Das Stammessystem der Clans geht vermutlich auf die keltischen Vorfahren der
Schotten zurück.
Das Wort leitet sich vom Gälischen her und bedeutet Abkömmlinge, Familie oder Stamm.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Clans wurde vor allem durch die
Unabhängigkeitskriege (1296-1314) erzeugt. Die 21 Clans, die sich damals um Robert
Bruce auf dem Schlachtfeld von Bannockburn versammelten, hatten ein gemeinsames
Ziel: Die Freiheit des schottischen Volkes von jeglicher Fremdherrschaft. Doch die
Gewinner durften sich auch der großzügigen Verteilung von Ländereien und Titeln
sicher sein; die Besiegten wurden vertrieben. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts
hatten sich die meisten Clans etabliert.
In der Regel führen die Mitglieder eines Clans ihre Abstammung auf einen
gemeinsamen Ahnherren zurück, der den Clan gegründet hat und ihm seinen Namen gab.
„Mac“ oder „Mc“ ist vielen schottischen Familiennamen vorangestellt und bedeutet
soviel wie „Sohn von“ (vergleichbar etwa mit dem Namenszusatz „Ben“ oder „Bin“, der
bei den semitischen Völkern gebräuchlich ist). Manche Clans tragen auch den Namen
ihres Heimatgebiets. Der Geschichtsschreibung zufolge bildeten sich die Clans in den
schottischen Highlands zur Abwehr der einfallenden Normannen. Vermutlich aber auch gegen die
vordrängenden Angelsachsen im Südosten der britischen Insel.
Oberhaupt eines Clans war der Chief. Er war sowohl oberster Kriegsherr als auch
Richter. Er garantierte den Mitgliedern des Clans Schutz, die ihrerseits im Falle
der recht häufigen Streitigkeiten mit Nachbar-Clans mit ihm in die Schlacht zogen,
ebenso wenn der König im Kriegsfalle die Clan-Aufgebote bestellte.
Die nächste wichtige Person im Clan-Gefüge war der Wahlerbe. Er hatte die
Clan-Interessen für die Zukunft zu wahren. Im Falle von Nachfolgestreitigkeiten
entschied er, wer der neue Chief werden sollte. Dies konnte auch durchaus bedeuten,
dass ein fähiger Krieger oder Anführer den Vorzug vor dem direkten Erben erhielt.
Der Clan setzte sich aus Blutsverwandten des Clan-Chiefs als auch Fremden zusammen,
die sich unter den Schutz des Clans stellten.
Erreichte ein Clan eine gewisse Größe, wurde er in Zweige eingeteilt, die von
Söhnen des Clan-Chiefs oder anderen wichtigen Personen des Clans geführt wurden. Die
Herrschaft des Chiefs über den gesamten Clan berührte dies jedoch nicht. Um den
Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu stärken, wurden z. B. die eigenen Kinder
bei Pflegefamilien untergebracht, um das Gefühl der Loyalität gegenüber dem Clan
über die familiäre Bindung zu stellen. Einem Clan anzugehören, hieß nicht nur, in
ein soziales Netz eingebunden zu sein, sondern beinhaltete auch die Zahlung von
Abgaben und die Pflicht zum Kriegsdienst für den Herrn.
Aufsplitterungen und Zerwürfnisse, von denen es zahllose Berichte gibt, waren
innerhalb der Clan-Gruppierungen die Regel. Die einzige Zeit, in der eine wirklich
beträchtliche Anzahl von Clans zusammenwirkte und an einem Strang zog, war während
der Unterstützung der Stewart-Dynastie im .18. Jahrhundert
Die ständig schwelenden Clan-Streitigkeiten, oftmals Jahrhunderte alt,
schwächten zuweilen die Streitmächte. Es wurde eifersüchtig darauf acht gegeben,
dass erhaltene Privilegien des Clans auch gewahrt wurden. So wurde die Kampfkraft
und Moral der Truppe bei der ohnehin schon fast aussichtslosen Schlacht von Culloden
noch dadurch unterwandert, dass der Clan der Stewarts die rechte Flanke der Front
zugeteilt bekam. Dieses Privileg stand jedoch seit der Schlacht am Bannockburn 1314
den MacDonalds zu.
Als Folge der Niederlage von Culloden 1746 wurden alle Zeichen der
Zugehörigkeit zu den Hochland-Clans, wie das Tragen des Kilts und das Spielen des
Dudelsacks untersagt. Viele der beteiligten Clans wurden von ihrem Land vertrieben.
Dies bedeutete den Niedergang des überlieferten Systems. Der Einfluss des
Feudalsystems breitete sich auch über das Hochland aus. Die auf den angestammten
Gebieten sesshaften Clan-Mitglieder waren nun in den Augen vieler Clan-Chiefs nicht
mehr Schutzbefohlene, sondern unwirtschaftliche Pächter.
Unterschieden wird zwischen drei verschiedenen Kategorien von Clans. Zur
wichtigsten Gruppe gehörten die Clans der Campbells, der MacDonalds, der Gordons und
vielleicht noch der Chattans und MacKenzies, die über große Gebiete herrschten. Sie
alle zerschlugen kleinere Clans oder übernahmen sie mitsamt ihren Ländereien
entweder mit Gewalt, durch Einheirat oder geschicktes politisches Taktieren. Darüber
hinaus hatten sie oft auch auf nationaler Ebene großen politischen Einfluss.
Die zweite Kategorie mit etwas weniger Einfluss waren die Frasers, die Gunns,
die MacPhersons, die MacLachlans, die MacLeans und die MacLeods. Dazu gehörten
ebenfalls kleine Familiengruppen wie der Kennedy-Clan.
Schließlich gab es Clans, die Titel oder Namen hatten, beispielsweise „Clan
der Nacht” (die Morrisons von Mull), „Clan der Briten” (die Galbraith-Familie von
Gigha) oder der „Clan der Kinder Raigns” (die Rankins).
Generell sind die Clans mit dem Hochland und den Inseln verbunden und nur zu
einem geringeren Teil mit Zentralschottland, wo solche Verwandtschaftsgruppen schon
sehr früh durch das Feudalsystem verdrängt worden.
Als Schottland und England längst unter der britischen Krone vereint und die Lowlands
befriedet waren, verschanzten sich einige Clans immer noch im unwegsamen Bollwerk
des Hochlandes.
Nach dem letzten Jakobiter-Aufstand von 1746 und der Schlacht von Culloden
waren die Hochländer vernichtet, und ihre Streitkraft wurde mit dem neuen
Entwaffnungsgesetz endgültig gebrochen. Zusätzlich zur Niederlage wurde die
Hochlandkultur, das Sozialgefüge und das Clan-Wesen mit Gesetzesmitteln zerschlagen.
Für das schottische Tiefland war die Auslöschung des Hochlandwiderstands eine
Erleichterung.
Bis zur Auflösung des Clan-Wesens im Hochland war Schottland in zwei Nationen geteilt: Die eine war kommerziell ausgerichtet und bemühte
sich, englische Gepflogenheiten anzunehmen, die andere war landwirtschaftlich
orientiert, in weiten Teilen gegen die südlichen Nachbarn eingestellt und machte aus
ihrem keltischen Temperament kein Hehl.
Die Clans leben heute nur noch in den historischen Dimensionen und inspirieren
Buchautoren und Filmemacher. Zum Zeitpunkt ihrer endgültigen Niederlage waren sie
aus der Sicht der Tiefländer längst eine wirtschaftliche und soziale Belastung
geworden und stellten das Volk vor eine Zerreißprobe. Doch für die Menschen des
Hochlands bedeutete die Aufhebung der alten Ordnung den tragischen und
unwiederbringlichen Verlust eines wichtigen Elements ihrer Kultur.
Nach der Schlacht von Culloden flohen viele Clan-Chiefs und Familien ins
Ausland. Die Folgen der daraus resultierenden Umverteilung der Ländereien an
zugewanderte Hochländer waren das Desinteresse der neuen Herren an dem Sozialgefüge
der jeweils lokalen Clans und stattdessen die Durchsetzung eigener
Wirtschaftsinteressen, die Verbreitung der Beweidung durch Schafe im großen Stil und
die Vertreibung der auf dem Land lebenden Bevölkerung.
Das größte Problem lag nunmehr in der Verantwortung der Landherren für die Bevölkerung auf ihrem Land. Das alte Clan-System war gestorben, und selbst dort, wo die
Chiefs das Land noch besaßen, konnten sie die durch Zuwanderung gewaltig gewachsene
Bevölkerung nicht mehr ernähren. Die verbliebenen alten Clan-Chiefs und Familienoberhäupter
fühlten sich trotzdem noch verantwortlich für die auf ihrem Grund lebenden Menschen
und saßen damit in einer Zwickmühle.
Auf den riesigen Weideflächen, die einst erträglich genug waren, Rinder zu
mästen und Getreide anzubauen, wurden bald Schafe gehalten, die den Landherren
schnelle und bessere Profite brachten. Die Clan-Mitglieder wurden oft gewaltsam von
ihrem Pachtgrund vertrieben. Hütten, die nicht freiwillig geräumt wurden, steckten
Verwalter in Brand. Zehntausende wanderten nach Nordamerika, Australien und
Neuseeland aus.