Highland Way ist der Klassiker unter den Fernwanderungen.
Passend dazu: unsere Packliste für Schottland, der Überblick über Unterkünfte in Schottland und der Zielort Fort William am Ben Nevis.
Passend dazu: Great Glen Way.
