Orkney-Inseln

Orkney-Inseln

Die Orkney-Inseln nördlich des schottischen Festlands sind ein Archipel voller Geschichte: Das UNESCO-Welterbe „Heart of Neolithic Orkney“ mit Skara Brae, Ring of Brodgar und Maeshowe ist älter als Stonehenge. Dazu kommen die Domstadt Kirkwall, der Kriegshafen Scapa Flow und eine reiche Vogelwelt.

Rund zehn Kilometer vor der Nordküste Schottlands beginnt eine ganz eigene Welt: Orkney, ein Archipel aus rund 70 Inseln, von denen etwa 20 bewohnt sind. Wer die kurze Fährüberfahrt hinter sich bringt, betritt eine sanft gewellte, fast baumlose Landschaft aus grünen Weiden, Klippen und weiten Himmeln – und stößt auf Schritt und Tritt auf Spuren einer 5.000 Jahre alten Vergangenheit. Orkney war lange kein abgelegener Rand, sondern ein Zentrum: erst der Steinzeit, dann der Wikinger, die die Inseln über Jahrhunderte von Norwegen aus regierten. Diese Mischung aus uraltem Erbe, nordischem Charakter und rauer Inselnatur macht Orkney zu einem der lohnendsten und zugleich stillsten Ziele im Norden Schottlands. Weitere Ziele im Norden zeigt der Hub Regionen.

LageArchipel nördlich des schottischen Festlands, jenseits des Pentland Firth
Inselnrund 70 Inseln, davon etwa 20 bewohnt; Hauptinsel „Mainland“
HauptortKirkwall mit der St-Magnus-Kathedrale; zweiter Ort: Stromness
UNESCO-Welterbe„Heart of Neolithic Orkney“ seit 1999: Skara Brae, Ring of Brodgar, Standing Stones of Stenness, Maeshowe
Beste ReisezeitMai bis August; lange Tage, brütende Seevögel, mildes Klima
AnreiseFähre ab Scrabster (bei Thurso) oder Gills Bay; Flug ab Inverness, Aberdeen, Edinburgh
Aufenthalt2 bis 4 Tage für die Höhepunkte der Hauptinsel

Was macht das „Heart of Neolithic Orkney“ so einzigartig?

Im Herzen der Hauptinsel liegen auf engem Raum vier der bedeutendsten jungsteinzeitlichen Denkmäler Europas, die seit 1999 gemeinsam als UNESCO-Welterbe „Heart of Neolithic Orkney“ geschützt sind. Das Erstaunliche: Diese Bauwerke sind rund 5.000 Jahre alt und damit älter als die Pyramiden von Gizeh und als Stonehenge. Der Ring of Brodgar ist ein gewaltiger Steinkreis mit ursprünglich 60 aufrecht stehenden Steinen, von denen noch 27 die Heidelandschaft zwischen zwei Lochs überragen – ein Ort von großer Stille und Wucht. Nur wenige Gehminuten entfernt stehen die noch älteren Standing Stones of Stenness, deren wenige, aber bis zu sechs Meter hohe Monolithen zu den ältesten Steinkreisen Großbritanniens zählen. Zwischen beiden liegt der Ness of Brodgar, eine erst seit wenigen Jahren erforschte Tempelanlage, die das Bild vom „Rand der Welt“ endgültig widerlegt: Orkney war ein spirituelles Zentrum der Steinzeit. Weitere herausragende Bauwerke Schottlands sammelt der Hub Sehenswürdigkeiten.

Warum ist Skara Brae so besonders gut erhalten?

Das vierte und vielleicht berührendste Monument ist Skara Brae, ein komplettes steinzeitliches Dorf an der Bucht von Skaill an der Westküste. Ein schwerer Sturm legte die Siedlung 1850 nach Jahrtausenden im Sand frei – und offenbarte ein Ensemble aus acht miteinander verbundenen Steinhäusern, das so gut erhalten ist, dass man in jedem Raum die steinernen Betten, Regale und Feuerstellen erkennt. Weil auf den baumarmen Inseln fast alles aus Stein gebaut wurde, überdauerte hier das Mobiliar, das anderswo aus vergänglichem Holz bestand. Man blickt gewissermaßen in ein steinzeitliches Wohnzimmer und versteht plötzlich, wie nah uns diese Menschen waren. Ein modernes Besucherzentrum mit einem nachgebauten Haus macht den Alltag vor 5.000 Jahren greifbar. Skara Brae, Maeshowe und die Steinkreise lassen sich gut an einem einzigen, dicht gepackten Tag verbinden, weil sie alle im selben zentralen Teil der Hauptinsel liegen.

Was erlebe ich in Kirkwall und der St-Magnus-Kathedrale?

Kirkwall, der Hauptort Orkneys, ist eine lebendige kleine Stadt mit gepflasterten Gassen, Werkstätten und dem alles überragenden roten Sandsteinbau der St-Magnus-Kathedrale. Sie wurde ab 1137 von den nordischen Grafen errichtet und gilt als der „Dom des Nordens“ – ein romanisch-gotisches Meisterwerk, das die enge Verbindung Orkneys zur Wikingerwelt bezeugt. Benannt ist sie nach dem heiligen Magnus, einem Grafen, dessen Gebeine bis heute in einem Pfeiler ruhen. Gleich daneben stehen die Ruinen des Bishop’s Palace und des prächtigen Earl’s Palace, eines der schönsten Renaissancegebäude Schottlands. Kirkwall ist außerdem der beste Ort, um den maritimen Charakter der Inseln zu spüren: Im Hafen liegen Fähren und Fischerboote, in den Läden gibt es Orkney-Whisky, Silberschmuck mit nordischen Mustern und den kräftigen Inselkäse. Von hier stammt auch der berühmte Highland Park, eine der nördlichsten Whisky-Destillerien der Welt.

Was hat es mit Scapa Flow auf sich?

Der weite, von Inseln umschlossene Naturhafen Scapa Flow im Süden Orkneys ist einer der geschichtsträchtigsten Ankerplätze Europas. In beiden Weltkriegen diente er als Hauptstützpunkt der britischen Kriegsflotte. Sein berühmtestes Kapitel schrieb sich 1919, als die internierte deutsche Kaiserliche Hochseeflotte sich hier selbst versenkte – über 50 Kriegsschiffe gingen unter. Die Wracks, die nicht gehoben wurden, machen Scapa Flow bis heute zu einem der weltbesten Tauchreviere. Nach einem verheerenden U-Boot-Angriff ließ Winston Churchill die östlichen Zufahrten mit den Churchill Barriers versperren, Dämmen, über die heute die Straße zu den Südinseln führt. Ein bewegendes Zeugnis dieser Zeit ist die Italian Chapel: Italienische Kriegsgefangene verwandelten zwei schlichte Wellblechbaracken mit Farbe, Beton und viel Kunstfertigkeit in eine kunstvoll bemalte katholische Kapelle – ein kleines Wunder aus dem Nichts und eines der anrührendsten Denkmäler der Inseln.

Welche Natur- und Inselerlebnisse lohnen sich noch?

Orkney ist ein Paradies für alle, die weite Landschaften und Vögel lieben. An der wilden Westküste türmen sich bei Yesnaby und am spektakulären Felsturm Old Man of Hoy hunderte Meter hohe Klippen auf, an denen im Frühsommer Tausende Seevögel brüten – von Papageitauchern bis zu Basstölpeln. Die Insel Hoy mit ihren Bergen bildet einen rauen Gegenpol zur sanften Hauptinsel. Wer Zeit hat, nimmt eine kleine Fähre zu den Nordinseln wie Westray oder Sanday mit ihren menschenleeren, kilometerlangen weißen Sandstränden. Überall stößt man auf weitere archäologische Schätze, etwa das eisenzeitliche Broch of Gurness oder die Grabkammer Tomb of the Eagles. Und weil Orkney so weit im Norden liegt, sind im Winter mit etwas Glück sogar die Nordlichter zu sehen, die man hier „Mirrie Dancers“ nennt. Für Reisende, die anschließend das Festland erkunden wollen, bietet sich die Region der Scottish Highlands als natürliche Fortsetzung an.

Wie komme ich nach Orkney?

Orkney ist einfacher erreichbar, als seine Lage vermuten lässt. Die meisten Reisenden kommen mit der Fähre: Die klassische Route führt von Scrabster bei Thurso an der Nordküste des Festlands nach Stromness und dauert rund 90 Minuten – auf dieser Überfahrt zieht der markante Old Man of Hoy vorbei. Etwas kürzer und günstiger ist die Fähre ab Gills Bay nach St Margaret’s Hope. Beide Häfen erreicht man über die Nordschleife der Traumstraße North Coast 500. Wer schneller ans Ziel will, fliegt: Loganair verbindet Kirkwall mit Inverness, Aberdeen, Edinburgh und Glasgow in weniger als einer Stunde. Auf den Inseln selbst ist ein Mietwagen die praktischste Wahl, weil die Denkmäler über die Hauptinsel verteilt sind; für die kleineren Inseln gibt es ein gut getaktetes Netz aus Insel-Fähren und Kleinflugzeugen – darunter der berühmte Zwei-Minuten-Flug zwischen Westray und Papa Westray, der kürzeste Linienflug der Welt.

Wie viele Tage brauche ich und wann ist die beste Reisezeit?

Für die Höhepunkte der Hauptinsel – das neolithische Welterbe, Kirkwall und Scapa Flow – solltest du mindestens zwei volle Tage einplanen, besser drei bis vier, wenn du auch nach Hoy oder auf die Nordinseln übersetzen willst. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und August: Dann sind die Tage extrem lang, im Hochsommer wird es kaum richtig dunkel (die Orcadier nennen diese Dämmerung „Simmer Dim“), und an den Klippen brüten die Seevögel. Das Klima ist dank des Golfstroms milder als die nördliche Lage erwarten lässt, aber der Wind ist ein ständiger Begleiter – winddichte Kleidung ist wichtiger als eine dicke Jacke. Der Frühherbst lockt mit ruhigeren Denkmälern, der Winter mit der Chance auf Nordlichter und dem Sonnenwend-Erlebnis in Maeshowe. Wer seine Reise sorgfältig plant, findet Hinweise zu Jahreszeiten, Fähren und Mietwagen im Hub Reiseplanung.

Ist Orkney älter als Stonehenge?

Ja. Die Kernbauten des „Heart of Neolithic Orkney“ – Skara Brae, die Standing Stones of Stenness und Maeshowe – entstanden vor rund 5.000 Jahren und sind damit älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden. Orkney war in der Steinzeit ein bedeutendes Zentrum, kein abgelegener Rand.

Wie lange dauert die Fähre nach Orkney?

Von Scrabster bei Thurso nach Stromness sind es etwa 90 Minuten, von Gills Bay nach St Margaret’s Hope rund eine Stunde. Alternativ fliegt Loganair aus Inverness, Aberdeen oder Edinburgh in unter einer Stunde nach Kirkwall.

Brauche ich auf Orkney ein Auto?

Für die Hauptinsel ist ein Mietwagen die praktischste Wahl, weil die Denkmäler weit verstreut liegen. Zu den kleineren Inseln verkehren Insel-Fähren und Kleinflugzeuge; einige Höhepunkte lassen sich auch mit geführten Tagestouren ab Kirkwall erreichen.

Was ist die Italian Chapel?

Italienische Kriegsgefangene verwandelten im Zweiten Weltkrieg zwei Wellblechbaracken in eine kunstvoll bemalte katholische Kapelle. Sie steht an den Churchill Barriers südlich von Kirkwall und gilt als eines der anrührendsten Denkmäler der Inseln.

Kann man auf Orkney Papageitaucher sehen?

Ja. Von etwa Mai bis Anfang August brüten an den Klippen der Westküste, bei Yesnaby und am Old Man of Hoy, große Seevogelkolonien mit Papageitauchern, Basstölpeln und Trottellummen. Fernglas und Windschutz gehören ins Gepäck.

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