Der Great Glen Way ist ein rund 75 Meilen (120 km) langer, markierter Fernwanderweg von Fort William nach Inverness. Er folgt dem Great Glen mit Loch Lochy, Loch Oich und Loch Ness und dem Caledonian Canal, ist überwiegend flach und lässt sich in vier bis sieben Tagen gehen.
Der Great Glen Way ist einer von Schottlands Great Trails und führt von Fort William im Südwesten nach Inverness im Nordosten durch die größte geologische Verwerfung des Landes. Er gilt als der zugänglichste Fernwanderweg der Highlands: Meist läuft man auf Kanal-Treidelpfaden, Forstwegen und kleinen Straßen. Dieser Ratgeber beschreibt die sechs Etappen mit den Entfernungen aus der Wegbeschreibung der Highland Council, zeigt dir die Varianten und Hinweise und erklärt die Anreise.
Wer lieber eine zweite Route kombinieren will, findet im Beitrag zum West Highland Way einen weiteren Klassiker unter den schottischen Fernwanderwegen. Berge für Fortgeschrittene stehen im Überblick über Wandern und Munros.
| Länge | rund 75 Meilen / 120 km |
|---|---|
| Richtung | Fort William bis Inverness (auch umgekehrt möglich) |
| Dauer | 4 bis 7 Tage |
| Etappen | 6 Hauptabschnitte, 7,3 bis 18,8 Meilen |
| Höchster Punkt | 434 m (Hochroute bei Abriachan) |
| Charakter | überwiegend flach, Kanal, Forst, Straße; einige anspruchsvolle Abschnitte |
| Midges | am schlimmsten von Juni bis September |
Fragen, die wir beantworten
- Wie verläuft der Great Glen Way von Fort William nach Inverness?
- Wo sind die Hoch- und Tiefrouten und welche Variante nehme ich?
- Welche Hinweise und Umleitungen gelten unterwegs?
- Wie ist es mit Dauer, Midges und Hunden?
- Wo kann ich zelten, einkaufen und welche Tiere sehe ich?
- Wie komme ich zum Great Glen Way und zurück?
Wie verläuft der Great Glen Way von Fort William nach Inverness?
Der Weg beginnt oder endet im Gelände des Old Fort in Fort William, dem Ort, der dem Fort seinen Namen verdankt. Er folgt über weite Strecken dem Caledonian Canal des Ingenieurs Thomas Telford, der 1822 eröffnet wurde. Für den Weg gelten diese Etappen, wie sie die Highland Council angibt:
- Fort William bis Gairlochy, 10,5 Meilen (17 km): vom Old Fort am Loch Linnhe entlang nach Corpach, wo der Weg auf den Kanal-Treidelpfad trifft. Eben und glatt, ein guter Einstieg. Auf dem Kanal siehst du Neptune’s Staircase, die längste Schleusentreppe des Kanals, Viadukte und die handbetriebene Drehbrücke aus der Bauzeit.
- Gairlochy bis South Laggan (Laggan Locks), 12,8 Meilen (20,7 km): entlang Loch Lochy auf Nebenstraßen und Forstwegen. Das Pepperpot Lighthouse markiert, wo der Kanal in den See mündet.
- Laggan Locks bis Fort Augustus, 12,1 Meilen (19,5 km): an Loch Oich, dem kleinsten der großen Seen, auf einer ehemaligen Bahntrasse, die bis 1947 genutzt wurde. Du siehst den Well of the 7 Heads und die Ruine von Invergarry Castle, einst Sitz der MacDonells of Glengarry.
- Fort Augustus bis Invermoriston, 7,3 Meilen (11,7 km): der kurze Abschnitt mit einer Hoch- und einer Tiefroute (7,5 Meilen / 12,2 km über die Hochroute).
- Invermoriston bis Drumnadrochit, 13,7 Meilen (22 km): wieder mit zwei Optionen; die Hochroute erreicht mit 420 m den zweithöchsten Punkt des Weges.
- Drumnadrochit bis Inverness, 18,8 Meilen (30,2 km): die längste Etappe zwischen größeren Orten, daher oft in Abriachan geteilt. Das Ziel liegt am Inverness Castle.
Zusammen ergeben die sechs Etappen rund 75 Meilen. Wer in Fort William startet, findet dort die letzten Supermärkte und Läden für Proviant; für die Rückreise am Ende fahren regelmäßig Züge und Busse zwischen Fort William und Glasgow, und es gibt Busverbindungen nach Inverness. Der erste Abschnitt ist eben und glatt und deshalb ein gutes Warm-up für die späteren Etappen.
Wo sind die Hoch- und Tiefrouten und welche Variante nehme ich?
Zwischen Fort Augustus und Inverness bietet der Weg gleich dreimal die Wahl zwischen einer niedrigen und einer hohen Route.
Bei Fort Augustus klettert die Hochroute rund einen Kilometer steil über die Baumgrenze und gibt den Blick auf die gesamte Great Glen frei; sie ist etwas mehr als eine Meile länger. Die Tiefroute bleibt flacher, bietet aber Ausblicke auf Loch Ness und führt durch „Acquisition Number 1″, den ersten Standort, den die Forestry Commission in Schottland bepflanzte, mit mächtigen Douglasien und Sitka-Fichten. Bei Invermoriston führt die Hochroute auf 420 m, mit Blick über Glen Moriston und Loch Ness; unterwegs liegen der View-Catcher und die Fairy Bridge. Die Tiefroute verläuft über Forstwege und schließt den Zugang zu Unterkünften in Alltsigh ein; dort steht auch der Stone Cave, ein Unterschlupf, den man im 19. Jahrhundert für eine Wäscherin baute, die zur Arbeit in die Invermoriston Arms ging.
Bei Abriachan trennen sich die Routen erneut: Die Tiefroute steigt nur bis 380 m und folgt 1,8 Meilen (2,9 km) Forstweg und eignet sich für Radfahrer und Reiter. Die Hochroute führt auf 434 m, den höchsten Punkt des Weges, und folgt 2,5 Meilen (4,1 km) auf Fußpfaden. Von dort siehst du Ben Wyvis im Norden und Meall Fuar-mhonaidh im Südwesten; bei klarer Sicht ist Loch Ness mit der Landzunge von Dores Beach zu erkennen. Anschließend folgt der Weg einem alten Viehtreiberpfad („Drove Road“), und am Ende führt er durch die Ness Islands und am River Ness entlang bis zur Burg.
Welche Hinweise und Umleitungen gelten unterwegs?
Der Great Glen Way wird laufend gepflegt, deshalb lohnt vor der Abreise ein Blick auf die Hinweise der Wegbetreiber. Zwei Dauerhinweise nennt die Highland Council:
- Am Loch Lochy gibt es eine Umleitung wegen des Coire-Glas-Wasserkraftprojekts, die laut Beschreibung bis etwa 2030 bestehen bleibt. Sie verlängert die Strecke nur um 600 Meter und führt auf einem gut gebauten Zickzackpfad bergauf.
- Hinter Invermoriston ersetzt ein neuer Pfad fast den gesamten früheren Straßenabschnitt. Ein kurzes Stück verläuft weiter auf der öffentlichen Straße; dort ist Aufmerksamkeit nötig.
Weitere Vorsicht gilt an Straßen: Bei South Laggan verläuft die Siedlung an der Hauptstraße ohne Gehweg bei erlaubten 60 mph, und hinter Drumnadrochit führt der Weg rund eine Meile am Gehweg der stark befahrenen A82 entlang. Auch dort gilt Tempo 60. Eine Kilometerzählung gibt es nicht: Es sind keine Meilensteine aufgestellt; die Entfernungstabelle der Wegbetreiber hilft beim Orientieren. Der Invergarry Link ist ein Zusatzstück von etwa vier Meilen, falls du in Invergarry übernachtest, dort gibt es Unterkunft, Post und einen kleinen Laden mit Tankstelle.
Wie ist es mit Dauer, Midges und Hunden?
Die Betreiber nennen vier bis sieben Tage als Dauer und sagen, der Weg eigne sich für alle Wanderniveaus. Midges sind am schlimmsten von Juni bis September, aber das hängt von Jahr und Wetter ab; mehr dazu in unserem Ratgeber Midges in Schottland. Tiere in Wald und Weide beachten: Hunde sind laut Scottish Outdoor Access Code auf allen Abschnitten willkommen, müssen aber unter Kontrolle bleiben und in Gebieten mit Schafen und Lämmern an die Leine. Die Lammzeit dauert dort vom 1. April bis zum 31. Mai.
Wo kann ich zelten, einkaufen und welche Tiere sehe ich?
Camping folgt dem „Leave no trace“-Prinzip: Es gibt kommerzielle Campingplätze im ganzen Great Glen und kostenlose Zeltplätze von Scottish Canals am Caledonian Canal. Sonstiges Zelten soll weit von Siedlungen, Straßen und Trinkwasserquellen stattfinden. Große Supermärkte gibt es nur in Fort William und Inverness, kleinere Läden, Postämter und Tankstellen unterwegs. Wer sich auf Proviant verlässt, prüft die Route vorab. Tiere am Weg sind Fischadler, Steinadler, Rotmilan, Baummarder und Rotwild.
Wie komme ich zum Great Glen Way und zurück?
Fliegen kannst du nach Inverness, Glasgow, Aberdeen, Edinburgh oder Glasgow Prestwick. Inverness erreichst du per Bus aus Glasgow und Edinburgh sowie per Bahn aus Glasgow, Edinburgh und Aberdeen. Fort William ist per Bus und Zug ab Glasgow erreichbar. Zwischen Inverness und Fort William gibt es keine direkte Zugverbindung, aber einen Bus, der alle Dörfer im Great Glen bedient. Details zu den Verbindungen listet Traveline Scotland. Mehr zur Anreise findest du in unserem Ratgeber Anreise nach Schottland.
Die Orte am Weg haben unterschiedliche Infrastruktur. Fort William bietet Supermärkte und Läden, Fort Augustus viele Unterkünfte, Läden, Pubs, Restaurants, ein Postamt und eine Arztpraxis; Invermoriston einen kleinen Laden mit Post, Unterkunft und Cafés; Drumnadrochit mehrere Geschäfte, einen kleinen Supermarkt, Post, Apotheke und Arztpraxis; Inverness ein Krankenhaus sowie Bahn- und Busbahnhof. Die Ziele Fort William und Inverness stellen wir im eigenen Ratgeber vor, und für Loch Ness gibt es den Beitrag Loch Ness.
Wie lang ist der Great Glen Way?
Rund 75 Meilen beziehungsweise 120 km von Fort William nach Inverness. Die sechs Etappen reichen von 7,3 bis 18,8 Meilen.
Wie viele Tage braucht man?
Die Betreiber nennen vier bis sieben Tage; die Wegbeschreibung gliedert den Weg in sechs Etappen.
Ist der Great Glen Way schwer?
Er ist überwiegend flach und folgt Kanal, Forstwegen und Straßen, hat aber einige anspruchsvolle Abschnitte, vor allem die Hochrouten bei Fort Augustus, Invermoriston und Abriachan.
Gibt es eine Direktbahn Inverness–Fort William?
Nein. Zwischen beiden Orten fährt aber ein Bus, der alle Dörfer im Great Glen bedient.
Wo darf man zelten?
Es gibt Campingplätze und kostenlose Zeltplätze von Scottish Canals am Caledonian Canal; sonstiges Zelten soll weit von Siedlungen, Straßen und Wasserquellen stattfinden.
Fort William und Umgebung
Der Great Glen Way beginnt im Schatten des Ben Nevis. Plane dort auch Zeit für den Berg und die Stadt ein.
